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Von oben oder von unten? oder beides?

rosa luxemburg versus lenin
(über die wurzeln des stalinismus)

Zitat:
das „sozialistische russland“ sei „zwar ein krüppliges, aber immerhin doch unser kind“.
—leo jogiches [1918], zit. n.: Rosa Luxemburgs Demokratiekonzept [2008], S.41 Zitat Ende

zwei themen haben mich–seit ich politisch interessiert bin–immer sehr stark beschäftigt.

das eine war, die frage der einschätzung der sowjetunion; die andere war, das verhältnis von rosa luxemburg zu lenin.

das problem ist das verhältnis von bewegung und bewußtsein, von organisation und spontaneität, von der ethischen bewertung von ziel und mittel, von freiheit und zwang, von gewalt/terror und selbstverteidigung, von selbstorganisation und „kontrolle von oben“, von masse und elite.

mit anderen worten: eine geschichtsphilosophische frage erster güte.

es wäre–glaube ich–zu einfach, zu sagen, lenin steht für kontrolle und organisation und luxemburg für spontaneität und selbstbewegung der massen.

in wirklichkeit ist es viel komplizierter.

beide haben recht und beide haben unrecht, nicht wahr?

erst mal der historische ausgangspunkt.
rußland war rückständig
deutschland war ein fortgeschritteses industrieland

rußland hatte eine prozentual kleine, aber äußerst radikalisierte arbeiterbewegung

die deutsche arbeiterbewegung war die größte und mächtigste, mit einer wahrlich stolzen tradition. aber bis ins mark bürokratisch und konservativ verknöchert.

von daher: lenin und luxemburg zu verGLEICHen ist wie mit birnen und äpfeln.

beide wollten dasselbe: die befreiung der arbeiterklasse und den aufbau der sozialistischen gesellschaft.

aber auch die anarchisten und die marxisten wollen dasselbe: die freie und klassenlose gesellschaft. trotzdem sind ihre bewegungen fundamental verschieden.

und auch die ausgangsbedingungen von lenin und luxemburg sind fundamental verschieden.

lenin hatte vollkommen recht zu zentralisieren. und er hatte auch recht, daß eine intellektuelle elite das wissenschaftliche (klassen)bewußtsein ins proletariat hineinbringen muß.

luxemburg hatte recht, daß die massen sich selbst bewegen müssen, selbst lernen müssen, selbst erfahrungen machen müssen und daß ihnen kein zentralkomitee der welt erklären kann, wie sie selbst ihre interessen in die hand nehmen können.

eine marxistische partei kann die höheren theoretischen einsichten haben–und muß diese auch in den öffentlichen raum tragen–, aber die bewegung der klasse kann nur das werk der klasse selbst sein.

die fortgeschritttensten teile werden sich um ein marxistisches programm sammeln. denn keine andere gesellschaftswissenschaft ist in der lage, die fetischistischen schleier der wertvergesellschaftung zu lüften.

und dies ist die vorausstzung (kulturniveau der massen) für eine „arbeiterregierung“, die die produktion planmäßig und entsprechend der bedürfnisse der menschen bewußt, nachhaltig und möglichst sinnvoll und angemessen gestalten muß.

es war tragisch, daß die russische revolution sich nicht nach deutschland ausweiten konnte.

nicht zuletzt trägt daran die deutsche sozialdemokratie eine historische mitschuld daran.

rosa luxemburg nannte die SPD mal einen „stinkenden leichnam“; der verwesungsgeruch des reformismus wird nur noch von der hilflosigkeit der linkenlinken übertroffen, einen revolutionären ausweg aus der kapitalistischen krise zu finden.

eine zukünftige marxistische bewegung wird unter dem banner von lenin UND luxemburg stehen, und sie wird viel zu lernen haben…über alles, was seit 1917 passiert ist.

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