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Überlegungen zum „revolutionären Subjekt“

vorbemerkung: nachfolgenden artikel habe ich für den NAO blog geschrieben und ist dort unter folgendem link veröffentlicht: http://www.nao-prozess.de/blog/ueberlegungen-zum-revolutionaeren-subjekt/

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bei der NAO programmdiskussion stossen zwei unterschiedliche geschichtskonzepte aufeinander.

DGS vertritt die (strukturalistische) position, dass es in der geschichte allein auf willen (und können) ankommt [man könnte vlt auch von Macht sprechen ?]. khs vertritt die (hegelmarxistische) position, dass das “proletariat” aufgrund seiner “gesellschaflichen stellung” der befreier der gesamten menschheit sein muss (und wird ?). nicht umsonst erinnert der begriff “historische mission” an eine art “kommunistischen messias”. beide positionen verabsolutieren aber jeweils seiten, die im marxistischen begriff des “revolutionären subjekts” durchaus vorhanden sind. 

der begriff “proletariat” hat bei marx sehr wohl eine geschichtsphilosophische bedeutung. im proletariat vergegenständlicht sich alles, was auf eine aufhebung des kapitalismus hindeutet. es kann sich aber nur befreien, wenn es ALLE unterdrückungsverhältnisse beseitigt. 

es ist lenins verdienst, erkannt zu haben, dass diese geschichtsphilosophische bestimmung ALLEIN aber nicht reicht, um auch PROLETARISCHE POLITIK (oder auch politikEN) zu MACHEN. es ist nämlich ein unterschied, eine objektive klassenanalyse und gesellschafts(geschichts)analyse zu betreiben, oder ob wir vom bewusstsein (bzw. selbstbewusstsein) einzelner mitglieder der arbeiterklasse sprechen. “kollektives bewusstsein” als “höhere bewusstseinsqualität” kann ja nur existieren, wenn es vorher INDIVIDUELL existiert.individuelles bewusstsein wird aber NICHT NUR durch die stellung im produktionsprozess beinflusst, sondern buchstäblich von UNZÄHLIGEN FAKTOREN, deren (aus)wirkungen man unmöglich vorher bestimmen kann. 

es ist also notwendig, für den befreiungskampf des proletariats einen theoretisch/programmatischen rahmen festzulegen, der dazu geeignet ist, die stattfindenden (klassen)kämpfe in eine SYSTEMTRANSZENDIERENDE PERSPEKTIVE einzufügen. diesen theoretisch/programmatischen rahmen bezeichnen wir im NAO prozess als “revolutionäre mindeststandards” (essentials).

aber auch wenn solch ein programmatischer rahmen existiert, heisst das noch lange nicht, dass die arbeiterklasse (oder einige sektoren von ihr) diesen für ihre kämpfe auch übernimmt. noch hat neoliberales, nurgewerkschaftliches (trade-unionistisches) und reformistsiches bewusstsein die ABSOLUTE GESELLSCHAFTLICHE HEGEMONIE (also BÜRGERLICHES BEWUSSTSEIN beherrscht die arbeiterklasse). revolutionäres bewusstsein hingegen ist marginalisiert und existiert politisch nur in form kleiner gruppen (“sekten”). es ist das erklärte ziel des NAO prozesses, das “zirkelwesen” zu überwinden und zu einer grösseren handlungsfähigkeit auf REVOLUTIONÄRER GRUNDLAGE zu gelangen.

die orientierung auf die ARBEITERBEWEGUNG ist aber nur EINE säule in diesem prozess. die anderen beiden säulen sind der kampf gegen FRAUENUNTERDRÜCKUNG und der kampf gegen RASSISTISCHE ausgrenzung.

was heisst das für die frage des “revolutionären subjekts”?

