SoKo-Erklärung zur aktuellen Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst

Ihr seid es wert!

[vom Arbeitsausschuss der Sozialistischen Kooperation (SoKo), Köln 27. März 2012]

Jahrzehntelanger Personalabbau und Lohnstagnation bei steigenden Belastungen können nicht mehr weiter hingenommen werden. Weit über 200 000 Kolleginnen und Kollegen machten das der Öffentlichkeit in den letzten Tagen mit landesweiten Streiks und Demonstrationen drastisch deutlich.

Dass eine Mehrheit der Bevölkerung, also die Arbeitenden der anderen Branchen, diese Streikwelle befürwortet, zeigt deutlich, dass es sich hier nicht nur um die Probleme des Öffentlichen Dienstes handelt. Eine Ausweitung der Mobilisierung in einer großen gewerkschaftlichen Kampagne wäre also durchaus möglich.

Im Vorfeld der erneuten Verhandlungen am Mittwoch riskierte der Verhandlungsführer der Kommunalen Arbeitgeber Böhle im WDR Interview eine recht dicke Lippe, als er meinte, die Warnstreiks hätten ihn „nicht beeindruckt“. Das paßt, denn schließlich ist Böhle als SPD–Mitglied ein Vertreter jener Partei, die seit 1989 mit Schröder und seit 2005 mit Merkel die schärfsten Angriffe gegen die arbeitenden Menschen in Deutschland organisierte.

Aber auch andere sind mit Sprüchen über den Kampf schnell bei der Hand: so erklärte der Phrasendrescher Klaus Ernst ,Vorsitzender der Linkspartei, die bisherigen Angebote der Arbeitgeber seien eine „Unverschämtheit“. Ist das nun ein Kurswechsel oder Vergeßlichkeit?

Erinnern wir uns: Seine Partei, die Linkspartei, organisierte 2002 im Berliner Senat gemeinsam mit der SPD den Austritt aus dem Arbeitgeberverband, um deren Tarife in Berlin nicht zahlen zu müssen. Anschließende Lohnkürzungen bei den Beschäftigten des Nahverkehrs von bis zu 12% wurden unter einem Wirtschaftssenator seiner Partei organisiert. Tarifverhandlungen ersetzte man damals in Berlin durch einen „ persönlichen Waldspaziergang“ zwischen den drei Oberklünglern Bsirske (ver.di), Wolff (Linkspartei) und Wowereit (SPD) …
Auch ein anderer „alter Bekannter“ wird am Mittwoch am Verhandlungstisch sitzen: Herbert Mai, Vorgänger von Bsirske , ehemaliger ÖTV-Chef und nun auf der Arbeitgeberseite im VKAPräsidium.
Als Personalchef von Fraport hatte er noch vor wenigen Wochen die streikenden Vorfeld-Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens mit Verleumdungen überzogen und versucht, die anderen Belegschaftsgruppen gegen die Streikenden aufzuhetzen. Schliesslich setzte die Klassenjustiz dem Streik ein Ende, was dem ehemaligen Gewerkschaftsvorsitzenden Mai im Unternehmerverband sicherlich gut gefallen hat. Es ist fraglich, ob der gewerkschaftliche Verhandlungsführer und Spitzenverdiener Bsirske sich in dieser Gaunerrunde so unwohl fühlen wird: Schließlich hat er seinerzeit als grüner Personalchef der Stadtverwaltung Hannover 1000 Arbeitsplätze abgebaut, die nun ebenfalls zur beklagten hohen Arbeitslosigkeit beitragen.

Es sind die Kolleginnen und Kollegen, die die Folgen der Mauschelpolitik auszubaden haben! Auf ihrem Rücken werden die „Rettungspläne,“ „Rettungsschirme“, „Sparprogramme“ oder die „unumgänglich notwendigen Maßnahmen“ ausgetragen und sie sind es, um deren Schicksal dort verhandelt wird! Ihr Lebensschicksal unterliegt dem Zwang, ihre Arbeitsfähigkeiten als Ware auf einem Arbeitsmarkt feilbieten zu müssen, um überleben zu können. Damit teilen sie das Schicksal aller Proletarier und um bei diesem Deal einen möglichst hohen Preis zu erzielen, schufen sie sich ihre Gewerkschaften.

Der beklagenswerte Zustand dieser Klassenorganisationen hat viele „Linke“ dazu verführt, diese umstandslos den „Herrschenden“ zuzurechnen oder aber sie lediglich als „politische Randnotiz“ zur Kenntnis zu nehmen. Wir lehnen eine solche Haltung ebenso ab, wie die Anbiederung an die derzeitige Politik der Spitzenfunktionäre des DGB. Auch wenn die Politik der Gewerkschaftsführung diese Organisationen teilweise demoralisiert hat und ihre Kraft bedrohlich minderte, auch wenn sie unfähig waren, einen eigenen
Aktionsplan gegen die Krise auszuarbeiten und stattdessen die Krise fälschlicherweise auf subjektives Versagen der „bösen Banker“ zurückführten, bleiben sie die Organisationen der arbeitenden Menschen.
Viele tausend Gewerkschaftskolle/ginnen sind heute davon überzeugt, dass die bisherigen Rituale nichts mehr erreichen und sind bereit, nach neuen Aktions-und Durchsetzungsformen Aussschau zu halten. Ihnen gilt unsere Aufmerksamkeit und Symphathie, denn sie bilden das Potenzial zum Aufbau einer kämpferischen
Interessenvertretung.
Wir alle brauchen heute eine Gewerkschaftspolitik, die der weiteren Spaltung der Beschäftigtengruppen, weiteren Lohnsenkungen und Ausweitung der prekären Beschäftigung sowie Massenentlassungen einen entschlossenen Widerstand entgegensetzt.
An der Arbeitskraft hängen lebendige Menschen und daher ist unser Lebensschicksal zu wertvoll, um es ihnen als Verhandlungsmasse zur beliebigen Verwendung zu überlassen. Branchenübergreifend müssen wir zu einer Macht werden, mit der die Herrschenden zu rechnen haben, denn IHR und WIR sind es wert, anders zu leben als SIE es planen.

quelle: http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/28/soko-erklaerung-zur-aktuellen-warnstreikwelle-im-oeffentlichen-dienst/

Die unendliche Geschichte

Nochmals zur Frage: Wie kann sich die “radikale Linke” vereinheitlichen?

die debatten auf dem arschhoch.blog http://arschhoch.blogsport.de/ sind an einem punkt angelangt, wo m e nicht mehr viel neues und substantielles dazukommt. die einzelnen diskutanten haben ihre standpunkte (mehr oder weniger ausführlich) dargestellt und jetzt lautet die frage: was machen wir mit dem erreichten stand der dinge?

für die gründung von organisatorischen strukturen ist es noch zu früh (so der tenor der duisburger erklärung http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/15/abschlusserklaerung-des-duisburger-treffens-von-vertreterinnen-von-interkomms-rsb-soko-und-sib/). diese erklärung habe ich auch unterstützt (http://systemcrash.wordpress.com/2012/03/18/quo-vadis-nao/), auf der anderen seite habe ich aber nicht den eindruck, dass jetzt noch die NAO diskussion auf andere politische spektren und organisationen übergreift. die von der SIB ursprünglich anvisierten spektren haben bislang den NAO prozess hartnäckig ignoriert und es ist kaum damit zu rechnen, dass sich das kurz- oder mittelfristig ändert. das ist der aspekt, wo ich eigentlich mit dem SOKO vorschlag konform gehe (http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/10/die-soko-raet-den-gruppen-der-nao-initiative-zur-kurskorrektur/), auch wenn der vorschlag als ganzes ein übereilter schnellschuss war (und die begleitumstände dieses textes mehr als unglücklich waren. siehe dazu: http://systemcrash.wordpress.com/2012/03/14/zerlegt-sich-die-nao/).

im grunde lässt die gesamtsituation des NAO prozesses nur eine schlussfolgerung zu:

alle gruppen und einzelpersonen, die die fünf SIB essentials als arbeitsgrundlage akzeptieren, sollten nach der NAO sommerdebatte und der ersten arbeitskonferenz im herbst (egal was dabei heraus kommt) ein organisationskomitee oder einen initiativausschuss bilden, was den STARTSCHUSS FÜR DIE OFFIZIELLE NAO darstellt.

damit soll aber nicht die grundsätzliche “offenheit” des NAO prozesses in frage gestellt werden. alle gruppen und einzelpersonen auf seiten der politischen “linken” bleiben weiter eingeladen, sich an den debatten zu beteiligen.

es muss jetzt aber ein ANFANG gemacht werden in sachen “verbindlichkeit”, damit der übergang von konsequenzloser diskussion zur praxis einen referenzpunkt bilden kann, der die gefahr der “zerbröselung” (die meines erachtens in ansätzen jetzt schon erkennbar ist) zumindest eindämmen kann.

dass nicht alle fragen der programmatik und der orgstruktur von heute auf morgen gelöst werden können, dürfte dabei noch das geringste problem sein. worauf es mehr ankommt, ist der wille und die ernsthaftigkeit, die revolutionäre linke auf einer prinzipienfesten grundlage zu koordinieren (wenn schon nicht vereinigen), um eben das herzustellen, was den kleingruppen nicht gegeben ist: ein handlungsfähiger politischer faktor (mit einfluss) zu werden!

von anderen ländern lernen?

