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Für eine realistische Kehrtwende im NAO Prozess

Bildmontage: HF, scharf links

Ein kritischer Kommentar

da im NAO.blog zur zeit nichts los ist, werde ich mal für mich eine zwischenbilanz ziehen. ehrlich gesagt, ist das niveau (und die stimmung) dort dermassen abgesackt, dass ich eh keine grosse lust mehr habe, mich dort noch zu engagieren. der letzte lichtblick war der artikel von bronsteyn zu Fourier (und der ist nur verlinkt zu seinem blog). davor muss man lange zurückblättern, um was vernünftiges zu finden. entweder hat die M31 mobilisierung der SIB die letzten kraftreserven geraubt oder die luft ist irgendwie raus aus dem projekt.

ein paar zwischenergebnisse kann man schon mal festhalten:

der anspruch der SIB, etwa „1000“ leute für eine „antikapitalistische organisation“ „neugruppieren“ zu wollen, IST EIN LUFTSCHLOSS.

die von der SIB anvisierten spektren (hauptsächlich avanti und postautonome) interessieren sich für die NAO einen …. ähh …. wenig.

so wir es sich im moment abzeichnet, wird es wohl darauf hinauslaufen, eine engere kooperation von SIB, SOKO, RSB und interkomm zu organisieren. die isl wird sich wohl ihre orientierung auf die LINKE nicht nehmen lassen, ebensowenig SAV. also mit anderen worten: der RSB mit vlt ein paar hundert leuten (?) bekommt drei gruppen mit etwa jeweils 10 leuten als partner dazu. jo, das nenn ich umgruppierung!

aber ich will nicht zynisch sein. der RSB mit drei partnern wird sich vlt von der absoluten bedeutungslosigkeit zur relativen bedeutungslosigkeit hocharbeiten. wenn es denn dann eine wirkliche orientierung an einem „revolutionären programm“ gäbe, wäre auch das noch ein ergebnis, mit dem man leben könnte. aber ich sehe keinen grund, warum die verbindung von drei zentristischen gruppen (die interkomm kenne ich nicht) auf einmal „revolutionär“ ergeben sollte. es gibt zwar den umschlag von quantität in qualität, aber 230 zentristen sind nicht besser als 30 oder 3!

meine ursprüngliche intention war die hoffnung, innerhalb einer NAO für einen trotzkistischen pol kämpfen zu können. mein vorbild war dabei die arbeit der französischen FT/CI genossen in der NPA. diese hoffnung habe ich inzwischen begraben. erstens gibt es für solch eine arbeit innerhalb der NAO protagonisten gar keine diskussionskultur, zweitens wird die deutsche NAO kein „einheitsprojekt“ werden (wie beansprucht), sondern (bestenfalls) die wiedergeburt einer „NEO-GIM“ herbeiführen, nur mit dem unterschied, dass die GIM der 70er jahre eine ernsthafte organisation war im vergleich zu den leichenhaften restteilen und nachfolgern, die heute noch vom einstigen „mandelismus“ übrig sind! ausserdem stehen diese weit rechts von ihrem einstigen geistigen ziehvater. ein Michael Prütz ist eher ein „links“populistischer hans dampf in allen gassen (mit deutlich reformistischem appetit), als jemand, der auch nur einen hauch von ahnung für revolutionär-marxistische politik hätte. das wort prinzipien ist diesem „pragmatiker“ ein fremdwort mit sieben siegeln. seine theoretische durchdringungsfähigkeit reicht von seinen augenbrauen bis maximal zur nasenspitze. dann ist schluss! man sollte mal ein paar kommentare von ihm auf dem arschhoch.blog lesen, dann fragt man sich ernsthaft, ob der mensch jemals ein marxistisches buch gelesen hat, geschweige denn verstanden. und so jemand will die „radikale linke“ umgruppieren! das kann man nur als schlechten witz ansehen.

was immer jetzt noch bei dem ganzen NAO dingens rauskommt – die würfel sind gefallen für maximal die „27. kleingruppe“. ob diese dann einen fortschritt gegenüber dem jetztzustand sein wird, mag dahingestellt sein. die chance auf eine „prinzipienfeste umgruppierung“ ist jedenfalls vertan worden. sie war von anfang auch nur minimal, aber es war notwendig, diesen versuch zu starten. jetzt weiss man, das es nicht geht und man kann sich wieder in sein kleingruppenbiotop zurückziehen. die revolution hat ja auch noch lange zeit, und wenn die „revolutionäre“ sie verschlafen oder ihnen ein atompilz zuvorkommt, ist es auch nicht schlimm. sie können dann wenigstens sagen:

wir hatten unseren seelenfrieden!