DGS vertritt die position, dass es neben der arbeiterklasse eben noch zwei weitere “revolutionäre subjektE” gibt, nämlich “DIE FRAUEN” und “DIE SCHWARZEN” (als gesamtheit aller rassistisch unterdrückten). [nebenbei erwähnt: ich finde den begriff „schwarze“ als gesamtbezeichnung aller rassistisch unterdrückten äusserst unglücklich. wenn ich türke, (nativer) indianer oder chinese wäre, würde ich mich heftigst dagegen wehren.]

zunächst einmal fällt auf, dass die begriffe “frauen” und “schwarze” völlig klassenUNSPEZIFISCH verwendet werden. nach der definition von DGS wäre Obama ein verbündeter im kampf gegen rassismus, und hillary clinton müssten wir für den antipatriarchalen kampf gewinnen. ;)

DGS tut so, als würde die frauenfrage und die racefrage UNABHÄNGIG von der kapitalistischen gesellschaft existieren. aus der analytisch richtigen erkenntnis, dass frauenunterdrückung und racefrage nicht allein über das kapitalverhältnis erklärt werden können, schiesst er über das ziel hinaus und erkennt nicht mehr ihre EINGEWOBENHEIT in die SYSTEMFRAGE. 

natürlich ist sowohl die bürgerliche frau als auch die proletarische frau als FRAU unterdrückt, aber diese genderfrage bekommt durch die klassenfrage eine andere politische gewichtung und damit strategische orientierung: nur die proletarische frau kann den sexismus UND den kapitalismus bekämpfen; während die bürgerliche frau vom system profitiert (selbst wenn sie “unterdrückt” sein mag). daher ist es die aufgabe der arbeiterbewegung, den kampf gegen sexismus und rassismus/chauvinismus (stichwort: internationalismus!) bei ihrem klassenkampf MITzuführen.

diese strategische orientierung auf die klassenbewegung steht dabei nicht im widerspruch dazu,  dass wir im NAO prozess das recht auf autonome organisierung BESONDERS UNTERDRÜCKTER GRUPPEN verteidigen.

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5 Kommentare zu “Überlegungen zum „revolutionären Subjekt“

  1. “Geschichtsphilosophie” und “NAO Prozess”
    ===============================

    im zuge der programmatischen debatte um die SIB essentials [1] gab es eine kontroverse um den begriff des “revolutionären subjekts”. zwei unterschiedliche geschichtskonzepte stehen sich dabei gegenüber.

    DGS vertritt den strukturalistischen ansatz, dass nur können und subjektive fähigkeiten (man könnte es auch auf Macht reduzieren) den geschichtsprozess bestimmen, während khs an eine “historische mission” des proletariats — ja, man muss es wohl so nennen — “glaubt”. beide seiten verabsolutieren aber seiten, die im marxistischen begriff des “revolutionären subjekts” durchaus angelegt sind. [2]

    auf meine kritik an DGS im NAO blog antwortet dieser auf meine einwendung:

    “geschichtsphilosophische [Dimension], die objektiv in die struktur der kapitalistischen gesellschaft eingeschrieben ist; die aber nur dann wirksam werden kann, wenn relevante teile der klasse dies auch BEWUSSTSEINSMÄSSIG ERFASSEN.”

    mit dem satz:

    “entleert den Begriff „objektiv“, indem sie das Sein und das Bewußtsein, das Objektive und das Subjektive, vermengt. {1}

    Begründung: In die Struktur der kapitalistischen Produktionsweise ist zwar der Widerspruch zwischen Lohnabhängigen und BesitzerInnen der Produktionsmittel eingeschrieben, aber nicht, daß die Lohnabhängigen diesen Widerspruch auch überwinden werden.” {2}
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2012/08/06/braucht-eine-revolutionaere-organisation-eine-geschichtsphilosophie/#more-596

    zu {1} es zeichnet das dialektische denken doch gerade aus, dass sein und bewusstsein und subjekt und objekt miteinander wechselwirken

    zu {2} niemand hat gesagt, dass die lohnabhängigen den kapitalismus überwinden werden. wenn sie es aber tun, geschieht dies auch aufgrund objektiver strukturen und nicht nur wegen ihres subjektiven willens.

