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Schönheitswahn und „Weiblichkeit“

Ein Beitrag zur Genderdebatte

[vorbemerkung: dieser artikel ist ausdrücklich kein beitrag zur NAO essential debatte, sondern dückt nur meine ganz persönlichen ansichten zu diesem thema aus. allerdings ist ein zusammenhang zwischen politischer orientierung und „persönlicher meinung“ nicht völlig auszuschliessen.]

das thema „schönheit“ und auch „weibliche schönheit“ beschäftigt mich seit meiner jungend (die recht stürmisch war, in jeder hinsicht 😉 ). „schönheit“ bei männern hat mich bezeichnenderweise nie so interessiert. und dies nicht etwa, weil ich heterosexuell bin, sondern weil es bei männern de facto auch nicht so eine grosse rolle spielt. das muss ich wohl schon in jungen jahren (unterbewusst) mitgekriegt haben; obgleich ich, bedingt durch eine schwere akne, mit dem thema körper (körperwahrnehmung) und (sexuelle) attraktivität/schönheit immer stark konfrontiert war.

bedingt durch die frühe beschäftigung mit linker politik und durch ein starkes (sexuelles) interesse am anderen geschlecht kam ich auch ziemlich schnell zu einer auseinandersetzung mit psychologie (psychoanalyse; speziell Reich und Fromm) und feminismus. dies hat mich auch in intellektueller hinsicht sicher weitergebracht, das eigentliche „persönliche anliegen“, was dahinter steckte, wurde damit allerdings nicht gelöst. im gegenteil, in den ersten jahren (wahrscheinlich sogar jahrzehnte) hat es meine situation sogar verschlimmert. anstatt einfach selbstbewusst mein „mann sein“ (trotz äusserer mängel = hautkrankheit) zu leben, wurde ich durch die feministischen theorien sogar zusätzlich verunsichert; denn natürlich wollte ich als mann kein frauenunterdrücker sein. nur komischerweise (oder vlt gerade NICHT verwunderlich), je mehr ich versuchte den (vermeintlichen) standpunkt der „frauen“ einzunehmen, umso mehr zogen sich die realen frauen von mir zurück. sie wollten keinen „frauenversteher“, sondern einfach einen selbstbewussten und souveränen MANN, der zwar auch empathisch ist, der aber auch klar eine linie verfolgt. und das waren bei gott keine heimchen am herd, mit denen ich es zu tun hatte. es waren sicherlich keine „emanzen“, aber es waren selbstbewusste und starke FRAUEN, die durchaus mit beiden beiden beinen im leben standen. die aber auf der anderen seite dabei nicht ihre „weiblichkeit“ verleugnen wollten!

und was sollte „unemanzipiert“ daran sein, auch mal einen (kurzen) rock und high heels zu tragen? warum sollte es eine frau nicht auch mal bewusst geniessen, sich zum „sex-objekt“ zu MACHEN? warum sollte eine frau nicht (politisch) für frauenrechte eintreten und beispielsweise eine masochistische (hetero)sexualität leben? das MUSS kein widerspruch sein!

diese erkenntnisse — die allerdings jahre brauchten, bis ich sie wirklich akzeptieren konnte — übertrug ich dann natürlich auch auf meine situation (bedingt durch eine sehr fatale beziehung). ich begann mich und mein „mann-sein“ mehr zu achten (das wort „selbstliebe“ kommt mir immer noch nur schwer über die lippen bzw über die tasten) und mehr von meinen bedürfnissen und interessen auszugehen, ohne freilich egomanisch oder gar machistisch dabei zu werden; was natürlich ein ständiger tanz auf der rasierklinge ist! aber dieser eiertanz gelingt mir zunehmend besser! 😉

wandelnde schönheitsideale

in meiner persönlichen entwicklung hat es natürlich auch einen wandel in den weiblichen schönheitsidealen gegeben. aber auch historisch in dieser wandel sehr interessant nachzuvollziehen.

