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Was ist der Sinn der Essential Debatte ?

da in der SIB gerade mal wieder 😉 über den „revolutionären bruch“ gestritten wird, möchte ich die gelegenheit nutzen, um die bedeutung der essential debatte für den NAO prozess darzulegen (auch nicht zum ersten mal); denn offensichtlich ist dieses verständnis nicht für alle gruppen und einzelpersonen konsensual.

Essentials: minimal KONSENS eines revolutionären organisierungsprozesses

in der „bibel“ des NAO prozesses, dem „na endlich“ papier, wurde von „fünf unverhandelbaren punkten“(*) gesprochen. nun wissen wir mittlerweile alle, dass im zuge des konkretisierungsversuchs der essentials diese doch nicht ganz so eindeutig waren, wie wohl von den autoren des papiers ursprünglich angenommen wurde.

obwohl die fünf punkte durchaus eine „innere logik“ haben und in ihrer gesamtheit meines erachtens als MINIMALSTANDARDS eines „revolutionären rumpfprogramms“ erst mal ausreichend sind, genügen sie in ihrer „abstraktheit“ aber nicht, um auf ihnen einen organisationsaufbau vorzunehmen. darum ist es umso wichtiger, diese essentials MÖGLICHST EXAKT zu beschreiben, da diese sowohl als mitgliedschaftskriterien gelten als auch die (theoretisch-methodische) GRUNDLAGE für alle politischen positionierungen, die eine evtl. gegründete NAO mal einnehmen wird, darstellen. (selbstverständlich gilt diese aussage natürlich nicht für ALLE themenfelder. so wurde z B noch nicht über die „russische frage“ diskutiert oder über den „klassencharakter der SPD“ und es gibt sicher noch hunderte andere themen, die wir uns noch nicht vorgenommen haben. es herrscht aber im NAO prozess ziemlich einvernehmlich die meinung, dass diese themenkomplexe aus gutem grund zurückgestellt sind, da sie für die vorrangige aufgabe (die „neugruppierung der radikalen linken“) von nachrangiger wichtigkeit sind. allerdings müssen auch diese mehr „historischen“ oder „metatheoretischen“ fragestellungen irgendwann auf den tisch!)

(*anm v mir: auf die darstellung des essentials „einheitsfront/aktionseinheit“ verzichte ich hier, da dieser punkt an anderen stellen schon ausführlich diskutiert wurde)

a) Notwendigkeit des revolutionären Bruchs

bei diesem  essential kommt es m e nicht darauf an, einen „(geschichtlich)konkreten revolutionsverlauf“ zu beschreiben (denn niemand von uns hat eine glaskugel!), sondern  die staatstheoretische (marxistische) einsicht, dass der bürgerliche staat(**) nicht übernommen werden kann für die zwecke der sozialistischen revolution, sondern ZERSCHLAGEN werden muss, möglichst klar und deutlich auszusprechen.

auch wenn dieser begriff „zerschlagung“ eine assoziation zur „gewaltfrage“ auslösen kann/auslöst, so ist diese „gewaltfrage“ nicht der entscheidene punkt, diese einsicht zu verwässern!

es liegt überhaupt nicht in UNSEREN händen, wie „friedlich“ oder „gewalttätig“ eine „revolution“ verlaufen wird, denn da werden so viele faktoren reinspielen, die man unmöglich vorher alle bestimmen kann. eine „revolution“ zeichnet sich ja vor allem dadurch aus, dass sie auch ein ausbruch elementarer leidenschaften ist; so etwas ist nicht (rational) „kontrollierbar“. das einzige, was unsere pflicht als revolutionäre ist, ist es offen auszusprechen, dass man sich auf die MÖGLICHKEIT von „gewaltförmigen“ auseinandersetzungen vorbereiten muss. das ist keine verantwortungslose „revolutionsromantik“, sondern blutig erkaufte geschichtliche ERFAHRUNG. 

(** noch eine kleine anmerkung zum begriff „bürgerlicher staat“. im NAO prozess gibt es eine starke tendenz, die „repressiven organe“ (polizei, armee, gefängnisse) besonders hervorzuheben. m e ist diese hervorhebung nicht korrekt! die GESAMTHEIT der verschiedenen funktionsweisen des bürgerlichen staates macht seine herrschaftssichernde rolle aus. dazu gehören genauso „ideologische staatsapparate“ oder das schul- und erziehungswesen. in diesem sinne sind ALLE teile des staates „repressiv“.)

b) Keine Mitverwaltung der kapitalistischen Krise (und auch nicht den prosperierenden kapitalismus)

hier spielt die „regierungsfrage“ rein! obwohl man sich im NAO prozess „abstrakt“ auf dieses essential beruft, sah man anhand der griechenland-diskussion, dass in dieser frage KEINESWEGS EINIGKEIT herrscht.

es ist ein bedeutender unterscheid, ob man z b eine (mögliche) SYRIZA/KKE regierung als „arbeiterregierung“ ansieht oder als (linke) „bürgerliche regierung“.

wenn man sich die ereignisse von chile 1973 in errinnerung ruft, kann diese differenz unter umständen den unterschied von revolution und konterrevolution bedeuten!

c) Klassenorientierung und Geschlechterverhältnis

ich bin mittlerweile der ansicht, dass die traditionsmarxistische auffassung, dass die klasse der lohnabhängigen das (potentiell) „revolutionäre subjekt“ ist, gut mit der „postmodernen“ auffassung von der „intersektionalität“ und der „gleichrangigkeit von gender, race und class“ in EINER organisation leben kann.

die unterschiede von „traditionsmarxisten“ und „pomos“ sehe ich weniger als „hindernis“, sondern mehr als theoretische herausforderung und bereicherung an!

d) (Eine gewisse) organisatorische Verbindlichkeit

dieser punkt ist der schwammigste, wie die genossInnen der IBT schon zurecht festgestellt haben.

im prinzip lässt sich die „org-frage“ gar nicht unabhängig von der „programm-frage“ diskutieren. 

disziplin und verbindlichkeit entstehen mit dem verständnis und der „hingabe“ an ein „revolutionäres programm“. von daher ist das „äussere einfordern“ von „verbindlichkeit“ gar nicht notwendig.

worauf es allein ankommt, ist, dass der „revolutionäre charakter“ des NAO prozesses gewahrt bleibt. 

jede verwässerung der essentials UNTERGRÄBT dieses anliegen und widerspricht auch der ursprungsidee der fünf SIB (NAO) ESSENTIALS!

quelle: http://www.nao-prozess.de/blog/was-ist-der-sinn-der-essential-debatte/

Ein Kommentar zu “Was ist der Sinn der Essential Debatte ?

  1. von der SIB „mehrheit“ liegt jetzt ein eigener essential vorschlag vor. der vorschlag ist zwar göttin sei dank keine „rechtsverschiebung“, beinhaltet aber m e einen schweren „methodischen fehler“. für eine diskussion siehe: http://www.nao-prozess.de/blog/sib-fuer-eine-neue-revolutionaere-antikapitalistische-organisation-und-die-zusammenfuehrung-revolutionaerer-gruppen-und-individuen/ und die kommentare

    ebenfalls liegt eine stellungnahme der IBT zu ‚hannover II‘ vor: http://www.nao-prozess.de/blog/stellungnahme-der-ibt-zu-hannover-ii/

    zur IBT stellungnahme siehe auch den kommentar von DG: http://www.nao-prozess.de/blog/stellungnahme-der-ibt-zu-hannover-ii/#comment-14329

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