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Warum muss eine revolutionäre Organisation ‚demokratisch-zentralistisch‘ sein?

wir brauchen eine organisation der "berufsrevolutionäre"

„Die zentristischen Zwischengruppen, die sich um das Londoner Büro scharen, sind nichts anderes als „linkes“ Zubehör der Sozialdemokratie und der Komintern. Sie haben ihre völlige Unfähigkeit bewiesen, sich in einer historischen Situation zurechtzufinden und revolutionäre Schlußfolgerungen aus ihr zu ziehen. Ihr Höhepunkt wurde von der spanischen POUM erreicht, die sich unter den Bedingungen der Revolution als absolut unfähig erwies, revolutionäre Politik zu machen.“ — leo trotzki, übergangsprogramm

dass die hauptprotagonisten der NAO (SIB, SOKO, Bochumer) antileninisten sind, hat sich inzwischen klar herauskristallisiert. ich gehe mal davon aus (von den kräfteverhältnissen her), dass dies auch das schibboleth sein wird, mit dem die NAO an den start gehen wird – wenn es denn dazu kommen wird. ob der RSB da mitgehen wird, wird noch spannend zu beobachten sein, denn schliesslich kommt er ziemlich „orthodox“ daher…

hier noch mal die begründung aus lenins „was tun“, warum es einer avantgardeorganisation bedarf.

„Manche unserer revisionistischen Kritiker nehmen an, Marx hätte behauptet, die ökonomische Entwicklung und der Klassenkampf schüfen nicht bloß die Vorbedingungen sozialistischer Produktion, sondern auch direkt die Erkenntnis  ihrer Notwendigkeit, und da sind die Kritiker gleich fertig mit dem Einwand, daß das Land der höchsten kapitalistischen Entwicklung, England, von allen modernen Ländern am freiesten von dieser Erkenntnis sei. Nach der neuen Fassung könnte man annehmen, daß auch die österreichische Programmkommission den auf diese Weise widerlegten angeblich ‚orthodox-marxistischen‘ Standpunkt teile. Denn es heißt da: ‚Je mehr die Entwicklung des Kapitalismus das Proletariat anschwellen macht, desto mehr wird es gezwungen und befähigt, den Kampf gegen ihn aufzunehmen. Es kommt zum Bewußtsein‘ der Möglichkeit und Notwendigkeit des Sozialismus etc. In diesem Zusammenhang erscheint das sozialistische Bewußtsein als das notwendige direkte Ergebnis des proletarischen Klassenkampfes. Das ist aber falsch. Der Sozialismus als Lehre wurzelt allerdings ebenso in den heutigen ökonomischen Verhältnissen wie der Klassenkampf des Proletariats, entspringt ebenso wie dieser aus dem Kampfe gegen die Massenarmut und das Massenelend, das der Kapitalismus erzeugt; aber beide entstehen nebeneinander, nicht auseinander, und unter verschiedenen Voraussetzungen. Das moderne sozialistische Bewußtsein kann nur erstehen auf Grund tiefer wissenschaftlicher Einsicht. In der Tat bildet die heutige ökonomische Wissenschaft ebenso eine Vorbedingung sozialistischer Produktion wie etwa die heutige Technik, nur kann das Proletariat beim besten Willen die eine ebensowenig schaffen wie die andere; sie entstehen beide aus dem heutigen gesellschaftlichen Prozeß. Der Träger der Wissenschaft ist aber nicht das Proletariat, sondern die bürgerliche Intelligenz; in einzelnen Mitgliedern dieser Schicht ist denn auch der moderne Sozialismus entstanden und durch sie erst geistig hervorragenden Proletariern mitgeteilt worden, die ihn dann in den Klassenkampf des Proletariats hineintragen, wo die Verhältnisse es gestatten. Das sozialistische Bewußtsein ist also etwas in den Klassenkampf des Proletariats von außen Hineingetragenes, nicht etwas aus ihm urwüchsig Entstandenes. Dem entsprechend sagt auch das alte Hainfelder Programm ganz richtig, daß es zu den Aufgaben der Sozialdemokratie gehöre, das Proletariat mit dem Bewußtsein  seiner Lage und seiner Aufgabe zu erfüllen.“

und weiter:

„Kann nun von einer selbständigen, von den Arbeitermassen im Verlauf ihrer Bewegung selbst ausgearbeiteten Ideologie keine Rede sein, so kann die Frage nur so stehen: bürgerliche oder sozialistische Ideologie. ein Mittelding gibt Es hier nicht (denn eine ‚dritte‘ Ideologie hat die Menschheit nicht geschaffen, wie es überhaupt in einer Gesellschaft, die von Klassengegensätzen zerfleischt wird, niemals eine außerhalb der Klassen oder über den Klassen stehende Ideologie geben kann). Darum bedeutet jede Herabminderung der sozialistischen Ideologie, jedes Abschwenken von ihr zugleich eine Stärkung der bürgerlichen Ideologie. Man redet von Spontaneität. Aber die spontane Entwicklung der Arbeiterbewegung führt eben zu ihrer Unterordnung unter die bürgerliche Ideologie, sie verläuft eben nach dem Programm des Credo, denn spontane Arbeiterbewegung ist Trade-Unionismus, ist Nur-Gewerkschaftlerei, Trade-Unionismus aber bedeutet eben ideologische Versklavung der Arbeiter durch die Bourgeoisie. Darum besteht unsere Aufgabe, die Aufgabe der Sozialdemokratie, im Kampf gegen die Spontaneität, sie besteht darin, die Arbeiterbewegung von dem spontanen Streben des Trade-Unionismus, sich unter die Fittiche der Bourgeoisie zu begeben, abzubringen und sie unter die Fittiche der revolutionären Sozialdemokratie zu bringen.“ (zit nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Was_tun%3F)