RIP NAO

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8 Kommentare zu “Für eine realistische Kehrtwende im NAO Prozess

  1. siehe auch den kommentar von bronsteyn zur diskussion seines fourier artikels im NAO blog:

    http://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/05/aus-der-diskussion-um-fourier-und-travail-attractif-im-nao-blog/

    noch eine bemerkung zum „marxologen“ buchenberg. er schreibt im marx forum zu seinem lieblingsthema „kommunalisierung“ unter anderem:

    „… Kommunen ohne Oper, aber mit selbstverwaltetem Kulturzentrum usw….“
    http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=6949

    sicher, opern sind ohne frage prestigeobjekte. aber mir ist die vorstellung der „überwindung“ der bürgerlichen kultur ein graus, wenn man noch nicht einmal bei ihr ANGEKOMMEN IST. und mit diesem grausen bin ich nicht alleine:

    „Dieser Kommunismus – indem er die Persönlichkeit des Menschen überall negiert – ist eben nur der konsequente Ausdruck des Privateigentums, welches diese Negation ist. Der allgemeine und als Macht sich konstituierende Neid ist die versteckte Form, in welcher die Habsucht sich herstellt und nur auf eine andre Weise sich befriedigt. Der Gedanke jedes Privateigentums als eines solchen ist wenigstens gegen das reichere Privateigentum als Neid und Nivellierungssucht gekehrt, so daß diese sogar das Wesen der Konkurrenz ausmachen. Der rohe Kommunist ist nur die Vollendung dieses Neides und dieser Nivellierung von dem vorgestellten Minimum aus. Er hat ein bestimmtes begrenztes Maß. Wie wenig diese Aufhebung des Privateigentums eine wirkliche Aneignung ist, beweist eben die abstrakte Negation der ganzen Welt der Bildung und der Zivilisation, die Rückkehr zur unnatürlichen ||IV| Einfachheit des armen, rohen und bedürfnislosen Menschen, der nicht über das Privateigentum hinaus, sondern noch nicht einmal bei demselben angelangt ist.“
    —marx, philosophisch-ökonomische manuskripte

    bronsteyns bezeichnung für buchenberg als „pol pot der bochumer kommune“ bekommt immer mehr sinn.
    (dass auch trotzki die vorstellung einer „proletarischen kultur“ im kapitalismus ablehnte, sei an dieser stelle nur am rande erwähnt)

    —————————————————————————————–
    die entwicklung des mini diktators buchenberg geht weiter:

    http://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/09/wal-buchenberg-thema-erledigt/

    • Hallo,

      ich möchte dem beipflichten. Ich habe die ganzen Elaborate des Konzeptes der „Bochumer Kommune“ zwar noch nicht vollständig gelesen, aber mir stehen jetzt schon die Haare zu Berge.
      W.B. und die seinen stellen sich allen Ernstes vor, dass die Menschen in der Bochumer Kommune „ihre Bedürfnisse anzumelden“ haben, und zwar wahlweise per Briefpost, per Telefon oder gnädigerweise auch per E-Mail.
      Was ist zum Beispiel, wenn ich als Bochumer Kommunarde die hübsche Nachbarin kennenlernen möchte? Ich könnte mir vorstellen, dass das ein reales Bedürfnis sein könnte.
      Muss ich das dann auch bei der „Kommunalen Rechnungsstelle“ anmelden? Oder zählt ein solches Bedürfnis nicht? Oder doch? Wie wird es dann befriedigt durch die „kommunale Rechnungsstelle!?“
      Einen Besuch im Kino müsste ich dann wohl auch anmelden. Und wie ist es mit den Bedürfnissen, die in der unterdrückerischen kapitalistischen Gesellschaft durch den Gang aufs WC befriedigt werden. Auffällig ist, dass den Bochumern wichtig ist, dass „jemand die Scheisse wegräumen muss“. Auf meine Frage, ob sie keine Toilette haben, reagierten sie stinkbeleidigt.
      Gibt es etwa keine Toiletten in der Bochumer Kommune, dass über jede Scheisse in der Bochumer Vollversammlung, in deren Vertretung durch die „kommunale Rechnungsstelle“ entschieden werden muss?
      Ich habe das ganze für mich schon mal als Bedürfnisbürokratie bezeichnet, der bürokratische Aufwand für rund 400000 Einwohner muss immens sein – sicher, eine Menge Posten zu belegen.
      Marx bezog sich in obigem Zitat übrigens zumindest zum Teil auf die „ikarischen Kommunisten“ um Etienne Cabet, aber selbst deren Konzept Ikarien war nicht so organisatorisch und technologisch rückständig wie die Bochumer Kommune.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Etienne_Cabet
      Nicht zufällig, dass Cabets Vision von Ikarien an mehr als einer Stelle auffälig an den Stalinismus erinnert, auch scheint Etienne Cabet durchaus ein Charakter vom Schlage Wal Buchenbergs gewesen zu sein.
      Sein Ende aber war unverdient traurig.
      http://nhz.twoday.net/stories/4963973/
      Und für den späteren Stalinismus konnte Etienne Cabet definitiv nichts.

