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Wieso die Bekämpfung von Sexismus für eine Antikapitalistische Organisation keine Zusatzaufgabe sondern eine Notwendigkeit ist

[von Hilton 27. November 2012]

Dass der Kapitalismus nicht mehr ernsthafte Empörung hervor ruft liegt neben dem Mangel an vorstellbaren Alternativen auch daran, dass (fast) alles konkrete Leiden, was Menschen erfahren immer schon als quasi “logische” Folge ihrer Zugehörigkeit zu dieser und jener Gruppe erscheint, und dass die weltweite Arbeitsteilung zwischen den Menschen (fast) nie als eine zwischen Menschen in den Blick kommt. Das betrifft nicht nur die vergeschlechtlichte Arbeitsteilung, sondern auch die internationale ebenso wie die Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Gruppen von Lohnarbeitenden eines Landes.

Es schreiben bei NaO fast alle, die Spaltungen innerhalb der Klasse der Lohnabhängigen verfestigen die kapitalistische Herrschaft. Gemeint scheint damit jedoch v.a. die Trennung im Kampf zu sein. Wenn alle zusammen streiken würden (egal ob Mann, Frau, Schwarz, Weiß, lohnarbeitend, Rentnerin, arbeitslos) und sich auf eine gemeinsame Perspektive der Absicherung ihrer Lebensbedingungen verständigen würden, dann könnte gemeinsam eine andere Art der Vergesellschaftung erkämpft werden. Das stimmt auch.

M.E. geht die Spaltung aber viel tiefer und weiter als die zwischen gegensätzlichen Interessen, die sich aus z.B. unterschiedlichen Vertragsverhältnissen innerhalb eines Unternehmens ergeben oder zwischen auf der einen Seite (noch) beschäftigten, die höhere Löhne und Absicherung ihrer Beschäftigung wollen, und andererseits arbeitslosen, die überhaupt (irgend-)einen Lohn wollen, und damit tendentiell in Konflikt kommen mit bestimmten gewerkschaftlichen Kämpfen.

Vielmehr ist das Denken in verschiedenen Kategorien von Menschen schon das Problem, und der Grund, warum die ernsthafte Solidarisierung so zäh vorangeht.

Leiharbeiterinnen sind dafür kein gutes Beispiel, weil diese Kategorie – noch – einen sehr schwachen Grad von Essentialisierung enthält. Leiharbeit (sowie andere als “irregulär” geltende Beschäftigung) wird – noch – als unterschiedliche Arbeitsbedingung wahrgenommen, wo es vielleicht sogar Empörung hervorruft, dass die Kollegin anders bezahlt und anders behandelt wird, da sie (qua Auslagerung) nicht “richtig” zur Belegschaft gehört.

Bei als Frauen bezeichneten Menschen ist das schon anders. Diese Kategorie wird sehr wohl von den meisten als essentielle wahrgenommen. Man “ist” eine Frau, und wird nicht nur so behandelt. Dass auf Grund völlig willkürlich herausgegriffener körperlicher Merkmale1 die als “Frauen” klassifzierten Menschen dann ganz bestimmte gesellschaftlich notwendige Arbeiten machen müssen, fällt den wenigsten als Problem derSortierung der Menschen auf: Wie kommt man eigentlich dazu, den Menschen neben mir anders zu behandeln, nur weil er andere Geschlechtsorgane hat? Warum wird der zu anderen Tätigkeiten eingeteilt und auch noch schlechter oder gar nicht dafür bezahlt? Vielmehr wird die Unterscheidung zwischen “Männern” und “Frauen” in der Regel auch von Linken und vielen Linksradikalen mitgemacht, und nur dafür gekämpft, dass die “Anderen” – obwohl sie anders sind – trotzdem gleich behandelt und nicht diskriminiert werden. Es kommt den meisten erst mal recht evident vor, dass “Frauen” etwas anders sind als “Männer”, und an diesen “evidenten” Unterschied, können dann jede Menge Ideen andocken, was sich aus dem vermeintlichen Unterschied ergäbe und welche Schlüsse daraus zu ziehen seien. Dann wird um die unterschiedliche Bewertung der Konsequenzen aus der politisch nicht angefochtenen Klassifizierung der Menschen gestritten.