ich meine, dass es wenig sinn macht, auf andere politische projekte (wie  zb die französische NPA) als bezugspunkt für den NAO prozess hinzuweisen. zum einen sind die politischen ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich, zum anderen reicht der informationsstand bei den meisten debattenteilnehmern gar nicht aus, um die lage in frankreich oder anderen ländern wirklich einschätzen zu können. wir haben schon genug probleme damit, die “deutsche wirklichkeit” in den (theoretischen) griff  zu bekommen. damit will ich natürlich nicht dem “internationalismus” eine absage erteilen, aber bevor wir international “handlungsfähig” werden, sollten wir es erst mal “national” werden! bescheidenheit in organisationspolitischer hinsicht scheint mir für “radikale linke” eine höchst notwendige tugend zu sein, angesichts des bisherigen verlaufes von “umgruppierungs”prozessen.

auch das (sehr lange) papier von einem ex CWI kader aus den USA, was zur zeit auf dem arschhoch.blog diskutiert wird (http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/24/vorwaerts-in-die-sackgasse-dan-dimaggio-ex-socialist-alternative-us-sektion-des-cwi-schlaegt-eine-alternative-vor/) trägt nichts dazu bei, die programmatischen grundlagen für eine “neugruppierung” zu entwickeln; noch ist irgendwie ersichtlich, wie die “amerikanischen erfahrungen” auf den deutschen politischen hintergrund übertragbar sind. einfach nur die “einheit der linken” zu fordern ist zu wenig, auch wenn das argument der nicht vorhandenen handlungsfähigkeit (und damit gleichbedeutend: einflusslosigkeit) natürlich schwer wiegt. aber eine “politische handlungsfähigkeit”, die nicht im sinne des “revolutionären anspruchs” ist, bringt uns auch nicht weiter. es sei denn, wir wollten uns gleich in die LINKE auflösen.

das wird m e auch die erste programmatische erklärung der gegründeten NAO sein müssen: inwiefern sich die NAO von der LINKEn unterscheidet und warum eine revolutionäre opposition notwendig ist!

Asiatische Produktionsweise – Thesen

Die folgenden Notizen sind Ausdruck eines Klärungsprozesses bei mir selbst.

[von "Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung"]

Neben Urkommunismus, Sklaverei, Feudalismus und Kapitalismus nennen Marx und Engels an einigen Stellen auch die asiatische Produktionsweise als eine der (jeweils zu Beginn ihrer Zeit) progressiven Epochen der Menschheitsgeschichte.

Speziell die asiatische Produktionsweise ist Gegenstand des Interesses vieler antistalinistischer Marxisten.

Manche versuchen aus der Existenz der asiatischen Produktionsweise in der menschlichen Geschichte auch eine Theorie für den Stalinismus herzuleiten.

Die meisten dieser „Ableitungen“ (z.B. bei Dutschke oder Rizzi) sind aus meiner Sicht fehlerhaft und basieren auf der Unkenntnis der asiatischen Produktionsweise.

Folgende noch vorläufige Thesen zur asiatischen Produktionsweise:

1. Die asiatische Produktionsweise ist in der menschlichen Geschichte keine marginale, sondern flächendeckende Erscheinung. Lediglich in Europa und Japan tritt sie markanterweise nicht auf (oder wenn dann nur mit einigen Überbauphänomenen).

2. Die asiatische Produktionsweise basiert auf dem Gruppen- konkreter Sippeneigentum an Grund und Boden, oder sogar noch auf dem Grundsatz des Gemeineigentums an Grund und Boden, der nur zeitweise an private Gruppen zur Nutzung übergeben wird. Die zahlenmässig und in der Produktion absolut dominierende Klasse sind die Bauern.

3. Die asiatische Produktionsweise ist idealtypisch charakterisiert durch die Existenz einer Kaste von Beamten. Dies kann viele Erscheinungsformen haben, am deutlichsten wird es bei der klassischen Beamtenhierarchie des antiken China.

4. Diese Beamtenhierarchie verdankt ihre Existenz einem gesellschaftlichen Konsens. Es handelt sich um ein gesellschaftliches Amt. Das ist beispielsweise ein wesentlicher Unterschied zur Sklaverei, da davon ausgegangen werden kann, dass die Sklavenklasse kaum ihre Existenz einem Konsens verdankte, dem sie zugestimmt hatte.

5. Ein weiteres, durchaus auch wesentliches Merkmal der asiatischen Produktionsweise ist die asiatische Despotie, welche in aller Regel sich als eine erbliche Dynastie manifestiert. Obwohl die asiatische Despotie in aller Regel im wesentlichen gewaltsamen und unterdrückerischen Charakter trägt, ist auch ihre Existenz im Grundsatz das Ergebnis eines gesellschaftlichen Konsenses innerhalb der Bauernklasse.

6. Innerhalb der asiatischen Produktionsweise können sich immer wieder auch mehr oder minder starke Aspekte anderer Produktionsweisen entwickeln, so vor allem Feudalismus (basierend auf dem Grundeigentum an Produktionsmitteln und dem Wachstum einer Sub-Klasse von Großgrundbesitzern), vereinzelt auch Sklaverei, später aber auch bürgerlicher Produktionsweise (Händler, Handwerker).

7. Die Beamtenkaste wurde von einigen marxistischen Theoretikern, die sich mit der Frage beschäftigen, als herrschende Klasse in der asiatischen Produktionsweise bezeichnet. Das ist aber falsch, denn die Beamtenkaste ist KEINE KLASSE im dem Sinne, wie dieser Begriff von Engels und vor allem Marx verwendet wurde. Die Beamtenkaste ist (in aller Regel) nach unten offen und an den Status des Beamten ist direkt auch kein Besitz an Produktionsmittel gebunden. Es ist im Grunde stets eine funktionelle Hierarchie, die nicht durch eine bestimmte Form des Eigentums an Produktionsmitteln gekennzeichnet ist.

8. Grundsätzlich ist nicht jede politisch herrschende organisierte Gruppierung deswegen eine eigene ökonomische Klasse. Es wäre sinnlos, beispielsweise die zeitweise China beherrschenden Eroberer (Mongolen, Mandschus) wegen ihrer politischen Dominanz zu jeweils einer eigenen „neuen Klasse“ zu erklären.

9. Jeder Ansatz, die stalinistische Bürokratie deswegen zu einer „neuen Klasse“ zu erklären, weil die Analogie zur asiatischen Produktionsweise das nahelegen würde, ist deshalb falsch, weil die Bürokratie auch in der asiatischen Produktionsweise KEINE herrschende Klasse war. Sie war gar keine Klasse, sondern ein grundsätzlich auf einem gesellschaftlichen Konsens beruhender Apparat, ein Amt. Die asiatische Despotie, grundsätzlich ebenfalls (in aller Regel) auf einem gesellschaftlichen Konsens beruhend, stellte das Leitungsorgan dieses Apparates dar. Die speziell der chinesischen Geschichte innewohnende Tendenz zum „dynastischen Zyklus“ zeigt dies deutlich. Die chinesische Geschichte kennt mehrere erfolgreiche Bauernrevolutionen gegen „entartete“ Dynastien, die stets mit der Einführung einer neuen Dynastie endete. In diesen Prozessen wurden meist die Ansätze zur Feudalisierung (Dominanz des Großgrundbesitzes) wieder rückgängig gemacht.
Ein chinesisches Sprichwort bringt diesen Zusammenhang deutlich zum Ausdruck:

„China wird regiert vom Kaiser durch die Armee, von den Beamten durch die Gesetze, vom Volk durch seine Geheimgesellschaften“.

Um diesen Spruch wirklich zu verstehen, muss man von der überragenden Bedeutung der bäuerlichen Geheimgesellschaften in China wissen, die meistens religiös am Taoismus oder auch am Buddhismus orientiert (Shaolin-Legende) über lange Strecken die chinesischen Geschichte entscheidend prägten.

10. Die Notwendigkeit der asiatischen Despotie rührte daher, dass es der über riesige Räume verteilten Bauernklasse in aller Regel nicht anders möglich war, den eigenen politischen Willen zum Ausdruck zu bringen als durch die Einsetzung einer kontrollierenden Despotie (Dynastie). Hinzu kommen meistens essentielle Aufgaben von Bürokratie und Despotie in der Organisation der Produktion: Vorratsbildung (altes Ägypten), Bewässerungssysteme (hydraulische Gesellschaften), Landesverteidigung.

11. Die asiatische Produktionweise entstand zwar direkt aus der klassenlosen Urgesellschaft, war aber selbst nicht klassenlos. Zum einen entstanden in ihrem Schoss immer wieder Ansätze zum Feudalismus (Großgrundbesitz), zum anderen entstand sie oft aus einem tatsächlichen Klassengegensatz zwischen Ackerbauern und viehzüchtenden Nomaden. Viehzüchtenden Nomaden ist etwa der Gedanke an Grundeigentum völlig fremd, Ackerbauen dagegen kennen bereits das eingeschränkte Eigentum an Grund und Boden, und sei es in Form des Sippeneigentums oder des Kollektiveigentums der gesamten Staatsangehörigen am Grund und Boden (z.B. bei den Inkas).

12. Der Staat in der asiatischen Produktionsweise ist durchaus ein Staat im Sinne von Marx und Engels, eine besondere unterdrückerische Maschine, eine Formation bewaffneter Menschen zur Niederhaltung anderer Menschengruppen. Insbesondere Chinas Geschichte ist von den Abwehrkämpfen der Ackerbauern gegen die räuberischen Nomaden aus dem Norden bestimmt (diese erkannten ja ein Grundeigentum nicht an).

