Analyse und Hoffnung

"Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat." -- Das Prinzip Hoffnung

Grundprinzipien politischer Organisierung von links

heute hatte ich mit bronsteyn auf dem NAO blog eine debatte, wo es um die frage ging, welche bedingungen erfüllt sein müssen, damit “linksradikale politik” eine grössere breitenwirkung erzielen kann. (siehe: http://www.nao-prozess.de/blog/avanti-fur-den-kleinteiligen-und-muhsamen-weg-des-aufbaus-einer-undogmatischen-revolutionaren-organisation-2/ und die kommentare)

dabei kamen wir auf das problem, dass es nicht ausreicht, eine nüchterne analyse des bestehenden zu betreiben, sondern dass in der analyse auch eine zukunftsweisende utopie aufscheinen muss. diese kann dann nicht nur auf der ebene der “vernunft” wirken, sondern muss auch die leidenschaften und gefühle ansprechen. bronsteyn wies mich darauf hin, dass es in der philosophie von Ernst Bloch das begriffspaar Wärmestrom/Kältestrom gibt. dabei bezeichnet kältestrom die nüchterne analyse der bestehenden gesellschaft (in der marxistischen terminologie die kritik der politischen ökonomie), der wärmestrom die erwartungen und hoffnungen der menschen. erst beide zusammen würden eine fortbildung der gesellschaft ermöglichen.

ich glaube, es herrscht ein grosser mangel in der politischen linken an diesem “wärmestrom”.

meines erachtens findet man etwas vergleichbares bei Wilhelm Reich und seiner kritik am “Fetisch Politik” (in “Was ist Klassenbewusstsein?”). mit “fetisch politik” meinte Reich, dass man sich im offiziellen politikgeschehen (einschliesslich der linken opponenten) mit problemen beschäftigt, die weit ab sind von der alltagserfahrung vieler “normaler” menschen, die dadurch von der politischen teilhabe ausgeschlossen werden. nicht weil sie unpolitisch oder gar zu “dumm” sind, sondern weil der zugang, die verbindung, zwischen ihrer lebenssituation und (allgemeineren) politischen fragestellungen nicht hergestellt wird/hergestellt werden kann. aber genau das wäre die aufgabe linker, emanzipatorischer politik. sagte nicht auch lenin, dass in der sowjetdemokratie  ”jede köchin” die regierungsgeschäfte übernehmen können müsste? leider klafft zwischen anspruch und wirklichkeit eine grosse lücke. diese zu schliessen, dass ist der eigentliche sinn des politischen organisierungsprozesses. dies wird leider im politischen alltagsgeschäft gern vergessen und die arbeitsteilung zwischen (hauptamtlichen) funktionären und einfachen basismitgliedern tut dann meist ihr übriges, eine “entpolitisierende” und “entemanzipierende” wirkung zu entfalten.

wenn die linke (und im speziellen: der NAO prozess) eine “breitere attraktivität” erlangen möchte, dann wird es gelingen müssen, neben der nüchternen programm- und theoriearbeit auch die hoffnungen, träume und leidenschaften grösserer “Massen” anzusprechen und zur selbstaktivität anzuspornen. denn nur eine bewegung, die ihre befreiung nicht von anderen erwartet, sondern nur in den eigenen fähigkeiten verortet, wird zur neubegründung der gesellschaft in der lage sein.

Fundstück aus der Reihe “trotzkistische Sektologie”: Bronsteyn über “Morenismus”

Nahuel Moreno: war ein "trotzkistischer" caudillio und ein politisches chamälion

[Vorbemerkung: die srömung des "morenismus" hat in deutschland -- wie bronsteyn schon sagt -- nie eine rolle gespielt. allerdings ist diese strömung für lateinamerika höchst relevant. so ist zum beispiel die FT/CI, die kürzlich mit der deutschen gruppe RIO fusioniert hat, ebenfalls ein spaltprodukt des morenismus. international hatten die morenisten seinerzeit versucht, einen (faulen) block mit dem rabiat antikommunistischen lambertismus zu schliessen, aber auch dieses vorhaben fiel nach kurzer zeit auseinander. für deutschland spielte und spielt der lambertismus ebenfalls keine rolle, in frankreich hat er wohl noch einen gewissen einfluss, aber die tendenz geht wohl in richtung absolute isolation von jeglicher lebendiger innerlinker debatte.]

Morenismus

Das Wort Morenismus ist in Deutschland, nicht ohne Grund, fast unbekannt und nur “trotzkistischen Insidern” ein Begriff.

In Lateinamerika dagegen ist der Terminus wohl bekannt. Die meisten trotzkistischen Organisationen dort sind aus der “morenistischen Strömung” hervorgegangen.
Ich will mit diesem kleinen Artikel keine erschöpfende Geschichte dieser Strömung schreiben, das wäre Grund für eine wissenschaftliche Dissertation.
Als ehemaliger Mitbegründer der einzigen “morenistischen” Gruppe, die es jemals in Deutschland gab, möchte ich doch einiges zu dieser Strömung sagen, die in Deutschland völlig verschwunden ist.

Namensgeber für diese Strömung war Nahuel Moreno, mit richtigem Namen eigentlich Hugo Blessano, dessen Lebensgeschichte in aller Kürze bei wikipedia nachzulesen ist:
http://en.wikipedia.org/wiki/Nahuel_Moreno
(Einen deutschen Eintrag in wikipedia gibt es dazu nicht, wer sollte ihn auch vornehmen?)
spanisch ausführlicher hier:
http://es.wikipedia.org/wiki/Nahuel_Moreno

Über die von Moreno initiierte “morenistische Strömung” kann man nachgoogeln:
http://www.google.de/#sclient=psy-ab&hl=de&source=hp&q=Morenismus&pbx=1&oq=Morenismus&aq=f&aqi=&aql=&gs_sm=e&gs_upl=0l0l0l3808l0l0l0l0l0l0l0l0ll0l0&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.,cf.osb&fp=59afa5df962a6305&biw=1280&bih=646

Ich möchte nur aus eigener Anschauung und Erfahrung einige Thesen zu diesem Phänomen formulieren und in diesem Blog niederlegen, für alle, die mit dem Begriff etwas anzufangen wissen.

