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SWP(UK) über die SU in Afghanistan

Zitat

„Wie Afghanistan der Friedhof des russischen Imperiums wurde

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von Dave Crouch, Socialist Worker 12.09.2009

afghanistan1988.jpgAls die Sowjetunion 1979 in Afghanistan einmarschierte, gingen die russischen Führer fälschlicherweise von einem schnellen Sieg aus.Anfang der 1990er Jahre traf man in der Moskauer Metro oft auf bettelnde junge Männer in Armeeuniform. Ihnen fehlten die Beine. Sie waren Opfer der katastrophalen Besatzung Afghanistans durch russische Truppen.

Die Besatzung begann Weihnachten 1979 und endete neun Jahre später, als die letzten Sowjettruppen die Grenze nach Usbekistan überquerten.

Zurückhaltende Schätzungen gehen von mehr als 15.000 toten russischen Soldaten aus. Eine halbe Millionen Afghanen wurden getötet, unzählige weitere wurden versehrt und Millionen Afghanen mussten fliehen.

Die Sowjetunion warf Bomber-Flugzeuge, Napalm, Panzer, Landminen und Hubschrauber in den Kampf gegen die afghanische Guerillaarmee, die Mudschaheddin. Dennoch wurden die russischen Truppen vertrieben.

Diese Niederlage war der Anfang vom Ende der UdSSR als militärische Supermacht. Die Niederlage gab nationalen Massenbewegungen Kraft, das große Reich zu zerreißen.

https://i0.wp.com/www.linkezeitung.de/cms/images/stories/LZKoeln4/rausausafghanistan.jpgDie Niederlage der Russen ist eine stets präsente Warnung an die militärischen Führer der USA, Britanniens oder Deutschlands. Ein US-Major schrieb im Jahr 2005: „Wozu wir uns auch immer entschließen, wir dürfen dem Bären nicht in die Wälder folgen.“ Aber 20 Jahre nach dem Abzug der russischen Truppen, hat das NATO Truppenkontingent mit der Anzahl der damaligen russischen Truppen gleichgezogen. Wartet auch das gleiche Schicksal auf sie?

Marionettenregierung

Westliche Politiker behaupten, ihr Krieg sei anders als der damalige Feldzug der Russen. Sie behaupten, die US- und NATO-Truppen bekämen erhebliche lokale Unterstützung von denjenigen, die zu den Taliban in Opposition stehen. Aber die Russen hatten auch eine Marionettenregierung, die ihrer brutalen Invasion ein ziviles Gesicht geben sollte.

Genau wie die USA begann Russland den Krieg erst mit kleinerer Truppenstärke und mit begrenzten Zielen. Dann wurden die Invasoren in einen Konflikt hineingezogen, der zunehmend außer Kontrolle geriet.

Die Russen eilten einer unpopulären kommunistischen Regierung zu Hilfe, die 18 Monate vorher die Macht ergriffen hatte. Die Regierung befand sich am Rande des Zusammenbruchs. Die russische Führung befürchtete, dass der Zusammenbruch der afghanischen Regierung die südlichen Sowjetrepubliken mit einer Welle von islamischem Widerstand erschüttern würde.

Russische Spezialeinheiten installierten Babrak Karmal als einen Marionettenpräsidenten. Sie besetzen die wichtigsten Städte und begannen damit, eine afghanische Armee auszubilden, welche die Kontrolle übernehmen sollte.

Die Russen waren seit längerer Zeit schon in Afghanistan präsent. Sie dachten, dies würde ihnen einen Vorteil bringen. Russland hatte seit den 1930er Jahren intensive Handelsbeziehungen zu Afghanistan gepflegt. Seit den 1950er Jahren waren Militär- und Wirtschaftsberater ein ständiger Teil des gesellschaftlichen Lebens. Russen hatten die meisten Straßen in Afghanistan gebaut.

Dennoch flammte der Widerstand gegen die Invasion sofort auf. In der Nacht des 23. Februar 1980 demonstrierte so gut wie die gesamte Bevölkerung Kabuls gegen den Einmarsch der Sowjettruppen. Sie standen auf den Dächern und riefen „Gott ist groß!“ Bald sahen sich die Besatzungstruppen mit einem Aufstand des gesamten Volkes konfrontiert.