    „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“

    – Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte

    wobei die tatsache, dass die menschen vom sozialsystem zum teil ihrer menschlichkeit und individualität beraubt werden, für marx ein gegenstand der kritik ist und keine methode der “objektiven darstellungsweise”, wie Alfred Schmidt gegen Althusser betont. [3]

    DGS schlägt jetzt vor, die “geschichtsphilosophie” aus dem NAO prozess auszuklammern. ich habe selbst an anderer stelle den vorschlag gemacht, philosophische, weltanschauliche, religiöse, ethische und künstlerische differenzen aus dem NAO prozess rauszuhalten. da der geschichtsphilosophische aspekt im marxismus tatsächlich das weltanschauliche berührt (ich sage dies ganz objektiv, ohne wertung) stimme ich diesem vorschlag zu. allerdings gehört die geschichtsphilosophie zum integralen bestandteil marxistischer theoriebildung. und auf diesen werde ich gewiss nicht durch den NAO prozess verzichten.

    aber so wie DGS nicht den Althusserschen Strukturalismus zur bedingung für den NAO prozess macht, so sollten die “marxisten” nicht das hegelianische erbe zur bedingung für den NAO prozess machen; allerdings, so wie es keinen marxismus ohne ricardo und smith gibt, so gibt es natürlich auch keinen ohne hegel.

    “Eine halbwegs komplette Kenntnis des Marxismus kostet heut, wie mir ein Kollege versichert hat, zwanzigtausend bis fünfundzwanzigtausend Goldmark und das ist dann ohne die Schikanen. Darunter kriegen Sie nichts Richtiges, höchstens so einen minderwertigen Marxismus ohne Hegel oder einen, wo der Ricardo fehlt usw.”

    -Brecht, Flüchtlingsgespräche

    noch ein wort zur position von DG, dass “DIE FRAUEN” und “DIE SCHWARZEN” revolutionäre subjekte in bezug auf antirassismus und antisexismus sind.

    ich werde dieser position mit sicherheit NICHT ZUSTIMMEN!

    ich hoffe, dass die NAO protagonisten zu dieser frage noch mal eine diskussion führen, und zu einer wirklich revolutionären bestimmung des verhältnisses von kapitalismus zu sexismus und rassismus gelangen.

    nachtrag:

    “Und was mehr als hundert Jahre nach Erscheinen des Kapitals auf alle Fälle gesagt werden kann: Bisher haben sich die allermeisten unserer Mit-ProletInnen ziemlich bockig und zickig angestellt, die ihnen von Marx zugedachte und von Lukács (wie dieser offen zugab) “zugeschriebene” historische Rolle zu spielen… – warum also an dieser irrealen Gewißheits-Rhetorik festzuhalten? Warum nicht den Mut haben, diese Rhetorik des Meisters zu revidieren?” — DGS

    bei dem geschichtsphilosophischen begriff des “proletariats” geht es weniger um eine kritik seines (aktuellen) empirischen seins, sondern mehr um die hoffnung auf ein (potentielles) zukünftiges WERDEN (seiner möglichkeiten); das gilt sowohl individuell für einzelne angehörige der unterklassen wie kollektiv für das proletariat als gesamtheit/gesamtbegriff aller systemtranszendierenden [objektiv daran interessierten] gesellschaftlichen kräfte. [4]

    —————

    [1] http://www.nao-prozess.de/blog/e-4-parteilichkeit-antagonistische-orientierung-vormals-klassenorientierung/
    [2] http://www.nao-prozess.de/blog/ueberlegungen-zum-revolutionaeren-subjekt/
    [3] http://www.trend.infopartisan.net/trd0812/010812.html
    [4] dieser geschichtsphilosophische begriff des proletariats hat nach meinem dafürhalten durchaus eine (ethische) verwandtschaft mit dem christlichen begriff der nächstenliebe; allerdings kennt das christentum natürlich keine “klassentheorie”, aber durchaus eine besondere liebe für die “unterdrückten”, wenn man z B an die frühen ausformungen des urchristentums denkt. (vergl dazu: Erich Fromm, Zur Entwicklung des Christusdogmas. und von Friedrich Engels, Zur Geschichte des Urchristentums) an diese urchristliche tradition knüpft ja auch die befreiungstheologie, die hauptsächlich in südamerika eine rolle spielt, an.