      • „Enttäuscht von dem autoritären Verhalten und der sozialen Kälte des Bürgerkönigs wurde Cabet zum Sozialisten. Er geißelte in seinen Schriften die Zustände in Frankreich und förderte die Bildungsarbeit unter Arbeitern. Er veröffentlichte die oppositionelle Zeitung Le Populaire, die große Verbreitung fand, aber 1834 verboten wurde. Er wurde wegen Majestätsbeleidung angeklagt und geht nach seiner Verurteilung für fünf Jahre ins Exil nach London.
        Dort gelangte er in Verbindung zum Philanthropen Robert Owen, dessen Ideen in ihm den Plan reifen ließen, sozialistische Strukturen in Frankreich zu realisieren. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich arbeitete er journalistisch und politisch für soziale Erneuerung. In seinem unter einem Pseudonym veröffentlichten Roman Die Reise nach Ikarien (Original:Voyage en Icarie) entwarf er die Idee eines utopistischen Gemeinwesens, das dank moderner Industrie ein hohes Einkommen erzielt, in dem aber die Produktionsmitteln der Allgemeinheit gehören. Cabets Vision durchgehender Verstaatlichung, Militarisierung, Bücher- und Pressezensur sowie der Personenkult um den verstorbenen Führer Ikarus erinnern an die späteren Praktiken des Stalinismus. Mit der Gründung von Arbeiterbildungsvereinen versuchte er, seinem Ziel näher zu kommen.
        Aufgrund seines aufbrausenden Temperaments und seines Geltungsbedürfnisses isolierte Cabet sich zunehmend. Er unterstützte die Revolution 1848, konnte sich aber mit seinen sozialen Ideen, auch unter den Arbeitern, nicht durchsetzen. Er rief zur Auswanderung in die USA auf und gründete 1848 mit Kolonisten in Nauvoo am Mississippi River sein Ikarien. Auch hier geriet er zunehmend in Konflikte mit den Kolonisten. Cabet verbot als Präsident seiner maximal etwa 500 Personen zählenden Gemeinde Kosmetika, Schmuck, bunte Kleider. Es kam auch zu Konflikten um die Verwendung der (vielfach durch Spenden) erwirtschafteten Überschüsse. 1855 kam es zum Bruch mit den Ikariern. Cabet starb 1856 in St. Louis und erlebte das Scheitern seiner Utopie nicht mehr.“

        http://de.wikipedia.org/wiki/Etienne_Cabet

      • Ein Diskussionsbeitrag, der auf dem Marx-Forum nicht mehr erscheinen durfte.

        Antwort auf: Wal Buchenberg (03.04.2012, 10:24) und Kim B.

        ———————————————————————————————————————

        Autor – Meno Hochschild (Veröffentlichung nicht im [Marx] Forum, sondern hier [bronsteyn.wordpress]):
        Über das bürgerliche Menschenbild

        Eine erstaunliche Debatte, die inzwischen die Administration des Karl-Marx-Forums veranlaßt hat, die ärgsten Kritiker des Bochumer Kommunismusverständnis auszusperren und das bisher im Hinblick auf Schreibrechte öffentliche Forum zu schließen. Dennoch möchte ich gewisse Aspekte von Wal Buchenbergs Antwort auf meinen Beitrag nicht einfach so stehen lassen und veröffentliche meine Erwiderung eben außerhalb des Forums zum Nachlesen.

