Uncategorized

Thesen zum gegenwärtigen Entwicklungsstand im NAO Prozess

nach fast 2 jahren vorbereitungszeit und diskussion steht der NAO prozess jetzt vor einer entscheidenen richtungsentscheidung. dabei stehen sich im wesentlichen (real sind die inhaltlichen differenzierungen natürlich vielfältiger) zwei haupttendenzen gegenüber:

— der eine teil möchte jetzt „handgreifliche ergebnisse“ sehen und strebt einen breiteren antikapitalistischen POL an, der auch offen sein soll für reformistische und gradualistische kräfte.

— der andere teil hält an dem ursprünglichen neugruppierungskonzept der radikalen linken fest, wie er in dem na endlich papier der SIB dargestellt wurde. dies bedeutet einmal eine umgruppierung der subjektiven revolutionäre und eine ausweitung auf (hauptsächlich) postautonome, postantiimperialistische und (möglicherweise) revolutionär-feministische spektren. die angestrebte organisationsgründung soll sich klar inhaltlich vom reformistischen spektrum abgrenzen und dieses programmatisch polarisieren.

es ist vollkommen klar, dass sich diese beiden unterschiedlichen Orgkonzepte gegenseitig ausschliessen, denn dabei handelt es sich nicht nur um ein „technisches“ problem, sondern sie drücken auch eine programmatische differenz aus!

während tendenz 1 eine aufweichung der essentials bedeudet (insbesondere der revolutionäre bruch), versucht tendenz 2 die inhaltliche annäherung der NAO gruppen über die essential debatte herzustellen und hält an dem revolutionären charakter des NAO projektes fest.

da sich die NAO gruppen kaum an der essential debatte beteiligt hatten, gehe ich davon aus, dass dieses verständnis von der notwendigkeit der essentials als vorbedingung einer herzustellenden NAO handlungsfähigkeit NICHT ALLGEMEINER NAO KONSENSSTAND IST. das bedeutet konkret: alle debatten, die dazu dienen sollen, den organisierungsprozess auf eine höhere stufe zu bringen (revolutionäres bündnis oder block, Antarsya-Modell) sind aus meiner sicht damit hinfällig, da man noch nicht einmal einen netzwerkstatus erreicht zu haben scheint; also blosser informeller austausch statt wirklicher zusammenarbeit auf erarbeiteter programmatischer annäherung (oder gar vereinheitlichung). faktisch ist es so, dass nur ein paar einzelindividuen die NAO essential(programm)debatte getragen haben.

auch das ansinnen, für den NAO prozess ein programmatisches manifest zu entwickeln, ändert an dieser ausgangssituation nichts. man hätte dann zwar ein instrument für eine verbesserte aussenwirkung, die aber nicht durch eine entsprechende interne inhaltliche konsolidierung flankiert wäre. unabhängig von der frage der arbeitskapazitäten steht dann für mich der sinn eines „programmatischen manifestes“ auf dem prüfstand, solange nicht einmal die essentials als allgemeiner KONSENS DER NAO GRUPPEN GETRAGEN WERDEN.

meines erachtens muss auf dem nächsten bundesweiten treffen der NAO gruppen entschieden werden, ob man an dem projekt einer revolutionären organisationsgründung festhält, die aus dem diskussionsprozess (und embryonaler gemeinsamer, vertrauensbildener praxis) von traditionsmarxistischen, postautonomen, postantiimperialistischen und revolutionär-feministischen spektren hervorgeht.

oder ob man einen breiten antikapitalistischen POL unter einschluss von reformisten und gradualisten will.

diese unterschiedlichen organisierungsvorstellungen drücken sich auch in unterschiedlichen orientierungen auf verschiedene politische milieus aus. während die einen auf die PDL und ihre hauseigenen internen „linken oppositionellen“ schielen, sollte der ‚linke NAO flügel‘ weiterhin auf die „revolutionäre konvergenz des spektrums links von der Linkspartei“ setzen.

aus meiner sicht sollte die NAO an ihrer eigenen projekten und organisierungsansätzen festhalten und möglicherweise versuchen, diese auch auf die erwähnten postautonomen und postantimp spektren auszuweiten.

diese entscheidenen weichenstellungen wird der NAO prozess in den nächsten wochen (allerhöchstens monaten) treffen müssen.

davon wird es abhängen, ob der NAO prozess weiterhin als „revolutionärer“ angesehen werden kann, oder ob es zu einer neuauflage (die aber eine totgeburt sein wird!) a la WASG 2.0 kommen soll.

ANHANG

der längere text der RSO über die grundlagen revolutionärer umgruppierung ging seinerzeit im NAO prozess etwas unter, vermutlich weil er „selbstverständlichkeiten“ enthält, die damals vermutlich alle en passant „akzeptierten“, die aber jetzt im zuge der entstehenden „ungeduld“ im NAO prozess gar nicht so „selbstverständlich“ sind. daher hier noch mal ein auszug:

Auszug der RSO-Erklärung vom Juni 2012: Die Einheit der RevolutionärInnen erfordert Sorgfalt und kann gegenwärtig kein Massenprojekt sein!

