entwicklung der debatten
von anfang an war das ganze NAO milieu recht heterogen. da ich davon ausging, dass die protagonisten das NPA konzept kopieren wollten und von daher zumindest sympathien mit der VS politik hätten, betrachtete ich den NAO prozess quasi wie eine vorgeblich “trotzkistische” organisation. dies erwies sich schnell als grosser fehler. innerhalb der SIB kann man schon davon ausgehen, dass ein paar kader vom “trotzkismus” beleckt sind (Michael Schilwa zb, der leider nicht mehr schreibt. Michael Prütz lässt sich politisch gar nicht mehr einordnen. man möchte ihn quasi einen wanderer zwischen den welten im nirgendwo nennen).
DGS ist eine kategorie für sich. obwohl von seiner herkunft kein “trotzkist”, vertritt er durch seine fundierten leninkenntnisse revolutionäre positionen, die für mich durchaus konsensfähig wären. allerdings in fragen wie feminismus und klassentheorie gibt es durchaus differenzen, mit denen man aber sicherlich erst mal leben könnte.
bronsteyn dürfte von allen NAO protagonisten im moment die linkesten positionen vertreten. die MI ist allerdings nicht wirklich eine handlungsfähige “organisation”. es handelt sich um eine handvoll leute, mit durchaus beachtenswerten theoretischen kapazitäten, was sie aber aus irgendeinem grund nicht wirklich für sich organisatorisch nutzen können.
inwieweit sich die neu hinzugekommenen gruppen GAM und isl wirklich in den NAO prozess einbringen werden, kann ich noch nicht einschätzen. die isl ist auf jeden fall ein unsicherer kandidat, da sie lieber bei der PDL und der IL mitmischen würde. dabei dürfte sie auch nur über eine handvoll leute verfügen. eine ernsthafte arbeit in der PDL, IL UND NAO dürfte ihre kräfte bei weitem übersteigen. schon aus DIESEM grund wird sie irgendwann mal prioritäten setzen MÜSSEN. und dann wird sie nach dem prinzip handeln: lieber den spatz in der hand als die taube auf dem dach!
die GAM ist da schon ein anderes kaliber. eine gruppe mit einer langen tradition, die bis in den alten “spartacusbund” (BRD) und der IKL (österreich) zurückreicht, mit vielen metarphosen. eine gruppe, die trotz ihres “linken” images auch immer für rechte “zacks” gut ist. also zentristen in chemischer reinkultur, wie sich sich jeder laborarbeiter nur wünschen mag. auch hat sie sich in der vergangenheit durchaus mit bürokratischen organisationmethoden hervorgetan, wenn es zu innerparteilichen kämpfen kam. wie diese gruppe innerhalb des NAO prozesses funktionieren mag (und dann auch noch mit den “rechten” isl leuten zusammen) vermag ich mir beim besten willen nicht vorzustellen. obwohl die workers power tendenz durchaus dem NPA projekt wohlwollend gegenüberstand und in england selbst sowas versucht hat, glaube ich eher, dass das ganze für sie nur ein “entristisches manöver” darstellt. (welche haltung die workers power tendenz zur aktuellen antikapitalistischen initiative in england einnimmt, ist mir nicht bekannt).
alles in allem scheint mir dies eine gemengelage zu sein, bei der sicher einige fetzen fliegen werden – eine revolutionäre organisation wird da sicher nicht bei raus kommen!
was bleiben für perspektiven?
aus meiner sicht bleibt der ansatz der SIB, nach einer konvergenz unterschiedlicher subjektiv revolutionärer gruppen auf der grundlage von ein paar zentralen essentials zu suchen, richtig. ich halte auch nach wie vor die fünf SIB essentials für eine durchaus brauchbare grundlage für einen prinzipienfesten umgruppierungsprozess.
leider wurde der fehler gemacht, das projekt ZU BREIT anzulegen. entweder aus übersteigerten ehrgeiz oder aus politischen opportunismus, jedenfalls kann man keine einheit mit “allem links von der LINKEn” herstellen, ohne das revolutionär-marxistische programm zu liquidieren. und das kann aus meiner sicht nur die einzige grundlage für eine wirklich revolutionäre organisation sein. da aber selbst DGS, der innerhalb der SIB den linkesten flügel darstellt und mit dem ich auch viele gemeinsamkeiten habe, in DIESEM punkt (leider) anderer meinung ist, sehe ich für mich keine “interne bündnisperspektive” mehr (selbst von der MI trennt mich zu vieles und sie würde für mich auch keine ernsthafte option darstellen).
(vergleich die debatte zum essential “revolutionärer bruch”: http://www.nao-prozess.de/blog/e-1-vorschlag-zur-ausformulierung-des-essentials-zum-revolutionaeren-bruch/)
wie weiter?
neben meinen internetaktivitäten hier im blog und bei facebook werde ich erst mal weiter beobachten, wie sich die debatten im NAO blog entwickeln. die nächste zeit werde ich nutzen, um mich politisch weiter zu schulen und nach genossen mit eher “oppositionellen” ansichten ausschau halten. den anschluss an eine andere “sekte” sehe ich als nicht zielführend an. selbst gruppen wie RIO und die IBT, denen ich viel sympathie entgegenbringen kann, sehe ich als organisatorischen dead end an, selbst unabhängig von tatsächlich bestehenden inhaltlichen differenzen (russische frage, china z b)
vielleicht ergibt sich noch mal die möglichkeit, in den NAO prozess zu intervenieren, wenn sich die politischen verhältnisse auch hier verschärfen und es zu internen rechts/links polarisierungen kommt. ich gehe mal davon aus, dass dies im bereich des realistischen liegt. in der zwischenzeit werde ich versuchen, meine wenige freie zeit zu nutzen, um das marxistische profil zu schärfen – im rahmen meiner bescheidenen möglichkeiten.
auf dem nao blog wird jetzt eine “gewaltdiskussion” auf höchstem niveau geführt … das war die beste entscheidung meines lebens, diesen kindergarten zu verlassen ^^
und wenn KHS auch noch anleitungen für maoistische betriebsuntersuchungen gibt, bekommt die sache endgültig brechmittelqualität
gespiegelt:
http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26255&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=421fafe903