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Gedanken zur Krise der „Arbeitsgesellschaft“

ich muß mit einem geständnis beginnen.

ökonomie hat mich noch nie richtig intereressiert.

es ist langweilig und trocken, schwer und unverdaulich.

ich bin also alles andere als kompetent, um über ökonomische probleme zu reden.

trotzdem wage ich mich an dieses thema.

als marxist braucht man ein fundamentales verständnis für volkswirtschaftliche abläufe…

weil auch darüber die programmatischen positionsbestimmungen erfolgen.

die wahrheit ist konkret…und ein herunterleiern von marx, lenin, trotzki oder rosa luxemburg alleine

reicht nicht aus, um die konkrete soziale wirklichkeit der gegenwart theoretisch halbwegs in den griff zu bekommen.

also frisch gewagt…wenns zu heftig schief wird, hoffe ich, daß mich ein paar ökonomie-experten heftigst wieder auf den boden der tatsachen zurüchstoßen werden…;-()

MINDESTLOHN

mein ausgangspunkt ist erst mal die forderung nach einem mindestlohn.

an sich erst mal eine gute sache, würde ich sagen. schließlich führt dies dazu, daß sich die lohnabhängigen auf einen gewissen mindeststandard im lohn einstellen können, was ihrer ausbeutung eine grenze setzt.

das problem ist nur, es gibt branchen, die einen mindestlohn auf HARTZ 4 niveau nicht zahlen…oder zahlen können (?)

bei prekär beschäftigten, die sich was zum ALG 2 dazuverdienen möchten sieht es ähnlich aus, zumal da ein gewisser teil des dazuverdienstes mit dem HARTZ 4 verrechnet wird.

ist in diesen bereich die forderung nach einem mindestlohn politisch wirklich sinnvoll?

von der ökonomischen durchsetzbarkeit ist dabei noch gar nicht die rede…

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN

ein zweiter bereich, der mich sehr umtreibt, ist die frage des sogenannten „bedingungslosen grundeinkommens“.

an sich wieder eine sache, wo ich erst mal sagen würde, daß es nicht schlecht wäre, wenn alle menschen erst mal grundsätzlich abgesichert wären, unabhängig von der ökonomischen leistung, die sie der gesellschaft zur verfügung stellen.

das problem ist nur, auch sozialtransfers müssen erstmal erwirtschaftet werden, also als arbeitsleistung erbracht werden.

und arbeitsleistung im kapitalismus ist an WERTSCHÖPFUNG, also an lohnarbeit gekoppelt.

so begrüßenswert wie ein grundeinkommen für alle ist, solange alle reproduktionsleistungen an die WERTproduktion gekoppelt sind, wird ein grundeinkommen ohne einen entsprechen „lohnarbeitszwang“ wohl problematisch sein.

natürlich wird ein großteil der leute auch mit grundeinkommen einer tätigkeit nachgehen wollen…nicht nur aus wirtschaftlichen gründen, sondern auch, weil ihnen sonst irgendwann die decke auf dem kopf fallen würde.

aber erstens gibt es gar nicht SO viele jobs, die man just for fun machen kann; zweitens kann der staat die arbeitslosenquote und wirtschaftskonjunktur nicht immer sicher vorhersehen und drittens will ein kapitalistischer betrieb in erster linie profit machen. und das heißt, sie wollen lohnabhängige, denen sich ein möglichst hoher mehrwertanteil abpressen läßt…und ein just for fun-arbeiter, der im grunde nicht wirklich darauf angewiesen wäre, seine haut und knochen zu markte zu tragen und seine arbeitskraft zu verdingen, ließe sich wohl weniger auf einen echten knochenjob ein als jemand, der nun wirklich keine andere wahl hat als „arbeiten oder verhungern“—wobei man das bei uns mit dem verhungern nicht wörtlich nehmen darf. aber ein leben auf HARTZ 4-niveau ist halt knapp über dem hungertod…

WERT-LOSE REPRODUKTIONSARBEITEN UND SOCIAL CARE-LEISTUNGEN

ein dritter bereich, den ich ansprechen möchte, ist die wachsende bedeutung von sozialen dienstleistungen, die keine wertschöpfung im klassischen sinne sind, die aber für die reproduktion und das funktionieren eines zivilgesellschaftlichen zusammenhangs von großer bis notwendiger bedeutung sind.

ob es sich um kinderbetreuung, kindergarten, schule, freizeitgestaltung, sozialarbeit, sonderpädagogik oder weiß der teufel was handelt.

oder pflegedienste bei alten, kranken, behinderten. einkaufen für die kranke nachbarin, dem netten herren ein stockwerk tiefer die zeitung vom einkaufen mitbringen, die kinder der nachbarin am nachmittag beaufsichtigen, weil sie sonst ihren arzttermin nicht wahrnehmen könnte…all dies sind „soziale arbeitsleistungen“, die aber keine oder nur geringe bezahlung erfahren, weil sie nicht als wertschöpfung im sinne der kapitalverwertung gelten.

