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Die NAO steht vor einer entscheidenen Weggabelung !

Worum geht’s hier?

[von DGS_TaP http://www.nao-prozess.de/blog/worum-gehts-hier/ ]

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Seit 1 1/2 Jahren diskutieren wir hier über die eventuelle Schaffung einer neuen antikapitalistischen Organisation (NaO). Den Vorschlag dazu unterbreite die Sozialistische Initiative Berlin (SIB), in der auch ich seit vergangenem Sommer Mitglied bin. Die SIB sagte von Anfang an, noch bevor ich ihr Mitglied wurde, es solle sich nicht nur um eine antikapitalistische, sondern um eine revolutionär-antikapitalistische Organisation handeln: „Die neue Organisation wird revolutionär sein oder sie wird gar nicht sein.“

Die Gegenposition dazu vertraten und vertreten in unterschiedlichen Formulierungen,
– GenossInnen, die im vergangenen Jahr einen Bochumer Programm-Entwurf, in dem von “revolutionär” weder explizit noch implizit die Rede ist,
– der Gen. Tino P., der statt für eine revolutionäre Organisation für eine “breite Organisation” des “klare[n] Antikapitalismus, […] und nicht [… für eine] revolutionär[…]e Organisation“ plädiert.
– der Gen. khs und sein – evolutionärer statt revolutionärer – Arbeitskreis Kapitalismus aufheben (AKKA), die für eine Organisation der “Klassenlinken” statt für eine Organisation der RevolutionärInnen plädieren,
sowie
– schließlich die internationale sozialistische linke (isl), die für eine Organisation des “kämpferischen” Antikapitalismus, die nach Ansicht der isl “auch Kräfte umfassen [muss], die kein revolutionäres Selbstverständnis haben”, plädiert.

Die Position der SIB unterstützen dagegen die Internationalen KommunistInnen (InterKomm), der RSB, scharf-links und die SoKo, die im Mai diesen Jahres zusammen mit der SIB in einemSelbstdarstellungs-Flugblatt schrieben:

„Wir denken, dass es an der Zeit ist, nach zwei Jahrzehnten linker und feministischer Bescheidenheit wieder die Systemfrage zu stellen. Und wir sind überzeugt, dass es ohne revolutionäre Organisierung nicht möglich ist, sie in wirksamer Weise zu beantworten.“
„Unser Vorschlag, gemeinsam die Gründung einer neuen – mindestens antikapitalistischen, klassenkämpferischen – Organisation der subjektiven RevolutionärInnen“.
„Wir sprechen daher inzwischen gemeinsam von der ‚Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs’.“

Von den Gruppen, die die breitere Konzeption vertreten ist nur die isl, “voll-beteiligt” am NaO-Prozeß (s. dort die rechte Randspalte [sidebar]). Dies liegt daran, daß sich die isl jedenfalls selbst als revolutionäre Organisation versteht, während der AKKA und ‘die BochumerInnen’ nicht einmal bereit waren zu erklären, daß sie sich selbst als RevolutionärInnen verstehen.

Wider die Verwechselung von Bündnispolitik und NaO-Charakter

Damit sind wir bei der ersten Absurdität, die die gegenwärtige[n] Debattelagen im NaO-Prozeß etwas unübersichtlich macht: Die isl (und mittlerweile wird sie von Teilen der SIB, die ihre alte Position aufgegeben haben, unterstützt) versteht sich selbst als revolutionär, möchte aber eine nicht-revolutionäre Organisation aufbauen. Folglich werden diejenigen, die am revolutionären NaO-Charakter festhalten als “sektiererisch” denunziert.

Dieser Denunziation liegt eine Verwechselung von Bündnispolitik und SympathisantInnen-Webung einerseits sowie Organisationsaufbau andererseits vor. Einige (isl und Teile der SIB) sehen ihre Aufgabe als RevolutionärInnen darin, nicht-revolutionäre Organisationen aufzubauen.
Andere lehnen dies ab. Zu denjenigen, die dies ablehnen, gehört auch die Revolutionäre Sozialistische Organisation (RSO), die bisher leider nur beobachtend am NaO-Prozeß beteiligt ist. Die RSO begründet ihre Position folgendermaßen:

“Es kann für Organisationen absolut legitim sein, sich auch an einem Sammelprojekt zu beteiligen, wo die Ausgangsbedingungen politisch sehr unbefriedigend sind (falsch fänden wir, es zu initiieren). Doch ist es dann absolut unerlässlich, die eigenen Strukturen als Strömung aufrecht zu erhalten, sich auf ein Scheitern vorzubereiten.” (meine Hv.).

