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Eine kleine Frage an unsere Mit-LeninistInnen: NAO Prozess OHNE theoretische Anstrengung – geht das?

Einleitung

Ich möchte in diesem Beitrag noch mal kurz zusammenfassen, was der “linke Flügel” (des NAO Prozesses) unter “revolutionärer Organisierung” versteht; dadurch wird auch der Unterschied zur “breiten NAO” und zum “Fischteich-Modell” klarer werden.

Aber bevor ich darauf eingehe, möchte ich noch mal den NAO Prozess im allgemeinen und den Diskussionsstand der einzelnen Strömungen in ihm resümieren.

Ursprungsidee war die von der SIB (Sozialistische Initiative Berlin) in ihrem “na endlich”-papier vorgestellte Ansatz, über einen Diskussionsprozess verschiedener “subjektiv-revolutionärer” (Klein-)Gruppen zu einer neuen — mindestens antikapitalistischen Organisation — auf der Grundlage revolutionärer Mindeststandards (den sog. SIB/NAO ESSENTIALS) zu gelangen. Dabei wird davon ausgegangen, dass jede Kleingruppe für sich, mit ihren eigenen Bordmitteln,ihre geringe Handlungsfähigkeit nicht überwinden kann. Daher wird eine Zusammenlegung der Ressourcen zu einer Frage des politischen Überlebens. Aber dies darf — wie gesagt — eben nicht prinzipienlos geschehen.

Mittlerweile machen bei diesem Prozess mit:

– als Vollbeteiligte: interkomms, GAM, isl, RSB, SOKO, SIB, scharf links

– und als Beobachter: paeris, RSO und IBT

Im Zuge der Debatte um die Essentials schälten sich drei verschiedene  Org-Modelle heraus, die man auch ziemlich genau unterschiedlichen politischen Programmen zuordnen kann:

a) der “linke Flügel” hält an dem ursprünglichen SIB Konzept der “Neugruppierung der radikalen Linken” fest und (ver)sucht die FUSION und inhaltliche Annäherung subjektiv-revolutionärer Gruppen durch die Essential-debatte auf revolutionärer Grundlage herzustellen

b) die Gruppen GAM und isl sind die gewichtigsten Vertreter des von uns so genannten “Fischteich-Modells”. Sie präferieren eine sog. “breite NAO”, dies aber (vordergründig) nicht, weil sie eine reformistisch/gradualistische Organisation aufbauen wollen, sondern weil sie die “NAO” als Rekrutierungsfeld für ihre eigene ORG instrumentalisieren wollen. Dies hält der “linke Flügel” für eine ungeeignete TAKTIK

c) vom “ganz rechten Flügel” darf vermutet werden, dass er sogar die Auflösung der bestehenden revolutionären Kleingruppen in einer reformistischen oder gradualistischen “breiten NAO” befürwortet und damit ein vollkommen liquidationistisches Konzept vertritt (als möglichen Ansatz dafür siehe: hier)

Verschiedene ORG-Modelle im NAO Prozess

Ausgangspunkt ist das bekannte Marx Zitat aus dem Manifest, was auch die interkomms in ihrem Beitrag zur “kommunistischen Organisierungsdebatte” zitiert hatten:

„Sie (Die Kommunisten) haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen. … Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“

Die interkomms stellen vollkommen zurecht fest, dass hier Marx einen “Avantgarde”-Anspruch formuliert. Dieser Avantgarde-Anspruch resultiert aber nicht daraus, dass man irgendwie “schlauer” sei als andere, sondern aus der systematischen theoretischen Anstrengung an der Verarbeitung historischer (Kampf)Erfahrungen der ArbeiterInnenklasse. Diese Anstrengung kann aber nur kollektiv und organisiert stattfinden!
Lenins Erkenntnis, dass die spontanen Kämpfe nicht über “trade-unionistisches” (“nur-gewerkschaftliches”) Bewusstsein hinausgehen (nicht hinausgehen können!) dürfte unabweisbar sein. Daraus ergibt sich klar die Notwendigkeit einer getrennten (politischen) Organisation der Revolutionäre sowie von Organisierungsprozessen auf einer “darunterliegenden” Ebene (z. b. die “ökonomistische” der Gewerkschaften). Diese organisatorische Trennung bedeutet aber nicht (wie die vermeintlichen Kritiker des “Leninismus” missverstehen), dass zwischen “Avantgarde” und “sozialen Bewegungen und Kämpfen” kein Austausch mehr stattfinden würde, sondern dass sich im Gegenteil dieser Austausch auf einerklaren programmatischen Grundlage entfalten soll.
Jede “Vermischung” von revolutionären mit nicht-revolutionären “Elementen” in der “Avantgarde-Organisation” würde diese Funktion verfehlen und Lenins Einsicht in die Notwendigkeit einer Organisation der Revolutionäre aufgeben!

Damit sind auch die Motive sowohl für die “breite NAO” als auch für das “Fischteich-Modell” vollkommen sinnfällig:
– die Vertreter der “breiten NAO” vertreten in Wirklichkeit ein reformistisches und/oder gradualistisches Programm und wollen daher die scharfen Kanten der “Essentials” möglichst weit abschleifen (z. b. die “Staatsfrage” beim Essential “revolutionärer Bruch”), um die Tore der NAO auch für “nicht-revolutionäre” Kräfte offenzuhalten. Mit diesem Konzept hätte eine NAO im Vergleich sowohl mit der PDL als auch mit attac oder IL keine greifbares – revolutionäres –Unterscheidungsmerkmal und würde zu diesen eine wahrhaft sektiererische Konkurrenz auf ziemlich ähnlicher politischer Grundlage aufmachen!
– die Vertreter des “Fischteich-Modells” vertreten zwar den Anspruch für ihre eigene Gruppe ein revolutionäres Programm zu besitzen, glauben aber nicht daran, dass die NAO als Gesamtprozess zu einer revolutionären Organisation werden kann.
Daher möchten auch sie die NAO für “breitere Kreise” öffnen, in der Hoffnung, dann ein grösseres Rekrutierungsfeld für ihre eigene Organisation zu haben. Die GAM beispielsweise betreibt mit ihrem “Gleichzeitigkeitsmodell” (gleichzeitiger Aufbau einer “revolutionären” UND “breiten NAO”) in dem einen Aspekt (nämlich der “breiten NAO”) eine syndikalistische Politik der Vermischung von revolutionärer und reformistischer Organisierung und konterkariert damit ihren eigenen “leninistischen” Anspruch!
Beide “Flügel” betreiben im Grunde ein sektiererische Politik, nur aus unterschiedlichen Motiven: die Einen aus Opportunismus, die Anderen aus eigenem “ORG-Egoismus”.
Die Letzteren verstehen auch scheinbar gar nicht, dass über die Essential Debatte etwas qualitativ Neues entstehen soll, was auch ihre eigenen politischen Existenzgrundlagen in Frage stellt/stellen würde.

Fazit

Beide “Modelle” sind aber auf alle Fälle untauglich, den NAO Prozess als revolutionären Organisierungsprozess (Neugruppierung der subjektiv-revolutionären Linken auf der Grundlage der revolutionären Mindeststandards [Essentials]) voranzutreiben!

Quelle: http://www.nao-prozess.de/blog/eine-kleine-frage-an-unsere-mit-leninistinnen-nao-prozess-ohne-theoretische-anstrengung-geht-das/

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