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Von Trotzki lernen

[ich poste diesen text als diskussionsgrundlage. er erscheint es mir wert, veröffentlicht zu werden]

Pham Binh fragt danach, inwieweit das verhältnis von ‚programmatischer klarheit‘ und parteiaufbau verantwortlich dafür ist, dass es in der trotzkistischen bewegung eine tendenz für fraktionierungen und spaltungen gibt

[von Pham Binh via http://anticapitalists.org/2012/07/11/1399/ übersetzung: systemcrash]

Andy Yorkes  Antwort auf meinen Artikel “ Trotzkismus „enthält so viele falsche Darstellungen über das was ich schrieb, dass es schwer ist zu wissen, wo man eine antwort beginnen soll. Dies ist das zweite Mal,  dass Workers Power meine Haltung zu fragen des parteiaufbaus fehlinterpretiert. Das Seltsame ist, dass diese zweite Antwort von Andy Yorke eigentlich eine Bestätigung meiner zentralen Argumente für die endemischen Probleme des Trotzkismus ist.

(wie erklären wir die neigung der trotzkisten zu spaltungen?)

Zwei Strohmänner

Yorke verschwendet worte für anklagen, die ich aber nie gemacht habe: dass der trotzkismus ein monopol auf die sektenform hat (im gegensatz zum maoismus und anarchismus) und dass die trotzkistischen kräfte nie Massenkämpfe geführt haben.

Der zentrale Punkt meiner Abhandlung über den Trotzkismus ist, dass die Praktiken der Bewegung grundsätzlich im Widerspruch zu denen von Lenin und der bolschewistische Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) steht und dass, als Ergebnis, keine trotzkistische Organisation in der Welt in acht Jahrzehnten  sich zu einer Massenpartei entwickeln konnte, einer wirklichen Avantgarde-Partei, die die Treue, Respekt und Aufmerksamkeit von Zehntausenden von militanten Arbeitern und unterdrückten Menschen bekommt.

Dies gilt auch dann, wenn Trotzkisten eine herausragende Rolle in den Kämpfen spielten, und Yorke liefert viele Beispiele dafür.

Die trotzkistische Bewegung war schon immer und wird immer eine ideologische Vorhut sein , sofern und solange sich nichts an ihrem praktischen funktionieren ändert.

Trotzki und der Trotzkismus

Yorke behauptet, dass ich „kaum die wichtigsten Ideen oder Verfahren von Leo Trotzki kritisiere“. Eine sorgfältige Lektüre des Textes würde York zeigen, dass ich in der Tat Trotzki kritisiere, aber nicht in der üblichen, trotzkistischen Art (übertriebene Denunziation, Verleumdung und personalistische Angriffe).

In diesem Aufsatz habe ich nicht vor ins Detail darüber zu gehen, was meiner Meinung nach die politischen Fehler Trotzkis waren:

1) Er ist tot und hat keine Chance zu reagieren oder seine handlungen zu verteidigen.

2) trotzki war auf der flucht und lebte unter nicht normalen bedingungen. er musste mit ansehen, wie ein familienangehöriger nach dem anderen ermordet wurde. aus angst vor attentaten musste er innerhalb weniger jahre in mehrere länder emigrieren. das war kaum die art umfeld, um politische entscheidungen und methoden zu schaffen, die den test von jahrzehnten überstehen würde und es wäre daher unpassend, ihn für seine fehler zu kritisieren, wenn nur wenige von uns bereit wären, den preis für seine überzeugungen zu bezahlen, den trotzki dafür bezahlt hat.

3) Am wichtigsten ist, dass seine Anhänger und Nachfolger mehr verantwortlich sind für das Schicksal der trotzkistischen Bewegung als Trotzki selbst, seit er im Jahr 1940 getötet wurde, während der trotzkismus seit über 80 jahren existiert.