13. Herrschende Klasse in der asiatischen Produktionsweise ist grundsätzlich die Bauernklasse, die ihre Interessen durch die Beamtenhierarchie und die asiatische Despotie zum Ausdruck zu bringen versucht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass auch andere Kräfte immer wieder versuchten, die Beamtenhierarchie und die sie führende Despotie unter Kontrolle zu bringen. Hier sind besonders zu nennen: militärisch überlegen organisierte Eroberer der nördlichen nomadischen Steppenvölker; die immer wieder im Schoß der asiatischen Produktionsweise entstehende Gentry (als Übergangsform) und der Großgrundbesitz. Beiden Kräften gelang es auch immer wieder, den von der Bauernklasse geschaffenen Beamtenapparat durch die Einsetzung eigener Dynastien zumindest zeitweise (durchaus auch manchmal mehrere Generationen lang) unter Kontrolle zu bringen. Doch jede dieser Dynastien wurde regelmässig auch wieder gestürzt, und sehr häufig durch eine Bauernrevolution, die eine neue Dynastie begründete (besonders typisch: der Sturz der Mongolenherrschaft durch bäuerliche Geheimgesellschaften wie den „Weissen Lotos“ und die Begründung der Ming-Dynastie).

14. Aspekte der asiatischen Produktionsweise sind – mit Ausnahme von Europa und Japan – auf der gesamten Welt zu finden und prägten sich unterschiedlich aus. In allen Fällen fand auch eine Überlagerung durch andere Produktionsweisen mit unterschiedlicher Stärke statt, was den Blick auf die grundsätzliche Existenz dieser Produktionsweise im Einzelfall durchaus verstellen kann.
Asiatische Produktionsweise kam so zum Beispiel ausser in China auch in folgenden Gesellschaften vor:

  • sehr stark bei den Inkas
  • abgeschwächt bei den Aztheken und den Mayas
  • in den frühen islamischen Reichen (Kalifate)
  • in Indien bis zur Ankunft der englischen Kolonialisten (durchsetzt mit starken feudalen Elementen)
  • in Korea (feudal überlagert)

– in Vietnam und gesamt Südostasien (auch hier mit feudalen Elementen)

  • in vielen altafrikanischen Hochkulturen
  • im alten Ägypten bis zur Überlagerung mit Elementen der Sklavenhaltergesellschaft im Rahmen der römischen Eroberung
  • auch das Osmanische Reich war im Kern eine asiatische Despotie auf der Grundlage von Kernelementen der asiatischen Produktionsweise, schloss aber durch seine militärische Macht und seine Ausdehnung weiteste Gebiete anderer Produktionsweisen ein (darunter ausdrücklich auch die Sklaverei)

quelle: http://bronsteyn.wordpress.com/2012/03/18/asiatische-produktionsweise-thesen/

Quo vadis, NAO?

Ein paar Überlegungen zum Annäherungsprozess der “subjektiven Revolutionäre”

die in der duisburger erklärung von SIB, SOKO, interkomm und RSB konstatierte notwendigkeit, den NAO prozess weiter offen zu halten und eine verfrühte schaffung von orgstrukturen abzulehnen, da die “inhaltlichen gemeinsamkeiten” noch nicht ausreichen, unterstütze ich. (1)

aber welche perspektiven oder entwicklungsmöglichkeiten für den NAO prozess ergeben sich daraus?

so wie sich mir die lage im moment darstellt, gibt es folgende politische kräfte, die den NAO prozess beeinflussen:

da ist zunächst der “hauptblock” oder die “kern NAO”, bestehend aus SIB, SOKO, RSB und jetzt auch wohl die isl. diese vier gruppen scheinen über ein hohes mass inhaltlicher übereinstimmung zu verfügen (wobei mir die SOKO am wenigsten bekannt ist). es ist daher zwangsläufig und “natürlich”, dass diese “vierergruppe” sich untereinander  gemeinsam abstimmt über das weitere vorgehen und auch am stärksten die politischen inhalte bestimmt oder zumindest beeinflusst. völlig homogen ist das aber nicht: während die isl der tradionell “rechte flügel” im “vereinigten sekretariat der vierten interantionale” (VS) darstellt, befindet sich der RSB am äussersten linken rand (z b seine haltung zu SPD und LINKE, die teilweise schon ins “ultralinke” geht).

auch in der SIB gibt es eine rechts/links polarisierung. während Micha Prütz den “pragmatisch-rechten” flügel repräsentiert (“es kommt nur auf den erfolg an” und “entscheidend ist die kompromissfähigkeit”), zeichnen sich  die beiträge von DGS durch eine wohltuende theoretische fundierung und einen schon fast wehtuenden realismus in der einschätzung der politischen ausgangsbedingungen für “linksradikale” politik in deutschland aus. ich kann seinen positionen zumeist zu 95% zustimmen. allerdings scheint es noch differenzen zu geben in der frage der orgstruktur (demokratischer zentralismus) und der (aktuellen) bedeutung von übergangsforderungen (2) (zumal DGS nicht aus der trotzkistischen tradition stammt, sondern eher einen alternativbewegten/maoistischen background hat). umso schöner ist es zu sehen, dass es eine konvergenz revolutionärer standpunkte geben kann, auch über diese unterschiedlichen “kulturellen” sozialisationen hinweg!

Michael Schilwa scheint eher die klassische mittelposition einnehmen zu wollen. möglichst zwischen allem “vermitteln” wollen, was sich irgendwie “links” deucht und keinem auf die füsse treten. seine politischen statements beweisen aber, dass er durchaus weiss, was auch “orthodoxe” positionen sind. (3)

das statement der interkomms zur orgdebatte (4) ist so weit inhaltlich in ordnung, aber seitdem haben sie weiter keine grösseren beiträge zum NAO prozess geleistet (jedenfalls keine, die für mich erkennbar wären)

es gibt dann noch die bochumer, die aber für die meinungsbildung im NAO prozess selbst keine (oder nur eine geringe) rolle spielen.

der genosse KHS von der online zeitung TREND zeichnet sich durch eine kritische begleitung des NAO prozesses aus. wenn ich auch nicht alles, was er schreibt immer “gut” finde, so sind doch seine überlegungen immer wert mitbedacht zu werden. er ist damit ein wertvolles korrektiv gegen allzu ungeduldige schnellschüsse (wie jetzt zum beispiel von der SOKO (5)). auch seine kritiken am bochumer programm sind vorzügliche und sehr zu empfehlene texte. (6)

meine eigene rolle im NAO prozess kommentiere ich ungern. mein eigener anspruch ist, innerhalb des NAO prozess einen kommunistischen pol (wenn meine positionen  auch selbst “fragmentarisch” sind, so sollen sie ja auch nur zur diskussion beitragen) aufzubauen. auch wenn ich manchmal zu einer überscharfen polemik neige, so sollen damit nicht leute “beleidigt” werden (die ich nicht mal kenne), sondern nur die konturen der politschen unterschiede geschärft werden; soll also der inhaltlichen klarstellung dienen. ausserdem, wenn schon so ein bisschen polemischer gegenwind so ein bohei (7)  auslöst, wie will man denn dann dem druck standhalten, der zwanglsläufig nach einer gründung einer NAO zunehmen wird  - und zwar EXTREMST zunehmen wird (sowohl von bürgerlicher seite als auch von linken konkurrenten)?!

es wird zwar formal anerkannt, dass der “parteiaufbau” selbst ein bestandteil des klassenkampfes ist (zumindest in ideologischer hinsicht), was das aber WIRKLICH BEDEUTET (und zwar konkret für jeden einzelnen genossen), mit welch immensen psychischem druck man umgehen können muss, davon scheinen einige nur eine maximal blasse ahnung zu haben.

was bedeutet “handlungsfähigkeit” für die “radikale linke”? 

die NAO ist ein experiment und ein wagnis, aber ein wagnis, wo man eigentlich nichts verlieren kann. die ausgangsbedingungen für “revolutionäre politik” können nicht schlechter werden, allenfalls besser. sicher ist, dass die kleingruppen für sich nicht in der lage sind, etwas am gesellschaftlichen kräfteverhältnis zu ändern. die sogenannte “einheitsfront”politik (oder andere “taktiken” wie entrismus oder kritische wahlunterstützung) führen nicht zu einer überwindung der marginalisierung. die einzig logische konsequenz ist die zusammenlegung der bescheidenen ressourcen der kleingruppen. dies muss aber auf einer prinzipienfesten grundlage geschehen und darf nicht in beliebigkeit ausarten. die fünf SIB essentials (8) scheinen mir diese prinzipienfeste grundlage darzustellen. sie sind aber nicht ausreichend für die UMSETZUNG einer revolutionären strategie. dafür bedarf es sowohl der personellen stärkung des NAO prozesses als auch der weiteren inhaltlichen annäherung durch die entwicklung einer revolutionären programmatik. nur diese kann dann auch ermöglichen (nicht garantieren!), dass in die sozialen bewegungen und klassenauseinandersetzungen mit einer systemtranszendierenden perspektive interveniert werden kann. (9)

solange aber die “arbeiterbewegung” nur als schlafender, potentieller “riese” existiert (10) und sich nicht aus der einlullenden sozialpartnerschaftsideologie (und dem “standort”chauvinismus) der “reformistischen apparate” befreien kann, solange wird jede organisierte radikale linke nur als propagandistischer stachel im ideologischen einheitsbrei der bürgerlichen gesellschaft und ihrer willfährigen diener ihre aufgabe finden.