1. Das Lebenswerk Nahuel Morenos ist durchaus beeindruckend. Ergebnis seines Wirkens ist u.a., dass es auf dem lateinamerikanischen Subkontinent heute viele zehntausende Trotzkisten gibt, wo vor 50 Jahren noch ein weisser Fleck in der Landkarte war.
2. Ich schätze Moreno vor allem als revolutionären Pragmatiker, eine Charakterisierung, die ich nicht als abschätzig verstanden wissen will. Gerade unter vielen sich als Trotzkisten bezeichnenden Koriphäen mangelt es aus meiner Sicht erheblich an dem Typus des revolutionären Pragmatikers, ohne den keine Bewegung und keine Organisation wirklich lebendig und wirk-sam sein kann.
3. Sein Erbe besteht aber auch darin, dass die von ihm initiierte und nach ihm benannte Strömung unmittelbar nach seinem Tod (1987) in zahllose Splitter “explodierte”. Dies betraf in erster Linie die von ihm und seinen Leuten aufgebaute MAS in Argentinien (auch die heute noch existierende MAS ging aus dieser “morenistischen” MAS hervor). Positiv ausgedrückt hatte er ganz offenbar eine starke charismatische und integrative Persönlichkeit. Als diese plötzlich durch Todfall wegfiel, kam es zur “Explosion”, anders ausgedrückt zur Entladung der politischen Widersprüche seiner Strömung.
4. Zu Recht distanzieren sich die meisten Organisationen, die aus dem Morenismus hervorgegangen sind, heute davon, “morenistisch” zu sein.
5. Ich begründete mit drei anderen Personen 1980 die einzige “morenistische” Organisation auf deutschem Boden, die Sozialistische Liga. Diese verschwand (nach zwischenzeitlicher Umbenennung in “Mauerspecht” und dann SL/SI) endgültig spurlos und für immer um das Jahr 2000. Ich hatte mich bereits 1986 spätestens endgültig von dieser Gruppe getrennt. Die Gründe des Versagens und Scheiterns dieser Gruppe hatte ich lange Jahre (während und nach einer langen Phase der politischen Passivität ab 1992) für eine rein deutsche Angelegenheit gehalten. Davon bin ich abgekommen.
6. Ein wichtiger Konfliktfall Anfang der 80er Jahre war der Druck von Seiten der internationalen Leitung (d.h. Moreno selbst), die lambertistische Losung der “bedingungslosen Einheit Deutschlands” zu adaptieren und sogar mit der damaligen lambertistischen Organisation (die unterdessen verschwunden ist) zu fusionieren.
Was Lambertismus bedeutet?
http://www.google.de/#pq=morenismus&hl=de&cp=12&gs_id=1j&xhr=t&q=Lambertismus&pf=p&sclient=psy-ab&source=hp&pbx=1&oq=Lambertismus&aq=0v&aqi=g-v1&aql=&gs_sm=&gs_upl=&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.,cf.osb&fp=59afa5df962a6305&biw=1280&bih=646
7. Hinzu kam ein befremdlicher Führerkult in der deutschen Gruppe, ein Führerkult, der weniger von Moreno selbst wohl so gewollt war, sondern von ehemaligen Basisaktivisten ausging, die es offensichtlich einfach nicht besser wussten. Die Unselbständigkeit solcher “Unterführer” ging soweit, dass als Maxime galt “Wir diskutieren nur, wo wir sicher sind” (d.h. wo wir die Rückendeckung der internationalen Leitung haben). Das war natürlich grotesk ausgerechnet in einem Land wie Deutschland, und so ist es kein Zufall, dass die SL nie die Kopfzahl von 10 Mitgliedern überschritt und nur sehr selten überhaupt erreichte. Doch solche grotesken Randerscheinungen erledigen das Thema “Morenismus” keineswegs. Solche karrikaturhaften Entwicklungen können bei jeder Strömung auftreten, auch wenn sie für Lateinamerikaner und besonders Argentinier in gewissem Sinne typisch sind.
8. Gravierend dagegen ist ein konzeptionell-theoretisches Erbe des “Morenismus”, das vor allem bei denjenigen Strömungen sehr präsent ist, die sich explizit auf Moreno auch als Säulenheiligen der marxistischen Theorie beziehen. das wird Moreno, der aus meiner Sicht seine Stärken vor allem als revolutionärer Pragmatiker hatte, nicht wirklich gerecht.
9. Dieses verhängnisvolle konzeptionell-theoretische Erbe des “Morenismus” besteht in der Schematisierung der Kategorien “Februarrevolution” und “Oktoberrevolution” und hat zum Hintergrund letztlich sehr spekulative, aber auch sehr naive Annahmen von Automatismen im Verlauf historischer Prozesse.
10. Unter einer “Februarrevolution” verstand Moreno demokratische Massenaufstände gegen Diktaturen und Regimes analog zur Februarrevolution 1917 in Russland. Diese würden – nach einer gewissen Zeit (in Russland 1917 etwas mehr als ein halbes Jahr) – von “Oktoberrevolutionen” ergänzt werden. Diese Schematisierung hat durchaus ihren Reiz, aber auch verhängnisvolle Konsequenzen, wenn man sie wirklich schematisch anwendet.