Wir sollten nicht jemanden verantwortlich machen, der vor 70 jahren ermordet wurde, für die taten der anhänger im jahre 1948, 1968 oder 2008. genauso wenig wie ein zimmermann, der vor 2000 jahren in jerusalem gekreuzigt wurde, für die schrecklichen dinge, die im namen des christentums begangen wurden, verantwortlich ist.

Das heißt, niemand in der trotzkistischen Bewegung hat halb so viel erreicht wie Trotzki, also ist es keine Überraschung, dass die Bewegung, die seinen Namen trägt, auch immer noch die schwere bürde seiner methoden und aktionen mitträgt. Er war ein Riese unter Zwergen.

Trotzkismus ist die einseitige Fokussierung auf politische Programme, Ideen und Linienkämpfe, beginnend mit Trotzki selbst, wie das Zitat aus seinen Schriften über Deutschland aus den 1930er Jahren deutlich macht :

Zahlenmäßig ist die Linke Opposition in Deutschland  schwach. Doch ihr politischer Einfluss kann sich entscheidend erweisen  bei einer scharfen, historischen Wende. Als Weichensteller, durch das rechtzeitige umlegen des Schalters, kann die kleine Opposition, mit einer starken und sicheren ideologischen wende, kann sie den schweren zug der kommunistischen partei und den noch schwereren zug des deutschen proletatariats zwingen, in eine andere richtung zu fahren. [alle zitate rückübersetzt aus dem englischen; anm v mir]

Trotzki schrieb in ähnlicher Weise im Jahre 1931 in der Permanenten Revolution :

Die große historische Bedeutung von Lenins Politik war mir noch unklar damals, seine Politik der unversöhnlichen ideologischen Abgrenzung und, wenn nötig, Spaltung, für den Zweck der Schweißung und Härtung des Kerns der wirklich revolutionären Partei.

Trotzki folgend, schrieb James Cannon, der Führer der Socialist Workers Party:

Trotzki selbst glaubte, dass Ideen die größte Macht in der Welt sind. Ihre Autoren können getötet werden, aber Ideen, einmal verkündet, leben ihr eigenes Leben. Wenn sie die richtigen Ideen sind, gehen sie ihren Weg trotz aller Hindernisse. Dies war das zentrale, dominierende Konzept in der Philosophie des Genossen Trotzki. Er erklärte es uns viele, viele Male. Er schrieb einmal: “Es ist nicht die Partei, die das Programm [die Idee] macht, es ist das Programm, das die Partei macht“ In einem persönlichen Brief an mich schrieb er einmal: „Wir arbeiten mit den meisten richtigen und leistungsfähigen Ideen in der Welt, mit unzureichenden Kräften und numerisch [wenigen] materiellen Mitteln. Doch auf lange Sicht gesehen, werden die richtigen Ideen sich auch die notwendigen materiellen Mittel und Kräfte selbst erobern.“

Das Programm macht die Partei, und die Idee schafft die materiellen Mittel für sich.

Marx hatte ein Wort für diese haltung: Idealismus .

Und es ist Idealismus zu argumentieren, wie Yorke das tut, dass „während der entscheidenden Möglichkeiten, um zu einem Durchbruch von kleinen Gruppen zu kommen, es weitgehend die zentristischen Abweichungen und Verzerrungen des marxistischen Programms durch diese Propaganda-Gesellschaften waren, die den Weg zum Wachstum blockiert haben.“ [herv von mir]

Seit wir als Workers Power in Großbritannien und die Liga für die Fünfte Internationale „kämpfen für die Bildung einer neuen Weltpartei der sozialistischen Revolution“ mit seinem unverfälschten marxistischen Programms gegen Zentristen und   Liquidatoren wie Pham Binh und die antikapitalistischen Initiative, wo ist das Wachstum ? Hat Workers Power einen Massenanhang dank ihrer programmatischen Klarheit? Hat sich die SDAPR von einer Organisation von Dutzenden im Jahr 1899 zu Zehntausenden im Jahr 1906 entwickeln können, weil ihr Programm  (wie  immer sie  interpretieren mögen, was ein Programm bringt)  frei war von „zentristischen Abweichungen und Verzerrungen“?