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(1) http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/15/abschlusserklaerung-des-duisburger-treffens-von-vertreterinnen-von-interkomms-rsb-soko-und-sib/

(2) http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=22618&tx_ttnews[backPid]=265&cHash=86bcfa4d15

(3) http://systemcrash.wordpress.com/2012/01/12/organisationsfragen-sind-programmatische-fragen/

(4) http://arschhoch.blogsport.de/2012/01/01/kommunistische-organisierungsdebatte-na-endlich/

(5) http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/10/die-soko-raet-den-gruppen-der-nao-initiative-zur-kurskorrektur/

(6) http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[swords]=bochumer%20programm&tx_ttnews[tt_news]=21202&tx_ttnews[backPid]=65&cHash=179c6f603d  und  http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[swords]=bochumer%20programm&tx_ttnews[tt_news]=20964&tx_ttnews[backPid]=65&cHash=9d8279f7be

(7) http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/14/vom-feminismus-lernen-heisst-siegen-lernen/ (siehe die kommentare)

(8) http://www.scharf-links.de/47.0.html?&tx_ttnews[pointer]=4&tx_ttnews[tt_news]=19541&tx_ttnews[backPid]=265&cHash=08f8eff9bd

(9) http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=22618&tx_ttnews[backPid]=265&cHash=86bcfa4d15

(10) die gruppen der frauenbewegung, sexueller minderheiten und antirassismus-initiativen scheinen bedeutungsmässig ebenfalls nicht über ihr jeweiliges “subkulturelles” milieu hinauszugelangen

Zerlegt sich die NAO?

Bildmontage: HF, scharf links

Bürokratische Entscheidungsprozesse und mangelnde programmatische Übereinstimmung

wer in der letzten zeit den arschhoch.blog (http://arschhoch.blogsport.de/) der NAO initiative besucht hat, wird feststellen, dass die debatte etwas an breite gewonnen hat. das ist natürlich sehr zu begrüssen. gleichzeitig entsteht das problem, dass ein grösserer diskutantenkreis natürlich auch mehr spielregeln erfordert, um die debatte halbwegs übersichtlich und demokratisch zu gestalten. bislang hatte sich die SIB zurückgehalten, was eine politische moderation anbetrifft und den thread autoren quasi die verantwortung übertragen. diese methode scheint jetzt nicht mehr zu greifen, da die angriffe auf einer persönlichen ebene (insbesondere gegen mich) zunehmen; diese aber durchaus auch mit politischen differenzen einhergehen.

als weitere entwicklung scheint sich abzuzeichnen, dass die gruppen SIB, SOKO und RSB/isl (die über einen ähnlichen politischen background verfügen. im wesentlichen der “Mandelismus”) so eine art “kern NAO” bilden wollen, bevor der prozess auch andere politische spektren erfasst hat/erfassen kann. das ist natürlich ein legitimes recht dieser gruppen, wird aber den reformistisch/zentristischen charakter dieses projektes zementieren, bevor eine wirkliche debatte ALLER “NAO kräfte” stattgefunden hat.

was ein echter politischer hammer ist, ist das statement von Frank Braun von der SOKO.

http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/12/stellungnahme-zum-soko-vorschlag/

die SOKO hatte (angeblich irrtümlich) eine stellungnahme zum NAO prozess auf scharf links veröffentlicht (http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=22766&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=46a741eb32), den ich dann auf dem arschhoch.blog gespiegelt habe. (http://arschhoch.blogsport.de/2012/03/10/die-soko-raet-den-gruppen-der-nao-initiative-zur-kurskorrektur/)

nun schreibt Frank Braun:

“Hallo Bochumer Info,

kein Grund für Schnellschüsse auch nicht nach der leider irrtümlichen Veröffentlichung unseres kleinen Papiers zunächst bei ’scharf-links‘ und dann hier im blog. Sorry, das kann passieren …
Das ‚Bochumer Info‘, mit Verlaub, gehörte nicht zu den Adressaten, sondern nur jene Gruppen uns[d] Einzelpersonen, die den naO-Prozess unterstützen.” [herv v mir]

unabhängig von der frage, wie die bochumer einzuschätzen sind (und jeder, der ein paar sachen von mir gelesen hat, weiss, das ich den bochumern sehr kritisch gegenüberstehe), wird in diesem satz das “bochumer info” AUSSERHALB des NAO prozesses gestellt. und das, ohne dass es formale orgstrukturen und kriterien gibt. damit ist der rubikon überschritten, was die “demokratische” organisierung dieser debatte betrifft.

wohlgemerkt, ich verteidige das recht von SOKO, SIB und RSB/isl, sich untereinander zu koordinieren, falls es aber schon ausschlusskriterien und politsche bewertungen der einzelnen diskutanten gibt (gruppen und einzelpersonen) würde ich es zu schätzen wissen, wenn diese dinge entweder komplett in der “kern NAO” INTERN blieben oder aber der geneigten (NAO) öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. ansonsten bekommt das ganze schnell ein bürokratisches/willkürliches geschmäckle! 

Parteiaufbau und Taktik

Eine Antwort auf das Papier der Marxistischen Initiative zur NAO (1)

zunächst einmal begrüsse ich es aufs schärfste, dass die MI sich in die NAO debatte eingeklingt hat. obwohl ich die MI immer mehr oder weniger aus der distanz beobachtet habe, haben mir ihre texte häufig gefallen und zeichnen sich in der regel durch wohl durchdachte theoretische fundierung aus. leider kann ich das vom MI beitrag zur NAO nicht ganz so behaupten. ich werde nur die punkte herausgreifen, wo ich einen dissens erkenne; um die länge des textes nicht unnötig auszuweiten.

politische ausgangslage

zunächst einmal fällt der etwas katastrophistische ton in der beschreibung der ausganslage auf. da ist von der “erschütterung der traditionellen herrschaftssysteme in der BRD” die rede und dass “die alternative revolution oder konterrevolution eine greifbare realität” geworden ist. ich weiss nicht, in welchem revolutionären alice im wunderland die MI lebt, aber ich kann diese einschätzungen nur als vollkommen übertrieben — um es milde zu sagen — bezeichnen. und das sowohl in “objektiver” hinsicht, in “subjektiver” hinsicht könnte man die MI “analyse” geradezu als fieberwahn bezeichen.

richtig ist, dass das weltsystem im ganzen in eine krise geraten ist, die insbesondere in den “halbkolonialen” ländern zu einem wechsel der politischen eliten geführt hat. die direkten marionetten des imperialismus wurden ausgetauscht durch nationalistische oder islamistische kräfte, die etwas mehr nationale souveränität versprechen, im endeffekt aber genauso handlanger des imperialismus sind. oder solche revolten (steckengebliebene revolutionäre prozesse, z b ägypten) enden in einer militärdiktatur. mit anderen worten: zwar tauschen sich die köpfe aus, die sozial-ökonomischen strukturen bleiben aber.

der grund für diese emanzipatorischen sackgassen lässt sich in einem satz zusammenfassen: es existiert keine politische kraft mit Masseneinfluss in der welt, die ein “revolutionäres programm” vertritt.

wer soll mit der NAO initiative angesprochen werden?

die MI kritisiert, dass die SIB essentials möglicherweise das DKP und ML spektrum ausklammern und dass die “einheit der subjektiven revolutionäre” nicht sehr realistisch ist.

obwohl mir keine stellungnahme der SIB bekannt ist, die z b die DKP “ausklammert” (eher das gegenteil ist der fall!) ist dies trotzdem eine wichtige frage. ich persönlich würde z b (zumindest momentan) nichts mit der MLPD zu tun haben wollen oder — um noch extremere beispiele zu nennen — ich würde auch die PSG und die SpAD nicht in einer NAO dabei haben wollen. die MLPD nicht, weil ich eine bestimmte haltung zum “stalinismus” habe (was in der NAO noch gar nicht wirklich diskutiert wurde), die PSG und die SpAD nicht, weil es sich im wahrsten sinne um kultische sekten handelt. wobei die PSG noch mal obskurer ist als die SpAD. aber im endeffekt nimmt sich das nichts.

in der DKP scheint man zumindest für eine “innerlinke debatte” offen zu sein und insbesondere die DKP in berlin vertritt sehr “linke” positionen für das DKP spektrum. ich bin also im höchsten grade dafür, dass auch die DKP mit ins NAO boot geholt werden sollte (natürlich auch SDAJ und solid). aber natürlich stellt sich auch in der debatte mit der DKP die frage: was war der “realsozialismus” und welche lehren sind daraus zu ziehen?

weiterhin fällt mir in dem MI statement eine vermischung von “sozialer bewegung” und “parteiaufbau” auf, die vieles an “bewegungen” als “revolutionär” hochstilisiert, was aber de facto maximal gradualistisch ist. es wird so getan, als ob solche bewegungen direkt einen revolutionären input hätten, während in wirklichkeit so ein input erst durch die intervention einer revolutionären kraft entstehen kann.