11. Nach “morenistischer Auffassung” waren die Jahre ab 1980 im Prinzip bis heute durch “großartige revolutionäre Triumpfe” gekennzeichnet. Diese Triumpfe waren (mit ein wenig Verkürzung); Iran 1979, Nikaragua 1979, der Fall der Berliner Mauer 1989, der Sturz Gorbatschows 1990 und seine Ablösung durch den Restaurations-Säufer Jelzin, die Wende in den ehemaligen Ostblockstaaten usw usf. Da nimmt es auch kein Wunder, wenn 2011 die NATO-Intervention in Libyen als “Sieg der Volksmilizen” und großer revolutionärer Triumpf gefeiert wurde.
12. Restauration und Konterrevolution kommt bei “morenistischen” Flachköpfen eigentlich gar nicht vor. Kapitalistische Restauration in Russland war schon vor 1990. Die blutige Konterrevolution im Iran unter den Mullahs war unwesentlich. NATO-Intervention in Libyen – spielte keine Rolle, das waren alles die “Volksmilizen”. Deutschland 1990 – ein einziger Triumpf der Revolution (Restauration? Welche Restauration?)
13. Da die Epigonen immer schlimmer sind als die Säulenheiligen, lässt sich mit gestandenen “Morenisten” über diese Fragen auch gar nicht diskutieren. Wunschdenken ersetzt jede differenzierte Analyse. Und was das übelste ist: im Unterschied zum verstorbenen Herrn und Meister haben die Epigonen (die durchweg politische Zwerge sind) auch keine Überzeugungskraft, sondern ersetzen im Zweifelsfall Diskussion und Debatte durch Intrigen und Manöver.
14. Am Beispiel der sinnlosen Losung der “bedingungslosen Einheit Deutschlands” vor 1990 lässt sich der “Objektivismus” der morenistischen Schemata gut aufweisen. In den 80er Jahren wurde die Relevanz und das revolutionäre Potential dieser Losung so erklärt: das deutsche Proletariat sei geteilt, etwa so wie die beiden Hälften des Kerns einer Atombombe. Wenn das Proletariat also – ohne Vorbedingungen – wieder vereinigt werden würde, so käme es ganz unvermeidlich zur “revolutionären Explosion” (wegen kritischer Masse und so). Wir erinnern uns: es war doch wirklich eine tolle Atombombenexplosion 1990/91 in Deutschland, nicht wahr? Es ist kein Zufall, dass jede Organisation, die sich jemals auf diese Losung in Deutschland bezog, spurlos verschwunden ist.
15. Der morenistische Schematismus geht tatsächlich implizit davon aus, es sei möglich, dass das Proletariat (wo auch immer) eine sozialistische Revolution machen könne, ohne sich dessen bewusst zu sein (also ohne es selbst zu merken).
16. Das Proletariat erscheint also aus morenistischer Sicht (wie auch der Sicht mancher anderer “trotzkistischer” Sekten) wie ein großer Automat, an dem “man” nur die “richtigen” Knöpfe drücken müsse, um ihn “in Bewegung zu setzen”.
17. Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit wäre demnach auch unnötig, denn es kommt nicht auf das profane Bewusstsein des realen Proletariers, der realen Proletarierin an. Der Weltgeist des Proletariats wird es schon richten.
18. Konsequenterweise wird von Morenisten auch etwa die Verteidigung Kubas gegen eine imperialistische Aggression abgelehnt, sondern vielmehr ein “breites demokratisches Bündnis” auch mit der kubanischen Exil-Bourgeoisie in Miami angestrebt, um die “einzige kapitalistische Diktatur Amerikas” zu stürzen. Das ist schon mehr als ein Schritt ins Lager der imperialistischen Konterrevolution.
19.Die Lebensleistung des Menschen Nahuel Moreno aber ist unbestritten. Er war ein aussergewöhnlicher Organisator, Organisator und Propagandist, aber ihn auf eine Stufe mit Marx, Engels, Lenin und Trotzki zu stellen, wie es echte Morenisten tun, ist abwegig und wird ihm in seinen Leistungen nicht wirklich gerecht. Er kann nicht verantwortlich gemacht werden für jede Torheit seiner Epigonen.
20. Morenos Februarrevolution-Oktoberrevolution-Schema ist in dieser allgemeinen Form völlig zu verwerfen. Es gibt keinen Automatismus dieser Art. “Februarrevolutionen” können sogar sehr schnell in Konterrevolutionen umschlagen, und es ist sinn- und zwecklos, das bestreiten oder schönreden zu wollen (Beispiel: Iran). Dieses “System” ist ebenso falsch wie die Annahme, dass auf eine Wolke Regen folgt.
21. Der Objektivismus des Morenismus, der den subjektiven Zustand des Klassenbewusstseins fast völlig vernachlässigt, von ihm geradezu abstrahiert, ist für jede Gruppierung, die sich gedanklich darauf einlässt, letal verhängnisvoll. Dies zeigt sich oft daran, dass völlig von morenistischen Gedankenkonstrukten beherrschte Aktivisten – so habe ich es jedenfalls erlebt – das jeweils konkrete Proletariat, mit dem sie es zu tun haben, bisweilen (wenn auch hinter vorgehaltener Hand) glühend hassen und verachten. Das Proletariat ist eben kein Automat.