Wenn ja, wie erklären wir den Massenanhang des Menschewismus im Jahr 1906?

Trotzkis grundlegende Fehler war, dass er von seinen Anhängern erwartete, dass sie einen Massenanhang gewinnen können, weil alle anderen Tendenzen in der Arbeiterbewegung sich als politisch bankrott erweisen würden  im Verlauf des Kampfes, so dass die Massen keine andere Wahl hätten, als zur Vierten Internationale überzugehen (oder zur Fünften, wie es Yorke vorziehen würde).

Trotzkis Praxisorientierung wurde von Yorke so erfasst, dass „objektiv wichtige Slogans, wenn für sie geschickt  argumentiert wird,  kann das Hindernis von bürokratischen Massenparteien auch durch einen relativ kleinen Kern von Kadern durchschnitten werden.“

Aber eigentlich nicht, kann es nicht.

Die Trotzkisten in Deutschland und Spanien in den 1930er Jahren konnten ganz und garnicht die „behinderung durch bürokratische Massenparteien durchschneiden“ mit ihren geschickten argumenten und lebenswichtigen parolen.

In der Tat verbrachten sie eine gute Menge zeit damit, sich gegenseitig zu bekämpfen, weil sie alle Meinungsverschiedenheiten, die sie untereinander hatten, als eine programmatische Debatte behandelten [herv von mir], was dazu führte, dass der Trotzkismus sich endemisch spaltete, es zu Ausschlüssen und gegenseitiger Exkommunikation kam, trotz der besten Bemühungen von Trotzki selbst in vielen Fällen.

Dies macht Yorkes Anspruch, dass ich „nicht erklären kann, was so wertvoll [Über Trotzkismus] war vor 1940 und danach wertlos und gefährlich wurde “ sehr weit danebenliegend.

Politisch recht zu haben ist eben nicht genug, um die Richtung des schweren Zug des Proletariats zu ändern, weil die Arbeiterklasse eben kein Zug ist und nicht auf ideologische Schalter reagiert; egal wie richtig das Switch-Programm ist, selbst in Fällen, wo ein richtiges Programm der Arbeiterbewegung helfen würde, eine Katastrophe zu vermeiden. [herv v mir]

Trotzki, Lenin und die bolschewistische Fraktion

Lars Lih machte eine bemerkung in bezug auf trotzkis einschätzung der Prager Konferenz der SDAPR 1912:

Trotzki hatte nicht seine Meinung über die Geschehnisse geändert, sondern nur seine Einschätzung der Ereignisse: er hatte heftig Lenin angegriffen im Jahre 1912, weil er die Partei im namen der fraktion usurpiert hatte, aber später fühlte er, dass diese Usurpation gerechtfertigt war.

Ich glaube, das gilt mit gleicher Kraft auf Trotzkis Perspektive auf alles, was sich auf die  inneren streitigkeiten in der SDAPR mit lenin und der bolschewistischen fraktion vor 1917 bezog.  Trotzkis Einschätzung dessen, was sie taten, wie sie es taten, und warum sich es sich nie geändert hat, egal ob es positiv oder negativ war [? Trotsky’s assessment of what they did, how they did it, and why never changed, only whether it was positive or negative.]

Trotzki sah Lenin und die Bolschewiki als Spalter, Zerstörer [der Partei] und Usurpatoren seit dem Kongress von 1903, der die fraktionen der Menschewiki und Bolschewiki hervorbrachte.

Lenins Bemühungen um Annäherung an die Menschewiki in dem 1910 SDAPR Plenum und im Jahre 1912 gegen die Liquidatoren änderte nichts an Trotzkis Ansichten.