“Grundlage einer Bewußtseinsbildung mit dieser strategischen Perspektive sind unserer Ansicht nach positive Beispiele. Die revolutionären Bewegungen im arabischen Raum, in Griechenland, die Massenaktionen auf der iberischen Halbinsel sowie die Occupy-Bewegungen inspirieren sich gegenseitig. Nicht zuletzt vermitteln sie den Beteiligten selbst das Gefühl dafür, daß ihren kollektiven Aktionen ein enormes Stärkepotential innewohnt. Aktionseinheiten, Demonstrationen, Streiks etc., überhaupt jede Aktivität, die das Kollektivbewußtsein stärkt, ist in diesem Sinne ein strategischer [sic !!!!] Schritt in Richtung Sozialismus.”

ich will diese unterscheidung um gottes willen nicht mechanistisch verstanden wissen, aber als revolutionär sollte man schon unterscheiden können zwischen dem politischen gehalt einer bewegung und einer TAKTISCHEN ORIENTIERUNG VON REVOLUTIONÄREN.

der reformismus der LINKEn

ich stimme mit der MI überein, dass die einschätzung der LINKEn eine wesentliche grundlage für den NAO prozess darstellt. da der reformismus begriff für marxisten eine existentielle bedeutung hat, darum ein paar anmerkungen dazu.

dass bürgerliches bewusstsein in der arbeiterklasse vorherrscht, ist in der tat “normal”. es kann gar nicht anders sein, da sämtliche bewusstseinsbildende prozesse über “bürgerliche” strukturen und (hegemoniale) medien laufen. trotzdem befindet sich die arbeiterklasse in einem permanten “abwehrkampf”, der auch entsprechende strukturen hervorbringt. das sind zum einen die gewerkschaften, die aber eher partikularismus betreiben (also im prinzip NICHT mal reformismus darstellen) zum andern die grossen Massenparteien, die ihren ursprung in der arbeiterbewegung haben. in deutschland ist dies natürlich die SPD, die trotz aller neoliberalen schweinereien immer noch den nimbus der partei der “kleinen leute” hat. und man sollte nicht glauben, dass die SPD nicht mehr in der lage wäre, diese trumpfkarte auch auszuspielen, wenn es ihr politisch opportun erschiene.

bei der LINKEn sieht die lage etwas anders aus. die LINKE ist das direkte nachfolgeprodukt einer stalinistischen staatspartei, die daher a priori oberflächlich einen etwas “linkeren” eindruck macht. auch existieren linke strömungen in ihr, die einen antikapitalistischen oder gar revolutionären anspruch haben. die LINKE als ganzes betreibt aber eine vollkommen systemimmanente politik und ist auch in ausserparlamentarischen initiativen so gut wie nicht präsent. auch wenn ihr programm formal eine “überwindung des kapitalismus” enthält, realpolitisch ist das nichts anderes als die berühmte sonntagsrede zur reformistischen alltagspraxis, die nur eins erzielt: die stabilisierung der bestehenden herrschaftsstrukturen.

um diesen würgegriff der bürokratischen apparate auf die arbeiterklasse zu brechen, bedarf es in der tat taktiken. aber taktiken können nur angewendet werden, wenn man sich auch in der strategie einig ist. und dazu bedarf es des aufbaus einer revolutionären partei (2). aktionseinheiten sind dafür zwar ein MITTEL, sie sind aber nicht die vorstufe oder gar der ersatz für eine partei.

langristige mobilisierungskampagne oder organisierung der avantgarde?

die MI schlägt ein “gemeinsames politisches projekt”, eine “langfristige mobilisierungskampagne” vor, die sie als “embryonale einheitsfront” auffasst. sie schlägt dafür folgendes aktionsprogramm vor:

  • Gesetzliche Einführung eines Mindestlohns von 10 Euro
  • Rückgängigmachung der Hartz-Gesetze
  • Rückkehr zur Altersrente mit 65
  • Verbot der Privatisierung öffentlichen Eigentums
  • Verstaatlichung der Banken
  • Wiedereinführung der Vermögenssteuer, drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Höchstbesteuerung aller Spekulationsgewinne
  • internationale Solidarität gegen neoliberale Standortverteidigung
mal abgesehen davon, dass “einheitsfronten” (oder aktionseinheiten) gemeinsame AKTIONEN (punktueller natur) bei BESTEHENDEN POLITISCHEN DIFFERENZEN sind, wäre so ein programm nur die grundlage eines ausserparlamentarischen reformismus. die MI widerspricht sich m e selbst: auf der einen seite erkennt sie richtig, dass taktiken nur dann sinnvoll angewendet werden können, wenn auch übereinstimmung in der strategischen aufgabenbestimmung vorliegt, auf der anderen seite versucht sie, mit solchen “frontorganisationskonzepten” den leuten “revolutionäre lernerfahrungen” beizubringen. dass solche projekte nur eine kurze halbwertszeit haben und immer (oder häufig) in politischer frustration enden, kann aus der geschichte der linken gruppen seit den 70er jahren leicht nachgewiesen werden.
ich halte lieber am “sektiererischen” umgruppierungsprozess der vorgeblich revolutionären organisationen fest; insbesondere derjenigen, die über eine hohe programmatische übereinstimmung verfügen (3).
—————-

(1) http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/x3f2f8a90-66f0-11e1-babf-8183d4962622/content.html

(2)  partei im sinne von höchstem politischem bewusstseinsgrad; nicht bezogen auf wahlen. auf die wahlfrage möchte ich in diesem artikel nicht eingehen

(3) siehe dazu: http://systemcrash.wordpress.com/2011/10/06/die-notwendigkeit-der-revolutionaren-umgruppierung/

Neue antikapitalistische Organisation?

Worüber sich die antikapitalistischen Linken verständigen sollten…

[von Marxistische Initiative (MI), veröffentlicht 05. März 2012]

Wir, die Marxistische Initiative, beteiligen uns mit einiger Verspätung an der Diskussion über einen neuen Anlauf der antikapitalistischen Kräfte zur Gewinnung von Massenwirksamkeit. Die aktuelle ökonomische, politische und gesellschaftliche Großwetterlage bietet dazu reichlich Anlaß: Die aktuelle Weltwirtschaftskrise hat viele Illusionen in die Fähigkeiten des Kapitalismus zerstört, wenigstens in seinen wichtigsten Metropolen schwere Krisen vermeiden zu können. Immer weniger Menschen glauben, der Kapitalismus könne Wohlstand für alle garantieren. In immer mehr Ländern spitzen sich die Widersprüche so sehr zu, daß die im imperialistischen Zeitalter historische Alternative Revolution oder Konterrevolution greifbare Realität wird.

Die wachsende existentielle Unsicherheit immer breiterer Schichten der lohnabhängigen Bevökerung hat auch in der BRD zu einer Erschütterung des traditionellen politischen Herrschaftssystems geführt — was sich nicht zuletzt in einer Vertrauenskrise zwischen Wählerinnen und Wählern der parlamentarisch vertretenen Parteien niederschlägt, in Unzufriedenheit und dem Wunsch nach tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. So interpretieren wir den Umstand, daß inzwischen sowohl in Ost- wie in Westdeutschland die Mehrheit der Bevölkerung Sozialismus prinzipiell für eine positive Sache hält — leider ohne deshalb ein klares Bild vom Sozialismus zu haben oder eine sozialistische Gesellschaft notwendig für realisierbar zu halten.

Grundlagen für die Einheit der subjektiven Revolutionäre

Soweit dürften alle an der von der SIB angestoßenen Debatte Beteiligten übereinstimmen. Aber hier fangen die Probleme erst an. Das Positionspapier der SIB geht davon aus, daß weder die in der BRD existierenden kleinen Organisationen mit revolutionärem Selbstverständnis noch die revolutionär gesinnten Kleinstgruppen (zu denen auch wir gehören) allein in der Lage sind oder sein werden, die sich entwickelnde gesellschaftliche Umbruchsituation für die Schaffung einer massenwirksamen revolutionären Partei zu nutzen.

Als ersten Schritt dahin propagiert die SIB den Zusammenschluß der subjektiv revolutionären Kräfte. Das ist zur Zeit nicht überwältigend realistisch und blendet die ML-Gruppierungen und womöglich die DKP stillschweigend aus — was wir übrigens bei einem Parteiaufbauprojekt für sinnvoll halten. Als Grundlage werden dann von der SIB neben dem Bekenntnis zu einer umfassenden Debatte 5 unverhandelbare Punkte genannt. In der Abstraktion, mit der diese Punkte benannt sind, haben wir mit ihnen keine Probleme. Wenn das SIB-Papier aber feststellt, “über alles andere müssen wir reden”, so stimmen wir diesbezüglich nicht zu. Es erscheint uns auch nicht hilfreich, bei Programmdebatten von “Schmerzgrenzen” zu sprechen. Es geht ja nicht vorrangig um Identität oder die Sebstbefindlichkeit, sondern um politische Zielsetzungen und strategische Eckpunkte einer gemeinsamen Politik. Wir sollten also im Gegenteil gerade über diese 5 unverhandelbaren Punkte sprechen. Immer wieder, immer konkreter und immer offensiver auch nach außen.

Andererseits glauben wir, daß die abstrakte Übereinstimmung nur in diesen 5 Punkten keine tragfähige Grundlage für ein nachhaltiges Einheitskonzept ergibt. Weder Strategie noch taktische Optionen wären damit geklärt. Die SIB selbst meldet vorrangigen Klärungsbedarf bezüglich des Verhältnisses zur Partei “Die Linke” an. Mit dieser Schwerpunktsetzung wären wir mehr als einverstanden.

