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„Philosophenstreit“ im NAO Prozess

ZUM GEGENWÄRTIGEN DEBATTENSTAND ODER: DIE SUCHE NACH DEM „REVOLUTIONÄREN SUBJEKT“

Einleitung

seit einiger zeit können diejenigen leser, die hin und wieder einen blick in den NAO blog  [1] werfen, zeugen einer recht eigenartigen debatte werden. es geht um das recht „esoterische“ thema „geschichtsphilosophie“. was ist damit gemeint und wie kam es dazu?

im zuge der NAO (programm)debatte um die FÜNF SIB essentials [2] kam es zu einem streit um die frage des „revolutionären subjekts“. dabei stehen sich im wesentlichen zwei hauptkontrahenten gegenüber: khs vom AKKA (online zeitung TREND) [3]  und DGS von der SIB [4]. systemcrash [5) und bronsteyn [6] vertreten positionen, die nicht unmittelbar dieser „hauptdebatte“ zuordbar sind.

khs vertritt die „traditionsmarxistische“ (oder hegelmarxistische) position, dass proletariat IST das revolutionäre subjekt, ohne diese position weiter auszuführen oder zu begründen. DGS hingegen ordnet die „antagonistischen orientierungen“ zum antipatriarchalen kampf  DEN FRAUEN als revolutionäres subjekt zu, und DIE SCHWARZEN (laut auskunft DGS bezeichnet „die schwarzen“ im dekonstruktivistischen diskurs die „gesamtheit aller rassistisch unterdrückten)  dem antirassismus.

mit dieser position elemimiert DGS mal so eben eine zentrale position des marxismus, dass nämlich nur die lohnarbeiterklasse den kapitalismus überwinden kann; dies kann aber nur dann im emanzipatorischen sinne wirken, wenn die arbeiterklasse ALLE unterdrückungsverhältnisse mit der überwindung des kapitalismus beseitigt.

nun ist es unstreitig, dass es auch in der linken und arbeiterbewegung einen männlichen chauvinismus gibt. auch wird der sturz des kapitalismus nicht automatisch die unterdrückung des weiblichen geschlechts aufheben, noch werden rassistische denkstereotype über nacht aussterben. darum treten wir im NAO prozess für das recht auf autonome organisierung besonders unterdrückter gruppen ein. dies steht meiner meinung aber nicht im widerspruch dazu, dass wir den kampf gegen frauenunterdrückung und rassismus dem  antikapitalistischen kampf ZUORDNEN (nicht unterordnen). aus diesem grunde lehne ich die ML philosophische position von haupt- und nebenwiderspruch bei der „frauenfrage“ ab [7], im gegensatz zu khs, der diese position aus der mottenkiste des stalinistischen katechismus a la HISTOMAT und DIAMAT dem NAO Prozess schmackhaft machen will.

Wider den hinkenden AKKA gaul im NAO prozess!

der „Arbeitskreis Kapitalismus aufheben“ (AKKA) ist der offizielle herausgeber der online zeitung TREND [1]. der verantwortliche redakteur des TREND ist khs.

an sich ist der TREND ein gut gemachtes online projekt. und auch die beteiligung des TREND am NAO prozess ist begrüssenswert.

ursprünglich — noch zu arschhoch zeiten [1a] — war khs näher an den bochumern dran. später entwickelte er sich stärker zu SIB positionen, aber immer mit deutlicher distanz und kritik. seine artikel zur kritik des bochumer programms [2] [3]sind excellent, aber seine einlassungen wirkten immer irgendwie wie von “aussen” kommend. niemals bezog er sich in seinen einlassungen auf die hauptkontroversen im NAO blog und ging immer recht eigenbrötlerische wege. zu vielen dingen, die im NAO prozess eigentlich schon fast selbstverständlischer konsens waren, entwickelte er ziemlich idiosynkratische kritiken, die den eindruck machten, es ginge khs weniger um den aufbauprozess der NAO sondern mehr um kontraproduktiven sophismus. [4]