    quelle: http://www.nao-prozess.de/blog/ueberlegungen-zum-revolutionaeren-subjekt/#comment-2558

  2. Braucht eine revolutionäre Organisation eine Geschichtsphilosophie?
    (– von DGS, 6. August 2012)

    Das antinationale, kommunistische Ums Ganze-Bündnis wurde im Diskussionsprozeß über die Schaffung einer neuen antikapitalistischen Organisation der „subjektiven RevolutionärInnen“ (1) (NaO-Prozeß) von den meisten Diskussionsbeteiligten bisher weitgehend ignoriert. Mit dem Papier „Der Klassenkampf und die KommunistInnen. Ein Strategievorschlag.“ seiner Bremer Mitgliedsgruppe hat es das Ums Ganze-Bündnis – vermutlich eher unabsichtlich 😉 – geschafft, allgemeine Aufmerksamkeit im NaO-Prozeß auf sich zu ziehen (siehe dort die neuesten Artikel: http://www.nao-prozess.de/blog).

    Die Sozialistische Initiative Berlin (SIB), in der ich seit rund einem Jahr Mitglied bin, hat eine Antwort „Ums Ganze kämpfen geht nur mit Lenin!“, in der ein – gemessen an ‚real’sozialistischen Positionen, aber auch gemessen an vielen Mao-Lesarten – unkonventionelles Leninismus-Verständnis vertreten wird, geschrieben: „Unkonventionell“ deshalb, weil Lenin dort als Kritiker des Proletkults, des Geschichtsdeterminismus und des Ökonomismus präsentiert wird.

    Das hat nun einen Verfechter dieser Trias, den Gen. Schubert, auf den Plan gerufen: Die SIB habe sich von einem ihrer eigenen „Essentials“, dem der Klassenorientierung, verabschiedet. („Essentials“ werden im NaO-Prozeß fünf Positionen, darunter – neben dem Ziel eines revolutionären Bruchs – u.a. die Klassenorientierung, genannt, die die SIB am Anfang des Diskussionsprozeses [damals war ich noch nicht SIB-Mitglied] für „unverhandelbar“ erklärte hatte.)

    Gen. Schubert ist Verfechter der – von mir als „geschichtsphilosophisch“ bezeichneten – These: „Das Proletariat ist das revolutionäre Subjekt.“

    Die politischen Diskussionen, die dazu im NaO-blog geführt wurden und werden, erschließt ein Artikel „Zum Stand der NaO-Essential-Debatte“ von mir, der vermutlich in den nächsten Tagen bei scharf-links erscheinen wird [update: ist mittlerweile erschienen]. Diese politischen Diskussionen sind m.E. im NaO-blog gut aufgehoben.

    Ich möchte hier statt dessen auf eine theoretische Frage, die Gen. systemcrash, mit dem ich im NaO-Prozeß meistens einer Meinung bin, eingehen:

    1.

    systemcrash schreibt:

    „ich glaube, DG, was du wirklich nicht kapieren WILLST (und ich bin bei gott kein anhänger eines stalinisierten glaubensbekenntnis a la HISTOMAT und DIAMAT), dass der analytische begriff ‚proletariat‘ (oder lohnarbeiterklasse) nicht NUR eine empirische (soziologische) dimension hat, sondern eben auch eine POTENTIELL (da stimme ich dir zu) geschichtsphilosophische, die objektiv in die struktur der kapitalistischen gesellschaft eingeschrieben ist; die aber nur dann wirksam werden kann, wenn relevante teile der klasse dies auch BEWUSSTSEINSMÄSSIG ERFASSEN.“

    a) Kapieren tue ich schon, daß der Begriff „Proletariat“ in der These des Gen. Schubert eine geschichtsphilosophische Dimension hat. (Das ist ja gerade mein Kritikpunkt.)

