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Zur „Politik“ der „kleinen Gruppen“

früher gab es die weit verbreitete meinung, dass linke gerne streiten, diskutieren und …. sich spalten. von diesen drei punkten scheint mir nur der letzte noch gültigkeit zu haben, denn von einer „linken streit- und diskussionskultur“ kann nun wahrlich nicht die rede sein. nun mag auch das mit der gesellschaftlichen isolation und der eigenen (personell-organisatorischen) schwäche zu tun haben, um sich keine blösse geben zu müssen, wenn man mal nicht gleich die „rrrevolutionäre generallinie“ mit der segnung des „ZK“ in der tasche hat. aber ich denke, dass ist nur ein puzzleteilchen von vielen.

prinzipiell können kleine gruppen erst mal nichts anderes machen als IDEEN PRODUZIEREN. daran ist erst mal nichts verwerfliches, im gegenteil sogar, denn linke politik ist perspektivische politik (also auf die weiterentwicklung und/oder umwälzung des STATUS QUO gerichtet), und die kann es nur geben, wenn man die richtung des eigenen WOLLENS möglichst klar angibt. aber was auf der einen seite was „gutes“ ist, hat — wie sollte es im leben anders sein? — auch seine nachtseite.

eine gruppe, die sich allein programmatisch (also ideenmässig) definiert, kommt leicht dahin, eine art interne GEDANKENPOLIZEI zu entwickeln, denn alles was auch nur im entferntesten das ideelle fundament der gruppe infrage stellt, ist ja dann sofort ein „angriff“ auf das existenzrecht der gruppe. und dies umso mehr, je mehr eine „ideologie“ nicht nur fragen der POLITISCHEN HALTUNG betrifft, sondern auch einen weltanschauungsanspruch hat (ich würde es eine ERSATZRELIGION nennen).

als weiteres problem kommt noch hinzu, dass kleine gruppen kaum die möglichkeit haben, ihre ideen auch in der praxis anzuwenden; sodass die gefahr besteht, dass ideen mehr den charakter von glaubensbekenntnissen bekommen als dass sie auch im einklang mit den eigenen ERFAHRUNGEN stehen (und durch diese erfahrungen auch wieder korrigiert und weiterentwickelt werden können). dadurch handelt es sich weniger um ein konkretes lernen, sondern mehr um ein theoretisches (bücher)wissen, was kleine gruppen anbieten können. die folge ist, dass die „belesensten kader“ das interne gruppenleben bestimmen, während das „zielpublikum“ zum grössten teil aussen vor bleibt, weil die hürde viel zu hoch liegt, um sich in den (theoretischen) gruppenzusammenhang mit einklinken zu können.

dies festzustellen soll kein „vorwurf“ an die kleinen gruppen sein, denn dies sind objektiv wirkende mechanismen, für die die kleinen gruppen nichts können. es wäre nur wichtig, sich dieser objektiven mechanismen bewusst zu sein, damit man zumindest bis zu einem gewissen grad solchen tendenzen zur „versektung“ entgegenwirken kann. der häufig zu hörende hinweis, nur „praxis“ könne dies bewirken, ist wenig hilfreich. denn erstens ist ja gerade die mangelnde PRAXISFÄHIGFKEIT das problem kleiner gruppen (die katze beisst sich also in den schwanz) und zweitens muss man erst mal definieren, was denn unter „praxis“ zu verstehen sei. denn sich einfach „unters volk mischen“ (heran an die Massen!) führt ja auch zu nichts. man muss also vorher genau überlegen, in welche praxisfelder man zu intervenieren gedenkt (unter berücksichtigung der eigenen „kräfte“) und mit welcher (programmatischen) perspektive (und das setzt erst mal wieder einen „ideologischen kampf“ voraus).

also der hinweis auf „praxis“ allein bewirkt keine revolutionierung des bewusstseins, ist also reiner praktizismus (in lenins terminologie „handwerkelei“). worauf es also ankommt, ist, die teilnahme an gesellschaftlichen (teil)kämpfen mit der entwicklung einer REVOLUTIONÄREN PROGRAMMATIK zu verbinden, um so zu einem stärkeren abgleich von theorie und praxis zu gelangen. dabei darf man keine angst davor haben, erst mal einen haufen fehler zu machen oder sich zu blamieren, weil man nicht wie ein profipolitiker agieren kann. es ist völlig normal, dass unterdrückte und marginalisierte nicht über das gleiche selbstbewusstsein verfügen wie die arrivierten und herrschenden. aber „fehler machen“ ist gleichbedeutend mit LERNEFFEKTEN.

die „kader“ einer revolutionär-antikapitalistischen bewegung werden also die fähigkeit haben müssen, trotz haufenweiser rückschläge an ihren grundsätzlichen ÜBERZEUGUNGEN festzuhalten und sie — unter dem eindruck ihrer „praktischen erfahrungen“ — theoretisch immer feiner zu präzisieren, zu aktualisieren und zu konkretisieren (anpassung an zeit und lage[einschätzung]). dazu gehört neben der charaktereigenschaft „frustrationstoleranz“, ein langer atem, hartnäckigkeit, beharrlichkeit, mut und vertrauen in die richtigkeit und zukunftsfähigkeit des eigenen politschen anliegens.

neben der notwendigkeit der herstellung der programmatischen grundlagen einer revolutionär-POLITISCHEN organisation (vergleich: http://www.nao-prozess.de/blog/e-1-vorschlag-zur-ausformulierung-des-essentials-zum-revolutionaeren-bruch/) müssen also auch menschen herangebildet werden, die so eine perspektive auch (charakterlich) TRAGEN KÖNNEN.

diese wachsen nicht auf bäumen ….

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Ein Kommentar zu “Zur „Politik“ der „kleinen Gruppen“

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