wenn es ernsthafte kontroversen im blog gab, wich khs mit an den haaren herbeigezogen “argumenten” aus und verwies auf artikel, zitate und veranstaltungen, ohne auf die sache inhaltlich einzugehen [5]. zum beispiel weigert sich khs zu seiner “geschichtsphilosophischen” position, “das proletariat IST das revolutionäre subjekt”, stellung zu beziehen, obwohl es schon eine ziemlich unmfangreiche debatte zu diesem thema zwischen DGS und systemcrash gibt, die auch im blog dokumentiert ist. [6]

das ganze verhalten von khs ist eigenbrötlerisch und zerrt den NAO prozess auf diskussionsstände zurück, die schon längst überwunden sind [7]. es geht dabei nicht darum, mir unliebsame strömungen vom hals zu halten. im gegenteil, ich mag eigentlich leute, die in jeder suppe ein haar finden, denn sie zwingen zur selbstkritik. und am beispiel von DGS sieht man auch, dass auch ein “maoist” und ein “trotzkist” sehr wohl inhaltlich konvergieren können. aber khs scheint überhaupt nicht bereit zu sein, inhaltliche positionierungen zu hinterfragen (die er wohl mehr als glaubensbekenntnis ansieht). dieser mangel an selbstkritik und der fähigkeit zur kritischen auseinandersetzung (wie man insbesondere an der debatte zum revolutionären subjekt [6] und zur politischen aufgabenbestimmung des NAO prozesses [4] erkennnen kann) BEHINDERT den NAO prozess erheblich (und die arbeit an der programmatischen annäherung in den essentials ist schon anstrengend genug !!!). und als abwehrreaktion kommt dann beleidigtes diva verhalten, anstatt ein konstruktiver austauschprozess.

mit diesem verhalten wird sich khs im NAO prozess nicht viele freunde machen!

Feminismus UND Marxismus oder versus?

von DG ist auf scharf links eine kritik an khs in bezug auf den „feminismus“ erschienen.  [1]

im grossen und ganzen bin ich mit der kritik an khs von DG einverstanden.
zum “feminismus” selbst habe ich eine etwas andere meinung. ich bin aber mit der bezeichnung “revolutionärer feminismus” (der sowohl von Olga [RSB] [2]als auch von DG [SIB] verwendet wird) einverstanden. ansonsten sehe ich im feminismus eine im wesentlichen “kleinbürgerliche” strömung, die klar in POLITISCHER KONKURRENZ zum marxismus steht.
die stärkere betonung der EIGENSTÄNDIGKEIT von “frauenfrage” und “racefrage” durch DG ist in der tat ein DISSENS im NAO prozess, der noch nicht vollständig ausdiskutiert wurde (dies ist auch der knackpunkt in der frage des “revolutionären subjekts” und der “geschichtsphilosophie”). DG hat aber bereits in einem kommentar zum “Eröffnungsplenum: Kapitalismuskritik aus feministischer Perspektive – am Beispiel der Care-Ökonomie” darauf hingewiesen, dass diese unterschiedlichen positionen durchaus in einer GEMEINSAMEN revolutionären organisation ihren platz haben können und sich im günstigsten fall sogar gegenseitig befruchten können [3]. mit dieser einschätzung bin ich vollständig einverstanden.

NICHT einverstanden hingegen bin ich mit dem apodiktischen glaubensbekenntnis von khs, das “proletariat IST das revolutionäre subjekt” (direkt entnommen dem stalinistischen katechismus von HISTOMAT und DIAMAT), welches er nicht einmal INHALTLICH DARSTELLT UND BEGRÜNDET – und der POLITISCHEN UNTERORDNUNG sozialer kämpfe ausserhalb des (unmittelbaren) kapitalverhältnisses in der unsäglichen tradition des (ML philosophischen) “haupt- und nebenwiderspruches”, der der (strategischen) bedeutung der “frauenfrage” in keinster weise gerecht wird.

wie eine GENAUE BESTIMMUNG des verhältnisses von kapitalismus, patriarchat und rassismus aussehen wird, ist mir auch noch nicht vollständig klar. dies wird hoffentlich die weitere diskussion im NAO prozess zeigen. in der gegenwärtigen situation verorte ich mich aber weder bei DG noch bei khs in dieser frage.

der unterschied ist nur der:

DGs position ist eindeutig nur eine FACETTE (wenn auch eine gewichtige!) im meinungsspektrum des NAO prozesses und er macht sie nicht zur BEDINGUNG seiner beteiligung am aufbauprozess einer (möglichen) revolutionären organisation.

khs hingegen “argumentiert” mit keulen “geschichtsphilosophischer” “ewiger wahrheiten”, die man entweder nur schlucken kann oder man ist als verräter am proletariat endgültig entlarvt. diese ultimatistische “friss oder stirb”- politik ist genau das gegenteil der ursprünglichen idee der “neugruppierung der radikalen linken” (und sie ist auch kontraproduktiv, da sie leute eher verscheucht als anzieht), die ja damit auch die überwindung des “sektiererischen zirkelwesens” (und damit der linksradikalen marginalen nischenexistenz) erreichen möchte.

ANHANG

im alten arschhoch blog schrieb ich zur frage, ob DIE FRAUEN das revolutionäre subjekt in bezug auf antipatriarchalen kampf sind:

“(…)ist es wirklich so, dass „die frauen“ das potientiell revolutionäre subjekt in bezug auf das patriarchat sind? oder ist es nicht vielmehr so, dass „die frauen“ eine abstraktion ist? die einen versuchen sich zu arrangieren, passen sich an oder versuchen eine „gute partie“ zu erwischen… und ein kleiner teil versucht, die gesellschaftlichen strukturen zu durchschauen und daraus politische oder strategische schlussfolgerungen zu vollziehen. sicher ist, dass ohne sturz des kapitalismus keine frauenemanzipation stattfinden kann. also benötigt man zumindest die arbeiterbewegung als bündnispartner. zweitens ist es illusorisch, zu glauben, die mehrheit der frauen wird sich gegen das patriarchat stellen und die gesellschaft revolutionär verändern. aus allen klassengesellschaften ist bekannt, dass subalterne klassen aus eigener kraft nicht zu einem standpunkt gelangen, die gesellschaft auf einer anderen grundlage neu zu begründen. daher sind sie zunächst einmal gezwungen, den weg der anpassung zu gehen. nur diejenigen, die verstehen, dass der kampf der frauen um die (wieder-)aneignung ihrer eigenen (weiblichen) subjektivität mit dem klassenkampf der arbeiter (um letztlich zum subjekt seines/ihres eigenes lebens zu werden) eine verbindung eingehen muss, sind die, die wir für den prozess der herausbildung einer „antikapitalistischen organisation“ brauchen können. (man verzeihe mir die instrumentelle ausdrucksweise). diese verbindung ist dabei keineswegs nur eine einfache addition, sondern -im gegenteil- im ersten stadium erst mal im wesentlichen eine (praktische) kritik des „linken und arbeiterbewegten“ männlichen chauvinismus`.” [1]
——–

Fussnoten Einleitung 

[1] http://www.nao-prozess.de/blog/

[2] http://www.nao-prozess.de/blog/subjektiv-revolutionaer-zum-stand-der-diskussion-ueber-die-minimalkriterien-essential-diskussion/

[3] http://www.trend.infopartisan.net/inhalt.html

[4] siehe Erklärung von DGS bei http://www.nao-prozess.de/blog/erklaerung-des-arbeitskreises-kapitalismus-aufheben-akka-zum-nao-prozess/

[5] „Geschichtsphilosophie“ und „NAO Prozess“. kommentar bei https://systemcrash.wordpress.com/2012/08/04/uberlegungen-zum-revolutionaren-subjekt/

[6] siehe kommentar von bronsteyn bei https://systemcrash.wordpress.com/2012/08/09/zur-verteidigung-des-zirkelwesens/

[7] https://systemcrash.wordpress.com/2012/01/13/beitrag-zur-nao-debatte-frauenfrage-rassistische-unterdruckung/

Fussnoten Wider den hinkenden AKKA gaul im NAO prozess!