Während er [Trotzki] alle Strömungen der SDAPR, egal wie praktisch unvereinbar ihre Orientierungen waren – unabhängig vom Kontext- zu vereinen suchte, suchte Lenin Einheit auf einem bestimmten politischen Basis, basierend darauf, was die Aufgaben der SDAPR in einer bestimmten Situation war [herv von mir].

Beginnend im Jahr 1899 verwendete Lenin die ISKRA Zeitung, um alle Fraktionen und Tendenzen in  der russischen sozialdemokratischen Bewegung in einer Partei zu vereinen, die diesen Namen verdient, auch die Ökonomisten und Anhänger des Rabotscheje Mysl , die beide Ziele waren von Lenins Polemiken in der ISKRA.

Nach dem unerwarteten Schisma auf dem Kongress von 1903, dass sich später verhärtete in dauerhafte fraktionierungen von Bolschewiki und Menschewiki, suchte Lenin eine Mehrheit der SDAPR Aktivisten zu sammeln, um einen dritten Parteitag einzuberufen mit den Ziel, die Streiterein zu beenden. Die Menschewiki nahmen an dieser Versammlung nicht teil (sie meinten, sie seien von den Bolschewisten mit nachdruck ausgeschlossen worden [forcibly excluded]) und wollten nicht ihre legitimität verteidigen.

Im Jahr 1908 sah Lenin das Liquidatorentum als große Gefahr für die gesamte SDAPR, eine, die Menschewiki und Bolschewiki gleichermaßen bedrohte, und so versuchte er alle zu vereinen, um die liquidatorische Tendenz in einer energischen vierjährigen Kampagne zu bekämpfen, was zum Ausschluss von einer Handvoll von Liquidatoren aus der SDAPR im Jahre 1912 gipfelte, mit dem Segen von den Vertretern der beiden Fraktionen auf der Prager Konferenz.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des sozialistischen oder Zweiten Internationale , suchte Lenin Einheit mit den Anti-Kriegs (internationalistischen) Elementen der anderen Parteien der II. Internationale gegen seine Pro-Kriegs (Vaterlandsverteidiger) Elemente.

Seine politische Feindschaft gegen die Anti-Kriegs-Zimmerwalder „Zentristen“ ergab sich aus ihrer halbherzigen, inkonsequenten Opposition gegen Vaterlandsverteidigung.

Während der russischen Revolution 1917, Lenin pushte die Einheit mit internationalistischen Menschewiki, die Anti-Vaterlandsverteidiger Positionen einnahmen, dies führte schließlich zu einer Fusion zwischen einigen menschewistischen Internationalisten , der bolschewistischen Fraktion, und der nicht-fraktionellen „Zwischenbezirks“ Gruppe [Meshrayonka; anm v mir], die Trotzki im August zum SDAPR Kongress führte, wo Trotzki zum ersten Mal ins Zentralkomitee der Partei gewählt wurde.

Später versuchte die dritte oder Kommunistische Internationale unter Lenins Führung, Anarchisten und Anarcho-Syndikalisten, zusätzlich zu den revolutionären Elementen der II. Internationale, zur Mitarbeit zu gewinnen.

Basierend auf dieser Geschichte ist es klar, daß Lenin und die Bolschewiki  nicht „Spalter, Disruptoren noch Usurpatoren waren; die nicht den kern der wirklich revolutionären partei durch unversöhnliche ideologische abgrenzung zusammenschweißen, und wenn nötig, spalten“, wie trotzki im jahre 1931 fälschlich behauptet hat.

In der Tat suchten sie ständig die Einheit mit anderen revolutionären elementen für einen gemeinsamen kampf gegen den gemeinsamen feind  und sie gingen sogar so weit, einen  programmatischen Kompromiss zu machen in der Frage der Landreform im Jahr 1917, kurz nach Errichtung der Sowjet-Regierung.

Trotzkis zutiefst fehlerhaftes Verständnis der Methoden von Lenin und der bolschewistischen Fraktion untergraben seinen Kampf gegen den Stalinismus in den 1930er und verkrüppelten den Trotzkismus in den folgenden Jahrzehnten.