Voraussetzung für die Klärung dieser Frage ist die Selbstverortung des Projekts. Wir würden diese wie folgt skizzieren wollen:

Aktualität der Revolution

Der Kapitalismus ist seit seinem Übergang in seine imperialistische Phase keine notwendige soziökomische Gesellschaftsformation, um gesellschaftlichen Fortschritt für die Menschheit zu generieren. Die Menschheit erkauft jeden partiellen Fortschritt mit der Entfesselung ungeheuerlicher Destruktivkräfte (Kriege, ökologische Katastrophen, Massenelend, Selbstentfremdung der Menschheit, existentielle Verunsicherung). Der Kapitalismus ist deshalb überlebt und muß aufgehoben werden. Der Kapitalismus ist politisch nicht beherrschbar. Weder Keynesianismus noch Neoliberalismus sind in der Lage, Krisen und Stagnationsperioden abzuwenden. Der Kapitalismus kann seine Krisen nur überwinden durch Kriege, gigantische Kapitalvernichtung und die drastische Absenkung des Lebensniveaus der Lohnabhängigen. In seinen Stagnationsperioden führt ein konjunktureller Aufschwung nicht zu einem allgemeinen Anstieg des Lebensstandards, geschweige denn der Lebensqualität. Reformen werden in der Regel zu Konterreformen. Auch in den reichen kapitalistischen Ländern werden demokratische Freiheiten untergraben und mit repressiven Mitteln ihre Inanspruchnahme verhindert. Jeder Politik der Sozialreformen wird dadurch die Grundlage entzogen. Es geht um Reform oder Revolution, Sozialismus oder Barbarei.

Keine Stellvertreterpolitik

Wir, die Marxistische Initiative, gehen davon aus, daß die Überwindung des Kapitalismus das Werk der Arbeiterklasse — der Lohnabhängigen — sein muß. Diese kann die Klassengesellschaft nicht aufheben, in dem sie den bürgerlichen Staat in Besitz nimmt. Stellvertreterpolitik lehnen wir ab. Die reale Machtausübung der Klasse der Lohnabhängigen als gesellschaftliche Mehrheit während einer Übergangsphase zum Sozialismus ist unabhängig von den konkreten Wegen eines revolutionären Bruchs mit dem bürgerlichen Staat nur als Rätedemokratie denkbar. Diese strategische Zielsetzung ist nur mit einer Klassenorientierung erreichbar und schließt eine Mitverwaltung der kapitalistischen Krise durch eine antikapitalistische Partei strikt aus.

Revolutionäre Minderheit und unzufriedene Masse

Das strategische Dilemma der antikapitalistischen Revolutionäre besteht darin, daß sich trotz aller Unzufriedenheit mit den bestehenden kapitalistischen Verhältnissen und trotz des verbreiteten Wunsches nach grundlegender Veränderung nur eine immer noch sehr kleine Minderheit der Arbeiterklasse an die Möglichkeit eines siegreichen Kampfes für eine sozialistische Alternative glaubt. Hierin sehen wir keinen Grund für Pessimismus. Solange die Klasse der Lohnabhängigen (einschließlich der in Ausbildung Befindlichen, der Erwerbsarbeitslosen und Rentner) in bürgerlichen Verhältnissen lebt, kann deren Bewußtsein in aller Regel nur bürgerlich sein. Und da die Arbeiterklasse in sich differenziert ist im Hinblick auf Tätigkeit, Qualifikationen, etc. sowie unterschiedlichen ideologischen Traditionen verhaftet ist, ist das in ihr vorherrschende Bewußtsein bis in eine unmittelbar vorrevolutionäre Lage hinein vorherrschend bürgerlich — wenngleich in unterschiedlichsten Schattierungen. Der Schlüssel zur Entwicklung sozialistischen Klassenbewußtseins sind Erfahrungen in politischen und gewerkschaftlichen Klassenauseinandersetzungen und organisierte Lernprozesse — bei allen Faktoren können subjektive Revolutionäre hilfreich sein.

Viele Linke ängstigt wegen des immer noch absolut vorherrschenden bürgerlichen und/oder reformistischen Bewußtseins schon die Vorstellung, mit gewöhnlichen Lohnabhängigen über Rätedemokratie zu sprechen. Aber ohne über dieses Ziel zu sprechen, wird man ihm nicht näher kommen. Ein antikapitalistisches Parteiprojekt, das auf Wachstum hofft, muß nicht nur die richtige Diagnose bezüglich des Kapitalismus verbreiten und bewußt machen, sondern die Frustration, die Enttäuschung und die Wut über die Nichtreformpolitik der Linken nutzen. Es gilt zu überzeugen, daß Antikapitalismus positiv in eine revolutionäre Strategie umgesetzt werden muß. Man kann die Arbeiterklasse nicht in den Sozialismus “tricksen”. Die soziale Revolution kann nur als bewußter Akt der Arbeiterklasse stattfinden. Es führt kein Weg an der offenen Benennung des Ziels und der Schritte zum Sozialismus vorbei. In dieser Hinsicht ist eine Auseinandersetzung mit dem sog. realen Sozialismus und anderen Sozialismuskonzepten sicherlich hilfreich. Aber entscheidend ist, klar und offen zu sagen was ist und was wir wollen. Danach kann man sich mit Noch-Nicht-Revolutionären darüber unterhalten, wie trotz unterschiedlicher strategischer Zielsetzungen gemeinsam gehandelt werden kann.

Grundlage einer Bewußtseinsbildung mit dieser strategischen Perspektive sind unserer Ansicht nach positive Beispiele. Die revolutionären Bewegungen im arabischen Raum, in Griechenland, die Massenaktionen auf der iberischen Halbinsel sowie die Occupy-Bewegungen inspirieren sich gegenseitig. Nicht zuletzt vermitteln sie den Beteiligten selbst das Gefühl dafür, daß ihren kollektiven Aktionen ein enormes Stärkepotential innewohnt. Aktionseinheiten, Demonstrationen, Streiks etc., überhaupt jede Aktivität, die das Kollektivbewußtsein stärkt, ist in diesem Sinne ein strategischer Schritt in Richtung Sozialismus. Die Verteidigung demokratischer Freiheiten und der Kampf für Übergangsforderungen können in diesem Zusammenhang wichtige Beiträge zur Entwicklung eines erneuerten Selbstbewußtseins der Lohnabhängigen sein. Aber sie leisten diesen Beitrag nur dann in nennenswertem Umfang, wenn sie in den Massenbewegungen selbst zur Geltung kommen.

Revolutionäre Politik und Wahlen

Wir sehen daher in der außerparlamentarischen Arbeit den notwendigen Schwerpunkt eines neuen revolutionären Parteiprojekts. Wir lehnen die Beteiligung an Wahlen nicht prinzipiell ab. Aber wir halten es für nötig, bisherige Wahlbündnisse und die Erfahrungen mit reinen Wahlparteien bzw. “Wahlbewegungen” sehr kritisch zu diskutieren.

Parlamentarismus als Falle

Festzustellen ist zunächst, daß in der BRD bisher noch jedes Projekt einer von subjektiven Revolutionären ins Leben gerufenen Wahlpartei gescheitert ist. Nicht unbedingt an der 5%-Hürde. Aber gescheitert als Projekt substantieller gesellschaftlicher Veränderung. Aus einst subjektiv revolutionären und ehrgeizigen Aktivisten wurden erst karrieristische Reformisten, dann scheinbar realistische Reformisten und schließlich zynische Neoliberale. Die Integrationskraft des parlamentarischen Systems wurde unterschätzt. Zehntausende von einst linken Grünen ergatterten kommunalpolitische Mandate, wurden in Ausschüssen “sachverständige Bürger”, kämpften um öffentliche Zuschüsse, um den Wortführern von Bürgerinitiativen Büros und fulltime-Jobs zu verschaffen. In den 80-er Jahren wurde fast eine ganze Generation ehemaliger Aktivisten vom bürgerlichen Staat vereinnahmt. Parlamentarische Respektabilität kann zu einer sehr wirksamen Falle für ein revolutionäres Parteiprojekt werden.

Wahlbeteiligung und außerparlamentarische Arbeit ausjustieren

Andererseits kann ein revolutionäres Parteiprojekt nicht darauf verzichten, seine Massenwirksamkeit dadurch zu erhöhen, daß es bei Wahlen antritt und sich — selbstverständlich — darum bemüht, auch zum Sprachrohr der unzufriedenen Teile der lohnabhängigen Massen zu werden, die die revolutionären Ziele des Parteiprojekts noch nicht unterstützen. Aber das Projekt muß sich darüber klar sein, daß eine solche Politik gerade, wenn sie erfolgreich ist, den ideologischen Druck der bürgerlichen Gesellschaft auf das Projekt verstärkt. Dem muß durch die stetig erneuerte Analyse und Diskussion der sozioökonomischen Entwicklung begegnet werden, entscheidend bleibt aber, daß die außerparlamentarische Praxis immer Schwerpunkt der Parteiaktivitäten bleibt.

Das Beispiel der WASG-Berlin

Das Projekt der WASG unterschied sich davon maßgeblich.

Zu bedenken ist: Die WASG war auch in Berlin kein revolutionäres Parteiprojekt, sondern sie präsentierte sich als linksreformistische Alternative zur PDS. Natürlich kann man darüber spekulieren, wieso es der Berliner WASG nicht gelang, einen größeren Teil der sich von der PDS abwendenden Wähler und Wählerinnen zu gewinnen. Aus vielen Gesprächen haben wir den Eindruck gewonnen, daß gerade diese Wähler der Berliner WASG nicht geglaubt haben, daß sie nach den Wahlen ihre Selbständigkeit wahren würde. Ohne die erklärte Bereitschaft zum Bruch mit der PDS auf Bundesebene, ohne gleichzeitige offene Fraktionierung der WASG auf Bundesebene und ohne Kampf gegen die Parteienfusion gab es nicht einmal eine ausreichende Glaubwürdigkeit als linksreformistisches Projekt. Die WASG in Berlin konnte sich für keine strategische Option entscheiden und zerbrach. Die erste Lehre sollte sein: Wer sich denjenigen als Alternative präsentiert, die sich ohnehin von einer Partei abwenden, muß dies ernsthaft und konsequent tun. Sonst braucht er nicht anzutreten. Die zweite Lehre ist die, daß bunt zusammengewürfelte Wahlparteien ohne ein gemeinsames Verständnis der politischen und sozioökonomischen Großwetterlage schnell auseinanderlaufen, wenn es mit den schnellen Erfolgen nicht nach Wunsch verläuft.