[1] http://www.trend.infopartisan.net/inhalt.html

[1a] http://www.arschhoch.blogsport.de/

[2] http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnewsswords=karl%20heinz%20schubert&tx_ttnewstt_news=20964&tx_ttnewsbackPid=65&cHash=884e6867d2

[3] http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnewsswords=karl%20heinz%20schubert&tx_ttnewstt_news=21202&tx_ttnewsbackPid=65&cHash=68b20464f5

[4] http://www.nao-prozess.de/blog/raus-aus-dem-zirkelwesen-und-kein-friede-mit-dem-kapitalismus-na-endlich-papier/ und meine gegenkritik http://www.nao-prozess.de/blog/zur-verteidigung-des-zirkelwesens/

[5] http://www.nao-prozess.de/blog/kurzstatement-zum-begriff-subjektive-revolutionaere/

[6] http://www.nao-prozess.de/blog/ueberlegungen-zum-revolutionaeren-subjekt/[siehe auch die kommentare]

[7] siehe erklärung von DGS zur AKKA erklärung http://www.nao-prozess.de/blog/erklaerung-des-arbeitskreises-kapitalismus-aufheben-akka-zum-nao-prozess/ [kommentare]

Fussnoten Feminismus UND Marxismus oder versus?

[1] http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=27309&tx_ttnews%5BbackPid%5D=265&cHash=f0cd76500d

[2] http://www.nao-prozess.de/blog/zu-den-fragen-des-revolutionaeren-feminismus-heute/

[3] “Auch wenn ich mit dieser ‘Absorbtion’ [des Feminismus in den Marxismus] nicht einverstanden bin (vgl. zur von mir geteilten These von der ‘Endlichkeit des Marxismus’), können diese unterschiedlichen Akzentsetzung[en] m.E. in einer evtl. gemeinsamen Organsation sehr gut und produktiv miteinander auskommen und sich immer wieder auf wechselseitige Leerstellen (in) der jeweiligen Perspektive hinweisen.” http://www.nao-prozess.de/blog/eroeffnungsplenum-kapitalismuskritik-aus-feministischer-perspektive-am-beispiel-der-care-oekonomie/#comments

Fussnoten Anhang

[1]http://arschhoch.blogsport.de/2011/11/12/k-2-exklusiver-oder-vorrangiger-antikapitalismus-oder-aber-umfassende-revolutionierung-aller-herrschafts-und-ausbeutungsverhaeltnisse/#comment-456 [offensichtliche tippfehler stillschweigend korrigiert]

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4 Kommentare zu “„Philosophenstreit“ im NAO Prozess

  1. Pingback: “Philosophenstreit” im NAO Prozess « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! - Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken

  2. Einige politische Fragen an den AKKA
    ===========================

    — von DGS, 17.August 2012

    Vorbemerkung 1.: Die folgenden Fragen sind sehr einfach. Dies mag den Nachteil haben, daß sie als sehr schematisch erscheinen. Diesen Nachteil gebe ich gerne zu. Sie haben damit aber auch den Vorteil, daß sie von allen politischen AktivistInnen verstanden werden können, ohne daß sie die mittlerweile im NaO-blog veröffentlichten Hunderten von Artikeln gelesen haben müssen – und daß sich diese Fragen auch einfach beantworten lassen.
    2. Bevor ich diese Fragen formuliert hatte, hatte ich schon zwei andere kritische Anmerkungen zu den Positionen des AKKA veröffentlicht:
    ‚Politisches Kartell der proletarischen Klassenlinken’ oder revolutionäre Organisation des 21. Jahrhunderts? – Zum AKKA-Papier
    und
    Feminismus als Fußnote.
    Da auf den einen Text bisher nur thema-exzentrisch geantwortet wurde und auf den anderen gar nicht, versuche ich nun mit den hiesigen, sehr einfachen Fragen – um der revolutionären Sache willen – mit den Genossen (m.W. handelt es sich ausschließlich um Männer) des AKKA in einen Dialog zu treten.

    1. Der AKKA heißt mit vollem Namen „Arbeitskreis Kapitalismus aufheben“. Dieser Name läßt die Frage offen, ob die angestrebte ‚Aufhebung’ des Kapitalismus auf revolutionärem oder auf evolutionärem (gradualistischem) Wege erfolgen soll bzw. für möglich gehalten wird.
    Diese vage Namensgebung hatte Sinn, als der AKKA vor Jahren als Herausgeber der strömungsübergreifenden – nicht nur Artikel von RevolutionärInnen veröffentlichenden (was ein von mir insoweit ausdrücklich geteiltes Zeitungs-Konzept ist!) – online-Zeitung trend gegründet wurde und seitdem nicht anderweitig politisch in Erscheinung getreten ist (als Organisatorin von Veranstaltungen etc. trat m.W. bisher nur die Zeitung selbst, aber nicht ihr Herausgeber, der AKKA, auf).