Und noch deutlicher:

“Die Basis jeder effektiven Neugruppierung ist für uns ein revolutionäres Programm und eine revolutionäre Praxis. Wir haben kein Interesse daran, linksreformistische Strukturen zu initiieren, wie es heute manche Organisationen aus der Tradition des Trotzkismus vorschlagen (etwa mit Losungen ‘für eine neue ArbeiterInnenpartei’).”

Ich teile diese Position und die Gruppen und GenossInnen, die ebenfalls weiterhin einen revolutionären NaO-Charakter verfechten, dürften diese Position ebenfalls teilen.

Damit ist nicht ausgeschlossen, daß eine revolutionäre Organisation vielleicht einmal Entrismus in einer breiteren Formation be[t]rei[b]t. Damit ist auch nicht ausgeschlossen, sondern dazu ist das notwendige Gegenstück eine breite Bündnispolitik. In dem Entwurf für das NaO-Essential 3 “Bündnispolitik statt Sektierei” ist dies dargelegt. Und selbstverständlich muß eine revolutionäre Organisation versuchen, Menschen mit (noch) nicht revolutionären Position für revolutionäre Positionen und dann als Mitglieder zu gewinnen. Das ist aber etwas ganz anderes, als Nicht-RevolutionärInnen in die eigene – von den RevolutionärInnen selbst aufgebaute oder aufzubauende – Organisation aufzunehmen!

Und was die Position von isl & Co. noch absurder macht:

Die bisher am NaO-Prozeß voll-beteiligten Gruppen verstehen sich – wie gesagt – alle als revolutionäre. Soweit so gut. Wir beteiligen uns ja aber alle an dem NaO-Prozeß in der Perspektive, uns – zumindest irgendwann einmal – in eine gemeinsame Organisation aufzulösen.

Spätestens dann hängt also alles davon ab, ob die neue Organisation ihrerseits eine revolutionäre sein wird oder nicht: Die Auflösung revolutionärer Gruppen in eine nicht-revolutionäre Organisation wäre der Verzicht auf revolutionäre Strukturen! Die ‘klassische’ Bezeichnung aus den Auseinandersetzungen in der russischen Sozialdemokratie vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts dafür ist Liquidatorentum – die Liquidierung der revolutionären Organisation zugunsten von – heute – Breite bzw. – damals – legalen Betätigungsmöglichkeiten unter dem Zarenregime.

Und selbst für die Zeit vor der evtl. Auflösung unserer bisherigen Gruppen:

Auch die isl versteht sich – wie gesagt – als revolutionäre Organisation; und zumindest einige der BefürworterInnen der breiteren Konzeptionen sehen auch in einer rein revolutionären Umgruppierung etwas Positives (wenn auch ihres Erachtens nicht Ausreichendes).

Wenn dieses Positive unstrittig ist, dann können wir doch den NaO-Prozeß nicht in einen nicht-revolutionären, sondern bloß kämpferischen umdefinieren! Dann kann allenfalls die Frage sein, neben dem revolutionären NaO-Prozeß noch einen zweiten, breiteren Prozeß zu beginnen.

Wider den Verzicht auf die Artkulation der eigenen (revolutionären) Position!

Die Diskussion über den NaO-Charakter spitzt sich im Moment an der Frage der Formulierung der sog. NaO-Essentials, der strategisch-theoretische Grundlagen des NaO-Prozesses, zu (siehe dort und dort). In dem ursprünglichen Vorschlag der SIB hieß es: “Für uns gibt es nur 5 unverhandelbare Punkte: 1. Konzept des revolutionären Bruchs, 2. […].”

