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„Freier Wille“ und Kapitalismus

Zitat

„Gibt es einen freien Willen im Kapitalismus?

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von Norbert Nelte 13.09.2009

metropolis_drones_-_250.jpgDiese Frage muss eindeutig mit Nein beantwortet werden. Niemals. Wir haben in Deutschland einen Abbau der Industrieproduktion gegenüber Vorjahr um fast 20%, und das schon seit Jahresanfang. Sogar wird von einer Schwächung des produzierendem Gewerbe weltweit gesprochen.

Das wollen wir von der Linken Zeitung nicht, das willst Du nicht, das will die Regierung nicht, das will das Kapital nicht, das wollen die Banken nicht, das will niemand. Das ist nicht der Wille von niemandem und trotzdem geschieht es. Ganz bestimmt wollen alle Politiker und viele schlauen Volks- und Betriebswirte das ändern, nur, es liegt in niemandes Hand. Natürlich ist das Internet voll mit tausend schlauen Möchtegern-Ratgebern, nur, glaubt ihr denn wirklich, da wäre noch niemand von den Entscheidungsträgern drauf gekommen? Es funktioniert alles nicht mehr und jetzt komm Du nicht mit dem 1.001sten Vorschlag. Nichts funktioniert mehr, das wars, der Film ist aus.

Dein Wille funktioniert nur ein wenig zwischen Feierabend und ins Bett gehen, und dann eben auch nur ein Wenig. Angenommen, Du willst, dass es Deinen Kindern mal besser geht, wirst Du daran scheitern, dass sie auch mit Studium nur in Boomzeiten eine Arbeit bekommen. Das will auch niemand, auch nicht die Kapitalisten, sie wollen nur die Steuergelder und etwas mehr für sich, für Dich bleibt nun da nichts mehr übrig.

Die Konzerne brauchen dringend notwendig das Geld. Ihre Aktionäre halten nur die Aktien, wenn sie eine einigermaßen lukrative Dividende abwerfen. Der Maschinenpark der Konzerne ist aber anteilsmäßig an den Waren schon so groß, dass er sich nicht mehr durch die Produktion verzinsen kann. Dieser Maschinenmoloch benötigt frisches Geld, da muss er es leider aus Dir auspressen, ob Du willst oder nicht, wie eine Zitrone. Das wusste ja vor 150 Jahren unser Karl Marx. Schauen wir uns an, was er schon vor 150 Jahren im „Kommunistischen Manifest“ (S. 15) schrieb.

“ In der bürgerlichen Gesellschaft ist die lebendige Arbeit nur ein  Mittel, die aufgehäufte Arbeit zu vermehren. In der kommunistischen Gesellschaft ist die aufgehäufte Arbeit nur ein Mittel, um den  Lebensprozess der Arbeiter zu erweitern, zu bereichern, zu befördern. In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht also die Vergangenheit über  die Gegenwart, in der kommunistischen die Gegenwart über die  Vergangenheit. In der bürgerlichen Gesellschaft ist das Kapital selbständig und persönlich, während das tätige Individuum
unselbständig und unpersönlich ist.“

Durch die Konkurrenzproduktion des Privatkapitals zwingt der vorhandene Maschinenpark den Menschen eine immer schnellere Expansion erhoffter lukrativer Waren auf, eine Ausweitung der Produktion, egal, ob sie benötigt wird oder nicht. Auch der einzelne Privatkapitalist entscheidet nicht über die Umsatzgröße, sondern es ist sein Maschinenpark. Am Anfang stand natürlich 1918 die Entscheidung aller Menschen außer der 3.000 KPD’ler um Rosa Luxemburg, nach Wettbewerbsgesichtpunkten produzieren zu lassen. Ob das monopolistische Groß-, das anarchistische Kleibürgertum, oder auch ein ganzer Staat mit seiner staatskapitalistischen Bürokratie nach dieser Methode produzieren, kommt immer wieder das Expansionsmuss heraus.