    Nun möchte sich der AKKA am NaO-Prozeß beteiligen – also auch über die Zeitungsherausgabe hinaus politisch in Erscheinung treten –, der von der SIB als Einladung an das vielfältige Spektrum der „subjektiven Revolutionäre“ angestoßen wurde.
    Daher meine erste Frage: Versteht sich der AKKA als revolutionäre Gruppierung?

    2. Daran schließt sich unmittelbar meine zweite Frage an: Die SIB hatte in Bezug auf die eventuell zu gründende neue antikapitalistische Organisation fünf „unverhandelbare“ Punkt benannt. Der erste davon war das „Konzept des revolutionären Bruchs“.
    Daher also meine zweite Frage: Teilt der AKKA die Auffassung, daß die eventuell zu gründende Organisation nur Mitglieder umfassen soll, die die Überzeugung teilen, daß die kapitalistische Produktionsweise nur auf revolutionärem Wege überwunden werden kann?

    (Anmerkungen:
    a) Ich frage nicht, weil ich aus dem „revolutionären Bruch“ ein Dogma machen wollen würde, sondern weil ich gerne wissen möchte, welche Fragen wir noch diskutieren müssen, bevor wir eventuell eine gemeinsame Organisation gründen und welche Auffassungen dazu im Moment die Gruppen, die sich am NaO-Prozeß beteiligen bzw. beteiligen wollen, vertreten.
    b) Auch die isl wurde – mit meiner Zustimmung! – als Vollmitglied in den NaO-Prozeß aufgenommen, obwohl sie – wenn ich recht verstanden habe – z.Z. dafür eintritt, den NaO-Prozeß auch für Nicht-RevolutionärInnen offenzuhalten.
    c) Trotzdem können wir diese Frage nicht endlos offenlassen, sondern früher oder später werden wir entscheiden müssen, ob wir denn nun eine Organisation gründen wollen und welchen Charakter sie ggf. haben soll.)

    3. Daraus ergibt sich meine dritte Frage:
    Der Genosse khs ist das AKKA-Mitglied, das im Rahmen des NaO-Prozesses bisher am meisten öffentlich in Erscheinung getreten ist. Der Genosse khs hat im vergangenen Jahr den SIB-Vorschlag beständig kritisiert:
    Der SIB-Vorschlag sei ein Konzept des „Parteiaufbaus“ (obwohl die SIB gar nicht von „Partei“ gesprochen hatte – dadurch, daß der Gen. khs den Ausdruck „Partei“ in die Diskussion eingeführt hatte, hatte er den NaO-Prozeß anfangs in eine Ecke gedrängt, in die dieser – um seines revolutionären Erfolges willen – besser nie gedrängt worden wäre).
    Im Moment stehe aber – so Gen. khs unter Berufung auf die (in der Sowjetunion als Bd. 15 der Werke Josef Stalins veröffentlichte) Geschichte der KPdSU(B) – Kurzer Lehrgang – vielmehr die „Parteibildung“ an.

    (Anmerkung:
    „Parteibildung“ bedeutet in der Sprache des Gen. khs, „dass relevante Teile des Proletariats beginnen, für die eigene Klasse Partei zu ergreifen und sich dabei auf den wissenschaftlichen Sozialismus beziehen“; „Parteiaufbau“ sei dagegen ein „formal-organisatorischer Akt“.)

    Diese Unterscheidung zwischen „Parteiaufbau“ und „Parteibildung“ ‚übersetzte’ Gen. khs später in eine Unterscheidung zwischen dem „revolutionären Bruch als Phrase“ und einer Mitten im heutigen Leben stehenden Organisation der „Klassenlinken“, die auch Nicht-RevolutionärInnen umfasse.

    Daher meine Frage an den Gen. khs: Bist Du, Gen. khs, weiterhin der Auffassung, daß es heute nicht um den Aufbau einer revolutionären Organisation, sondern vielmehr um den Aufbau einer Organisation der „Klassenlinken“ gehe?

