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Organisation und soziale Bewegung

die debatte, die die Sozialistische Initiative Berlin (SIB) angestossen hat, einen „neugruppierungsprozess“ der radikalen linklen anzustossen ist sicher wichtig und begrüssenswert. es hat sich auch bereits einiges getan auf diesem gebiet. aber natürlich noch immer viel zu wenig im vergleich zu den realen politischen aufgaben.

die idee für so ein projekt liegt sicher schon länger in den schubläden, aber die tatsache, dass es in frankreich mit der NPA eine existierende organisation gibt, die sich genau aus diesem grunde gebildet hat, hat sicher dazu geführt, diesen prozess jetzt auch in der BRD einzuleiten.

in diesem artikel möchte ich die französische erfahrung aber nur als referenzpunkt verwenden, der eigentliche schwerpunbkt liegt auf der mehr theoretischen frage, nach der natur und der problematik der organisationsfrage in der linken und arbeiterbewegung generell.

Avandgarde oder „breite sammlung“? 

in der hauptsache stehen sich in der organisationsfrage zwei hauptströmungen gegenüber: die verfechter der leninistischen avantgardepartei und die vertreter der breiten sammlungsbewegung.

um es gleich vorneweg zu sagen: theoretisch haben die vertreter des avantgardekonzepts in meinen augen die besseren argumente, in der praxis hat dieses konzept aber zu sehr rigiden organisationstrukturen und hunderfachen sektenbildungen geführt. es ist daher die aufgabe, die eigenschaft der programmatischen härte mit einem organisationskonzept zu verbinden, dass es auch einer alleinerziehenden krankenschwester im schichtdienst ermöglicht, sich politisch zu betätigen (um ein beispeilbild der SIB aufzugreifen).

diesen anspruch umzusetzen, wird nicht leicht werden. vor allem — wir wollen es ehrlich aussprechen — die initiative der SIB fällt ja nicht vom himmel und die akteure haben selbst eine politische geschichte. sie sprechen zwar von ergebnisoffener diskussion, aber es ist völlig klar, dass der politische rahmen der ist, dem die vorgängerorganisation der NPA — die LCR  –angehörte, nämlich das sog. Vereinigte Sekretariat der Vierten Internationale. diese organisation hat eine lange geschichte des opportunismus bis hin zum verrat. und obwohl wir die initiative der SIB grundsätzlich begrüssen, werden wir diesen hintergrund der angelegenheit gewiss nicht vergessen. die Gruppe Arbeitermacht hat in ihrer stellungnahme zum NAO projekt darauf hingewiesen, dass man nicht so tun dürfe, als ob die beteiligten politisch unschuldige neulinge sind. diesen punkt kann ich vollauf unterstützen.

Was also muss getan werden?

zunächst einmal müssen die hauptakteure des NAO projekts klären:

1) welche punkte sollen zunächst einer klärung zugeführt werden. also eine art prioritätenliste

2) mit welchen politischen gruppen, initiativen und einzelpersonen soll diese klärung herbeigeführt werden?

3) ab einem gewissen punkt der programmatischen annäherung muss ein verbindliches konzept festgelegt werden, in welchen schritten eine gemeinsame organistion aufgebaut werden soll und welches ihre dringensten aufgaben sind.

solange dieser rahmen der diskussion nicht abgesteckt ist, solange bleibt alles unkonkret und schwammig und eine chance wird vertan werden, die radikale linke als wirklich ernstzunehmenden faktor auszubauen.

die viel schwierigere frage wird sein, wie ein „richtiges programm“ auch eine grössere soziale verankerung erreicht. denn selbst eine organisation mit ein paar tausend mitgliedern wäre ja immer noch eine „kleine“ organaisation im verhältnis zu ihren selbst gestellten historischen aufgaben. und grösse allein ist auch kein garant für programmatische qualität. und sicher wird es dann auch fraktionsbildungen und flügelkämpfe geben. also das ganze programm parteiinternen lebens.

und eine frage bleibt dann immer noch: wird die existenz einer solchen organisation auch den klassenkampf in der BRD vorantreiben?

diese frage scheint mir — um es mit der SIB zu sagen– tatsächlich „ergebnisoffen“ zu sein …..


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3 Kommentare zu “Organisation und soziale Bewegung

  1. Das ist schon seltsam: Bevor Gemeinsamkeiten oder Unterschiede festgestellt werden, soll man sich als Radikaler Linker „bilden, gruppieren oder organisieren“. Was macht einen zum Radikalen außer dem Ergebnis einer STAATLICHEN Überwachungsdoktrin? Ist die Gesellschaftskritik, deretwegen früher Organisationen zustande gekommen sind, so unwichtig geworden, dass heute unabhängig von allen Gegensätzen für linke Solidarität gebetet wird? „Ergebnisoffen“ ist ein Euphemismus für die „Was tun“-Ideologie, mittels derer sich Kanzlerinnen, Päpste und Radikale Linke über „Handlungsbedarfe“ einige werden, auch wenn deren gute und schlechte Gründe sich widersprechen.

    • @Spalter… erst mal danke für deinen kommentar

      „ergebnisoffen ist ein begriff aus dem papier der SIB, wo zu zu einer debatte um eine „neue antikapitalistischen organisation“ aufrufen

      grundsätzlich stimme ich deiner kritik zu („wir müssen und erst trennen, bevor wir uns vereinen können“ — lenin), aber ich bin mir sicher, dass man es nicht mit programmatischen differenzen allein erklären kann, dass es z b hunderte verschiedene trotzkistische organisationen gibt, so dass dieser begriff eigentlich schon inhaltsleer ist.

      dass es nicht darum geht, einen blutleeren aufruf zu einheit und solidarität der linken aufzugeben, wirst du in meinem blog bestimmt mehr als einmal lesen können.
      die überwindung des sinnlosen sektenwesens allerdings halte ich schon für ein legitimes anliegen. ob die NAO initiative dafür der geeignete rahmen ist …diese frage scheint mir noch „ergebnisoffen“ zu sein 😉

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