Genauso, wie sich die isl als revolutionäre Organisation versteht, so stimmt auch die isl (und der Gen. Micha Schilwa, der innerhalb der SIB neuerdings die isl-Position unterstützt) zu, daß ein revolutionärer Bruch auch eine Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates einschließen muß.
So schrieb Manuel Kellner (isl) im Juni in diesem blog:

“Bei der Abgrenzung einer revolutionären Strategie vom Linksreformismus ist dieStaatsfrage die Gretchenfrage. Da wäre also nicht einfach der revolutionäre Bruch mit dem Kapitalismus, sondern der Aufbau von zum bürgerlichen Staatsapparat alternativen (räteartigen) Herrschaftsorganen von unten, die an die Stelle dieses Staatsapparats treten, der delegitimiert und zerschlagen wird. Das ist die revolutionär-marxistische Position.”

Trotzdem wenden sich isl und Micha Schilwa dagegen, daß in den NaO-Essentials von der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates die Rede ist, da sie den NaO-Prozeß für Nicht-RevolutionärInnen öffnen wollen. Das machte die ganze Absudität deren Strategie deutlich: Statt für ihre Position (die Notwendigkeit der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates) zu argumentieren, wenden sie zur Zeit alle Energie dafür auf, daß ihre eigene Position in den NaO-Essentials verschwiegen wird.

Daß ist die notwendige Folge der Strategie, daß RevolutionärInnen nicht-revolutionäre Organisationen aufbauen sollen: Statt sich in diesen Organisationen für revolutionäre Positionen einsetzen zu können, müssen sich dafür einsetzen, daß sich revolutionäre Positionen nicht durchsetzen, da deren Durchsetzung das Ende der angestrebten Breite wäre.

Noch einmal: Klar hat es Sinn, daß RevolutionärInnen zu breiten Bündnissen einladen, die dann mehrheitlich keine revolutionären Positionen vertreten. Aber Voraussetzung dafür ist, daß die RevolutionärInnen in diesen Bündnis[sen] die Freiheit, ihre revolutionären Positionen auszusprechen, wahren und wahrnehmen. Etwas ganz anderes ist [es] aber, die eigene Organisation auf nicht-revolutionäre Positionen zu verpflichten. [herv v mir, systemcrash]

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5 Kommentare zu “Die NAO steht vor einer entscheidenen Weggabelung !

  1. Mein Vorschlag für das nächste bundesweite Treffen (“Hannover”)
    [–von DGS] http://www.nao-prozess.de/blog/gegen-eine-sektiererische-verengung-des-nao-prozesses/#comment-4841
    =========================================

    @ Micha:

    „Wir sind ja beide keine Anfänger und wissen also, dass schon halb gewonnen hat, wer
    seine Fragestellung durchsetzt.
    Deine lautet:
    Revolutionäre oder nur kämpferische NAO?
    Ich sage, dass ist eine Phantom-Debatte.
    Meine lautet:
    Breite antikapitalistisch-revolutionäre NAO oder exklusiver Club der lupenreinen Revolutionäre?
    Da sagst du, das ist eine Phantom-Debatte.
    Ich habe keine Probleme, dass auch in Hannover beim TO “Essentials” auszufechten,
    aber die restlichen TO’s sollten wir möglichst nicht mit dem “Fraktionskampf” belasten.
    Denn “Nicht-Beschädigung der NAO” ist doch (so hoffe ich) ein immer noch gemeinsames Ziel.“ [zitat von M.Schilwa; systemcrash]

    Ja, so ist das – und mein Vorschlag für Hannover lautet:

    In Hannover geben die beteiligten Gruppen ein erstes feedback zu dem Essential-Vorschlag; Konsense und Dissense werden in die Vorlage eingearbeitet; dann wird in den Vollversammlungen bzw. Basisgruppen der beteiligten Gruppen und Klein-Organisationen – noch einmal oder (ich fürchte: vielfach) erstmals – diskutiert. Dann formulieren die Gruppen konkrete Änderungsanträge zum vorliegenden Text – diese Änderungsanträge werden sicherlich nicht nur den revolutionären Bruch betreffen.
    Und dann machen wir Anfang nächsten Jahres ein weiteres Workshop-Wochenende (‘NaO-Winter-Debatte’), bei dem alle strittigen Punkte noch einmal gründlich diskutiert werden und dann werden zeitnah beim übernächsten bundesweiten Treffen Entscheidungen getroffen.
    Und dann werden wir sehen, welchen Gruppen dann was gründen – vielleicht:
    – die halbe SIB, die isl und die SoKo etwas Breites, Nicht-Revolutionäres
    – die andere Hälfte der SIB, der RSB, die InterKomms und Gruppen, die bis dahin noch dazukommen, etwas Revolutionäres,
    – und die GAM mit ihrem Gleichzeitigkeits-Modell (vgl. meine insoweitige Kritik) macht bei beidem mit. 😉