    Und daher meine Frage an den AKKA: Teilt der AKKA (so oder so) mehrheitlich die Auffassung des Gen. khs zu dieser Frage?

    4. Der AKKA hat in seiner Stellungnahme zum NaO-Prozeß die Auffassung vertreten, daß die fünf Essentials der SIB, die mittlerweile – vorbehaltlich der Formulierung im Einzelnen – auch InterKomms, RSB, scharf-links und SoKo zustimmen, „nicht nur konkretisier[t], sondern auch in ein anderes Verhältnis zueinander gestellt bzw. durch fehlende Punkte ergänzt werden [müssen]“.
    Der AKKA hat daher seinerseits im Rahmen seiner Stellungnahme einen „Entwurf“ für eine politische Erklärung vorgelegt, die ihrerseits aus fünf Punkten bestehen soll.
    Da dort – nach Ansicht des AKKA unter den fünf Essentials – „fehlende Punkte ergänzt“ wurden, sind also einige von den fünf Essentials von InterKomms, RSB, scharf-links, SIB und SoKo weggefallen. Dies sind die Nicht-Mitverwaltung der kapitalistischen Krise und die Einheitsfront-Methode. Der „revolutionäre Bruch“ wurde zu einem „revolutionären Prozeß“ (diese zweideutige Formulierung des Gen. khs hatte ich bereits im vergangenen Jahr kritisiert: Die langen 90er Jahre beenden!) aufgeweicht.
    Da ich oben schon Fragen zum Essential des revolutionären Bruchs gestellt hatte, möchte im hiesigen Zusammenhang nur noch zwei Fragen stellen:
    a) Wie steht der AKKA zu einer etwaigen „Mitverwaltung der kapitalistischen Krise“ bzw. zum Eintritt in Regierungen eines bürgerlichen Staates?
    b) Wie steht der AKKA zur – im traditionellen Sprachgebrauch der ArbeiterInnenbewegung mittels der Begriffe „Aktionseinheit“ und „Einheitsfront“ (jeweils „von oben“ bzw. „von unten“) sowie „Volksfront“ differenzierten und näher spezifizierten – Bündnispolitik?

    Anmerkung:
    a) Vgl. zur Unterscheidung zwischen „von oben“ und „von unten“: die entsprechende Passage im „Na endlich“-Papier der SIB sowie die Ankündigung des einschlägigen Workshops bei der NaO-Sommer-Debatte.
    b) Wiederum frage ich nicht, um daraus unmittelbare Konsequenzen zu ziehen, sondern nur, um zu wissen, auf welche Diskussionen ich mich und die anderen am NaO-Prozeß beteiligten GenossInnen sich für die nächste Zeit einstellen sollen.

    5. und letzte Frage: Wie steht der AKKA zur Frage der Gewährung eines Rechts, innerhalb der eventuell zu gründenden Organisation unterschiedliche Fraktionen, Plattformen, Strömungen und Tendenzen zu bilden?

    Hintergrund der Frage:

    Gen. systemcrash schrieb kürzlich: „ich persönlich glaube, dass es nur möglich sein [wird] – wenn überhaupt! – eine einigung oder annäherung auf POLITISCHER grundlage herzustellen. und das ist schon schwer genug. wenn man auch noch eine philosophisch-weltanschauliche ‚vereinheitlichung’ will (für mich eine horrorvorstellung)[,] dann bekommt das ganze endgültig nach meiner auffassung ‚sektenqualität’.“

    Darauf antwortete Gen. khs, systemcrash sei ein „Bilderstürmer“, der fordere, „auf die Weltanschauung des Marxismus, den dialektischen Materialismus, zu verzichten“. Danach bekundete Gen. khs an anderer Stelle im NaO-blog auch noch, „den Subjektbegriff in Bezug auf das Proletariat, […] im Sinne des dialektischen und historischen Materialismus [zu] verwende[n].“
    Schließlich mokierte sich Gen. khs bei trend. onlinezeitung: „bei Stalin zucken bekanntlich alle zusammen und das Hirn setzt aus“.