PATRIARCHAT IM KAPITALISMUS: HAUSFRAUENARBEIT ALS „WERTABSPALTUNG“

die krone der nichtwertschaffenden reproduktionsleistung oder reproduktionsarbeit ist die hausfrauenarbeit und die mutterschaft: meistens beides in personalunion. wenn dann noch ein lohnarbeitsverhältnis dazukommt, ist das keine doppelbelastung mehr, sondern eine mindestens dreifachbelastung; mit einer problematischen ehe verbunden mindestens eine vierfachbelastung…kein wunder, daß frauen von bestimmten psychischen erkrankungen häufiger betroffen sind.

die hausfrauenarbeit ist ein relikt patriarchaler verhältnisse, die im kaptitalismus überlebt haben, um die reproduktion der arbeitskraft des mannes kostenfrei von einer frau besorgen zu lassen. dafür wird diese dann vom mann mitversorgt.

das ist einer der gründe, warum die einkommen von männern im durchschnitt immer noch höher liegen als die von frauen.

auch das kinderkriegen ist eine notwendige reproduktionsleistung. die anschließende kindererziehung obliegt meistens der mutter, die dafür ihre berufstätigkeit und ihre karriere unterbrechen muß. auch diese leistung ist keine wertschöpfung und wird nicht „bezahlt“; allerdings werden die erziehungsjahre für kinder auf die rentenversicherung angerechnet.

für frauen hat dieses gesellschaftliche arrangement erhebliche nachteile:

–sie trägt das hauptrisiko für die kindererziehung

–sie macht sich materiell abhängig vom mann

–sie ist eingeschränkt in der entwicklung ihrer beruflichen perspektiven

–sie hat weniger chancen, genausoviel geld wie ein mann zu verdienen und genauso

materiell unabhängig zu sein

aber auch für männer ist dieses „geschäft“ nicht ohne nachteile:

–er hat weniger einfluß auf die kindererziehung

–er trägt die materielle verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für frau und kinder; das bedeutet erhöhter streß und druck

–bei trennung geht das sorgerecht für die kinder meistens an die frau

–der mann ist meist so beruflich eingespannt, daß seine sozialen fähigkeiten eingeschränkt zum einsatz kommen

insgesamt ist also die patriarchale kleinfamilie ein anachronismus in der spätbürgerlichen gesellschaft.

die ökonomischen verhältnisse sind längst über diese familienform hinausgewachsen, aber die psyche der menschen entwickelt sich nicht so schnell wie die gesellschaftlichen verhältnisse.

an die stelle der alten geschlechterrollen ist noch nicht wirklich was neues getreten, was mit ein grund für die anfäligkeit von beziehungen sein wird.

insgesamt muß man also sagen, daß die nichtwertschöpfenden arbeiten eine absolute notwendigkeit für das überleben und funktionieren einer modernen gesellschaft sind. es wäre daher nur logisch, diese arbeiten vom zwang zur kapitalakkumulation zu entkoppeln und als selbverständlicher bestandteil der gesellschaftlichen reproduktionsarbeiten zu sehen und dementsprechend zu „entlohnen“. dies wäre dann auch eine höhere kultur des miteinander als der konkurrenzkampf der einzelkapitale um den platz an der sonne auf dem weltmarkt.

diese entkoppelung vom systemzwang und diese höhere gesellschaftliche kultur ist aber nur möglich in einer gesellschaft, die nicht ihre produktion nach dem maximalprofit ausrichtet, sondern nach den bedürfnissen der menschen. in so einer gesellschaft könnte dann auch erhöhte aufmerksamkeit auf die ökologische nachhaltigkeit der produktion gelegt werden.

jeder unnötige ökonomische zwang auf frauen, jugendliche, kranke, behinderte und alte menschen könnte vermieden und ihre vorhandenen fähigkeiten zum nutzen der gesamtgesellschaft genutzt und integriert werden.

dafür müßte die unterordnung der produktion unter die marktgesetze beseitigt werden und die menschen selbst darüber entscheiden, wie und wofür und was produziert wird. dazu müssen sich in jedem betrieb demokratische räte bilden, die gemeinsam über diese fragen entscheiden.

diese betriebsräte müssen sich mit anderen räten vernetzen und eine einheitliche (erstmal nationale, später internationale) struktur bilden. dafür müssen delegierte gewählt werden, die der basis jederzeit rechenschaftspflichtig sind, jederzeit abwählbar sind und nicht mehr verdienen als ein durchschnittlicher facharbeiterlohn beträgt.

so eine gesellschaft würde allen arbeitern, frauen, jugendlichen und sonstigen sozialen gruppen, die im kapitalismus nicht zum zuge kommen, eine chance auf selbstbestimmung und selbstentfaltung geben. sie wären als menschen und als persönlichkeiten gefragt, nicht als abstrakte, mechaniche arbeitskräfte.

für diese perspektive kämpft die unabhängige jugendorganisation REVOLUTION. eine kleine, aber hochmotivierte gruppe junger menschen, ohne materielle ressourcen, die sich die hohen moralischen prinzipien des marxismus und trotzkismus auf ihre fahnen geschrieben hat.

darum sehe ich es als meine aufgabe und als gern auf mich genommene pflicht an–als in die jahre gekommener neulinker der 70er jahre–diese gruppe und ihren kampf für die befreiung aller menschen von ausbeutung, gewalt, unterdrückung, erniedrigung, entfremdung und verächtlichung–für eine sozialistische gesellschaft freier und gleichgeschätzter menschen–zu unterstützen.

ONE SOLUTION: PERMANENT REVOLUTION!  WORLDWIDE!

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