    b) Nur – ich halte geschichtsphilosophisch Positionen generell für falsch, oder genauer gesagt: für bestenfalls sinnlos, schlimmstenfalls: schädlich! (2)

    c) Eine Formulierung, wie

    „geschichtsphilosophische [Dimension], die objektiv in die struktur der kapitalistischen gesellschaft eingeschrieben ist; die aber nur dann wirksam werden kann, wenn relevante teile der klasse dies auch BEWUSSTSEINSMÄSSIG ERFASSEN.“

    entleert den Begriff „objektiv“, indem sie das Sein und das Bewußtsein, das Objektive und das Subjektive, vermengt.

    Begründung: In die Struktur der kapitalistischen Produktionsweise ist zwar der Widerspruch zwischen Lohnabhängigen und BesitzerInnen der Produktionsmittel eingeschrieben, aber nicht, daß die Lohnabhängigen diesen Widerspruch auch überwinden werden.

    2.

    systemcrash stellt fest:

    „dein dauerndes herumreiten darauf, dass sie es aber de facto nicht tun, ist aber kein gegenbeweis dafür, dass dieser geschichtsphilosophische ansatz falsch ist.“

    a) Ja, das ist wahr. – Aber ich denke, meine dortigen [Abschnitt 6.b)] Anmerkungen zum Unterschied von Philosophie und Wissenschaften und dazu, daß eine Überordnung der Philosophie über die Wissenschaften, idealistisch sei, impliziert eine Begründung / einen Begründungsversuch.

    b) Ergänzend kann ich noch dieses Zitat anführen:

    „Vor Marx war das, was man den ‚Kontinent Geschichte’ nennen kann, von ideologischen Konzeptionen religiöser oder moralischer oder juristisch-politischer Art besetzt, mit einem Wort von Geschichtsphilosophien. […]. Wir haben gezeigt, daß Marx die alten Grundbegriffe (wir haben sie statt ‚concepts’ ‚notions’ genannt) der Geschichtsphilosophien durch absolut neue, bisher nicht dagewesene in den alten Konzeptionen ‚unauffindbare’ Begriffe ersetzt hatte. Wo die Geschichtsphilosophien von Mensch, ökonomischen Subjekt, Bedürfnis, System der Bedürfnisse, Bürgerlicher Gesellschaft, Entfremdung, Diebstahl, Unrecht, Geist, Freiheit, ja auch von ‚Gesellschaft’ sprachen, da hat Marx angefangen von Produktionsweise, Produktivkräften, Produktionsverhältnisse, Gesellschaftsformation, Basis, Überbau, Ideologien, Klassen, Klassenkampf usw. zu sprechen.“ (Althusser 1970, 77, 80 – Hv. d. Vf.In; vgl. Kolckenbrock-Netz/Krone 1976, 118 f. [Buhr vs. Althusser].) (3)

    c) Daß ich meine Position – trotz alledem – relativ knapp begründet habe, mag daran liegen, daß ich ja den NaO-Prozeß insgesamt gar nicht auf eine anti-geschichtsphilosophische Position festlegen will, schon gar nicht speziell auf die althussersche Variante der Geschichtsphilosophie-Kritik.