    Daher meine letzte – nun doch nicht so ganz einfache – Frage: Was versteht der AKKA unter „Weltanschauung des Marxismus“, unter „dialektische[m] Materialismus“? Wie steht der AKKA zu den politischen und theoretischen Positionen von Stalin? Wie steht der AKKA zur Frage der Fraktionsfreiheit in der Organisation, die wir eventuell gemeinsam gründen wollen?

    (Wiederum frage ich nicht, um daraus unmittelbare Konsequenzen zu ziehen. Ich bin bspw. keinE VerfechterIn von prinzipiellen Unvereinbarkeitsbeschlüssen ggü. StalinistInnen [siehe Abschnitt 7.c) und 8.b)]. Da ich aber weiß, daß dies andere am NaO-Prozeß beteiligte GenossInnen anders sehen, möchte ich gerne auch zu diesem Punkten wissen, auf welche Diskussionen wir uns in Zukunft einzustellen haben.)

    —————

    Ich entschuldige mich abschließend noch einmal, daß ich meine Fragen in dieser etwas schematischen Weise stelle. Da ich aber – (nicht nur) im NaO-Prozeß – schon öfters dafür kritisiert wurde, ‚zu kompliziert’ zu formulieren, möchte ich mich an diesen zentralen Punkten doch so einfach wie möglich ausdrücken und würde mich sehr freuen, wenn die Genossen des AKKA bereit wären, diese Fragen zu beantworten.

    quelle: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2012/08/17/einige-politische-fragen-an-den-akka/#more-598

  3. Fünf Fragen an den Gen. khs
    ======================
    von DGS, 17. August 2012

    1. Habe ich richtig verstanden, daß Du nicht nur die Antwort der SIB an die Antifa Basisgruppe, sondern auch meinem Vorschlag für die Ausformulierung der Essentials vorwirfst, die „Klassenorientierung“ aufzugeben?
    Falls, ja: Wie begründest Du diese Auffassung in Anbetracht dessen, daß es in meinem Ausformulierungsvorschlag heißt:

    „Der Zweck unserer Organisierung ist die Überwindung jeglicher Herrschaft und Ausbeutung. […]. Wir sind uns einig, dass die Erreichung dieses Ziel […] nicht nur die Überwindung des Kapitalismus, sondern auch die von Rassismus und männlicher Dominanz […] erfordert.“

    (http://www.nao-prozess.de/blog/essential-diskussion-ueberarbeiteter-vorschlag-zu-e-0-einleitung-und-e-1-revolutionaerer-bruch/)

    „Wir gehen gemeinsam davon aus, daß die Überwindung des Kapitalismus nur möglich sein wird, wenn sie von der Mehrheit der Lohnabhängigen gewollt und zumindest von großen Teilen von ihnen aktiv vollzogen wird. […]. Diese Einsicht/en schließt/en jeden Versuch aus, revolutionäre Prozesse in erster Linie gestützt auf eine selbstbezügliche sub-kulturelle Szene oder eine von den ausgebeuteten und beherrschten Massen losgelöste Möchte-gern-Avantgarde, aber auch gestützt auf einen schon immer fragwürdigen Proletkult/Ouvrierismus voranzutreiben.“

    (http://www.nao-prozess.de/blog/e-4-parteilichkeit-antagonistische-orientierung-vormals-klassenorientierung/)
    Damit ist ausgedrückt, daß die Erreichung unseres Ziels voraussetzt, die Mehrheit der Lohnabhängigen ebenfalls von der Ablehnung der kapitalistischen Produktionsweise zu überzeugen.
    Worin liegt Deines Erachtens also die Aufgabe der Klassenorientierung?

    2. Habe ich richtig verstanden, daß Du es für notwendig hältst, den Satz, „Das Proletariat ist das revolutionäre Subjekt“, in die Essentials aufzunehmen?
    Falls, ja: Was ist Deine Begründung für Deine Auffassung?

    a) Genauer: Teilst Du meine Auffassung, daß die große Mehrheit der Lohnabhängigen in der BRD und vielen, vielen anderen Ländern heute und schon die meiste Zeit der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise bestenfalls reformistische, aber keinesfalls revolutionäre Positionen vertritt?
    Falls, ja: Warum hältst Du es dann trotzdem für richtig/zutreffend/sinnvoll/notwendig zu sagen: Das Proletariat „ist“ das revolutionäre Subjekt?