Einmal in der Welt (und Gegenstand von politischer Auseinandersetzung) erzeugen diese Kategorien zumal in einer kapitalistischen Ökonomie reale Konsequenzen, die tatsächlich unterschiedliche Behandlung, Einteilung zu Tätigkeiten und Entlohnung begründen. Einerseits sind so genannte Frauen als Kindergebärende zumindest in der Zeit um die Geburt als Arbeitskräfte nicht zu gebrauchen. Mutterschutz-Politik erhöht die Zeitspanne, in der ihre Arbeitskraft nicht zur Verfügung steht. Die herrschende vergeschlechtlichte Arbeitsteilung, dass als Frauen eingestufte sich hauptsächlich um die Kinder zu kümmern haben (im Verbund mit der schlechteren Bezahlung so genannter Frauen, die diese Arbeitsteilung individuell immer wieder nahelegt) befördert weiter die geringere Attraktivität von “Frauen” als Arbeitskräfte (weiterer Ausfall wegen Krankheit der Kinder etc.). Vergeschlechtlichte Erziehung, die immer schon um die unterschiedlichen gesellschaftlichen Anforderungen an die als “Jungen” bzw. “Mädchen” klassifizierten wissen muss (wenn sie bei aller Kritik an vergeschlechtlichten Zuschreibungen das Lebensglück der jungen Menschen im Auge haben will) reproduziert im Verbund mit gesellschaftlichen Bildern und Projektionen auch tatsächlich im Durchschnitt unterschiedliche seelische Verfassungen, die dann wiederum später als “Grund” der Unterscheidung zwischen “Männern” und “Frauen” fungieren. Weil weiblich sozialisierte häufig gefühlsbetonter und weniger durchsetzungsfähig sind, werden sie als Arbeitskräfte bevorzugt im Service- und Pflegebereich eingesetzt und weniger in öffentlichen Bereichen, die Rationalität und Selbstbewusstsein erfordern. Und weil den meisten Beteiligten schon zu Beginn des Lebens der kleinen Menschen klar ist, dass sie u.a. genau daran gemessen werden, werden Kinder bevorzugt auf diese Fähigkeiten hin ausgebildet.

Die psychische Prägung von weiblich Sozialisierten findet jedoch nicht nur in der Kindheit statt (Schleife ins Haar gebunden kriegen und gelobt werden für Niedlichkeit), und im Erwachsenenleben nicht nur in privaten Beziehungen und im Arbeitsverhältnis. Ein Gang durch eine normal belebte Hauptstraße einer Großstadt ist eine einzige Beleidigung für als Frauen klassifizierte Menschen, wenn man mit interessiertem Blick sich mal die Werbung, die Schaufenster und die Auslagen in Zeitschriftenläden anschaut. “Frauen” werden in aller Regel hübsch dekoriert abgebildet, gern auch kaum bekleidet, kaum jedoch mit irgendeiner Art von intellektueller oder körperlich anstrengender Tätigkeit befasst (außer Fitness-Training). Es gibt Tips zum Einkaufen und zur Haushalts- und Körperpflege, Tips um männlich sozialisierten zu gefallen und zum Umgang mit emotionalen Krisen, sowie vor allem Informationen über (heterosexuelle) Beziehungskrisen. Im Unterschied dazu sind so genannte Männer (übrigens auch nicht gerade schmeichelhaft und der freien Entfaltung des Subjekts nicht zuträglich) auf Werbung und Plakaten, Zeitschriften und in Schaufenstern i.d.R. im Anzug oder Blaumann, tätig oder zumindest mit Telefon dargestellt (und zwar nicht plaudernd mit Freundinnen, sondern Geschäfte erledigend). Wenn Männer in der Öffentlichkeit nackt dargestellt sind, so ist das entweder sofort als schwule Ästetik erkennbar (also von einem und für einen ebenfalls männlichen Blick dargestellt) oder die absolute Ausnahme, wie gelegentliche Unterwäschewerbung mit David Beckham. Es gehört keinesfalls zum öffentlichen Bild von so genannten Männern, dass sie leicht bekleidet und sinnlich lächelnd vor irgendwelchen Konsumgütern stehen. Bei Frauen findet man das jedoch sogar bei der Werbung für Schuhe, Taschen und Autos. Einfach mal zu zählen, wie oft man sich als weiblich Sozialisierte im öffentlichen Raum Bildern von nackten und/oder hübsch dekorierten “Frauen” gegenüber findet, könnte vielleicht schon erahnen lassen, wie schwer es ist, gegenüber diesem ständigen Beschuss ein Selbstbild und eine entsprechende Handlungsfähigkeit als selbstständigem, vernunftbegabtem Menschen zu erlangen.2