Na, was hat der Staatskapitalismus in der Aufzählung verloren? Die haben doch gar nicht wie in der DDR den Exportwettlauf mit gemacht. Halb richtig. Die DDR hatte schon versucht, möglichst viel Zelte an Quelle zu verkaufen, damit sie mit dem Geld viele Rüstungsprodukte z.B. der Informatik im Westen einkaufen konnte. Die Triebfeder für die Expansion war also nicht so wie im Westen der persönliche Profit für den Privatkapitalisten, sondern mehr der Rüstungswettlauf mit der Nato und später auch mit China. Das Akkumulationsgesetz schleicht sich also in die staatsbürokratischen Länder durch die Hintertür vermittels des Rüstungswettlaufes in den Alltag des DDR-Arbeiters.

Wir Arbeiter würden dem vielmehr so begegnen, dass wir die Kollegen der feindlichen imperialistischen Länder zum revolutionären Defätismus (Eintreten des Proletariats für die Niederlage der „eigenen“ Bourgeoisie.) aufrufen würden, was ja Trotzki im Bürgerkrieg 19190 mit den französischen Matrosen und der englischen Arbeiterklasse vortrefflich gelungen ist. Die Bürokratie konnte diesen Weg nicht beschreiten, wer riskierte schon sein Leben für Erich Mielke, ihr blieb nur der Rüstungswettlauf und das hieß „Expansion der Produktion“ gleich Akkumulationsgesetz.

Also in West und Ost und im Kleinkapital entscheidest nicht Du, nicht die Politik, nicht das Kapital, auch kein „höheres Wesen“, sondern das Akkumulationsgesetz. Nicht nur der Kapitalist, auch der Arbeiter, hat dieses Gesetz so sehr verinnerlicht, dass alle glauben, das wären ewige, unumstößliche Wahrheiten. Wettbewerb mit Leistungszwang und Besitztum wären göttliche Gebote. So nimmt man auch die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt und Heiratsmarkt hin. Wohlgemerkt, das sind alles Märkte wie beim Wochenmarkt mit Angebot und Nachfrage. Eben alles Banane. Du musst Dich in der Marktwirtschaft des Kapitalismus wie eine beliebige Ware verhalten, ohne dass Du es willst, wenn nicht, bist Du draußen.

„Denn erstens erscheint dem Menschen die Arbeit, die Lebentätigkeit, das Produktive Leben selbst nur als ein Mittel zur Befriedigung eines Bedürfnisses, des Bedürfnisses der Erhaltung der physischen Existenz.“ Das würde doch jeder unterschreiben, wir arbeiten für Geld, um Euronen zu verdienen, ist doch klar, unter 12 Euros arbeite ich nicht.

Der erste Satz ist von Karl Marx aus den „Ökonomisch philosophischen Manuskripten.“, S. 41 Er fährt aber fort:

„Das produktive Leben ist aber das Gattungsleben. Es ist das Leben erzeugende Leben. In der Art der Lebenstätigkeit liegt der ganze Charakter einer species, ihr Gattungscharakter, und die freie bewusste Tätigkeit ist der Gattungscharakter des Menschen. Das Leben selbst erscheint nur als Lebensmittel.“

Durch die Arbeit haben die Affen sich zum Menschen entwickelt. Der Mensch würde ohne Arbeit sich wieder zurück zum Tier entwickeln, zu einer fetten Made, die sich durch Hähnchen- und Käseberge frisst. Nur die schöpferische Tätigkeit macht uns zum Menschen und auch, wenn die Menschen im Kommunismus das Geld abgeschafft haben werden, würde der Mensch arbeiten wollen, um sich zu verwirklichen. Das ist viel, viel produktiver als wenn Du nur für 14,50 arbeitest.