Die Generäle der Sowjetarmee forderten zusätzliche Truppen an. Nikolai Ogarkov, der Oberbefehlshaber der Invasionstruppen sagte, dass die Obergrenze bei der Truppenstärke von 115.000 Soldaten waghalsig sei. Er forderte fünf mal so viel Soldaten, jedoch wurde seine Forderung zurückgewiesen.

Stattdessen hofften die Russen, dass sie den Krieg durch ihre massive Feuerkraft gewinnen würden. Sie setzten auf das erschreckende militärisch-technologische Repertoire einer industriellen Supermacht, um den Wiederstand zu brechen. Aber es funktionierte nicht. Außerhalb der Städte waren die Sowjettruppen ständig der Gefahr ausgesetzt, effektiven Angriffen der hoch-mobilen Widerstandsguerrilla zum Opfer zu fallen.

Noch mehr Widerstand provoziert

Kolonnen mit Panzerfahrzeugen – aus der Luft von Kampfflugzeugen abgeschirmt – schwärmten in die ländlichen Gebiete aus, um Hochburgen des Wiederstands zu zerstören. Diese Vorgehensweise brachte der Zivilbevölkerung große Verluste bei und zerstörte erhebliche Teile der lebensnotwendigen Ernten. Im Gegenzug provozierte diese Taktik allerdings noch mehr Afghanen dazu, den Widerstand unterstützen.

Bei einer Offensive im Jahr 1984 zerstörten die Sowjets beispielsweise alle Vorstädte und Dörfer innerhalb eines Rings 20 KM westlich der Stadt Herat. Sie säuberten das Gebiet von Mudschaheddin und zogen sich wieder zurück. Der Widerstand kehrte sehr bald in die Region zurück.

Dies spiegelt die Taktik der US- und britischen Truppen von heute wider. Die Soldaten nennen es „den Rasen mähen“. So schnell, wie man den Wiederstand tötet, so schnell wächst er wieder neu.

Das Gerede von „die Herzen und den Verstand gewinnen“ ist Augenwischerei. Im letzten Monat veröffentlichte der US- und NATO Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Stanley McChrystal, eine Direktive an seine Soldaten. „Wir säen den Samen unseres eigenen Untergangs“, durch das Töten von Zivilisten, deren Verwandte dann den Kampf aufnehmen.

Außerhalb ihrer Basislager sind die Besatzungstruppen sehr verletzlich. Jeden Monat werden hunderte Nachschub-LKW von den Taliban zerstört.

Afghanische Armee

Genau wie heute die USA, versuchte auch Russland eine Armee bestehend aus Afghanen zu trainieren, um diese für sich kämpfen zu lassen. Damals bestand diese Armee aus etwa 150.000 Soldaten.

Aber die Afghanen mistrauten den Sowjets. Sie merkten, dass ihnen die gefährlichsten Gefechte überlassen wurden, obwohl sie gleichzeitig nur minderwertige Ausrüstung und Ausbildung bekamen. Der russische Rassismus gegenüber den Afghanen trug weiter zur Feindseligkeit bei.

Aus diesen Gründen gab es erhebliche Sympathien für den Wiederstand auch innerhalb der afghanischen Armee. Oft wurden wertvolle Informationen von den Soldaten an die Mudschaheddin weitergegeben.

Auch bestand die Sowjetarmee aus Wehrpflichtigen, die in schrecklichen Verhältnissen leben mussten. Währen der neun Jahre Besatzung wurden etwa 650.000 Russen zum Militärdienst eingezogen. Von ihnen wurden fast drei-Viertel verletzt oder durch ernsthafte Krankheiten wie Hepatitis, Ruhr, Malaria oder Typhus arbeitsunfähig.

Soldaten, die einen Schlafsack oder Stiefel von getöteten Widerständlern fleddern konnten, schätzten sich glücklich, denn ihre eigene Ausrüstung war erbärmlich. Ihnen wurde gesagt, sie kämpften für hehre Ziele gegen einen bösartigen Feind. Bald fanden sie aber heraus, dass sie armen aber stolzen Bauern gegenüberstanden, die einfach nur ihre Art zu leben verteidigten.