Sogenannte Frauen tragen dieses Bild und diese Vorstellung von “Frauen” ebenfalls mit und wenden es auf sich und andere als weiblich klassifizierte an. Einerseits aus Gewohnheit und aus Mangel an alternativen Selbstbildern. Andererseits ergibt sich aus dieser zugewiesenen Rolle als “Frau” auch eine gewisse Handlungsfähigkeit. Man “muss” im allgemeinen Konkurrenzkampf nicht unbedingt mithalten, sondern “darf” zu schwach und zu empfindsam für den Konkurrenzterror sein. Man “darf” soziale Beziehungen höher schätzen als Lohnarbeit und entsprechende Prioritäten in seiner Lebensplanung setzen. Man “muss” auf dem Markt um Wertschätzung und Geborgenheit sich nicht dem Schrecken der Ablehnung aussetzen, sondern “darf” hübsch dekoriert sich von anderen wählen lassen (und ja oder nein dazu sagen). Das bietet in einer Welt in der man ohne sich hart zu machen, nicht weit kommt, durchaus auch Vorteile. Deswegen machen weiblich sozialisierte das auch selber mit, nicht (nur) weil sie unterdrückt werden und nicht anders können. Gleichzeitig hat das eben auch gewaltige Nachteile in einer Welt der Konkurrenz in der man ohne eine gewisse Härte nicht besonders weit kommt (oder wenn dann nur zufällig).

Andersherum gilt das auch für männlich sozialisierte. Auch sie zahlen einen ziemlichen Preis für ihre (schon qua Selbstbild) relativ erfolgreiche Integration in die kapitalistische Konkurrenz. Soziale Beziehungen wichtig zu finden auch wenn es den Erfordernissen der Lohnarbeit entgegensteht; eigene Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen, wenn man den ganzen Tag in Verhältnissen unterwegs ist, die v.a. dann gut zu bewältigen sind, wenn man zumindest zu einem gewissen Teil von seinen eigenen Bedürfnissen absieht; schwach und bedürftig sein zu können, wenn ein großer Teil des eigenen Wert ja gerade darin besteht stark und belastbar zu sein, wird durch die eigenen und fremden Bilder von so genannten Männern ziemlich erschwert. Wenn sich also männlich sozialisierte an ihren Lebensbedingungen stören und bei dem Gedanken verweilen sollen, dass eine Gesellschaft anders geregelt sein kann und soll, als dieser Wahnsinn der Konkurrenz, dann setzt das ein gewisses Maß an bewusster Wahrnehmung der eigenen Erschöpfung und Überforderung voraus, die mit dem eigenen Selbstbild nicht ohne weiteres konform ist.

Wenn andererseits so genannte Männer merken, dass es sie anstrengt, nach dem Lohnarbeitstag sich noch aufmerksam und geduldig den ihnen zugeordneten Kindern zuzuwenden, dann kommen sie häufig nicht zu dem Schluss, dass es weiblich sozialisierten auch so geht, dass auch so genannte Frauen nach dem Arbeitstag (sei es bei der Lohn- oder bei der Hausarbeit) erschöpft sind und Erholung brauchen. Deswegen fällt ihnen weniger auf, was für eine absurde gesellschaftliche Arbeitsteilung es ist, die Kinderbetreuung, Haus- und Pflegearbeit als Privatarbeiten aus der “offziellen” (d.h. anerkannten) gesellschaftlichen Arbeitsteilung herauszunehmen und zusätzlich nach Feierabend erledigen zu lassen. Die Vorstellung, Menschen mit Vagina seien da möglicherweise anders veranlagt (nämlich nicht erholungsbedürftig und gestresst von schreienden Kindern), lässt es leichter als innerfamiläres, also privates (Beziehungsproblem) und eben nicht gesellschaftliches Problem erscheinen.