Quelle: http://bronsteyn.wordpress.com/2012/01/03/morenismus/

Karl Marx: Das Reich der Freiheit

“Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann.
Die Verkürzung des Arbeitstages ist die Grundbedingung.”

–Aus: Karl Marx: Das Kapital, dritter Band

http://www.versalia.de/archiv/Marx/Das_Reich_der_Freiheit.2918.html

Heraus zum 1.Mai !

die alte parole der arbeiterbewegung: "alle räder stehen still, wenn dein starker arm es will" hat nach wie vor gültigkeit. aber dafür benötigt sie eine politische alternative zum neoliberalen mainstream, zur überwindung der kapitalistischen elendsverwaltung

Unsere Option:

Sozialismus! Was denn sonst?

[Erklärung der Gruppe "Marxistische Initiative" zum 1. Mai]

Die Regierung Merkel verkündet, daß es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen sinken, die deutschen Kapitalisten machen in Optimismus. Sie hoffen darauf, aus der aktuellen Krisenperiode des internationalen Kapitalismus gestärkt hervorzugehen. Sie vertrauen darauf, den Staaten in der Peripherie der Europäischen Union weiter eine Politik diktieren zu können, die die Arbeiterklasse dieser Länder wirtschaftlich ausblutet. Hauptsache ist ihnen, daß die spekulativen Investitionen des deutschen und internationalen Finanzkapitals gerettet werden. Daß die Wirtschaft dieser Länder ruiniert wird, daß die Masse der Bevölkerung dieser Länder verarrnt und um die Früchte ihrer lebenslangen Arbeit gebracht wird, ist ihnen gleich. Uns nicht. Wir wollen einen gemeinsamen Kampf der Lohnabhängigen aller Länder. Die Europäische Union des Kapitals ist nicht unser Europa. Wir wollen ein Europa der Solidarität aller Lohnabhängigen, weil wir wissen, daß die Herrschenden ihre verheerende Politik nicht auf die europäische Peripherie beschränken werden.

Das deutsche Kapital fordert auch in der BRD eine schärfere Gangart

Der offiziell verkündete Aufschwung hat seine Grenzen. Selbst im reichen Deutschland sinken die Reallöhne. Hinter den Erfolgen der Arbeitsmarktstatistik verbirgt sich, daß immer weniger Menschen von ihrer Arbeit leben können. Immer mehr Jobs sind befristet, bieten nur Teilzeitbeschäftigung. Die, die noch feste Arbeitsplätze haben, müssen für immer weniger Geld immer mehr arbeiten. Am größten Teil der Arbeiterklasse geht der “Aufschwung” vorbei.

Wir alle leben in Unsicherheit. Die von der herrschenden Klasse verfolgte Strategie des Krisenexports kann in einem Land, dessen Wirtschaft von Exporten abhängig ist, keinen dauerhaften Erfolg haben. Die Herrschenden werden immer neue Opfer von uns fordern, um den Standort Deutschland zu sichern, denn für sie gibt es keine andere Lösung der kapitalistischen Krise, als die Abwälzung sämtlicher Krisenlasten auf die Arbeiterklasse. Dabei kennen die Kapitalisten kein Vaterland. Wer heute Griechenland platt macht und morgen Spanien, der wird im eigenen Land nicht halt machen.

Widerstand ist angesagt

Wir sind deshalb der Ansicht, daß es für die Klasse der Lohnabhängigen einschließlich der Erwerbslosen, der Rentner und der Jugend, keine Alternative zum Kampf für den Sozialismus gibt, national wie international. Wir begnügen uns nicht mit der Anprangerung der Spekulationen und Machenschaften von Banken, Versicherungskonzernen und Heuschrecken. Wir wollen sie nicht regulieren, sondern abschaffen. Wer will, daß die Banken ihre Rolle als Kreditinstitute erfüllen, muß sie der Verfügungsgewalt der Finanzkapitalisten entreißen. Hierzu gibt es nur einen Weg:

Verstaatlichung der Banken, deren Zusammenfassung zu einer einzigen Nationalbank unter Kontrolle der Belegschaft und die Wählbarkeit aller Vorgesetzten!

Es reicht nicht, nur die Spekulanten zu bekämpfen

Es ist höchste Zeit, daß z.B. die Geschäftemacherei mit der Gesundheit aufhört. Deshalb muß das Gesundheitswesen verstaatlicht werden. Die Wirtschaft muß den Bedürfnissen aller Menschen dienstbar gemacht werden. Schluß mit den Monopolprofiten der Energie- und Ölkonzerne! Kämpfen wir für deren Verstaatlichung! Wir wissen, daß die Verstaatlichung allein kein Allheilmittel ist. Die Beschäftigten selbst müssen kontrollieren, was, wo und wie produziert wird. Anstelle der Wirtschaftsregulierung nach shareholder value und der Profitmaximierung müssen wir gemeinsam die Kontrolle durch die Arbeiter durchsetzen. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer humanen, wahrhaft sozialen und ökologischen Gesellschaft.

Wir wissen, daß die Herrschenden, die Kapitaleigner und die mit ihnen verbundenen Parteien sich einem solchen Kurs mit allen Mitteln widersetzen werden. Ihre Macht muß gebrochen werden. Wir sind deshalb der Ansicht, daß sich die Arbeiterklasse sowohl auf der gewerkschaftlichen wie der politischen Ebene zusammenschließen muß. Sie muß sich ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Macht bewußt werden und den Klassenkampf von oben mit Klassenkampf von unten beantworten.

Dazu muß die faktische Stillhaltepolitik der Gewerkschaftsführungen überwunden werden. Es gilt, die Gewerkschaften mit einer demokratisch organisierten, klassenorientierten Basisbewegung wieder zu Kampforganisationen zu machen. Statt mit Kapital und Regierung Burgfriedenspolitik zur Standortsicherung zu betreiben, müssen die Gewerkschaften ausschließlich den Interessen ihrer Mitglieder verpflichtet sein. Anders sind den Herrschenden heute nicht die kleinsten Zugeständnisse abzuringen. Nicht einmal der jetzige Besitzstand läßt sich mit diesen Gewerkschaftsspitzen halten. Das haben die letzten Jahre leider gezeigt. Auch für diejenigen, die vor großen Zielen zurückschrecken und nur Reformen wollen, gibt es daher zu einer klassenkämpferischen Orientierung keine Alternative.