Im übrigen war bei der WASG-Berlin nicht der Hauch einer Einheitsfrontperspektive erkennbar. Es gab harte Kritik an der Berliner PDS-Politik. Die war nötig und o.k., aber uns ist nicht aufgefallen, daß die PDS/Die Linke in sonstiger Weise aufgefordert worden wäre, gemeinsam mit der WASG praktische Politik zu machen.

WASG-Berlin: Ein wiederholbares Projekt?

Die Erfahrung mit der WASG in Berlin halten wir übrigens zur Zeit auch aus einem anderen Grund kaum für wiederholbar. In das politische Vakuum zwischen den revolutionären linken Gruppen und dem rechtsreformistischen Sumpf der Linken ist die Piratenpartei eingedrungen, die sich auf das Potential der Unzufriedenen stützt. Aber weil es in der gegenwärtigen Phase der kapitalistischen Entwicklung weder für reformistische noch für linksliberale Politik eine realistische Grundlage gibt, wird auch die Piratenpartei scheitern. Es gibt daher unserer Ansicht nach keinen Grund zur Resignation für revolutionäre Sozialisten.

Über das Verhältnis zur Partei “Die Linke”

Das SIB-Papier erklärt, es sei nicht vorhersehbar, wie sich die Partei Die Linke entwickelt. Da haben wir doch erhebliche Zweifel.

Wir halten es für vorhersehbar, daß auf absehbare Zeit die herrschende Klasse nur in extremen Ausnahmesituationen wie plötzliche Massenstreiks der Arbeiterklasse und deren rasante Radikalisierung bei gleichzeitiger tiefer politischer Krise der bürgerlichen Parteien, nennenswerte Reformen zuläßt, um die Lage kurzfristig zu befrieden. Dem Reformismus ist damit die politische Grundlage entzogen. Der Reformismus an der Macht verwandelt sich in ein Instrument, der Arbeiterklasse einschneidende Konterreformen mit dem Argument zu verkaufen, es werde noch Schlimmeres verhütet.

Der Reformismus verwandelt sich jedoch nicht nur im Falle von Regierungsbeteiligungen in eine Propagandawaffe des Kapitals. Er bemüht sich in der Opposition, die explosiver gewordene Massenstimmung in das parlamentarische System zu reintegrieren. Selbst scharfe Verbalopposition wie bisweilen von Lafontaine praktiziert, dient nicht dazu, praktischen Massenwiderstand gegen das Kapital und seine Regierung zu organisieren. Stattdessen werden die Krisenopfer auf die nächsten Wahlen vertröstet. Nach den Wahlen heißt es dann, man sei immer noch zu schwach, habe nicht die nötigen Mehrheiten etc. Dementsprechend besteht die Politik der Führung der Linken darin, am laufenden Band Presseerklärungen abzusondern, für die sich niemand interessiert. Praktische, außerparlamentarische Mobilisierung findet so gut wie nicht statt. Außerparlamentarische Aktivisten der Partei Die Linke sind in ihr eher eine Randerscheinung. Dasselbe gilt für den Gewerkschaftsbereich. Die Führung der Linken biedert sich den Sommers des DGB an, anstatt diesen Herrschaften, die sich ihrer Freundschaft mit Merkel brüsten, Dampf zu machen und an der Veränderung der Gewerkschaften zu arbeiten.

Aus sich heraus ist das eine den Kapitalismus und die bürgerlichen Herrschaftsverhältnisse stabilisierende Politik. Diese Politik zementiert die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse und wirkt damit Linksentwicklungen in der Partei “Die Linke” entgegen.

Kann es dennoch Veränderungen in der Linken geben? Ja, natürlich. Nämlich dann, wenn es OHNE ZUTUN der Partei “Die Linke” zu gesellschaftlichen Radikalisierungsprozessen kommt. Dann müssen sich Reformisten auf die neue Lage einstellen — wenn es sein muß, durch verbale Linksschwenks. Dann ist auch nicht auszuschließen, daß sich Teile der Linken tatsächlich nach links bewegen. Aber diese Kräfte werden nicht Motor dieser Linksentwicklung sein, sondern Getriebene. Wer heute eine Alternative aufbauen will, sollte etwas für sie tun anstatt in der Partei “Die Linke” auf bessere Zeiten zu warten.

Aktionseinheiten, Einheitsfrontpolitik und die Einheit der subjektiven Revolutionäre

Im Papier der SIB bleibt das Bekenntnis der SIB zur Einheitsfrontpolitik blaß. Das Bekenntnis zu Aktionseinheiten teilen wir natürlich. Allerdings haben die gängigen Aktionseinheiten ihre Schwächen: In der Regel gibt es hinter den Kulissen ein Tauziehen um den Inhalt von Aufrufen, um Redner etc. Oft gibt es faule Kompromisse, ohne daß man sich auf inhaltlich klare gemeinsame Ziele geeinigt hätte und ohne daß über die Beteiligten hinaus eine tatsächliche Mobilisierung stattfindet. Selbst das ist natürlich besser als gar keine Aktionen.

Aber was gibt es über Aktionseinheiten hinaus? Wir sehen derzeit kaum ernsthafte Ansätze zu einer Politik der Einheitsfront, die ja ihrer ursprünglichen Konzeption nach zunächst auf die Schließung von Zweckbündnissen derjenigen Kräfte gerichtet war, die die reale und wenigstens formale Autonomie der Arbeiterklasse gegenüber dem Kapital und seinen Parteien repräsentieren — und Bündnissen der Spitzenvertreter wie auch an der Basis. Das liegt natürlich hauptsächlich an der verkommenen Sozialdemokratie und ihren Gewerkschaftsbürokraten. Aber auch die Partei “Die Linke” verhält sich völlig passiv. Bei der extremen Linken sieht es nicht viel besser aus. Was können bei den jetzigen Kräfteverhältnissen hier die Revolutionäre tun? Resignieren? Kritik üben? Initiativen ergreifen? Wenn ja, wie fangen wir es an? Was kann gemeinsam getan werden?

Bei aller notwendigen Kritik an der Partei “Die Linke” wäre die natürlich ein Adressat, ebenso — wenigstens punktuell — die SPD. Aber nicht zuletzt müßten hier die Gewerkschaften genannt werden.

In diesem Zusammenhang müßte auch die Frage gestellt und diskutiert werden, was eine Klassenorientierung bedeutet. Gar nicht angesprochen ist zudem ein weiterer wichtiger Aspekt der Einheitsfront, nämlich die reale Organisierung von Lohnabhängigen im Rahmen von Bündnisprojekten.

Die vom SIB-Papier propagierte Einheit der subjektiven Revolutionäre wünschen wir uns alle. Aber sie ist schwer zu verwirklichen, wenn es um mehr als Wahlkämpfe geht und gemeinsam praktische außerparlamentarische Politik mit dem Ziel des Aufbaus einer revolutionären Partei gemacht werden soll. Ohne ein gemeinsames Verständnis der Lage und der sich daraus ergebenden politischen Schritte ist u.E. nach die Realisierung einer Einheitsfrontpolitik ein sehr prekäres Projekt. Auch hier mogelt sich das Papier ein wenig an den Schwierigkeiten vorbei.

Parteibildung und Parteiaufbau

Das oben näher bezeichnete strategische Dilemma der Revolutionäre zwischen eigener Schwäche, der zunehmenden Unzufriedenheit immer größerer Teile der Lohnabhängigen bei einer Gemengelage von anhaltenden reformistischen Illusionen und Hoffnungen sowie Resignation und politischer Desorientierung, läßt sich in der Tat mit Karl-Heinz Schubert als Mißverhältnis zwischen der Parteibildung des Proletariats und dem Stand des Aufbaus einer revolutionären Partei beschreiben.

Wir halten die Unterscheidung für nützlich, weil sie darauf verweist, daß der Parteiaufbau nicht unabhängig vom Parteibildungsprozeß in der Arbeiterklasse sein kann — aber der Parteiaufbau ist umgekehrt auch nicht direktes Abbild der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus. Das Bild, daß Genosse Schubert vom Parteibildungsprozeß zeichnet, ist noch zutreffend, aber zugleich scheint uns, daß seine Beschreibung das Potential für eine Dynamisierung des Parteibildungsprozesses unterschätzt. Demgegenüber fehlt im SIB-Papier eine vergleichbar realistische Einschätzung des Ist-Zustandes des Parteibildungsprozesses.

Auch wir glauben nicht, daß kurzfristig eine revolutionäre Partei aufgebaut werden kann, die auf Augenhöhe mit der Partei “Die Linke” bei Wahlen konkurrieren kann. Aber wir sehen in der sich abzeichnenden Dynamik des Parteibildungsprozesses eine gute Chance, den Parteiaufbau voranzubringen. Dafür wäre ein Verschmelzungsprozeß der subjektiv revolutionären Kräfte ein wichtiger Schritt nach vorn. Das würde auch dann gelten, wenn die ersten Schritte auf diesem Weg noch bescheiden bleiben.