Andersherum die durchschnittliche Ungerührtheit und Härte männlich sozialisierter nicht als in gewisser Weise rationale Anpassung an gesellschaftliche Erfordernisse zu verstehen, sondern als (quasi natürliche) Eigenschaft von “Männern”, nimmt wiederum die Gesellschaft, die solcherart Anpassungsleistungen erfordert aus dem Blick und damit aus der Kritik. Im Gegenteil wird sogar die Tatsache, dass die gesellschaftlichen Institutionen eine gewisse Härte und Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst und andere erfordern nicht auf das Wirken der durch diese Institutionen eingerichteten Konkurrenz zurückgeführt, sondern auf die Konkurrenzorientierung so genannter Männer. Deswegen sollen diese dann davon abgehalten werden, allein über die Einrichtung der Gesellschaft oder die Leitung eines Betriebs zu entscheiden.

Freilich ist etwas dran an der Behauptung, dass solange politische und ökonomische Entscheidungspositionen von männlich sozialisierten dominiert werden, sie Entscheidungen treffen und sich Institutionen suchen werden, die zu ihrer Charakterstruktur passen.

Dennoch liegt der Wille von Sozialistinnen ja darin, diese Institutionen zu kritisieren und durch menschenfreundliche zu ersetzen. Deswegen muss es ein wichtiges Ziel sein, diese Essentialisierungen zu bekämpfen, um den Blick auf die menschenfeindlichen Auswirkungen dieser Institutionen als solcher überhaupt freizulegen.

Es kann also auch nicht nur heißen, mit einer Revolution haben sich Sexismus und Rassismus noch nicht erledigt und brauchen weiterer Bekämpfung. Sondern in gewisser Weise ist die Bekämpfung von Sexismus, Rassismus und Nationalismus auch Voraussetzung einer Revolution. Mit der Bekämpfung der Schubladisierung von Menschen hat sich die Frage einer Revolution allerdings nicht erledigt, sondern rückt als realistisch überhaupt auf die Tagesordnung.

1. Weil damit ganz zentrale Erklärungen und Rechtfertigungen für kapitalistisches Leid wegfallen: Es läge daran, dass die Leidenden anders sind, nicht wie man selbst, und deswegen auch andere Dinge wichtig finden, gar nicht an den selben Dingen leiden wie man selber, man eigentlich nicht mal genau wissen könne, ob sie überhaupt leiden, weil der Vergleich mit einem selber bei so “gänzlich anderen” Menschen ja keine Erkenntnis bringt.

2. Weil handlungsfähige Subjekte, die die Gesellschaft umwälzen wollen und ihre Angelegenheit kollektiv selbst verwalten sollen, Selbstvertrauen und ein Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten brauchen, was aktuell in den gesellschaftlich für dümmer genommenen Kategorien immer von jeder Einzelnen hart gegen die gesellschaftlichen Zuschreibungen und Behandlung erkämpft werden muss.

Natürlich braucht es jedoch auch einen Bruch mit der Verwertungslogik für einen ernsthaften Bruch mit dem Sexismus.

Solange menschliche Arbeitskraft eine Kostenstelle in Betrieben ist, gibt es ein vernünftiges Interesse der Betriebsleitungen, Arbeitskräfte danach auszuwählen, dass sie möglichst viel Ertrag für das an sie gezahlte Geld bringen (bzw. dass sie möglichst viel da sind). Belastbare, möglichst wenig ausfallende werden also tendentiell bevorzugt, erst recht bei allen Tätigkeiten für die Ersatz oder Vertretung nur mit viel Aufwand beschafft werden kann. Da die Abschaffung des Mutterschutzes nicht wünschenswert und nicht wahrscheinlich ist (auch wenn einige Ökonomen das als Lösung für des Problem der Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt sehen) und die Aufzucht von Embryonen im Labor (noch) Science Fiction ist, wird vermutlich bei aller denkbaren Vergesellschaftung der Kinderbetreuung und der Hausarbeit eine Gleichbehandlung am Arbeitsmarkt immer unvollständig bleiben.

Solange Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen eine Ware sind, die sich vor allem gut verkaufen soll, Werbung Waren anpreist, die sich gut verkaufen sollen, also möglichst vielen Menschen unmittelbar gefallen soll, ist ein ernsthaftes Interesse an einer Bekämpfung des gesellschaftlich vorhandenen Sexismus nicht zu erwarten. Es wäre verwunderlich, wenn sich die gesellschaftliche Haltung unabhängig von der veröffentlichten Meinung soweit ändern würde, dass aus ihrem ureigenen Geschäftsinteresse heraus Medien Sexismus nicht nur nicht mehr reproduzieren, sondern sogar bekämpfen würden.