Wir brauchen einen revolutionären Neubeginn

Auf der politischen Ebene ist ein fast kompletter Neuanfang nötig. Daß sich die Sozialdemokratie mit Haut und Haaren den Kapitalinteressen verschrieben hat, ist Allgemeingut. Die Partei Die Linke gibt sich systemkritisch, betreibt aber eine an den parlamentarischen Routinebetrieb angepaßte Politik. Anstatt massiven außerparlamentarischen Widerstand gegen die Politik der Regierung Merkel und das Kapital zu mobilisieren, beschränkt sie sich wesentlich auf Protest in Worten — und vertröstet auf kommende Wahlen. Wo sie selbst mitregiert, verwaltet sie den kapitalistischen Mangel.

Unsere Kritik an der Partei Die Linke

Wir werfen der Partei Die Linke nicht vor, daß sie nicht revolutionär genug ist. Sie gibt nicht einmal vor, das zu sein. Nein, unsere erste Kritik an ihr ist, daß sie über keinerlei Strategie verfügt, gesellschaftliche Kräfteverhältnisse zu ändern. Sie läßt nicht erkennen, daß sie tatsächlichen Massenwiderstand gegen die neoliberale Politik organisieren will. Der Aufstieg der Piraten beweist, daß sie mit ihrer nur palamentsorientierten Reformrhetorik von immer größeren Teilen der Jugend und der Lohnabhängigen nicht mehr als ernst zu nehmende Alternative gesehen wird.

Eben deshalb ist die Schaffung einer revolutionären, antikapitalistischen Organisation unumgänglich. Aber von nichts kommt nichts. Eine Neuorientierung der Arbeiterbewegung, ein neuer Aufbruch der abhängig Beschäftigten braucht auch eine politische Kraft, die die politische Selbstorganisation der abhängig Beschäftigten zu ihrer eigenen macht. Wir brauchen eine neue revolutionäre Arbeiterpartei bzw. eine neue antikapitalistische Organisation. Wir die Marxistische Intiative, beteiligen uns deshalb an der laufenden Diskussion dazu, um diese Wirklichkeit werden zu lassen.

Unsere Kritik an der linksradikalen Bewegung

So richtig es ist, zu betonen, daß nur der Kampf gegen den Kapitalismus einen dauerhaften Ausstieg aus dem kapitalistischen Auf und Ab zwischen Aufschwung und Krise weist, so sehr fehlt es der radikalen Linken noch an einer Strategie, ihre relative gesellschaftliche Isolation zu überwinden. Wir sind der Ansicht, daß die Haltung der meisten Gruppen der radikalen Linken zum Reformismus in zweifacher Hinsicht fragwürdig ist. Einerseits wird zugunsten von formellen Aktionseinheiten mit Untergliederungen der Partei die Linke oder der Gewerkschaften zu häufig auf eine deutliche Kritik der Passivität des Reformismus verzichtet und andererseits werden diese Organisationen nicht in die Pflicht genommen und unter Druck gesetzt, sich an konkreten Widerstandsaktionen gegen Kapital und Neoliberalismus zu beteiligen. Aber beides ist erforderlich für einen erfolgreichen Widerstand!

Nur gemeinsam sind wir stark! Nimm mit uns Kontakt auf! Sprich mit uns!

Quelle: http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/x3b68b2a0-9031-11e1-baf9-f239602cac7e/content.html

Happy Birthday, Lenin !

ein paar flüchtige und höchst subjektive bemerkungen zu lenin 

lieber genosse iljitsch,

erst mal herzlichen glückwunsch zu deinem jahrestag!

da ich nicht gerade ein freund grosser ausflüge in die geschichte bin, bekommst du von mir nur einen brief mit ganz persönlichen gedanken zu dir. diese werden dir als mensch gewiss nicht gerecht werden. aber da du eine person der weltgeschichte bist, hat halt jeder das recht ein bisschen in deinem leben und werken herumzukritteln; mal mit mehr, mal mit weniger sachkenntnis.

ich sag dir ehrlich, ich bin spät ein kritischer anhänger von dir geworden. ich habe nie deine allzu “prosaischen” texte gemocht. und noch heute glaube ich, dass du am aufstieg des stalinismus nicht GANZ unschuldig bist. erst viel später verstand ich, dass hinter deiner nüchternen prosa der eiserne wille zur revolution stand. und dass du mit titanischer energie aus einer weltkrise einen ausweg für das russische — als auch für das ganze weltproletariat — geschaffen hast; zumindest mit der bolschewistischen partei die grundlagen für die revolution gelegt hast. aber dein unglück war, dass dein kühner vorstoss isoliert blieb, sodass aus den ursprünglichen, egalitären zielen der revolution ein “roter zarismus” wurde, der es sogar wagte, aus dir — einem unermüdlichen revolutionär — eine mumifizierte ikone zu machen, so als seist du ein neuer pharao, dem man zu huldigen hätte. deine epigonen betreiben bis heute einen umfassenden devotionalienkult mit dir. aber dafür kannst du nichts. du hast immer alle, insbesondere die jugend, zum kritischen denken aufgefordert.

vieles von dem, was du geschaffen hast, ist von bleibendem wert. aber vieles wird auch, unter einer nachträglichen geschichtsbetrachtung, eine andere wertung erfahren, die auch deine grenzen aufzeigt. damit wirst du aber nicht aus dem pantheon der revolution, in dem du zu recht hineingehörst, hinausgestossen, sondern, im gegenteil, in dem deine wahre menschlichkeit erfasst wird, werden deine leistungen umso grösser aufscheinen können. ein gott kann keine fehler machen, ein mensch aber — mit allen stärken und schwächen — der titanengleiches geschaffen hat, dessen andenken würdigt man am angemessensten dadurch, dass man hinter aller ikononisierung sein wahres menschliches drama zu verstehen versucht; kritisch und durch die kritik in seiner wahren geschichtlichen bedeutung gewürdigt!

ich wünsche dir heute viel spass im umkreis von marx, engels, trotzki, rosa luxemburg und antonio gramsci. möget ihr anregegende debatten führen und auch die eine oder andere flasche himmlischen ambrosias köpfen! ;)

С днём рождения towaritsch lenin !