    • Antwort von M. Schilwa
      ================

      @DGS

      1. Mit dem Zeitplan für die “Essential-Debatte” wäre ich einverstanden, auch wenn ich mir wünschte, dass das schneller geht.
      Aber wahrscheinlich haben einige NAO-Gruppen tatsächlich erst wenig oder noch gar nicht darüber dikutiert.

      2. Diese Zustimmung heißt aber ausdrücklich NICHT, dass wir irgendwas am Fahrplan für die “Manifest-Debatte” ändern.
      Die SIB unterstützt den Antrag von Jakob / Linus.

      3. Dem von DGS erweckten Eindruck, es stünde eine Spaltung des gesamten NAO-Prozesses bevor, möchte ich entschieden entgegentreten.
      Weder wird sich die “halbe SIB” einer “Leni” anschliessen noch kann ich mir vorstellen, dass der RSB das tut.
      Worauf es viel eher raus läuft:
      DGS + Systemcrash + (vielleicht) IBT (über deren Aufnahme wir by the way in Hannover auch reden müssen).
      Wenn die “Leni”[*] der NAO die IBT abnimmt, bin ich nicht böse, sondern schmeisse im Gegenteil eine Runde Weißwein für DGS.

      http://www.nao-prozess.de/blog/gegen-eine-sektiererische-verengung-des-nao-prozesses/#comment-4853

      _____________
      [* „LENI“ ist die abkürzung für „Leninistische Initiative für eine revolutionäre NAO“, die von DG und mir mal angesichts der aufnahme von Tino in die SIB angedacht war. vlt bekommen JETZT diese pläne eine erneute — aber nicht unerwartete — aktualität 😉 ; anm v systemcrash]

      • Erneute Antwort von DGS http://www.nao-prozess.de/blog/gegen-eine-sektiererische-verengung-des-nao-prozesses/#comment-4854
        =====================================

        Zu den Kompromißvorschlägen

        1.

        @ Micha:

        Nach heftiger und kontroverser Debatte gab es einen Kompromissvorschlag. […]

        „Auflösung des bürgerlichen Staatsapparates und seine Ersetzung durch eine Räterepublik“

        Dem stimmten alle zu bis auf DGS und ein weitere Genosse, denen das immer noch nicht revolutionär genug war.
        Die von DGS auf dem Blog und / oder der Liste nachgeschobene Begründung geht ungefähr so:
        Eine Räterepublik wäre ja schließlich auch ein Staat und dem könnten eventuell noch dazu stoßende AnarchistInnen nicht zustimmen.

        a) Ja, wie der Antragsteller bei anderer Gelegenheit selbst sagte, ist eine Räterepublik ein Staat – also etwas, dem AnarchistInnen nicht zustimmen können. – Ich stehe meinerseits als LeninistIn zwar voll auf dem Boden der Konzeption des an seinem eigenen Absterben arbeitenden Halb-Staates. Aber ich lege auch Wert darauf, daß der NaO-Prozeß auch für revolutionäre AnarchistInnen offenbleibt. Deshalb steht der Übergangsstaat bzw. die Räterepublik in meinem Essential-Vorschlag nicht in einer Konsens-Passagen, sondern in einer der Dissenspassagen [Abschnitt C.1.d)].
        b) Und was den Unterschied zwischen “Auflösung” und “Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates” anbelangt:
        “Auflösung” läßt die Lesart “Selbst-Auflösung” zumindest zu, wenn sie nicht sogar die naheliegende ist. Nach revolutionär-marxistischer Überzeugung, kann zwar ein Halb-Staat der Lohnabhängigen, aber nicht ein bürgerliche Staat absterben bzw. sich selbst auflösen. Auch Linus (RSB) betont sehr richtig:

        “es ist ohne weiteres klar, daß eine SOLCHE Ablösung der einen (bürgerlichen) ‚besondren Gewalt’ durch eine andere (proletarische) ‚besondre Gewalt’ unter keinen Umständen in Form des ‚Absterbens’ erfolgen kann.”