Insofern braucht auch die Bekämpfung des Sexismus eine Revolution der ökonomischen Verhältnisse. Das ist aber in keiner Weise eine Sache, die erst nach einer Revolution noch zu tun bleibt, sondern die für eine Revolution jetzt angegangen werden muss.3

_______________________

1 Vom Standpunkt der Herrschaft über menschliche Arbeitskraft sind die Geschlechtsorgane natürlich keineswegs “willkürlich” herausgegriffene Merkmale. Wenn es um die Reproduktion der zukünftigen Arbeitskräfte geht, ist das eine sehr interessante Frage, wer mit welchen anderen Menschen welchen sexuellen Verkehr mit welchen Folgen hat und ob es mit der Reproduktion der Arbeitskräfte wie gewünscht voran geht. Aber vom Standpunkt der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse (oder auch nur einem allgemeinen Standpunkt menschlicher Interaktion) ist es nicht besonders naheliegend bei der Betrachtung und beim Verkehr mit (in aller Regel sogar bekleideten Menschen), die Frage, welche Geschlechtsorgane sie haben als zentraleUnterscheidung anzunehmen. Eigentlich ist es sogar lustig, dass weil man sie im normalen gesellschaftlichen Verkehr eben nicht sehen kann, jede Menge Arbeit investiert wird, um über Kleidung, Frisur etc. dieses Merkmal sichtbar zu machen.

2 Und das ist sozusagen noch bevor man überhaupt darüber sprechen muss, dass man in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung für die Tätigkeiten eingeplant wird, die wenig Intellekt und dafür umso mehr Sinn für Harmonie erfordern, und was das für das eigene Selbstbewusstsein und Selbstverständnis bedeutet.

3 Ich gehe davon aus, das gilt in ganz ähnlicher Weise für Rassismus, aber da kenne ich mich nicht so gut aus.

Quelle: http://www.nao-prozess.de/blog/wieso-die-bekaempfung-von-sexismus-fuer-eine-antikapitalistische-organisation-keine-zusatzaufgabe-sondern-eine-notwendigkeit-ist/

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2 Kommentare zu “Wieso die Bekämpfung von Sexismus für eine Antikapitalistische Organisation keine Zusatzaufgabe sondern eine Notwendigkeit ist

  1. @DG

    “solange ‘linke’ glauben, die verleugnung grundlegenderer schichten der ‘wirklichkeit’ als das ‘soziale’ sei etwas ‘revolutionäres’, solange werden sie nicht ‘mehrheitsfähig’ werden.”
    Lieber Gen. systemcrash,
    das ist – mit Verlaub -, solange Du nicht sagst, was Du denn für “grundlegendere schichten der ‘wirklichkeit’” hälst, eine Phrase!“

    das hab ich gesagt, z B das “biologische”. zu glauben, dass “biologische” spiele in der geschlechterfrage keine rolle (da nur eine ‘soziale’ angelegenheit) ist ideologische engführung. die denunziation einer solchen position als ‘biologismus’ ist dann nur die logische konsequenz dieser borniertheit, die sich ‘rrrrevolutionär’ dünkt.

    [für leute, die es genau wissen wollen, ich unterscheide folgende ‚ebenen des kosmos‘:
    a) physiosphäre („unbelebte natur“)
    b) biosphäre („belebte natur“)
    c) noossphäre (entspricht der menschlichen kultur/geistesentwicklung)
    ***
    d) {vorsicht! jetzts wirds hard core ‚idealistisch‘} „theosphäre“ („gott“, GEIST, brahman/atman, DAO, das EINE, „Weltgeist“, buddha-natur, Omega-punkt, archetypen* etc pp)

    [* die archetypen sind zwar eine „grundlegendere ebene“, aber nicht unbedingt „theosphärisch“]

    „Ich lasse mal den ersten Teil dahinstehen und beschränke mich auf vehemente Zustimmung zu der queeren These, daß der Sex zwischen den Ohren und nicht zwischen den Beinen stattfindet.”

    ja, AUCH wäre richtiger. aber ansonsten findet sex natürlich auf allen ebenen gleichzeitig statt.