unabhängig vom falschen gebrauch des begriffs „ideologie“, dem sich lenin hier befleissigt, dass die arbeiterbewegung nicht „urwüchsig“, „organisch“, „spontan“ (oder einfacher: von selber) zu „wissenschaftlichen“ einsichten in die gesamtgesellschaft gelangt, dürfte unbestreitbar sein. der begriff „kampf gegen die spontaneität“ ist ein bisschen missverständlich. denn wie soll eine arbeiterbewegung selbsterfahrung und historische lernerfahrungen machen können, wenn sie nicht auch selbständige schritte macht. auch auf die gefahr hin, dabei fehler zu machen, braucht sie diese erfahrungen, um eben darin befähigt zu werden, die gesellschaft auf eine NEUE grundlage zu stellen. genau dies ist eben der „undialektische“ teil in lenins „was tun“: die vorstellung, sozialistisches bewusstsein und reale klassenbewegung seien zwei disparate, unabhängig voneinander existierende dinge. dass soziale lage und bewusstsein auseinanderfallen, ist das eine, aber zu behaupten, sie seien vollkommen UNABHÄNGIG voneinander, ist etwas völlig anderes. methodisch würde ich einen solchen standpunkt eine „überspitzung“ nennen. eine überspitzung kann dazu führen, einen standpunkt klarer zu machen, dient also als didaktisches mittel. im falle von lenins „was tun“ hat diese überspitzung leider dazu geführt, dass mehrere generationen von epigonen des „leninismus“ berufsrevolutionstum mit bürokratischem substitutionalismus verwechselten/verwechseln.

die debatte zwischen lenin und luxemburg 1904 krankte genau an diesem fakt der überspitzung: was bei lenin die überbetonung der „führung“ war, war bei luxemburg die akzentuierung der „bewegung von unten“. dabei sind beide faktoren gar kein widerspruch, sondern bedingen sich gegenseitig. die proletarische führung verleiht den „organischen kämpfen“ theoretische substanz, während die erfahrungen der kämpfenden klassen wiederum in die marxistischen lehren integriert werden. so bedingt sich beides gegenseitig und im idealfall befruchten sich beide. es ist ein grosser jammer, dass im grunde genommen solche basics politischer theorie schon nicht mehr selbstverständlich übernommen werden.

wie man da den anspruch haben kann, das kapitalistische weltsystem bekämpfen zu wollen, ist mir völlig unbegreiflich. ohne eine disziplinierte organisation, die nach aussen hin eine einheitliche front bildet, wird man dieser aufgabe niemals gerecht werden können. der leninismus ist nichts anderes als ein ausleseprozess. die besten militanten werden in einer organisation zusammengefasst. nach innen herrscht völlige freiheit der kritik (gehorsame diener können keine selbstbewusste politik machen), nach aussen herrscht einheit in der aktion (das ist die voraussetzung für ein autoritatives auftreten). wer das anrüchig findet, möge irgendwelche debattierclubs für sozialistische moral gründen … mit dem realen klassenkampf wird er nie etwas zu tun haben.

„Ohne innere Demokratie gibt es keine revolutionäre Erziehung. Ohne Disziplin gibt es keine revolutionäre Aktion. Die innere Struktur der IV. Internationale fußt auf den Prinzipien des demokratischen Zentralismus: volle Freiheit in der Diskussion, volle Einheit im Handeln.

Die gegenwärtige Krise der menschlichen Zivilisation ist die Krise der proletarischen Führung. Die fortgeschrittenen Arbeiter, die in der IV. Internationale vereinigt sind, zeigen ihrer Klasse den Ausweg aus dieser Krise. Sie legen ihr ein Programm vor, das sich auf die internationale Erfahrung des Befreiungskampfes des Proletariats und aller Unterdrückten der Welt gründet. Sie bieten ihr ein unbeschmutztes Banner.

Arbeiter und Arbeiterinnen aller Länder:
Versammelt euch unter dem Banner der IV. Internationale!
Es ist das Banner eures kommenden Sieges!“ 

— leo trotzki, übergangsprogramm

2 Kommentare zu “Warum muss eine revolutionäre Organisation ‚demokratisch-zentralistisch‘ sein?

  1. Pingback: Wird 2012 der Beginn der „Vereinigung der subjektiven Revolutionäre“? « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ

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