        Diese Auffassung wird auch mindestens von einem der SIB-Mitglieder, die am Montag während unserer Sitzung verhindert waren, sowie mindestens von zwei der anwesenden Mitglieder geteilt. Und ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn auch noch einige der SIB-Mitglieder, die am Montag spontan in einem Meinungsbild für jenen “Kompromißvorschlag” votierten, noch zu der Überzeugung gelangen, daß das etwas voreilig war.

        2.

        Am Montag lag außerdem ein zweiter Kompromißvorschlag vor:

        “Beim revolutionären Bruch handelt es sich in Bezug auf die existierenden Klassenverhältnisse um den Bruch der Macht des Kapitals und die Beendigung der Existenz seines wichtigsten Gewaltapparates – des bürgerlichen Staates – und deren Ersetzung durch Organe der Selbstverwaltung von unten (Räte).”

        Diese Formulierung war für Micha nicht akzeptabel.

        3.

        Schließlich stellte ich selbst folgenden Kompromißvorschlag in den Raum:

        “Beim revolutionären Bruch handelt es sich in Bezug auf die existierenden Klassenverhältnisse um den Bruch der Macht des Kapitals und die Ersetzung seines wichtigsten Gewaltapparates – des bürgerlichen Staates – durch Organe der Selbstverwaltung von unten (Räte). Viele von uns legen Wert darauf zu betonen, daß es sich bei dieser ‘Ersetzung’ um eine Zerschlagung handeln muß und eine Selbstauflösung oder ein Absterben eines bürgerlichen Staats unrealistisch ist. Anderen von ziehen dagegen vor, das Wort ‘Zerschagung’ zu vermeiden, weil ###.”

        Eine tatsächliche Zustimmung zu einer solchen Lösungen machte ich aber davon abhängig, wie die Begründung der Anti-Zerschlagungs-Position konkret formuliert wird.
        Außerdem ist für mich – wie schon an verschiedener Stelle gesagt – ausschließlich eine Essential-Formulierung sinnvoll, die von alle Beteiligten als Absage an das breite, nicht-revolutionäre Modell von Tino und isl verstanden wird. Ein Formelkompromiß in der ‘Modell-Frage’ wäre sinnlos; wir müssen uns über den Charakter dessen einig sein, das wir gründen wollen.

        ______________________

        DGS hat noch ein sehr interessantes zitat der GAM zu den lehren des ehemaligen „netzwerks linke opposition“ (NLO) ausgegraben: http://www.nao-prozess.de/blog/gegen-eine-sektiererische-verengung-des-nao-prozesses/#comment-4857

        „@ Hannover:

        Mit dem RSB-Vorschlag für den Zeitplan für die Manifest-Diskussion bin ich einverstanden.

        @ Spaltung:

        Es können sich gerne auch alle (wieder) der revolutionären Linie anschließen.

        Und ansonsten:
        Ich vertraue ganz für die revolutionäre Standhaftigkeit des RSB, der sich ja schon an dem WASG-Abenteuer und – wenn ich recht sehe – auch nicht am “Netzwerk linke Opposition” beteiligte.

        Und die GAM äußerte sich damals in einer “Zwischenbilanz” vom NLO-Prozeß:

        “Viele im NLO halten es für Einheitsfrontpolitik, erst einmal jeden Aufruf zu unterschreiben, um in Bewegungen mitarbeiten zu können. Ein eigenes Profil sei dabei überflüssig und eher hinderlich. Aber um reformistische und stalinistische Strukturen, Programmatik und Politik aufzubrechen, müssen diese Positionen auch kritisiert werden.
        Die Gruppe Arbeitermacht, aber auch andere sozialistische Strömungen und GenossInnen im NLO haben kein Problem, an Einheitsfrontaktionen teilzunehmen, aber halten es für notwendig, in diesen Einheitsfronten auch für ihr eigenes, sozialistisches Programm aufzutreten und stalinistische, reformistische u.a. Positionen zu kritisieren.
        Die Kritik von Seiten der Reformisten bestand schon immer darin, dieser Vorgehensweise Praxisferne, Bevormundung und Sektierertum zu unterstellen

        Erkenntnisgewinn allein aus der Praxis?