wenn man sich zum beispiel die venus statuetten aus der jungsteinzeit anschaut, dann waren diese prall und dick und mit riesenbrüsten. ob das allerdings für die damaligen menschen wirklich ein „schönheitsideal“ (in unserem sinn) war, mag dahingestellt sein. für uns ist aber wichtig, dass sie defintiv umserem geschmack in bezug auf weibliche schönheit widersprechen! und trotzdem waren dies die ersten abbildungen der GÖTTIN (mutter erde, Gaia). [übrigens ist im arabischen raum das schönheitsideal der „dicken frau“ auch sehr verbreitet, was sicherlich auch mit den kargen wüstengegenden zu tun hat; dicke steht dann symbolisch für überfluss und pralles leben!]

in allen kulturepochen (unabhängig von schlank oder dick) werden definitiv die „weiblichen rundungen“ in der mode hervorgehoben. diese stehen natürlich für sexuelle attraktivität und gebärfahigkeit. so wird in allen gesellschaften von männern das ideale verhältnis von hüfte zu taille von frauen bei 0,7 gesehen. „dieser wert deutet auf eine hohe fruchtbarkeit hin“. (Andreae, Das Lustprinzip, Berlin 2002, S.228)

erst in unserer zeit — der moderne — kam ein knabenhaftes schönheitsideal bei frauen auf, was sicherlich auch mit der vorherrschaft homosexueller modeschöpfer zu tun hat, was aber auch eine verdrängung der frauen und des weiblichen aus der gesellschaft ausdrückte. am bekanntesten ist sicherlich das fotomodel „Twiggy“. mit Twiggy begann vermutlich die fatale entwicklung, magersucht (im pathologischen sinn) für frauen als (mode)trend anzusehen. gott oder göttin sei dank hat sich da inzwischen eine gegenbewegung entwickelt, die ein natürlicheres verhältnis zum weiblichen körper und zu den weiblichen rundungen propagiert. am bekanntesten dürfte da die dove -werbung sein.

was bleibt von der frauenbewegung?

heute hat „die frauenbewegung“ (in wirklichkeit sind es natürlich bewegungEN) einen hohen standard an rechtlicher gleichstellung erreicht. eine entwicklung, die uneingeschränkt zu begrüssen ist! allerdings ist noch nicht die hälfte des himmels erobert. noch haben es frauen schwerer, beruf und familie unter einen hut zu bringen. noch tragen sie die hauptlast bei der kindererziehung. noch ist kinderkriegen das grösste armutsrisiko in unserer gesellschaft und haben die frauen keinen ausgleich dafür, dass sie trotz (zunehmender) berufstätigkeit immer noch den grossteil der hausarbeiten (care-ökonomie) erledigen. also mit einem wort: das patriarchat ist immer noch eine gesellschaftliche realität!

dieses zu bekämpfen ist eine der vornehmsten aufgaben der revolutionären linken.

“Der Grad der weiblichen Emanzipation ist das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation.” — Fourier (von Marx zustimmend zitiert)*

zum thema schönheit als doing gender politik sei noch auf einen artikel vom RSB hingewiesen: http://www.rsb4.de/content/view/3563/80/

_____

*) ”Das unmittelbare, natürliche, notwendige Verhältnis des Menschen zum Menschen ist das Verhältnis des Mannes zum Weibe. In diesem natürlichen Gattungsverhältnis ist das Verhältnis des Menschen zur Natur unmittelbar sein Verhältnis zum Menschen, wie das Verhältnis zum Menschen unmittelbar sein Verhältnis zur Natur, seine eigne natürliche Bestimmung ist. In diesem Verhältnis erscheint also sinnlich, auf ein anschaubares Faktum reduziert, inwieweit dem Menschen das menschliche Wesen zur Natur oder die Natur zum menschlichen Wesen des Menschen geworden ist. Aus diesem Verhältnis kann man also die ganze Bildungsstufe [herv v mir] des Menschen beurteilen.” — Marx, ökonomisch-philosophische manuskripte
http://www.mlwerke.de/me/me40/me40_533.htm

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Ein Kommentar zu “Schönheitswahn und „Weiblichkeit“

  1. Pingback: Schönheitswahn und “Weiblichkeit” « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! - Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken

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