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Linke Sammlung oder marxistischer Parteikern ?

Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist" -- Victor Hugo

(„nichts auf der welt ist so mächtig wie eine idee, deren zeit gekommen ist“— Victor Hugo)

zum bisherigen verlauf der debatten im NAO projekt

die inhaltliche unterfütterung der SIB-initiative, die radikale linke zusammenzuführen, nimmt immer mehr gestalt an. der gen. DGS (dem an dieser stelle mal ein DANK ausgesprochen gehört 🙂 ) hat 20 kontroversen thematisiert und zur diskussion gestellt.

http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/20-kontroversen/

im grunde ist damit schon ein recht weites themenspektrum angerissen, was zwar auf der einen seite sicher eine politische notwendigkeit darstellt, auf der anderen seite aber fast schon eine überforderung darstellt, angesichts der realen kräfte, die im moment an diesem projekt mitwirken.

von daher scheint es mir das oberste gebot zu sein, eine strenge konzentration auf eine (noch zu erstellende) priorität der wichtigkeiten einzuhalten. wenn man hunderte von verschiedenen themenfeldern gleichzeitig beackern will, ist die gefahr der verzettelung (und unübersichtlichkeit) vorprogrammiert.

so weit ich einblick in die gegenwärtige debatte habe, schälen sich folgende grundprobleme heraus:

1) ein gegensatz zwischen den anhängern des „bochumer programms“

http://www.marx-forum.de/sozialismus/Bochum.pdf

und den vertretern des konzepts einer „revolutionären partei“, den man klar als gegensatz von sozialreform vs revolution sehen kann. (vergl die debatte: http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/handlungsfaehigkeit-herstellen/).

meines erachtens sind da die gegensätze so gross, dass eine inhaltliche vermittlung innerhalb des NAO prozesses nicht möglich ist.

2) unklarheit über den charakter der organisation

im moment schält sich da wohl am ehesten eine netzwerkstruktur heraus, die den bestehenden inhaltlichen differenzen am weitesten gerecht werden kann. langfristig kann es im NAO projekt aber nur um die bildung der „revolutionären partei“ gehen (oder zumindest des kerns davon). ich glaube, in dem punkt bin ich mit DGS einig.

https://systemcrash.wordpress.com/2011/11/07/anmerkungen-zu-systemcrashs-programmatischen-konkretisierungs-vorschlage/

3) unterschiedliche einschätzungen, wie eine vermittlung von (revolutionärer) theorie/programm und Massenaktivität stattfinden kann

sowohl die bochumer als auch der gen. Prütz scheinen eine minimal-maximal trennung ihrer programmatischen forderungen für notwendig zu erachten. bei den bochumern handelt es sich um lupenreinen reformismus. der gen. Prütz unterscheidet zwischen einem „grundsatzprogramm“ und einem „aktionsprogramm“. was will er uns damit sagen? dass alle arbeiter gern einen sechs stunden tag beim vollem lohnausgleich haben möchten, aber den kommunismus für die ausgeburt des teufels halten? und deshalb müssten die kommunisten ganz besonders dolle den sechs stunden tag fordern, damit die arbeiter sehen, dass die kommunisten doch nicht so teuflisch sind?

so funktioniert bewusstseinsbildung nicht, gen. Prütz! es gibt keine „tricks“ oder von hinten durch die brust ins hirn des proletariats. entweder kommunisten sagen alles, was sie meinen oder sie halten gleich die schnauze. aber zu meinen, die Massen vertrügen die kommunistischen „wahrheiten“ nur salamischeibenweise ist nicht nur elitär, es negiert auch den anspruch wahrhaft revolutionärer programme:

„Wie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolutionärste Tat, immer das laut zu sagen, was ist“ — Rosa Luxemburg

„Der Wirklichkeit ins Auge sehen; nicht den Weg des geringsten Widerstandes suchen; die Dinge beim Namen nennen; den Massen die Wahrheit sagen, so bitter sie auch sein mag; Hindernisse nicht fürchten; streng sein in den kleinen Dingen wie in den großen; Wagemut, wenn die Stunde der Aktion kommt; das sind die Regeln der IV. Internationale. Sie hat bewiesen, daß sie gegen den Strom zu schwimmen versteht. Die nächste geschichtliche Welle wird sie auf ihren Gipfel heben.“— trotzki, übergangsprogramm