Zum Beispiel in den Einheits-Gesprächen mit der Leitung der SAP, eine linke Abspaltung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, forderte Trotzki „dass sie eine Position einnehmen zu allen internationalen Fragen der letzten zehn Jahre …“ Als sie dies beanstandeten,  antwortete Trotzki:

… Es ist richtig für uns zu fordern, dass diese Führer, die auf sich nehmen, die Initiative zur Bildung einer unabhängigen proletarischen Partei zu übernehmen, ihre Haltung gegenüber den fundamentalen Problemen der proletarischen Strategie nicht in allgemeiner und abstrakter Form ausdrücken, sondern auf der Basis von der lebendigen Erfahrung der gegenwärtigen Generation des Weltproletariats.

Trotzkis Ansatz nach 1917 könnten nicht unterschiedlicher sein aus Lenins Ansatz vor 1917. [herv von mir]

Als Lenin das Liquidatorentum innerhalb der SDAPR bekämpfte, verlangte er nicht von den menschewistischen führern, die mit ihm zusammen kämpfen wollten [in dieser angelegenheit; anm von mir], dass sie die bolschwewistische einschätzung der russischen revolution von 1905 übernehmen müssen. Lenin bildete auch einen politischen Block gegen die Liquidatoren mit jemanden, den er für den Verzicht auf den bewaffneten Kampf in der Revolution von 1905 verspottet hatte- Greorgi Plekhanov.

Auch verlangte die bolschewistische fraktion nicht von trotzki, er möge seine ansichten zu den vergangenen 10 jahren ändern, damit er ins zentralkomitee gewählt werden kann. Hätten sie dies getan, wären sie in der zeit des sowjetischen Bürgerkrieges ohne den brillantesten und talentiertsten revolutionären führer Russlands dagestanden, der die spitze eingenommen hatte und für sie kämpfte.

Nichts war Lenin und der bolschewistischen fraktion fremder als diese art von kontraproduktivem sekteriertum, den trotzki mit dem kern der politischen methode verwechselte und dadurch leider zum markenzeichen der trotzkistischen bewegung wurde. [herv von mir]

Trotzki und Wir

Wir sollten nicht zulassen, dass der Heiligenschein von Trotzkis Martyrium uns blind macht für seine methodischen Fehler, die in der trotzkistischen Bewegung kodifiziert sind. Wie Lenin schrieb im linken Radikalismus:

Bei einer politischen Partei ist die Haltung zu ihren Fehlern  eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei ist und wie sie in der Praxis ihre Verpflichtungen gegenüber ihrer Klasse und dem werktätigen Volk erfüllt. Einen Fehler offen zuzugeben, Ermittlung der Gründe dafür , die Analyse der Bedingungen, die dazu geführt haben und die, die ihn gemacht haben, die Mittel zu seiner Berichtigung ermöglichen – das ist das Merkmal einer ernsten Partei, das ist, wie sie ihre Aufgaben erfüllen sollte, und wie sie die Erziehung und Schulung der Klasse und dann der Massen betreiben sollte.

Dieser Essay und das stück antwort auf Yorke wurde präzise mit dieses worten [lenins] im hinterkopf geschrieben.

Trotzki bezahlte einen sehr hohen Preis für seine mutige und lebenslange Opposition gegen den Stalinismus, den Imperialismus und Kapitalismus. Wir sollten daher kritisch  bewerten, die Stärken und Schwächen dieser Opposition, sodass wir — die zukünftige Generation, von der er sprach  — möglicherweise das Leben besser vom  allem Bösen, der Unterdrückung und der Gewalt befreien können und es in vollen zügen geniessen können – so wie er es erhofft hatte.