        Klassenbewusstsein oder revolutionäres Bewusstsein, so wird von einem Teil des NLO vertreten, würde spontan aus der Praxis des Kampfes entstehen. Diese Theorie hat viele historische Vorläufer. Lenin hat sie am besten mit dem Begriff „Ökonomismus“ charakterisiert.
        Demnach radikalisiere sich die Klasse allein durch ökonomische Kämpfe, was zugleich ein revolutionär-sozialistisches Bewusstsein erzeugen würde. Das systematische Hereintragen von Programmatik, das heißt die Vermittlung von Programm, Theorie und Erfahrungen der Arbeiterbewegung durch eine Partei wird als „aufgepfropft“, „elitär“ und „sektiererisch“ abgelehnt.
        In Wirklichkeit wird damit vor bürgerlichen Ideologien und bürgerlicher Programmatik kapituliert, denn diese sind natürlich permanent auch in den arbeitenden Klassen vorherrschend. Wenn nicht revolutionäre Kräfte den diversen bürgerlichen […] Strömungen organisiert entgegentreten, können kampfbereite Schichten ihre Erfahrungen aus ökonomischen Kämpfen nicht richtig auswerten, d.h. die richtigen Lehren und praktischen Konsequenzen daraus ziehen. Die Folge davon sind Niederlagen und das Ausbremsen einer Entwicklung nach links hin zu antikapitalistisch-revolutionären Positionen.
        So geht der Gedanke eines antikapitalistischen Netzwerkes und die Aussicht auf eine Verbreiterung des NLO durch programmatische Profilierung und kämpferische Aktion, ganz zu schweigen von der Notwendigkeit der Schaffung einer revolutionären Partei, verloren. Gerade militante Jugendliche, radikale ArbeiterInnen und Erwerbslose sowie Linke fühlen sich dadurch abgeschreckt, bleiben so in misstrauischer Distanz zum NLO.

  2. Kommentar von Heinz [interkomm] http://www.nao-prozess.de/blog/gegen-eine-sektiererische-verengung-des-nao-prozesses/#comment-4858
    ================================================

    Wir haben bei den Internationalen Kommunist_innen noch einmal über die hier diskutierten Kontroversen diskutiert. Wir bekräftigen unsere früher formulierte Position, dass die NAO nur als revolutionäre Organisation für uns von Interesse ist. Da es klar ist, dass zur Zeit in den sporadischen sozialen Bewegungen kein revolutionäres, oft nicht einmal ein antikapitalistisches Bewusstsein vorhanden ist (siehe Occuppy), muss der NAO-Prozess zunächst einmal bewusst separat von solchen sozialen Bewegungen entstehen. Es ist natürlich wichig und richtig, dass Aktivist_innen der einzelnen NAO-Gruppen in diesen Bewegungen intervenieren. Aber der revolutionäre Prozess darf nicht von dem Bewusstseinsstand und den Diskussionen der real existierenden sozialen Bewegungen abhängig gemacht werden, Damit würde er sich selber überflüsssig machen.

    Zur Diskussion der Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates: Hier ist und wichtig deutlich zu machen, dass eine Revolution nicht mit dem bürgerlichen Staatsapparat geht, aber auch nicht neben ihm, wie viele autonome oder neozapatistische Gruppen glaubten. Eine emanzipatorische kommunistische Gesellschaft wird nur nach der vollständigen Beseitigung des bürgerlichen Staatsapparates möglich sein. Wir hängen allerdings nicht an den Begriff Zerschlagung, weil er einen einmaligen, schnellen, gewaltsamen Akt nahelegt. Tatsächlich ist der Staatsapparat aber viel tiefer in allen Kasematten der Gesellschaft verankert (Gramsci), er ist auch nicht nur für die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Ausbeutung- sondern ebenfalls für die patriarchale und rassistische Herrschaftsverhältnisse zuständig. Eine Überwindung des bürgerlichen Staatsapparates ist also tiefergehend als eine Zerschlagung von Repressions- und Herrschaftsorganen, wobei allerdings diese Zerschlagung die Voraussetzung sein kann, um den bürgerlichen Staatsapparat in der Gänze abzuschaffen, so wie die Enteignung der zentralen Produktionsmittel die Voraussetzung für die Vergesellschaftung und die Kontrolle durch Räte ist.

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