„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnungen. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder – vereinigt euch!“ — marx/engels, kommunistisches manifest

die grossen meister der kommunistischen idee sprachen alle davon, dass man ausprechen muss, was ist. wer diesen mut nicht hat, und angst hat, sich vor den „Massen“ zu isolieren (weil sie –angeblich –noch nicht so weit sind), der sollte von linker politik die finger lassen.

die avantgardesektoren werden sich davon nicht abschrecken lassen. sie suchen instinktiv nach einem revolutionären ausweg und die marxisten werden diesen ausweg theoretisch vorzeichnen müssen. auch wenn diese kräfte heute noch klein sind, so bilden sie doch das unterpfand künftiger kämpfe.

„Die Kommunisten sind keine besondere Partei gegenüber den andern Arbeiterparteien. Sie haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen.Sie stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen. Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten.

Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ — marx/engels, kommunistisches manifest

entweder wird die NAO der kristallisationspunkt dieser avantgardesektoren oder sie bilden den zigfachen aufguss reformistischer und zentristischer organisationsversuche, die alle in der versenkung verschwunden sind.

(siehe auch die stellungnahme von RIO: http://www.klassegegenklasse.org/neue-revolutionare-arbeiterinnenpartei/, mit der ich weitgehend übereinstimme. allerdings scheint es mir jetzt erforderlich zu sein, dass neben den notwendigen theoretischen aufarbeitungen auch mal erste praktische schritte zur organisationsbildung/umgruppierung stattfinden. man kann den prozess nicht bis ins uferlose hinauszögern, ohne unglaubwürdig zu werden.)

wie der gen. Prütz richtig schrieb ( http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/handlungsfaehigkeit-herstellen/):

„Wenn man ernst nimmt, was heute bei der oben beschriebenen Offensive des Kapitals die Aufgaben einer wirklichen radikalen Linken sind, kommt man zu dem Ergebnis, dass unser Zeitfenster sehr eng ist. Agieren wir zu spät, drohen Niederlagen, deren Ausmaß sich keiner so richtig vorstellen mag.“

umso wichtiger ist es, dass in der NAO jetzt die weichen für die erarbeitung eines MARXISTISCHEN programms gestellt werden. (vergleich: https://systemcrash.wordpress.com/2011/11/05/was-muss-ein-revolutionares-programm-heute-enthalten/) nach dieser aufgabenstellung müsste sich dann auch eine zu erstellende prioriotätenliste orientieren.

sollte im NAO prozess diese aufgabe nicht bewältigt werden können (aus welchen gründen auch immer), wäre auf jahre eine grosse chance vertan, ein wesentliches spektrum der radikalen linken auf einer soliden programmatischen basis zu vereinheitlichen.

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2 Kommentare zu “Linke Sammlung oder marxistischer Parteikern ?

  1. Pingback: Eine weitere Antwort an Systemcrash « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich!

  2. Eine weitere Antwort an Systemcrash

    [von] DGS / TaP am 16. November 2011

    Im blog Systemcrash wurde unter der Überschrift „Linke Sammlung oder marxistischer Parteikern?“ ein weiterer Beitrag zu unserer Debatte gepostet. Hier meine Antwort:

    Hallo Systemcrash,

    1. Du bist hier ja eh schon angemeldet. Ich fände gut, wenn Du nicht nur Deine Kommentare, sondern auch Deine eigenständige Texte hier posten würdest. Da die Debatte eh schon auf vier Orte verteilt ist (trend, scharf-links, Marx-Forum und hier), würde dies erleichtern, den Überblick über neue Diskussionsbeiträge zu behalten.