    “Ich bin dagegen der Ansicht, daß Differenzen, die nicht nur Differenzen zwischen (zufälligen) Individuen, sondern Differenzen zwischen Gruppen von Individuen sind, gesellschafts-strukturelle Bedeutung haben – also Herrschaft und Ausbeutung implizieren.”

    dann wird es immer “herrschaft” und “ausbeutung” geben.
    ich bin jedenfalls für eine gesellschaft freier INDIVIDUEN, wo jede/r nach seinem/ihrem gusto glücklich werden kann (ich will jedenfalls keine “tugendwächter”, weder “linker, “rechter” noch “feministischer” art! [zusatz: das ist auch der widerlich-reaktionäre aspekt des (gleichheits)feminismus]). und zu dieser freiheit gehört auch die BETONUNG der differenten geschlechtereigenschaften. wenn dies im NAO prozess als ‘sexismus’ gewertet wird, dann ist das nicht mein verein. (übrigens müsstest du dann auch lesbische butches und femmes als ‘patriarchal’ [reproduzierend] kritisieren. aber männliche ‘feministiker’ sind ohnehin tragik-komische figuren; schliesslich war ich selber einer, bis mich eine FRAU davon geheilt hat)

    Genau diese Vergeschlechtlichung von “eigenschaften” gilt es m.E. aufzubrechen und schließlich zu überwinden.“

    ich bin für eine “individualisierung” von “eigenschaften”, die freilich auch immer ‘geschlechtlich’ sind, da menschen immer natur/kulturverschränkte wesen sind (und sein werden). gott sei dank, möchte ich hinzufügen! – angesichts gewisser leute.

    “Am Differenzfeminismus kann Dir eigentlich nur der Biologismus gefallen – und das ist der Konvervatismus im Partei-Marxismus.”

    gut, dass in deinem ‘verQUERen’ hirn die welt sich immer schön “logisch” “erklären” lässt (philosophisch bist du eigentlich ein “nominalist”, ein wahrer “wortgläubiger”, was auch eine form des “idealismus” ist. wenn es in der bibel heisst “im anfang war das WORT”, dann ist damit genau der LOGOS gemeint)

    aber ich bin weder ein ‘biologist’, schon gar nicht ein ‘partei marxist’, und ich habe mich politisch von anfang an als “anti-feminist” positioniert. den begriff “revolutionär-feministisch” habe ich nur als zugeständnis an den NAO prozess akzeptiert. (dem “differenzfeminismus” kann ich aber sicher mehr abgewinnen als anderen strömungen im feminismus, freilich würde ich “separatismus” immer kritisieren. mein wirkliches interesse am “differenzfeminismus” hat/te allerdings einen anderen hintergrund. da ich mich sehr für religionen interessiere, sprach mich die (wieder)entdeckung und entwicklung einer “weiblichen spiritualität” sehr an).

    ich stimme dir aber zu, dass wir beide politisch nicht in EINE organisation passen (das habe ich aber auch von anfang an gesagt). trotz tatsächlich vorhandener konvergenzen.

    ich werde uns beide aber die peinlichkeit ersparen, dass dies in der SIB “entschieden” wird, da ich fest davon überzeugt bin, dass es keinen sinn macht, einäugigkeit von blinden bewerten zu lassen. ich überlasse dir also gerne das feld (des ‘linken” elends), da ich an die möglichkeit, dass der NAO prozess “politisch erfolgreich” (was immer das heissen mag) sein kann, nie geglaubt habe (mein interesse galt eher der “selbstverständigung”). diese politische aussichtslosigkeit gilt allerdings sowohl für die “traditionsmarxistische” als auch für die “postmoderne” variante. beide pflegen spiegelverkehrt ihre jeweils spezifischen bornierungen. es erübrigt sich daher auch, euch allen hals- und beinbruch zu wünschen.

