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Ein paar Überlegungen zur Organisationstheorie

ich denke, die debatte hat sich jetzt soweit zugespitzt, dass man eine zentrale fragestellung herausschälen kann:

wie kommt die „revolutionäre theorie“ (die man noch inhaltlich bestimmen müsste) in die köpfe?

die frage ist leider wesentlich komplexer, als das man sie mit einem hinweis auf lenin (partei) oder luxemburg (spontaneität) einfach abtun könnte. die frage impliziert neben politschen aspekten auch kulturelle und psychologische. um den umfassend gerecht zu werden, müsste man ganz schön weit ausholen.

die grundvoraussetzung ist sicher der widerspruch zwischen lohnarbeit und kapital. da wird jetzt sicher auch niemand widersprechen ;) .
aber HIER beginnen jetzt aber auch die probleme. natürlich haben lohnarbeiter andere interessen als kapitalisten, z b höhere löhne, bessere arbeitsbedingungen, kürzere arbeitszeiten. so weit, so gut. aber all diese forderungen stellen sich nicht prinzipiell gegen das kapitalverhältnis, sondern wollen es verbessern IN SEINEM RAHMEN. marxisten sprechen in diesem zusammenhang von trade-unionistischem bewusstsein (nur gewerkschaftertum). dieser trade-unionismus ist die basis aller reformistischen politik-praxen.

um die trade-unionistischen forderungen der arbeiterInnen ÜBER das bestehende system hinauszuführen bedarf es einer übergeordneten POLITISCHEN KONZEPTION, die sich nicht automatisch aus dem kampf der lohnarbeiter ergibt. diese politische konzeption ist die essenz wissenschaftlicher einsichten in die natur der bürgerlichen gesellschaft, die dementsprechend auch nur von einem teil der klasse getragen werden kann. diesen teil der klasse bezeichnen wir als „fortgeschrittene sektoren“. diese fortgeschrittenen sektoren sind die natürliche „avantgarde“ der lohnabhängigen in konkreten kämpfen, wie z b streiks oder betriebsbesetzungen. aber auch dieser kampf alleine führt noch nicht über das system hinaus. dazu bedarf es der zusammenfassung dieser fortgeschrittenen sektoren, auf der grundlage eines politschen programms, welches in der logik auf die MACHTFRAGE hinausläuft: das proletariat meldet also seinen anspruch an, die gesellschaft nach seinen massgaben umzugestalten.

so eine partei kann in der anfangsphase also nur eine minderheit repräsentieren, aber eine minderheit, die der aktivste teil der klasse ist und deren forderungen am radikalsten sind (radix = wurzel).

die (berechtigte) frage, wie man aus dieser minderheitenposition heraus zu mehrheiten gelangen kann, bedeutet im grunde genommen, den zehnten schritt vor dem ersten zu gehen.

1) es existiert keine glaubhafte revolutionäre alternative, die einen erkannbaren „Massenanhang“ hätte (weder in der BRD noch international)

2) die linke [gemeint ist natürlich die „radikale“ oder „subjektiv revolutionäre“] ist ideologisch und organisatorisch so zersplittert, dass sie nicht politisch HANDLUNGSFÄHIG ist (sie kann nur propaganda machen)

3) die arbeiterklasse hat soziologische veränderungen erfahren, die eine übernahme der alten klassiker („mottenkiste“) 1 zu 1 nicht möglich machen

4) in den metropolen ist die arbeiterklasse über die reformistischen apparate (gewerkschaften, sozialdemokratie, stalinismus) an die bürgerliche logik gekettet.

5) das vorherrschende bewusstsein ist neoliberal, der klassische reformismus ist schon eine minderheitenposition. echte revolutionäre positionen sind vollständig marginalisiert und existieren organisatorisch nur als „sekten“.

wenn wir wirklich den anspruch haben, aus diesen ausgangsbedingen heraus, eine organisation zu schaffen, die eine glaubhafte revolutionäre („antikapitalistische“) alternative mit einem gewissen „Massenanhang“ darstellen soll, müssen wir uns auf einen langen weg mit vielen rückschlägen einstellen.

die erste bedingung dafür ist herstellung der „klarheit“ in den eigenen reihen …

die möglichkeiten zur intervention in reale kämpfe und zur sozialen ausweitung der NAO werden dann schon ganz von allein kommen … ganz ohne unser zutun ;)

über eine lange zeit kann bewusstsein äusserst konservativ sein, aber wenn die bedingungen wie in einem dampfkessel kurz vorm platzen sind, dann kann es auch sprünge machen und erfahrungen, die sonst jahre zur reife benötigten, werden auf einmal im sekundentakt gemacht.

DAS ist es, worauf wir uns vorbereiten müssen!

quelle: http://arschhoch.blogsport.de/2011/12/04/ein-paar-ueberlegungen-zur-organisationstheorie/

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