9 Kommentare zu “Von Trotzki lernen

  1. Pingback: Von Trotzki lernen « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! - Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken

  2. Na, Systemcrash, bring es doch mit deinen Worten auf den Punkt!
    Worin besteht genau das kontraproduktive Sektierertum der meisten trotzkistischen Gruppen?
    Am besten in einem einzigen Satz!
    U/nd was könnte/müsste getan werden, dieses kontraproduktive Sektierertum zu überwinden, produktiv aufzuheben?

    • tja, lieber bronsteyn, ich habe diesen artikel gerade in einer mehrstündigen sitzung übersetzt und überarbeitet. gib mir etwas zeit zum nachdenken. ich halte diesen artikel in der tat für wichtig, möchte aber vorerst noch keine stellungnahme abgeben. ich warte mal ab, ob sich eine diskussion entwickelt. ansonsten glaube ich, dass der artikel eher DIR rückendeckung gibt als mir 😉

      so, jetzt hab ich was gegessen und bin wieder mensch.

      worin besteht das sekteriertum des trotzkismus?

      ich denke, in dem falschen bemühen, JEDE frage des lebens als PROGRAMMATISCHE zu betrachten. DAS KANN nur schief gehen (ich habe bereits gegen KHS einen ähnlichen ansatz versucht auszudrücken)

      was muss getan werden?

      tja, das ist die eine millon $ frage. ich denke, das hängt mit dem falschen verständnis des marxismus als „weltanschauung“ zusammen (ich nenne es ersatzreligion). in dem punkt sind „trotzkisten“ übrigens nicht viel weniger schlimm als stalinisten. und auch olle lenin trägt da eine gehörige portion erbschuld. wie man das allerdings in einem politisch-produktiven sinn nach vorne auflösen kann – diese frage wird wohl der NAO prozess in der einen oder anderen weise beantworten. ich bleibe aber eher skeptisch; auch wenn ich mit Gramsci an den opitimismus des willens glaube 😉

      • Lieber Systemcrash,
        auch mir geht es um marxistische Konvergenz und vor allem den Aufbau einer revolutionären Partei der Arbeiter/innen in Deutschland.
        Mir geht es nicht um das „recht haben“.
        Insofern fahre ich mehrgleisig:

        Im NAO-Prozess spreche ich mich für eine klare programmatische Orientierung auf die Räterepublik aus und schlage als methodischen Leitfaden für die Praxis die 13 Punkte für eine klassenorientierte Arbeiterbewegung vor.
        Ich unterstütze mit anderen Genossen der MI (mit bescheidenen Kräften) konkrete Selbstorganisationsansätze der Klasse in Berlin, z.B. den Zusammenschluss der Mieter am Kottbusser Tor oder den Aktionsausschuss 100% S-Bahn oder das Bündnis zur Verhinderung der Zwangsräumung von Frau Cengiz..

        Ich predige also keine Reihenfolge von Programmatik oder Praxis zuerst und dann das andere.
        Es geht nur wirklich dann, wenn es auch parallel abläuft.
        Hier können auch sehr kleine Gruppen einen gewaltigen Effekt erzielen.
        Du bist jederzeit aufgefordert und eingeladen, dabei mitzutun.
        Im Rahmen einer gemeinsamen Praxis diskutieren sich programmatische Fragen auch viel konkreter und vor allem fruchtbarer.

  3. vom ansatz her stimme ich dir ja zu. ich glaube aber, solange die „radikale linke“ so extrem marginalisiert ist und POLITISCH UNEINS, interventionen in (teil)praxisfelder KEINE chance auf PROGRAMMATISCHE EFFEKTE haben. sie wären bestenfalls ganz, ganz zarte pflänzchen des „sozialen lernens“. dies benötigen wir sicherlich irgendwann auch – IM MOMENT sehe ich aber eine ANDERE PRIORITÄTENSETZUNG. das ist auch eine ganz PRAKTISCHE frage: ich bin vollzeit berufstätig in wechselschicht mit wochenenddiensten. ich bin aktiv bei facebook, in meinem blog und in der NAO debatte …… IRGENDWANN WILL ICH VON POLITIK KOMPLETT ABSCHALTEN! sonst läuft man gefahr, ne macke zu kriegen 😉 … und– ich will ehrlich sein–, ich bin ein mensch, der etwas kontaktscheu ist. woran das auch immer liegen mag. vlt ist man einfach auch schon ZU OFT enttäuscht worden; und erwartungshaltungen völlig abschalten will mir einfach nicht gelingen 😉

    nachtrag:

    wenn Pham Binh die unverschämte frage stellt,

    warum hat workers power keinen Massenanhang?