Welcher Weg vorwärts für die “radikale Linke”?

die hüter einer falsch verstandenen "orthodoxie" müssen sich zwangsläufig gesellschaftlich isolieren. die organisatorische "sektenform" ist das ergebnis einer nicht begriffenen dialektik in politischen lernprozessen einzelner und breiterer bewegungen

aus england vernimmt man jetzt die meldung, dass sich eine gruppe von ex Workers Power mitgliedern von ihrer muttergruppe abgespalten hat. ihre politischen intentionen scheinen in eine ähnliche richtung zu gehen, wie die deutsche NAO initiative oder ihr französisches pendant NPA. (bislang liegt nur eine erklärung auf englisch vor: https://www.facebook.com/notes/simon-hardy/a-simple-proposal-for-a-new-anticapitalist-left/10150680129112399 oder http://links.org.au/node/2825 )

unabhängig von der frage, wie diese abspaltung politisch zu bewerten ist, wird dieser schritt der genossInnen (hoffentlich) innerhalb der Workers Power (WP) tendenz (liga für die 5. internationale, in deutschland: gruppe Arbeitermacht) zu einer heftigen  internen diskussion führen, ob die traditionellen mittel des “orthodoxen trotzkismus” (noch) zielführend sind; oder ob “neue weltrealtäten” (wenn dieser mandelianische begriff gestattet ist) auch zu einer neuen kursbestimmung zwingen. obwohl ich persönlich glaube (ohne nähere hintergrundinfos zu haben), dass die abgespaltenen eher “rechte” politische intentionen verfolgen, ist natürlich diese grundsätzliche frage im höchsten maße berechtigt. denn niemand kann leugnen, dass die existenz hunderter kleinstgruppen des “trotzkismus” wohl niemals dazu führen wird, auch eine breitere gesellschaftliche verankerung zu erreichen. auf der anderen seite werden die WP dissidenten (und das gilt natürlich auch für die deutsche SIB und alle anderen NAO gruppen) aber erklären müssen, auf welcher programmatischen grundlage  eine “breite antikapitalistische organisation” existieren soll.

wenn die SIB sagt, dass nicht ALLE fragen für eine organisationsgründung a priori geklärt sein müssen, hat sie natürlich recht. aber es müssen schon die WESENTLICHEN fragen geklärt sein (zumindest so weit, dass es als arbeitsgrundlage akzeptiert und getragen wird), und dazu gehört auch gewiss die eine oder andere frage mit mehr “historischem” charakter. auch ein paar internationale fragen lassen sich nicht ausklammern. dass es z b bis heute keine debatte über israel/palästina oder über den islamistischen widerstand in afghanistan gibt innerhalb des NAO prozesses, zeigt entweder politische ignoranz gegenüber den brennenden fragen des zeitgeschehens oder aber man will (bewusst oder unbewusst) “heisse eisen” vermeiden, weil man genau weiss (oder ahnt), dass SOLCH BRISANTE fragen sofort die “einheitsträume” zum platzen bringen werden.

über kurz oder lang wird es sich aber nicht vermeiden lassen, auch gewisse “ausschlusskriterien” für den NAO prozess zu entwickeln (man kann es dann ja “positiv” formulieren). man kann und (vor allem) SOLLTE nicht versuchen, mit “allen” den zusammenschluss zu suchen. von tumben bejublern der “antiimperialistischen achse” von ahmadinedschad über castro und chavez bis hamas/taliban und kollektivschuld-chauvinistischen antideutschen dr.seltsams (oder wie ich lernte, die bombe zu lieben) muss man sich schärfstens abgrenzen! es ist daher UNVERMEIDLICH, dass die NAO dadurch den charakter einer “27. kleingruppe” erhält (in dem punkt muss ich meine früheren thesen zum NAO prozess revidieren. http://www.trend.infopartisan.net/trd0212/t060212.html). die “offenheit” des prozesses kann nicht ewig aufrechterhalten werden, irgendwann MUSS man butter bei die fische geben.

anstatt daher die “neugruppierung” eines amorphen spektrums von postautonomen, postantiimperialisten, postfeministen und sogar anarchisten anzustreben, würde es doch viel mehr sinn machen, erst einmal das spektrum mit SEHR ÄHNLICHEM anspruch zu vereinheitlichen. die gruppen mit vorgeblich trotzkistischen anspruch sind zwar alle klein, verfügen aber über eine hohe theoretische und programmatische konsistenz, da sie sich bewusst in eine lange tradition stellen, die ausreichend gut dokumentiert ist.

dass es innerhalb dieses spektrums wiederrum unheilbare schismen gibt (pabloisten vs antipabloisten) macht die sache zwar auch nicht leichter, aber lieber mit einer handvoll leute prinzipienfeste politik machen (die nur propaganda sein kann im anfangsstadium), als sich in eine “breite” organisation zu liquidieren, deren programmatisches profil  bestenfalls linker reformismus sein kann. solche versuche sind bislang alle gescheitert und ihre halbwertszeit ist eher in monaten als in jahren zu berechnen.