    2. Du schreibst:

    „der gen. DGS (dem an dieser stelle mal ein DANK ausgesprochen gehört ) hat 20 kontroversen thematisiert und zur diskussion gestellt.
    http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/20-kontroversen/
    im grunde ist damit schon ein recht weites themenspektrum angerissen, was zwar auf der einen seite sicher eine politische notwendigkeit darstellt, auf der anderen seite aber fast schon eine überforderung darstellt, angesichts der realen kräfte, die im moment an diesem projekt mitwirken.“

    Ja, das ist zu befürchten. Ich würde vorschlagen, dass wir vielleicht erst einmal nur die strittigen Punkte und die dazu vertretenen Positionen sammeln, aber noch nicht in tiefgehende Diskussionen eintreten, sondern dann so vorgehen, wie von Dir vorgeschlagen:

    „von daher scheint es mir das oberste gebot zu sein, eine strenge konzentration auf eine (noch zu erstellende) priorität der wichtigkeiten einzuhalten.“

    Das heißt: Wir müßten dann eine nicht allzu lange Liste von vorrangig zu diskutierenden Themen vereinbaren.

    3. Du schreibst:

    „ein gegensatz zwischen den anhängern des ‚bochumer programms‘
    http://www.marx-forum.de/sozialismus/Bochum.pdf
    und den vertretern des konzepts einer ‚revolutionären partei‘, den man klar als gegensatz von sozialreform vs revolution sehen kann. (vergl die debatte: http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/13/handlungsfaehigkeit-herstellen/).
    meines erachtens sind da die gegensätze so gross, dass eine inhaltliche vermittlung innerhalb des NAO prozesses nicht möglich ist.“

    Ja, das befürchte ich auch. Ich würde mich jedenfalls an keiner Organisationsgründung auf der Grundlage des Bochumer Textes beteiligen – und sei er auch etwas erweitert und modifiziert. Das ist m.E. – abgesehen von den inhaltlichen Differenzen, die sich abzeichnen – schon von seiner Form her weder ein Programm noch auch nur als Gründungserklärung einer Organisation geeignet (ich bin mir auch nicht sicher, ob er so gemeint ist). Was da vorliegt ist m.E. ein Katalog von Forderungen, von denen einige – wohl die Mehrheit – in ein programmatisches Dokument aufgenommen werden können, aber selbst kein Programm.
    Ich würde allerdings die genannte Differenz auf der Form- und Inhaltsebene nicht mit der Differenz zwischen „revolutionäre[r] partei“ und anderen Organisierungsform-Präferenzen gleichsetzen. Denn ich würde jedenfalls meinerseits – trotz Bedenken gegen den Bochumer Text – den „Partei“-Begriff nicht (jedenfalls nicht kurzfristig) in den Vordergrund rücken.
    Solange nicht klargelegt wird, was denn eine solche „Partei“ von anderen politischen Organisationsformen unterscheiden soll, würde der „Partei“-Begriff wohl eher zu Mißverständnissen als größerer Klarheit führen.

    3. Weiter schreibst Du:

    „im moment schält sich da wohl am ehesten eine netzwerkstruktur heraus, die den bestehenden inhaltlichen differenzen am weitesten gerecht werden kann. langfristig kann es im NAO projekt aber nur um die bildung der ‚revolutionären partei’ gehen (oder zumindest des kerns davon). ich glaube, in dem punkt bin ich mit DGS einig.“

    Ja, das mit Netzwerk dürfte realistisch sein.

    Zwar fände ich abstrakt weiterhin gut, wenn es uns gelingen würde, bis Ende des nächsten Jahres eine Organisation (zwar noch nicht mit einem Programm, aber einer brauchbaren Gründungserklärung) zu gründen.
    Aber realistisch betrachtet dürfte ein solcher zeitlicher Parforceritt darauf hinauslaufen, daß inhaltliche Positionen mit knappen und eher zufällig (d.h.: ohne gründlicher Prüfung von Argumenten und Gegenargumenten) zustande gekommenen – Mehrheiten durchgestimmt werden. Das wäre m.E. keine verläßliche Grundlage für eine revolutionäre Organisation.
    Ein statt dessen zunächst einmal zu gründendes Netzwerk, sollte aber meiner Überzeugung nach nicht einfach irgendein Netzwerk sein, sondern Arbeits- und Diskussionsstrukturen haben, die auf die Organisationsgründung hinarbeiten.
    Es sollte aber gleichfalls Einigkeit bestehen, daß eine Organisation nur dann an die Stelle des Netzwerkes tritt, wenn darüber Einigkeit im Netzwerk besteht. Anderenfalls müßte eine Organisationsgründung – bei Fortsetzung einer konstruktiven Mitarbeit in dem Netzwerk – neben dem Netzwerk erfolgen.
    Auch die GenossInnen aus dem Netzwerk, die einen Schritt zur Organisationsgründung nicht mitgehen, wären vermutlich dennoch die ersten und nächsten BündnispartnerInnen einer etwaigen neuen Organisation.