[…]. Die tiefste Wirtschaftskrise des Kapitalismus seit Jahrzehnten hat auch zu Bewegungen auf der Linken geführt. In vielen Ländern sind die Erwartungen der revolutionären und linken Organisationen und Kräfte auf einen deutlichen Aufschwung der politischen Organisationen nicht eingetreten. Offensichtlich bietet der Reformismus für breite Massen immer noch ein „realistischeres“ Konzept als jene, die den Kapitalismus radikal überwinden wollen.

Das führt zu Verunsicherung, zu Frustration, in manchen Fällen sogar zu Hoffnungen in den Linksreformismus (die zum Scheitern verurteilt sind, wie die Bilanzen linksreformistischer Regierungsbeteiligungen gut zeigen). In einigen Ländern führen die aktuellen Fragen aber auch zu Debatten um eine Neugruppierung der Kräfte. Solche Debatten sind prinzipiell positiv, vor allem, wenn sie etwa dazu beitragen, dass sich revolutionäre Kräfte einander unvoreingenommen nähern und miteinander diskutieren.

Wir anerkennen auch das Bemühen vieler AktivistInnen um die Überwindung der Schwäche der revolutionären Linken. Wir denken, dass viele AktivistInnen in den aktuellen Kämpfen auch wichtige Erfahrungsprozesse durchmachen (die teils auch zum Bemühen führen, die Aufsplitterung der revolutionären Linken zu überwinden). Wir wollen in diesen Debatten nicht völlig abseits stehen, sondern nach unseren Möglichkeiten auch unsere Ideen und Konzepte vorstellen, einbringen und zur Diskussion stellen.

Bei vielen aktuellen Umgruppierungs-Projekten sehen wir dennoch große Fragen und auch Probleme. Die Benennung dieser Probleme halten wir für zentral und in einer solidarischen Debatte auch für notwendig. Es ist offensichtlich, dass die Krise und die gleichzeitige relative Schwäche der Linken viele nach einem schnellen (scheinbaren) Ausweg suchen lassen. Sie suchen Abkürzungen im Weg zum Organisationsaufbau, indem sie über real vorhandene substantielle Differenzen hinwegsehen und auf Basis fauler Kompromisse oder auf nur rein theoretischer oder rein praktischer Übereinstimmung eine scheinbare Vereinheitlichung anstreben. Solche Versuche sind auf Sand gebaut und sind zumeist zum Scheitern verurteilt, weil spätestens bei den ersten realen Tests die vorher unter den Tisch gekehrten Fragen hervorbrechen, die neue Organisation lähmen und in interne Zwists zerfallen lassen.

[…]. Es kann für Organisationen absolut legitim sein, sich auch an einem Sammelprojekt zu beteiligen, wo die Ausgangsbedingungen politisch sehr unbefriedigend sind (falsch fänden wir, es zu initiieren). Doch ist es dann absolut unerlässlich, die eigenen Strukturen als Strömung aufrecht zu erhalten, sich auf ein Scheitern vorzubereiten.

Wir glauben, dass auch und gerade in Zeiten der Krise neue Organisationen nur dann eine langfristige Chance haben, wenn sie auf einem soliden Fundament gebaut sind. Umgruppierungen um jeden Preis und ohne ausreichende Übereinstimmung halten wir für nicht sinnvoll, weil sie aller Voraussicht nach keinen Bestand haben werden.

[…]. Wir haben natürlich klare Vorstellung und zentrale Überzeugungen und werden diese in Debatten verteidigen. Aber zu dieser Überzeugung gehört auch Selbstreflexion, Bescheidenheit und das Wissen, dass wir die Wahrheit nicht für uns gepachtet haben. […].

Wir stehen für einen langfristigen Austausch, der zu einer tiefen Übereinstimmung führt. Wir glauben, dass eine Neugruppierung Geduld und eine tiefgehende Übereinstimmung braucht, damit die neue Organisation dann auch in stürmischen Zeiten Bestand hat.

[…]. Die entscheidenden Fragen für uns sind: Welche Analyse der Gegenwart haben wir? Welche Strategie verfolgen wir, um der Revolution näher zu kommen? Welche Taktiken dienen dieser Aufgabe am besten?

Wir denken, dass eine starke Organisation auch ein stabiles Fundament benötigt. Wenn wir also Debatten führen, dann tun wir das ernsthaft. Wir machen zeitliche und finanzielle Ressourcen frei, geben diese Debatten genug Raum und führen sie über einen ausreichend langen Zeitraum, in dem wir die theoretische und praktische Übereinstimmung testen.

[…]. Einen Erfolg einer Diskussion bemessen wir nicht nur an schnellen Fusionen (die oft kurzfristig und überhastet statt finden und dann wieder aufgelöst werden müssen). […].

quelle: http://www.sozialismus.net//content/view/1792/1/

2 Kommentare zu “Thesen zum gegenwärtigen Entwicklungsstand im NAO Prozess

  1. Pingback: Vorüberlegungen für ein programatisches Manifest des NAO Prozesses « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! - Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken

  2. Pingback: Eine kleine Frage an unsere Mit-LeninistInnen: NAO Prozess OHNE theoretische Anstrengung – geht das? « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.