    darf ich dann die noch unverschämtere frage stellen:

    WARUM IST DIE MI SOGAR NOCH KLEINER ALS DIE „SEKTEN“ ? 😉

    oder noch anders gefragt: WARUM IST DIE MI K E I N E SEKTE?

    und wenn man das ganze ketzerisch zur weissglut bringen möchte:
    in deutschland und italien war der faschismus eine (kleinbürgerliche) Massenbewegung.
    bekommt er DADURCH eine „realistische erdung“, weil er „Massen“ anzieht?

    DOCH WOHL KAUM, WILL ICH MEINEN !

    genauso wenig wie die BILD eine „gute zeitung“ ist, WEIL sie eine millionenauflage hat 😉

    und was ziehe ich daraus für eine konsequenz?

    DASS JEDER EINZELNE SELBST WISSEN MUSS, WAS ER/SIE/ES (POLITISCH) MÖCHTE ODER NICHT MÖCHTE! (und dies liegt auch NUR IN SEINER/IHRER VERANTWORTUNG. und auf DER grundlage kann dann auch sinnvolle organisierung/vernetzung stattfinden, die (kollektiv) STÄRKT und nicht (individuell) vereinnahmt)

    und komm mir jetzt nicht mit „manipulierten bedürfnissen“ … diese denkfigur bringt uns nicht weiter.

    was wir also zunächst brauchen sind ICH-starke, selbstbewusste INDIVIDUEN (und keine „herdentiere“ oder lemminge) !

    • „WARUM IST DIE MI SOGAR NOCH KLEINER ALS DIE “SEKTEN” ?“
      Die Frage will ich dir gern beantworten. Ich darf darauf aufmerksam machen, dass ich noch kein Jahr bei der MI bin.
      Die Antwort:
      Weil sie nicht getan hat, was notwendig gewesen wäre, damit es anders ist, und zwar seit Jahren. Und genau das habe ich intern, allerdings ausführlicher, auch gesagt.

      • und du meinst, JETZT wird alles anders oder besser?

        „Weil sie nicht getan hat, was notwendig gewesen wäre, damit es anders ist, und zwar seit Jahren.“

        ist das nicht auf der GLEICHEN LINIE, wie wenn Pham Binh schreibt:

        „Politisch recht zu haben ist eben nicht genug, um die Richtung des schweren Zug des Proletariats zu ändern, weil die Arbeiterklasse eben kein Zug ist und nicht auf ideologische Schalter reagiert; egal wie richtig das Switch-Programm ist, selbst in Fällen, wo ein richtiges Programm der Arbeiterbewegung helfen würde, eine Katastrophe zu vermeiden.“ ?

        und als „switch-programm“ würde ich jetzt auch mal die teilhabe (WENN es zur teilhabe kommt und mitglieder von „kleinen gruppen“ nicht einfach als externe exoten betrachtet werden, wenn nicht gar als störer oder vereinnahmer) an „praktischen kämpfen“ bezeichnen. alle diese initiativen verpuffen nach spätenstens ein paar monaten im nirvana, die dann nicht einmal mehr als erinnerung existieren.
        traurig, aber das ist die realität.

        und als revolutionäre sollten wir von einer möglichst realistischen einschätzung der lage ausgehen!

  4. Pingback:     DEMOKRATISCH – LINKS » Blog Archiv » Politische Parte – Organe ?

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