    4. Zur Vermittlung von (revolutionärer) Theorie / eines (revolutionären) Programms und Massenaktivität schreibst Du:

    „sowohl die bochumer als auch der gen. Prütz scheinen eine minimal-maximal trennung ihrer programmatischen forderungen für notwendig zu erachten. bei den bochumern handelt es sich um lupenreinen reformismus. der gen. Prütz unterscheidet zwischen einem ‚grundsatzprogramm’ und einem ‚aktionsprogramm’. was will er uns damit sagen? dass alle arbeiter gern einen sechs stunden tag beim vollem lohnausgleich haben möchten, aber den kommunismus für die ausgeburt des teufels halten? und deshalb müssten die kommunisten ganz besonders dolle den sechs stunden tag fordern, damit die arbeiter sehen, dass die kommunisten doch nicht so teuflisch sind?“

    @ Bochum: Von „lupenreine[m] reformismus“ würde ich diesbzgl. im Moment nicht sprechen, aber die Gefahr eines Abrutschens in Richtung (nicht nur Gradualismus, sondern) Reformismus ist ziemlich groß.

    @ Micha P.: Ich vermute, so wie von Dir karikiert, sieht er das schon nicht. Ich würde jedenfalls meinerseits sagen: In einem Flugi einer revolutionären Organisation für den 6 Stunden-Tag müßte immer auch erläutern sein, wie sich eine derartige Forderung in den revolutionären Kampf für die schließliche Überwindung des Lohnarbeits-Kapital-Verhältnisses und der Warenproduktion überhaupt sowie des Patriarchats einordnet. Um ausschließlich zu begründen, warum ein 6 Stunden-Erwerbsarbeits-Tag gut wäre, bräuchte es keiner revolutionären Organisation. – Das könnten auch linksreformistische GewerkschafterInnen, Linksparteimitglieder; Krisen-Bündnis-AktivistInnen usw. begründen.

    5. Schließlich schreibst Du:

    „umso wichtiger ist es, dass in der NAO jetzt die weichen für die erarbeitung eines MARXISTISCHEN programms gestellt werden. (vergleich: https://systemcrash.wordpress.com/2011/11/05/was-muss-ein-revolutionares-programm-heute-enthalten/) nach dieser aufgabenstellung müsste sich dann auch eine zu erstellende prioriotätenliste orientieren.“

    Mir wäre „marxistisch“ gleichzeitig zu eng und zu weit:

    • Zu weit, da „Marxismus“ kaum als Begriff für eine präzise theoretische Formation, der gegenüber alle anderen Marxismus-Lesarten einfach nur ‚Mißverständnisse’ und ‚Verfälschungen’ wären, angesehen werden kann. Deutlicher wäre m.E. „marxistisch-kommunistisch“; dann wäre klargestellt, daß es nicht um sozialdemokratisch-ethische und linkssozialistisch-gradualistische Marx-Lesarten geht.
    • Zu eng, da der Marxismus zwar die bisher beste wissenschaftliche Analyse und politische Veränderungs-Strategie ist, was die Klassenverhältnisse anbelangt, aber zu Patriarchat und Rassismus wenig Brauchbares zu sagen hat.

    Auch sehe ich beim gegenwärtigen Diskussionsstand keinen Grund, die Tür für nicht-organisierungsfeindliche AnarchistInnen, LinkskommunistInnen, autonom/antiimperialistische Szene-GenossInnen, die sich allesamt vielleicht nicht unter „marxistisch“ oder jedenfalls nicht umstandslos unter „marxistisch“ subsumieren lassen würden, zuzumachen – solange, sie denn revolutionäre und nicht gradualistische Positionen vertreten.

    quelle: http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/16/eine-weitere-antwort-an-systemcrash/

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