    In meinem Vorschlag zur Formulierung des einschlägigen Essentials, ist ja sogar die Position des Gen. Schubert wiedergeben:

    „Einige von uns ziehen allerdings die klassische marxistische Begrifflichkeit von ‚Arbeiterklasse‘ und ‚Proletariat‘ vor – sei es, daß sie diese enger definieren; sei es, daß sie diese Begriffe genauso verstehen, wie vorstehend der Begriff der Lohnabhängigen definiert ist. Diese GenossInnen finden es darüber hinaus unzureichend, zu sagen, ‚Wir gehen davon aus, daß die Überwindung des Kapitalismus nur möglich sein, wenn sie von der Mehrheit der Lohnabhängigen gewollt und zumindest von großen Teilen von ihnen aktiv vollzogen wird.‘ Sie halten es darüber hinaus – sehr wohl wissend, daß die große Mehrheit auch der Arbeiterklasse heute kein revolutionäres Bewußtsein hat – für richtig, zu sagen: ‚Die Arbeiterklasse ist das revolutionäre Subjekt.‘“

    Mein Vorschlag lautet also, die Geschichtsphilosophie aus dem NaO-Prozeß auszuklammern.

    Ich will keinem und keiner abverlangen, von seiner/ihrer Geschichtsphilosophie abzuschwören. Aber ich werde mich auch nicht nötigen lassen, mir die Geschichtsphilosophie des vermeintlichen „Marxismus-Leninismus“ zu eigen zu machen.

    Dieses ist – ‚diplomatisch‘ wie ich bin 😉 – mein Vorschlag an alle NaO-Prozeß-Beteiligten, einschließlich dem Gen. Schubert. –

    Und das dürfte auch die einzige Vorgehensweise sein, die Aussicht hat, daß die Diskussion des NaO-Prozesses mit GenossInnen des Ums Ganze-Bündnisses nicht nur ein Intermezzo bleibt.

    Für die Ausklammerung von Geschichtsphilosophie aus dem NaO-Prozeß –

    denn nur so ist ein revolutionärer Aufbauprozeß zu haben, der sich – und das war der SIB-Vorschlag vom März 2011 – gerade nicht auf das ‚traditions-marxistische‘ Spektrum beschränkt!

    Für den Kommunismus!

    Literatur:

    Louis Althusser, Die Bedingungen der wissenschaftlichen Entdeckung von Marx. Über die neue Definition der Philosophie (1970), in: Horst Arenz / Joachim Bischoff / Urs Jaeggi (Hg.), Was ist revolutionärer Marxismus? Kontroverse über Grundfragen marxistischer Theorie zwischen Louis Althusser und John Lewis, VSA: Westberlin, 1973, 77 – 88 (engl. Fassung im internet unter: http://www.marx2mao.com/Other/ESC76ii.html#s2b; erw. frz. Fassung in: Wilhelm R. Beyer [Hg.], Hegel-Jahrbuch 1974, Pahl-Rugenstein: Köln, 1975, 128 – 136).

    Jutta Kolckenbrock-Netz / Klaus Krone, Diskussion über Dialektik, in: Marxistische Blätter Mai/Juni 1976, 117 – 119.

    (1) Vgl. zu diesem etwas sperrigen Ausdruck: http://www.nao-prozess.de/blog/kurzstatement-zum-begriff-subjektive-revolutionaere/

    (2) „Der hegel-marxistische Diskurs vom ‚objektiven Interesse‘ und dem ‚falschen Bewußtsein‘ ist gerade nicht objektiv, sondern eine paternalistische Projektion der eigenen politischen Haltung auf Dritte. – Und dies führt bei diesen Dritten in der Regel nicht dazu, sich überzeugen zu lassen, sondern zu verärgerten Abwehrreaktionen (s. bspw. die Reaktion von Lohnabhängigen auf die ‘Aufklärungs-’ [auch so unpassender Begriff] der 68er Studis).“ (http://www.nao-prozess.de/blog/e-4-parteilichkeit-antagonistische-orientierung-vormals-klassenorientierung/#comment-2423)

    (3) Ich möchte die Diskussion nicht unnötig komplizieren: Ich verzichte daher an dieser Stelle darauf, auf bestimmte Zweideutigkeit hinsichtlich des Verhältnisses von Wissenschaften und politischem Standpunkt in dem zitierten Althusser-Text einzugehen.

    quelle: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2012/08/06/braucht-eine-revolutionaere-organisation-eine-geschichtsphilosophie/#more-596

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