trotzdem — ich wiederhole es — die grundsätzliche fragestellung dieser “einheitsinitiativen” ist vollauf berechtigt! es gibt aber keine abkürzungen beim aufbau einer revolutionären organisation. zumal wenn die “klassenbewegung” mehr oder weniger sich auf dem nullpunkt befindet, wie in deutschland. dann kann es nur darum gehen, wenigstens auf einer programmatischen ebene die idee des klassenunabhängigen emanzipationskampfes der lohnabhängigen aufrechtzuerhalten.

wenn diese initiativen einen sinn haben, dann den, diese überlegungen einer breiteren innerlinken debatte zuzuführen (was schon für sich allein ein gewinn oder fortschritt wäre). wenn dann obendrein die ernsthaftesten militanten grössere programmatische übereinstimmungen oder zumindest ähnlichkeiten feststellen und darüber auch zu einer zusammenarbeit gelangen, dann könnte es vlt gelingen, einen gangbaren weg vorwärts zu weisen.

GenossInnen, wir müssen umdenken!

Zur Kritik des SIB Konzeptes der “Neugruppierung der radikalen Linken” und zur Darstellung eines gangbaren Weges

der eindruck, dass der NAO prozess in der sackgasse steckt, lässt sich nicht mehr länger verbergen. und das hat gründe. sicher, die SIB ist klein und die aufgaben riesig. und die M31 mobilisierung hat bestimmt viel kraft gekostet. aber das sind nur oberflächensymptome für darunterliegende viel tiefere probleme. meines erachtens war von anfang an das SIB konzept der neugruppierung ZU BREIT angelegt.

anstatt sich erst mal auf die gruppen mit formal gleichem anspruch (revolutionär-marxistisch oder trotzkistisch) zu konzentrieren, wollte man gleich eine ausweitung auf das postautonome, postantiimperialistische, anarchistische und (post)feministische spektrum. dabei sind diese spektren GANZ EIGENE politische strömungen, die nicht (oder jedenfalls nicht ohne weiteres) in eine revolutionäre organisation (die in meinen augen nur “marxistisch” sein kann) integrierbar sind. man müsste sich also mit all diesen strömungen spezifisch auseinandersetzen und sie für eine revolutionäre perspektive gewinnen wollen. das wäre schon allein rein vom arbeitsaufwand her nicht leistbar. der einzige, dem ich eine solche theoretische anstrengung noch zutrauen würde, ist DGS, und von dem hört man seit der M31 geschichte nichts mehr. überdies sollte man auch bei taktischen orientierungen eine gewisse aktualität politischer bewegungen und organisationen im auge behalten.

auch wenn die frauenfrage z. b. eine strategische frage ist, so findet aktuell keine wirkliche debatte (gesamtgesellschaftlich) dazu statt, ganz zu schweigen davon, dass es keine “bewegung” dazu gibt. da könnte ich es mir schon eher vorstellen, eine orientierung auf (nur als beispiele) auf die DKP (schlicht wegen ihrer relevanz/grösse) oder das UMS GANZE bündnis (wegen ihrer theorieorientierung) zu entwickeln.

ich denke, die SIB hat sich mit ihrem ursprungskonzept (im na endlich papier) schlichtweg ÜBERHOBEN. anstatt erst mal kleine brötchen zu backen und sich auf das naheliegendste zu konzentrieren, hat man geglaubt, wenn man ein ehrgeiziges projekt in die welt setzt, würde die sache schon allein dadurch eine “eigendynamik” bekommen (eine typisch pabloistische heransgehensweise). diese vorstellung von “revolutionären dynamiken” (schon im gehirn vom altmeister Ernest Mandel immer schon eine fiktion gewesen; gott hab ihn selig) führt letztlich nur dazu, die leute, die am anfang voller enthusiasmus und hoffnung sind, irgendwann zu ausgebrannten “flaschen leere” zu machen!

was wir stattdessen brauchen, ist eine realistische einschätzung der möglichkeiten linksradikaler politikansätze in deutschland und welche kräfte dafür am EHESTEN als interessenten und adressaten in frage kommen. dafür müssen auch die eigenen programmatischen grundlagen und theoretischen konzepte erbarmungslos auf den prüfstand gestellt und der kritik ausgesetzt werden. ob die SIB (und alle NAO gruppen) dieses notwendige umdenken in ihrem prozess hinbekommen, erscheint mir zweifelhaft, bin aber gerne bereit, mich eines besseren belehren zu lassen.

bronsteyn behauptet, alle menschen seien grundsätzlich lernfähig und ich schliesse mich dieser positiven utopie gerne an. sie wird diesen weg aber auch finden MÜSSEN, sonst ist die NAO initiative spätestens in ein paar monaten TOT!

Oscar Wilde über den Zusammenhang von Lust und Harmonie

Oscar Wilde. geboren: 16. Oktober 1854 in Dublin; gestorben: 30. November 1900 in Paris). Irischer Schriftsteller.