Ergebnis war eine abgründige Moral unter den Truppen. Drogen- und Alkoholmissbrauch waren sehr weit verbreitet. Auch Vergewaltigungen und andere Gewaltverbrechen waren an der Tagesordnung.

Offiziere betrachteten den Afghanistaneinsatz als einen vergifteten Kelch: Sieg war unmöglich und sie wussten, sie würden für die unausweichliche Niederlage verantwortlich gemacht.

Kriegslügen

Bis zum Jahr 1983 hatte die Sowjetpresse nur über sechs tote russische Soldaten berichtet. Die tatsächlichen Zahlen bis dahin waren 6.000 Tote und 10.000 Verwundete.

Der riesige Anteil an Wehrpflichtigen in der Armee bedeutete aber, dass trotz des medialen Stillschweigens, die Wahrheit ans Licht kam: Junge Männer wurden zum Sterben in einen brutalen und sinnlosen Krieg geschickt. Familien gingen extrem weit, um zu verhindern, dass ihre Söhne in den Krieg ziehen mussten.

US-amerikanische Militärhistoriker schreiben über die russische Niederlage, dass die Russen den Willen zum Siegen verloren hatten. Diesen Effekt nennen sie das „Paradox eines asymmetrischen Konfliktes“. Es ist „paradox“, weil eigentlich eine militärische Supermacht immer einen verarmten Gegner besiegen müsste. Aber die Realität sieht anders aus.

Der Krieg war asymmetrisch, weil er der russischen Bevölkerung viel weniger bedeutete, als den Afghanen. Für sie war es eine Frage von Leben oder Tod – ein totaler Krieg. Das gleiche gilt heute für die amerikanischen Truppen. Folglich werden die britischen, deutschen und amerikanischen Truppen viel früher den Willen zu kämpfen verlieren, als die Afghanen.

Die technologisch unterlegenen Kämpfer der Widerstandsguerrilla mussten ihre Methoden den Bedingungen anpassen. So durften sie sich dem Feind beispielsweise niemals in offener Feldschlacht gegenüberstellen. Stattdessen zermürbten sie ihren Gegner mit Hinterhalten und selbst-fabrizierten Bomben.

Der Niedergang des russischen Imperiums

In den 1980er Jahren gewannen andere Überlegungen für die Sowjetregierung zunehmend an Wichtigkeit. Die russische Wirtschaft brach zusammen und es gab internationale Proteste gegen die Besatzung in Afghanistan. Gleichzeitig wuchs in Russland eine Desillusionierung mit dem politischen System. Die politischen und wirtschaftlichen Kosten für das Verbleiben in Afghanistan wurden zu hoch.

Manche Analysten behaupten, dass die US-amerikanische Unterstützung für die Mudschaheddin der wesentliche Faktor für die Vertreibung der russischen Truppen war. Sie weisen auf die Lieferung von Stringer-Raketen im Jahr 1986 als Wendepunkt des Krieges hin. Aber der Widerstand hatte bereits vor der Lieferung der Stringer-Raketen hunderte Hubschrauber abgeschossen und hunderte Panzer zerstört.

Die erste Amtshandlung von Michail Gorbatschow als neuer Sowjetführer im Jahr 1985 bezog sich auf den Krieg in Afghanistan. Er fragte seine Generäle, ob der Krieg zu gewinnen sei – sie antworteten „Nein“. In der Niederlage der Sowjetunion ging es um Politik und nicht um Technologie.

Die Afghanen haben sich bereits viele Male als harte Kämpfer beweisen müssen, besonders, wenn ihr Land von Invasoren besetzt wurde. Wiederholt besiegten sie die Briten im 19. Jahrhundert, als Britannien noch die dominierende militärische Macht auf der Welt war.

Sie vertrieben die Sowjets in den 1980ern, als die Sowjetunion die zweitgrößte Militärmacht der Welt war.

Als nach 9/11 die ersten Bomben auf Afghanistan fielen, warnte ein CIA Chef: „Die USA muss vorsichtig vorgehen oder sie wird auf dem Aschehaufen der afghanischen Geschichte landen.“ “ Zitat Ende

Artikel ursprünglich auf: Socialist Worker

Quelle:

http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7331&Itemid=1

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