Und im Kommunismus entscheidet der Mensch über die ganze Ware, auch über den Maschinenanteil. Heute entscheidet er nur im Durchschnitt über seinen Lohn, dass er sich wieder reproduzieren kann, also Essen, Schlafen, Fortpflanzen und Wohnen, also nur über das Tierische. Deshalb erscheint uns die Lohnarbeit im Kapitalismus auch logisch. Über das, was uns zum Menschen macht, die schöpferische Tätigkeit mit den Werkzeugen, dürfen wir nicht entscheiden „Das Tierische wird das Menschliche und das Menschliche das Tierische.“ sagt deshalb Marx in seinen Manuskripten (MEW, Ergänzungsband II (Bd.40), S. 514 ff.)

Der Arbeiter ist derart entfremdet, dass er die Handlungen des Kapitals für völlig logisch empfindet. Nur in den spontanen Kämpfen wird er den Betrug durchschauen können. Nun sind aber auch die Kapitalisten entfremdet und die Reformisten begründen deshalb, dass man auch die Kapitalisten deshalb von dem barbarischen Charakter dieses Systems überzeugen könne. Sie müssen ständig ihre Firma repräsentieren und können nie sich selber in sich sein. Nur, sie ziehen ja aus dem System reichlich Profit und nehmen daher die Entfremdung in der Regel in Kauf.

Wir sehen, dass wir schon gar nicht individuell den freien Willen entfalten können. Auch nicht kollektiv über Wahlen. Das System rechnet zuerst mit der Vergesslichkeit der Wähler. Dann erpresst das Kapital ständig die Politik, in 1972 haben sie einfach keine „Lehrlinge“ eingestellt, als die SPD das Ausbildungsgesetz verbessern wollte, heute, 2009 drohen sie einfach mit der Betriebsverlagerung nach China und die Milliarden fließen an die Konzerne, und wenn alles nichts hilft, dann wird ein General aufgetrieben für eine nette kleine Militärdiktatur, und wenn man auch diesen nicht finden sollte, dann setzt das Kapital die Ersatzarmee der Nazis in Gang, wofür hält es sich denn die Neonazis und schickt sie nicht in den Knast wie sonst alle von organisiertem Terrorbanden.

das_haupteingangstor_zur_ex-conti_fabrik_ziert_heute_das_logo_von_pneustone_-_250.jpgDein freier Wille kann sich nur in der Revolution durchsetzen. Revolution ist lange her und weit weg, denkst Du. Vollkommen verkehrt. In Lateinamerika gibt es schon die ersten Betriebe in Selbstverwaltung, ohne Boss. In Mexiko das Ex-Continental Autoreifenwerk die Kooperative Euskadi AG und in Argentinien die Keramikfabrik Zanon. In Argentinien gibt es in 2009 schon 20 neue Fabrikbesetzungen, aber nicht nur da, Fabrikbesetzungen gibt es schon in vielen Ländern, in Italien bei INNSE Mailand, IVECO Suzzara, in der Schweiz bei Officine von Bellinzona und Borregaard-Attisholz bei Solothurn in Spanien bei Holcim Torredonjimeno, in England der Ford-Zulieferer Vestas.

Diese Bewegung ist länderübergreifend und sie wird mit der Zeit auch Deutschland erfassen, ihre Partei aufbauen, die mit den dann entdeckten objektiven Interessen übereinstimmt und die Idee der solidarischen, basisdemokratischen Planwirtschaft aufgreifen, in der alle Arbeiter der Welt das gleiche verdienen, alle Lizenzen für die anderen Kooperativen freigeben und den Bedarf auf alle Betriebe nach dem Kopfschlüssel gerecht verteilen.

Dann entscheidest Du gemeinsam mit Deinen Kolleginnen und Kollegen bei Opel, Kaufhof  oder in der Charitè über die ganze Backstub, über die Roboter, den Operationssaal oder die neueste Kollektion und Deinen Lohn, endlich auch über die Lohnhöhe und die ganze Entfremdung fliegt wie der abziehende Morgennebel vondannen und die Sonne erwärmt endlich wie unsere Körper auch unseren Geist.

Öffnet alle Fenster und lasst das Licht herein.“ Zitat Ende

Quelle:

http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7334&Itemid=1

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