        Zitat von W. Buchenberg: die Überlegungen von Fourier sind vor allem im Sowjetsystem “ernst genommen” worden. Da hat man “sozialistische Wettbewerbe” veranstaltet.

        Mit Verlaub: Das Sowjetsystem mit all seinen bürokratischen Entstellungen und Arbeitsformen hatte mit Fourier rein gar nichts zu tun, viel eher schon mit im Kapitalismus abgekupferten verzerrten Wettbewerbsmodellen, die vielfach nach außen Anlaß für Satire boten. Im Ernst: Wie kann man in Anbetracht von GULAGs zu Stalins Zeiten (bis hin zu mitunter tödlicher Zwangsarbeit) nur entfernt an Fouriers Modell der anziehenden Arbeit denken??? Ein empörender Vergleich.

        Buchenbergs Ausführungen zu Wettstreits …

        Ein “Wettstreit” hat Teilnehmer, das sind nach deiner Vorstellung die Arbeitenden. Aber jeder “Wettstreit” hat auch welche, die die Ziele setzen. Die nehmen selber an dem “Wettstreit” gar nicht teil. Und dann hat jeder “Wettstreit” auch (Schieds)Richter, die über richtig und falsch oder gut und böse richten. Auch diese sind keine Teilnehmer. Jeder Wettstreit ist für die Teilnehmer eine Zwangsjacke. Den Sportlern/Teilnehmern ist nicht erlaubt, sich zusammenzutun und die Regeln ihres Wettkampfes zu ändern und zu bestimmen. Die linken Utopisten von Fourier bis zu dir sehen sich alle in der Rolle der Richter, nicht in der Rolle der Teilnehmer. Nur so kann man den Wetteifernden ein Glücksgefühl andichten. Jeder Wettstreit und jeder sportliche Wettkampf ist ein Abbild von entfremdeter Arbeit, wo andere die Ziele setzen, die die Teilnehmer erreichen sollen, und um die sie mit anderen “wetteifern”. Da gibt es erstens die Zielbestimmer (Planbürokraten oder Kapitalisten), zweitens gibt es die Schiedsrichter (Manager) und drittens die Malocher (Teilnehmer).

        … sind längliche Betrachtungen des Wettstreits, wie er in seiner schlimmsten Form im Kapitalismus als Farce vorkommen kann. Aber leider mangelt es hier W. Buchenberg an Phantasie. Es kommt ihm nicht entfernt in den Sinn, daß sich die Teilnehmer eines Wettstreits auch selbst Regeln und gemeinsame Übereinkünfte geben können. Man denke nur an Fußball und andere sportliche Wettkämpfe. Von Zwang kann da keine Rede sein. Niemand MUSS Fußball spielen, Sportverbände hin oder her, aber mit Sicherheit wirkt der sportliche Wettstreit motivierend. Warum nicht auch in der kommunistischen Gebrauchswertproduktion?

        Und was sagt Buchenberg zur Arbeit? Das kommunistische Arbeitsleben ist selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt. Selbstbestimmt heißt zuallerst, dass die Arbeitenden ihre Ziele und Zwecke selbst bestimmen und sich nicht durch “Leidenschaften” und “Wettbewerbe” von irgendwelchen “Zielebestimmern” zum Arbeiten verführen und manipulieren lassen. Ganz in diesem Tenor lästert Wal Buchenberg auch über die Fourier’sche Spaßgesellschaft als Gegenstück zur Bochumer Kommune. In letzterer ist Arbeit also ohne Leidenschaft, nur mit stocknüchternem Verstand zu verrichten. Wie traurig und phantasielos! Quasi Roboterarbeit. Übrigens: Was passiert mit denjenigen, die aus der Reihe tanzen und sich nicht in dieses Korsett zwängen lassen? Forenausschluss. Zu mehr reicht die Macht der Bochumer Kommune glücklicherweise nicht.