Ein Vorschlag

Wir halten es allerdings für möglich, diesen Verschmelzungsprozeß der Revolutionäre und den Parteibildungsprozeß zu dynamisieren, indem die beteiligten Gruppen neben den strategischen Debatten zugleich ein gemeinsames politisches Projekt entwickeln. Anzustreben wäre die Einigung auf eine gemeinsame, längerfristig angelegte Mobilisierungskampagne, die sich auf offene lokale Personeninitativen bzw. Stadtteilkomitees stützt, die vor Ort Agitation für konkrete politische Ziele betreiben, dort kleinere Aktionen und Veranstaltungen, durchführen, und nach einer ausreichenden Vorlaufzeit auch regionale bzw. bundesweite Aktionen organisieren — gestützt auf Delegiertentreffen der lokalen Initiativen.

So etwas hat es z.B. in den 70-er Jahren in Hamburg bei Anti-AKW-Mobilisierungen gegeben, später in einigen Städten zur Unterstützung der Metallerstreiks zur 35-Stundenwoche und im Rahmen der Friedensbewegung der 80-er Jahre in der BRD. In den vergangenen Jahren gab es so etwas auch in Frankreich. Die Initiativen für Montagsdemonstrationen gegen die Hartz-IV-Gesetze gingen in dieselbe Richtung. Ein solches Projekt müßte auf die Einbeziehung möglichst vieler bisher unorganisierter Jugendlichen und Lohnabhängigen und deren aktive Einbeziehung zielen, aber zugleich dafür kämpfen, Parteien und Gewerkschaften in die Pflicht zu nehmen.

Wir könnten uns folgende Zielsetzung bzw. das folgende Sofortprogramm gegen die Krise als Zielsetzung vorstellen:

  • Gesetzliche Einführung eines Mindestlohns von 10 Euro
  • Rückgängigmachung der Hartz-Gesetze
  • Rückkehr zur Altersrente mit 65
  • Verbot der Privatisierung öffentlichen Eigentums
  • Verstaatlichung der Banken
  • Wiedereinführung der Vermögenssteuer, drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Höchstbesteuerung aller Spekulationsgewinne
  • internationale Solidarität gegen neoliberale Standortverteidigung

Unserer Ansicht nach wäre das ein Projekt, mit dem der Parteibildungsprozeß und mittelbar der Parteiaufbauprozeß beschleunigt werden könnte. Die Forderungen dieses Sofortprogramms setzen nicht voraus, daß die Teilnehmer an Komitees mit ihren reformistischen Illusionen brechen. Aber der tatsächliche Kampf dafür wird Erfahrungen generieren, die helfen, diese Illusionen zu überwinden. Ein solches Projekt würde also nach unserem Verständnis in embryonaler Form das Konzept der Einheitsfront verwirklichen.

So sehr wir übrigens mit den Forderungen des Bochumer Programms sympathisieren, so wenig sehen wir dort die Möglichkeit der Einbeziehung von Krisenbetroffenen mit reformistischen illusionen gegeben. Trotzdem halten wir das Bochumer Programm für sehr diskussionswürdig. Aber wir halten es für wenig geeignet als Grundlage einer Einheitsfrontinitiative.

quelle: http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/x3f2f8a90-66f0-11e1-babf-8183d4962622/content.html

Wie aktuell ist die “Revolution”?

auf dem arschhoch.blog http://arschhoch.blogsport.de/2012/02/29/harter-klassenkampf-ist-angesagt/ (siehe die kommentare) gab es eine debatte über die frage, ob linke in soziale bewegungen mit der perspektive der “Machtfrage stellen” reingehen sollen, oder ob man angesichts der politischen und sozialen “realitäten” nur schrittweise verbesserungen der ausgangsbedingen erreichen kann.

dies ist eine eminent wichtige fragestellung, die eine tiefgreifendere betrachtung verdient. zunächst einmal gehe ich abstrakt von der “feststellung” aus, dass das imperialistische stadium des kapitalismus ein “niedergehender kapitalismus” ist. zumindest war das die strategische orientierung von lenin, trotzki und anderer führender bolschewiki; anders wäre auch die oktoberrevolution überhaupt nicht nachvollziehbar. aber woran macht man das fest? natürlich produziert der imperialismus kriege und elend. und die not in 3. welt ländern hat ihre ursachen im system. aber es ist auch wahr, dass der kapitalismus in den metropolen KEIN stagnierender kapitalismus ist. trotzkis behauptung im übergangsprogramm, dass der kapitalismus aufgehört hat zu wachsen, scheint nicht korrekt zu sein.*

ich bin kein experte für wirtschaftstheorie. aber grundsätzlich würde ich sagen, dass es für den kapitalismus keine innere schranke des wachstums gibt. es gibt zwar konjunkturelle schwankungen, bis hin zur krise, gesättigte märkte und nachlassende kaufkraft im binnenmarkt. aber all diese faktoren führen nicht dazu, dass der kapitalismus nicht immer wieder andere kompensationsmöglichkeiten findet. notfalls muss eben von zeit zu zeit eine grössere zerstörung von ressourcen stattfinden, dann kann man auch wieder “wirtschaftswunder” feiern. aber innerhalb des kapitalismus ist es sehr wohl möglich, dass — zumindest in teilbereichen, wie z b mikroelektronik — auch ein dynamisches wachstum stattfinden kann.

OBJEKTIV scheint es mir daher nicht ZWINGEND, den imperialismus als “krisenhaften kapitalismus” zu bezeichnen. es sind eher konjunkturelle auf- und abschwünge, die aber insgesamt die SYSTEMLOGIK nicht ausser kraft setzen.

SUBJEKTIV ist die lage aber noch viel schlimmer. es gibt ein schreiendes missverhältnis zwischen dem politischen anspruch, die kapitalistische krise “revolutionär” zu lösen, und den realen kräften, die so eine politik auch verfolgen. es gibt für diesen zustand sicher einen haufen ursachen, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann. aber letztendlich kommt man nicht an der erkenntnis vorbei, dass die “linke” auch selber schuld ist, schwere fehler begangen hat und begeht, wenig lernfähigkeit beweist und sich durch mangelnde taktische flexibilität auszeichnet. also das, was die bürgerliche gesellschaft auszeichnet, immer ein hintertürchen zu finden, ist den “linken” verwehrt, denn sie werden immer an ihren eigenen ansprüchen gemessen. und sobald das geringste missverhältnis zwischen anspruch und wirklichkeit erkennbar wird, ist das moralische todesurteil für einen “linken” gesprochen.

man mag diese form der doppelmoral bedauern, aber sie hat auch ihr gutes. sie schafft einen doppelten selektionsdruck für diejenigen, die sich auf seiten der politischen linken engagieren wollen.

aber zurück zur frage der “aktualtät der revolution”.

wenn wir davon ausgehen, dass das imperialistische weltsystem die “objektiven voraussetzungen” für proletarische revolutionen geschaffen hat, dann bleibt nur noch als einziger faktor, an dem alles hängt, der “subjektive”. diese sichtweise (am stärksten kodifiziert im übergangsprogramm trotzkis**) hat die logik auf ihrer seite. führt aber auch leicht zu einem extremen voluntarismus, der die stabiltät der bürgerlichen herrschaft verkennt und die indolenz breiter Massen unterschätzt. richtig ist aber, dass die organisierung der bewusstesten teile der klassenbewegung die vorrangige aufgabe bleibt.

die frage der vermittlung eines “revolutionären programms” in eine gesellschaftliche “Massenbewegung” ist damit aber noch lange nicht beantwortet. ich glaube, dass meint DGS, wenn er davon spricht, dass die “revolution” keine “aktualität” hat.***

——

  • “Die wirtschaftlichen Voraussetzungen der proletarischen Revolution ist schon seit langem am höchsten Punkt angelangt, der unter dem Kapitalismus erreicht werden kann. Die Produktivkräfte der Menschheit stagnieren. Die neuen Erfindungen und die technischen Fortschritte dienen nicht mehr dazu, das Niveau des materiellen Reichtums zu erhöhen. Unter den Bedingungen der sozialen Krise des ganzen kapitalistischen Systems laden die Konjunkturkrisen den Massen immer größere Entbehrungen und Leiden auf. Das Anwachsen der Arbeitslosigkeit vertieft wiederum die finanzielle Krise des Staates und unterhöhlt die erschütterten Geldsysteme. Die Regime – die demokratischen wie die faschistischen – taumeln von Bankrott zu Bankrott.”

** „Das ganze Gerede, wonach die geschichtlichen Bedingungen noch nicht „reif“ genug seien für den Sozialismus, ist nur das Produkt der Unwissenheit oder eines bewußten Betrugs. Die objektiven Voraussetzungen der proletarischen Revolution sind nicht nur schon „reif“, sie haben sogar bereits begonnen zu verfaulen. Ohne sozialistische Revolution, und zwar in der nächsten geschichtlichen Periode, droht die ganze menschliche Kultur in einer Katastrophe unterzugehen. Alles hängt ab vom Proletariat, d.h. in erster Linie von seiner revolutionären Vorhut. Die historische Krise der Menschheit ist zurückzuführen auf die Krise der revolutionären Führung.“

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/uebergang/ueberg1.htm

*** “Heute Übergangsforderungen in den Mittelpunkt zu rücken, heißt dagegen die „Phantasie“ für das „wirkliche Leben“ zu halten; heißt von der Aktualität der revolutionären Perspektive auszugehen.”

http://arschhoch.blogsport.de/2012/02/29/harter-klassenkampf-ist-angesagt/ [kommentar DGS, 3.3.2012, 20:09h]

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