    b) Wenn ich Dich richtig verstanden habe, liegt Deine Begründung dafür im „Subjektbegriff […] des dialektischen und historischen Materialismus“. Falls, ja: Was besagt dieser „Subjektbegriff“ Deines Erachtens? Was verstehst Du unter „dialektische[m] und historische[m] Materialismus“?

    c) Warum hältst Du es für richtig/zutreffend/sinnvoll/notwendig, in Bezug auf die heutigen Lohnabhängigen von „Proletariat“ zu sprechen, obwohl dieser Begriff nach seiner Etymologie, ‚diejenigen, die als einzigen Besitz ihre Kinder haben’ (zu: lat. proles = Nachkomme), bedeutet, und daher von sehr vielen mit den Lebensbedingungen der Lohnabhängigen im 19. und frühen 20. Jh. in Verbindung gebracht wird (als die Lohnabhängigen tatsächlich nicht viel mehr als ihre Kinder ‚besaßen’ und bis zur Einführung einer allgemeinen und erträglichen Rentenversicherung im Alter auf Unterstützung durch ihre Kinder angewesen waren) – so daß sich die meisten heutigen Lohnabhängigen jedenfalls in der BRD und anderen ökonomisch und technologisch führenden Ländern von dem Begriff „Proletariat“ nicht angesprochen fühlen?
    Läßt Dein Sprachgebrauch nicht (und zwar in dem Fall: zurecht!) den Marxismus als anachronistisch statt zeitgemäß erscheinen? Ist dies Dein Anliegen? – ich vermute nicht!

    3. Habe ich richtig verstanden, daß Du meinen Satz (S. 2),

    „Das Subjekt der eventuellen Überwindung des Patriarchats ist nicht die ArbeiterInnenklasse, sondern [sind] die Frauen.“,

    für falsch/unzutreffend/sinnlos o.ä. hältst?

    Falls, ja: Was Deine Begründung für Deine Auffassung?

    4. Habe ich richtig verstanden, daß Du nicht nur meinen vorstehend zitierten Satz für falsch o.ä. hältst, sondern darüber hinaus auch den zweite Satz (aus dem sich im übrigen die Begründung meiner unter 3. genannten Auffassung ergibt) des folgenden Absatzes aus meinem Essential-Vorschlag, nämlich:

    „Wir gehen gemeinsam davon aus, daß die Überwindung des Kapitalismus nur möglich sein wird, wenn sie von der Mehrheit der Lohnabhängigen gewollt und zumindest von großen Teilen von ihnen aktiv vollzogen wird. Analog geht ein Teil von uns davon aus, daß auch die Überwindung von männlicher Dominanz bzw. Rassismus nur möglich sein wird, wenn sie von der Mehrheit der FrauenLesben bzw. Schwarzen gewollt und zumindest von großen Teilen von ihnen aktiv vollzogen wird.“

    auch als das, was er ist, nämlich als Darstellung der Auffassung „ein[es] Teil[s] von uns“, ablehnst und statt dessen alle Mitglieder einer evtl. NaO auf Deinen Satz, „Das Proletariat ist das revolutionäre Subjekt“, verpflichten möchtest?

    5. Falls ja: Wie stellst Du Dir dann vor, eine NaO als strömungsübergreifende Organisation, die auch Feministinnen, AntirassistInnen und (Post-)autonome umfaßt, aufzubauen? Oder lehnst Du dieses Ziel eh ab?
    Ist Dir bekannt, daß die allermeisten Feministinnen und aktiven Antirassistinnen, die Vorstellung, es gehe nicht um einen Prozeß der Selbstbefreiung der FrauenLesben und Schwarzen, sondern diese hätten die Überwindung ihres Ausgebeutet- und Beherrscht-werdens dankbar als Geschenk / Nebenprodukt des Klassenkampfes einer (von weißen Männern hegemonialisierten) ArbeiterInnenbewegung entgegenzunehmen, ablehnen? Ist Dir bekannt, daß auch die allermeisten (Post-)autonomen paternalistische Politikkonzeptionen ablehnen?

    quelle: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2012/08/17/fuenf-fragen-an-den-gen-khs/

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