        Und weiter sagt Buchenberg provokativ in Verletzung der von ihm selbst verantworteten Forenregeln (-Vermeidung persönlicher Ansprache-): Und was ist mit allen notwendigen Arbeiten, die erst die natürliche Basis für freies Arbeiten schaffen? Freies Programmieren ist für dich der Kommunismus. Okay. Aber wer beschafft dir was zum Anziehen? Wer beschafft dir was zu Essen? Wer unterhält deine Wohnung? Wer putzt deinen Clo? Wer klärt deine Scheiße weg, die du den Clo runterspülst? Wer beseitigt deinen Müll, den du produzierst? Das sind alles Tätigkeiten, die durch äußere Zwänge anfallen, und die im Kommunismus nicht verschwinden werden.

        Ich kann Wal Buchenberg beruhigen. Selbstverständlich besorge ich mir selber meine Kleidung, kann mich auch selbst anziehen, gehe täglich einkaufen, nicht nur für mich allein. Nein, auch für eine größere Familie, beteilige mich an der Hausarbeit, Müllbeseitigung usw. Im Ernst, das sind alles Tätigkeiten des alltäglichen Lebens, die noch nicht in die Sphäre der kapitalistischen Warenzirkulation und -produktion fallen, aber ebensowenig auch in die Sphäre der kommunistischen Gebrauchswertproduktion in einer kommunistischen Gesellschaft. Das Thema der Debatte ist ein anderes: Gesellschaftliche notwendige Arbeit und was daraus im Kommunismus werden kann. Hausfrauen- oder Hausmannsarbeit gehören nicht dazu.

        Zweitens: Die von Buchenberg vorgenommene starre Trennung in notwendige und freie Arbeit wird im Kommunismus selbstverständlich so nicht existieren. Siehe dazu auch Bronsteyns hervorragende Ausführungen über die komplexe zusammengesetzte Arbeit. Oder bei Engels: Ein Architekt kann auch mal die Karre schieben. Im übrigen ist auch Universitätsdozenten und Studenten zumutbar, z.B. 2-3 mal im Jahr ein Klo auf der Uni zu putzen – als Mitbenutzer des Klos und Voraussetzung für eine attraktive Dozenten- oder Studientätigkeit. Und was das freie Programmieren in meinem Fall angeht: Es kommen dabei Teiltätigkeiten vor, die für mich alles andere als spaßig, ja öde sind. Trotzdem bleibt es eine meiner Leidenschaften, besonders dann, wenn ich schwierige Probleme lösen kann. Andererseits kann das für viele Zeitgenossen wie der blanke Horror erscheinen, sogar schlimmer als Kloputzen, zum Beispiel, wenn es um höhere Mathematik geht. Freie Arbeit muß also nicht für jeden gleichermaßen attraktiv sein, ebensowenig wie notwendige Arbeit für jeden gleichermaßen unattraktiv ist. Und was den ach so starren unversöhnlichen Gegensatz zwischen notwendiger und freier Arbeit angeht: Meine notwendige Arbeit bzw. mein Brötchenerwerb besteht ebenfalls aus Programmieren. Ich würde allerdings auch sagen, im Kommunismus wäre meine jetzige notwendige Arbeit zu mindestens 95% überflüssig, während meine jetzige freie Arbeit weitaus nützlicher wäre. Soviel als persönliche Fußnote zum Thema Produktivkräfteentwicklung und Charakter und Bedeutung der gesellschaftlich notwendigen Arbeit im Kommunismus. Es ist vor diesem Hintergrund wirklich nicht schwer, sich vorzustellen, wie die Aufhebung der Entfremdung der Arbeit im Kommunismus gehen kann.

        Ich deutete in meinem vorherigen Beitrag die fatale Möglichkeit von Aufsehern an: Wie will die Bochumer Kommune dafür sorgen, daß notwendige Zwangsarbeit verrichtet wird, wenn freiwillige Arbeit nicht in Frage kommen soll? Von Buchenberg selbst kommt da praktisch nur Schweigen im Walde. Ein anderer Genosse namens Kim B. wird hier deutlicher. Er schreibt in einem Disput mit Bronsteyn: Die Anwendung des Verstandes ist die einzige Möglichkeit, Gewalt und Zwang zu verhindern. Der Verstand? Das passt zu Buchenbergs Definition der Arbeit als zweckbestimmte Problembeseitigung. Eine merkwürdige Argumentation für einen, der sich zum (materialistischen) Marxismus bekennt. Sind Menschen wirklich durch irgendwie über den Menschen schwebende Vernunftsprinzipien statt durch eigene soziale Interessen und Leidenschaften geleitet? Um das von Kim B. bemühte Beispiel der Altenpflege in einem seiner Beiträge zu bemühen: Jeder soll sich rein rational sagen (zwingen?), daß die mühsame Pflege der eigenen Großmutter notwendig sei (warum eigentlich? – vielleicht um selber im Alter besser behandelt zu werden – ein eigennütziges Motiv). Natürlich, Leidenschaft, Mitgefühl und Fürsorge gelten nicht (oder sind bestenfalls von nebensächlicher Bedeutung). Es muß die “Vernunft” regieren. Aber halt, ist die notwendige Arbeit in der Bochumer Kommune nicht ewiger unverhinderbarer Zwang? Ja, genau das schreibt Kim B. in einem vorherigen Beitrag:

