
Robert Kurz *24. Dezember 1943 in Nürnberg; † 18. Juli 2012 http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Kurz
von Robert Kurz hörte ich zum ersten mal, als ich noch mitglied einer kleinen trotzko sekte war, die kurzfristig diskussionen mit mitgliedern eines ultralinken zirkels (“bordigisten” oder sowas ähnliches) hatte. erst viel später fiel mir mal ein exemplar der “krisis” in die hand, die damals noch unter führung von Kurz stand. ich war angetan von dem hohen theoretischen niveau und der “professionellen” machart der zeitschrift. die denkfigur des “wertfetischs” war mir durch vorherige marx-lektüre durchaus nachvollziehbar. was mir nicht so gefiel war die “abtreibung” des revolutionären “subjekts” als bestandteil des “kapitalverhältnisses”, was dazu führte den sogenannten “arbeiterbewegungsmarxismus” in bausch und bogen als “systemimmanent” zu betrachten, dem nur durch die erlauchte erleuchtung der “wertkritik” leben eingehaucht werden könne. an die stelle einer konkreten POLITIK einer sozialen bewegung wurde also die “theoretische aufklärung” gesetzt, die der einzige garant sei, die fallstricke der warenförmigen ökonomie zu überwinden.
mit so einem ansatz wird natürlich die eigene “existenz” als theoriezirkel selber festgeschrieben und man nimmt sich selbst die möglichkeit, INNERHALB der bürgerlichen gesellschaft, auf ansätze für systemische oppositionen TAKTISCH einzuwirken. das ganze wird zwar als “fundamentalopposition” beschönigt, läuft aber de facto auf eine “politikverweigerung” hinaus. obendrein wird durch die festschreibung des “proletariats” als “kehrseite des kapitalverhältnisses” jede möglichkeit eleminiert, dass eine klassenbewegung durch konkrete (historische) lernschritte in ihrer POLITISCHEN willensbildung über den kapitalismus hinaus denken lernen könnte.
später las ich noch das “Schwarzbuch Kapitalismus” (zumindest in grossen zügen). es ist sicher interessant zu lesen, insbesondere die darstellung der ausformung “neoliberaler ideologien” und ihre verwandtschaft zu anderen “sozialen theorien”, die sich letztendlich sogar bis zu einer “gleichförmigkeit” mit sozialdemokratischen und “sozialistischen” ideen steigern. dies alles mag auf einer deskriptiven ebene sogar korrekt sein (obwohl die “wertkritik” — wie alle “ultralinken” — die realen politischen differenzen, die sowohl im bürgerlichen als auch im “proletarischen” lager existieren, unterschätzen und/oder vernachlässigen) – was man aber während der ganzen lektüre (schmerzlich) vermisst ist die darstellung — oder doch wenigstens erwähnung — einer POLITISCHEN ALTERNATIVE ZUM KAPITALISMUS!
obwohl es viele gründe dafür geben mag, die “arbeiterbewegung” als “historisches subjekt” ad acta zu legen, so erweist sich die “wertkritik” in DIESEM punkt — trotz aller auch vorhandenen theoretischen verdienste — als konsequenter ausdruck einer nach wie vor kleinbürgerlich geprägten “linken” in deutschland, wie sie sich aus den spezifischen bedingungen der nachkriegsentwicklung erklären lässt. und deren wesentliches kennzeichen bleibt der “abschied vom proletariat” und ein tiefer historischer pessimismus.
in diesem sinne gehörte Robert Kurz eher zum “liqidator” eines wirklich revolutionären Marxismus (und zwar sowohl in seiner ML phase als auch in seiner späteren, elaborierteren phase der “wertkritik”), als dass er ihn auf die höhe der zeit gebracht hätte.
*RIP*
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auf dem NAO blog hat sich mittlerweile eine kleine diskussion zu diesem artikel entwickelt:
http://www.nao-prozess.de/blog/zum-tode-von-robert-kurz/
http://www.global-review.info/2012/07/24/ein-wesentlicher-kapitalismuskritiker-deutschlands-stirbt-robert-kurz-ist-tot/