Zitat aus “Der Sozialismus und die Seele des Menschen”

„Und der Mensch wird es nicht entbehren. Denn wonach der Mensch gesucht hat, das ist wahrhaftig nicht Leiden und nicht Lust, sondern einfach Leben. Der Mensch hat danach gesucht, intensiv, völlig, vollkommen zu leben. Wenn er das tun kann, ohne gegen andere Zwang zu üben oder ihn je zu dulden, und wenn all seine Betätigungen ihm lustvoll sind, dann wird er gesünder und kraftvoller sein, mehr Kultur haben, mehr er selbst sein. Lust ist das Siegel der Natur, ihr Zeichen der Zustimmung. Wenn der Mensch glücklich ist, dann ist er in Harmonie mit sich selbst und seiner Umgebung. Der neue Individualismus, in dessen Diensten der Sozialismus, ob er es will oder nicht, am Werke ist, wird vollendete Harmonie sein. Er wird sein, wonach die Griechen suchten, was sie aber, ausser im Geiste, nicht vollständig verwirklichen konnten, weil sie Sklaven hatten und sie ernährten, er wird sein, wonach die Renaissance suchte, was sie aber, ausser in der Kunst, nicht vollständig verwirklichen konnte, weil sie Sklaven hatte und sie hungern liess. Er wird vollständig sein, und durch ihn wird jeder Mensch zu seiner Vollendung kommen. Der neue Individualismus ist der neue Hellenismus.“

Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/6324/3

Für eine realistische Kehrtwende im NAO Prozess

Bildmontage: HF, scharf links

Ein kritischer Kommentar

da im NAO.blog zur zeit nichts los ist, werde ich mal für mich eine zwischenbilanz ziehen. ehrlich gesagt, ist das niveau (und die stimmung) dort dermassen abgesackt, dass ich eh keine grosse lust mehr habe, mich dort noch zu engagieren. der letzte lichtblick war der artikel von bronsteyn zu Fourier (und der ist nur verlinkt zu seinem blog). davor muss man lange zurückblättern, um was vernünftiges zu finden. entweder hat die M31 mobilisierung der SIB die letzten kraftreserven geraubt oder die luft ist irgendwie raus aus dem projekt.

ein paar zwischenergebnisse kann man schon mal festhalten:

der anspruch der SIB, etwa “1000″ leute für eine “antikapitalistische organisation” “neugruppieren” zu wollen, IST EIN LUFTSCHLOSS.

die von der SIB anvisierten spektren (hauptsächlich avanti und postautonome) interessieren sich für die NAO einen …. ähh …. wenig.

so wir es sich im moment abzeichnet, wird es wohl darauf hinauslaufen, eine engere kooperation von SIB, SOKO, RSB und interkomm zu organisieren. die isl wird sich wohl ihre orientierung auf die LINKE nicht nehmen lassen, ebensowenig SAV. also mit anderen worten: der RSB mit vlt ein paar hundert leuten (?) bekommt drei gruppen mit etwa jeweils 10 leuten als partner dazu. jo, das nenn ich umgruppierung!

aber ich will nicht zynisch sein. der RSB mit drei partnern wird sich vlt von der absoluten bedeutungslosigkeit zur relativen bedeutungslosigkeit hocharbeiten. wenn es denn dann eine wirkliche orientierung an einem “revolutionären programm” gäbe, wäre auch das noch ein ergebnis, mit dem man leben könnte. aber ich sehe keinen grund, warum die verbindung von drei zentristischen gruppen (die interkomm kenne ich nicht) auf einmal “revolutionär” ergeben sollte. es gibt zwar den umschlag von quantität in qualität, aber 230 zentristen sind nicht besser als 30 oder 3!

meine ursprüngliche intention war die hoffnung, innerhalb einer NAO für einen trotzkistischen pol kämpfen zu können. mein vorbild war dabei die arbeit der französischen FT/CI genossen in der NPA. diese hoffnung habe ich inzwischen begraben. erstens gibt es für solch eine arbeit innerhalb der NAO protagonisten gar keine diskussionskultur, zweitens wird die deutsche NAO kein “einheitsprojekt” werden (wie beansprucht), sondern (bestenfalls) die wiedergeburt einer “NEO-GIM” herbeiführen, nur mit dem unterschied, dass die GIM der 70er jahre eine ernsthafte organisation war im vergleich zu den leichenhaften restteilen und nachfolgern, die heute noch vom einstigen “mandelismus” übrig sind! ausserdem stehen diese weit rechts von ihrem einstigen geistigen ziehvater. ein Michael Prütz ist eher ein “links”populistischer hans dampf in allen gassen (mit deutlich reformistischem appetit), als jemand, der auch nur einen hauch von ahnung für revolutionär-marxistische politik hätte. das wort prinzipien ist diesem “pragmatiker” ein fremdwort mit sieben siegeln. seine theoretische durchdringungsfähigkeit reicht von seinen augenbrauen bis maximal zur nasenspitze. dann ist schluss! man sollte mal ein paar kommentare von ihm auf dem arschhoch.blog lesen, dann fragt man sich ernsthaft, ob der mensch jemals ein marxistisches buch gelesen hat, geschweige denn verstanden. und so jemand will die “radikale linke” umgruppieren! das kann man nur als schlechten witz ansehen.

was immer jetzt noch bei dem ganzen NAO dingens rauskommt – die würfel sind gefallen für maximal die “27. kleingruppe”. ob diese dann einen fortschritt gegenüber dem jetztzustand sein wird, mag dahingestellt sein. die chance auf eine “prinzipienfeste umgruppierung” ist jedenfalls vertan worden. sie war von anfang auch nur minimal, aber es war notwendig, diesen versuch zu starten. jetzt weiss man, das es nicht geht und man kann sich wieder in sein kleingruppenbiotop zurückziehen. die revolution hat ja auch noch lange zeit, und wenn die “revolutionäre” sie verschlafen oder ihnen ein atompilz zuvorkommt, ist es auch nicht schlimm. sie können dann wenigstens sagen:

wir hatten unseren seelenfrieden!

RIP NAO

Das Konzept der “attraktiven Arbeit” bei Fourier (und Marx)

Charles Fourier, französischer frühsozialist, 1772 - 1837

ich würde die leser meines blogs gerne auf einen artikel bei “Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung” hinweisen zum thema der “attraktiven arbeit” im werk von Charles Fourier

http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Fourier

http://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/03/%E2%80%9Etravail-attractif-anziehende-arbeit/

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