        Weil sich aus rationalen Gründen nie ein gesunder Mensch aus freien Stücken um das Scheiße wegschaffen bemühen wird, ergibt sich zwingend, dass im Kommunismus niemand die Scheiße wegschaffen wird, sie also im Plumpsklo, hinterm haus oder sonstwo in der Natur landen wird.

        Der Widerspruch ist offenkundig. Derselbe Verstand bzw. die rationalen Gründe gebieten nach Kim B. es, die unangenehmen menschlichen Hinterlassenschaften nicht freiwillig zu beseitigen. Was nun? Wenn es nicht einmal der Verstand schafft, wer oder was sorgt dann dafür, daß notwendige Zwangsarbeit verrichtet wird? Vielleicht wird es doch Aufseher in der Bochumer Kommune geben.

        Das Menschenbild dieser Bochumer Kommune kommt mir irgendwie bekannt vor. Unangenehme Tätigkeiten werden angeblich nie freiwillig angenommen, mit anderen Worten: Menschen sind von Natur aus faul. Wo haben wir das schon mal gehört? Richtig! Die Kapitalisten und ihre bürgerlichen Medien sagen es tagtäglich. Arbeiter müssen zur Lohnarbeit gezwungen werden. Mithin erscheinen sie aus kapitalistischer Perspektive als tendenziell faul (wollen nicht mehr arbeiten), egoistisch und eigennützig (fordern zu viel). Gut, das sagen vielleicht nur hartgesottene Konservative und denken es nicht immer so laut. Etwas klügere bürgerliche Vertreter sagen wie auch sehr viele Arbeiter: Ja Kommunismus ist eine schöne Utopie, nur leider nicht möglich, weil die Menschen von Natur aus eben faul, egoistisch etc. wären. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Projektion der herrschenden Klassenverhältnisse in die menschliche biologische Natur. Es ist aber der ideologische Widerhall der kapitalistischen Lohnarbeit, die notwendig Zwangscharakter hat. Ich fürchte, die Vertreter der Bochumer Kommune sitzen leider auch diesem bürgerlichen Menschenbild auf. Stimmen kann dieses Bild aus proletarischer Perspektive ohnehin nicht. Beispiel Altenpflege: Viele junge Arbeiter entscheiden sich aus freien Stücken für den Ausbildungsberuf der Altenpflege, wohl wissend, daß dazu auch übelriechende Tätigkeiten wie das Abwischen eines Hinterns gehören. Einen Zwang der Berufswahl gibt es nicht. Und die eher schlechte Bezahlung kann als Motivation nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr sind offensichtlich soziale und fürsorgerische Motive für ihre Berufswahl von Bedeutung – auch das sind wichtige Fourier’sche Leidenschaften.

        quelle: http://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/06/ein-diskussionsbeitrag-der-auf-dem-marx-forum-nicht-mehr-erscheinen-durfte/

      • mein artikel „für eine realistische kehrtwende im NAO prozess“ wurde auch gespiegelt:

        http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23567&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=52763c32a5

        [meine korrekturen wurden leider von ’scharf links‘ nicht übernommen. die bezeichnung „rechtspopulist“ für Micha Prütz ist natürlich offensichtlicher blödsinn. der korrigierte satz lautet jetzt:

        “ ein Michael Prütz ist eher ein “links”populistischer hans dampf in allen gassen (mit deutlich reformistischem appetit), als jemand, der auch nur einen hauch von ahnung für revolutionär-marxistische politik hätte.“

        ich habe zwar nicht die hoffnung, mit diesem satz den Pulitzer Preis zu gewinnen, aber er hat zumindest den vorteil, politisch etwas genauer zu sein 😉 ]

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