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Die Haltung der Kommunisten zur Religion(sfreiheit)

Zum Artikel ‚Gotteslästerung bald strafbar?‘ 

Quelle: scharf links 14.10.2012

von A. Holberg

Dass der erwähnte katholische Bischof nicht nur seinen eigenen (oder vielleicht besser: den seiner Herde) Aberglauben schützen will, sondern alle anderen Aberglauben gleich mit, ist  begrüßenswert, wenngleich nicht nur, weil das eine weniger sektiererische Haltung zeigt als in den vergangenen ca. 2 Jahrtausenden, als vielmehr, weil das die Widerspiegelung des schrumpfenden Einflusses der Kirche ist.

Für Linke sollte es andererseits klar sein, dass alle Versuche, „Gotteslästerung“ unter Strafe zu stellen, bekämpft werden müssen. Es ist klar, dass der Begriff derart schwammig ist, dass die Grenze zwischen „Lästerung“ und„Kritik“ verschwimmen muss.

Gleichzeitig scheint es mir aber angebracht zu sein, darauf hinzuweisen, dass eine Linke, deren Ziel es ist, die arbeitende Menschheit zu befähigen, sich selbst zu regieren, die also die Freiheit des Einzelnen zur Voraussetzung der Freiheit Aller machen muss, auch einen Beitrag zur kulturellen und moralischer Erhebung der Massen aus dem Morast leisten muss, in den sie Ausbeutung, Unterdrückung und die damit verbundene Entfremdung gestoßen hat.

In der Tat gibt es durchaus einen Unterschied zwischen ernsthafter Kritik am religiösen Denken und „Gotteslästerung“, auch wenn wir deren Definitionen nicht dem Staat oder gar den Organisationen der Gläubigen überlassen dürfen. „Gotteslästerung“ richtig verstanden ist genau so ein kulturelles Laster wie Saufen und Fluchen. Es erniedrigt natürlich nicht den oder die Götter, die – wenn es sie denn gäbe – sich darum nur einen Dreck scheren würden, wenn sie denn „Götter“ wären, sondern die Lästerer.

Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass Linke oder gar Kommunisten stets die Freiheit des religiösen Glaubens oder jedes Irrtums verteidigen, solange dieser nicht versucht, sich gewaltsam durchzusetzen, weil der Kommunismus (entgegen verbreiteter historischer Praxis) nicht die Errungenschaften der bürgerlichen Demokratie (darunter Trenung von Staat und Religion) geringschätzt, sondern sie auf das Soziale erweitert.

Alle Versuche, die Religion durch staatliche Unterdrückung zu bekämpfen, haben aus naheliegenden Gründen das Gegenteil erreicht. Die Religion ist eben wie Marx schon formulierte nicht primär „das Opium für das Volk“, sondern das Opium (manchmal auch das Kokain) „des“ Volkes.

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