    „also auf die Überwindung des Geschlechtergegensatzes hinzuarbeiten, was m.E. richtig ist. Da stimme ich Hilton vollständig zu.“

    vive la difference: es lebe der (kleine) unterschied ! 🙂

    http://www.nao-prozess.de/blog/fuer-eine-neue-antikapitalistsiche-revolutionaere-linke-des-21-jahrhunderts/#comment-19543

  2. meine Einschätzung zur (internen) Lage in der SIB

    =================================

    die zuspitzung der auseinandersetzung in der genderfrage kommt für mich nicht überraschend. bislang hatten aber sowohl DG als auch meine wenigkeit darauf verzichtet, ALLE inhalte unserer jeweils DIFFERENTEN politischen (und philosophisch-weltanschaulichen) ansichten in den NAO prozess einzubringen, da wir uns (zunächst) auf die ESSENTIALS beschränken wollten.

    das hat — im grossen und ganzen — sogar gar nicht mal schlecht geklappt, da es zwischen DG und mir durchaus ein grosses feld von übereinstimmung (oder zumindest ANNÄHERUNG) tatsächlich gibt.

    diese methode versagt jetzt aber in der gender debatte (die race frage klammer ist jetzt hier bewusst aus, da dies noch weniger inhaltlich bearbeitet ist, und zwar sowohl von mir persönlich als auch SIB/NAO “intern”). und dafür gibt es auch objektive gründe. die gender debatte verlangt ein viel höheres mass eines interdisziplinären vorgehens als die rein “politisch” oder “sozial” definierten essentials. darum konnte der “linke flügel” ein relativ hohess mass an übereinstimmung in der ORGDEBATTE im engen sinne erzielen. rein methodisch (von der logik der SIB essentials her) könnte man die genderfrage durchaus auch zu der erweiterten programmdebatte zählen. darauf hat man aber verzichtet, weil das na endlich papier den brückenschlag zum postautonomen und (revolutionär)feministischen lager zum zentralen gegenstand hat.

    ob man diese entscheidung “gut” oder “schlecht”, “falsch” oder “richtig” findet, ist jetzt eigentlich unerheblich, da das kind eh in den brunnen gefallen ist und man die NAO uhr auch nicht mehr auf “null” stellen kann. allerdings bedeutet diese entscheidung (falls es eine bewusste entscheidung war), dass man die inhaltliche basierung des NAO prozesses an einer frage (mit) festmacht, die meines erachtens EINES (von ZWEI) der schwersten themenkomplexe der “radikalen linken” überhaupt ist (sind). der zweite themenkomplex ist die einschätzung des “realsozialismus” [stalinismus].

    während man den “stalinismus” aber mit einiger berechtigung als “historisches thema” (erst mal) “zurückstellen” konnte, ist dies natürlich bei der gender frage nicht möglich, da sie eine AKTUELLE STRATEGISCHE FRAGE revolutionärer politik(en) darstellt.

    meines erachtens ist der SIB/NAO prozess mit DIESEM thema heillos überfordert. DG nutzt die gunst der stunde (da stimmungsmache gegen systemcrash sicherlich viel widerhall findet) um sein eigentliches politisches anliegen — die ausweitung des “auonom/feministischen” einflusses im NAO prozess — voranzutreiben. der einzige (in der SIB), der genügend autorität und substanz hat/hätte, dem etwas entgegenzusetzen, ist der genosse Micha Schilwa, der als einziger beim “sexismus” vorwurf (gegen mich) umsicht zeigte und sich nicht von (politisch billigen) ressentiments leiten liess. trotz meiner politischen differenzen mit dem genossen Schilwa rechne ich ihm das sehr hoch an!

    die politischen “lager” in der SIB sind durch die genderdebatte durchaus verworrender geworden. während man vorher doch relativ klar eine einteilung in “links”, “zentrum” und “rechts” vornehmen konnte, ist dies verkompliziert worden. denn zusätzlich zum “links/rechts”-schema kommt jetzt noch der gegensatz “(traditions)marxistisch vs. postmodern/autonom/feministisch” dazu. wenn ich das richtig einschätze, haben sowohl der gen. Schilwa (vom “zentrum”) und systemcrash (vom “linken flügel”) zur zweiten “polarisierung” eher eine “vermittelnde” (integrierende ?) haltung. dass eine “rein traditionsmarxistische” NAO politisch keine zukunft hätte ist für mich dabei unstreitig. allerdings werde ich eine NAO als “vorfeldstruktur” eines “autonomismus/feminismus” (und das wäre die konsequenz aus der linie DG, paeris, [mit abstrichen] interkomm) ebenfalls nicht mittragen!

    wenn also der NAO prozess in der jetztigen situation noch vorwärts kommen will, dann wird die frage (ehrlich und schonungslos) zu klären sein: gibt es genügend schnittstellen zwischen autonomismus, feminismus und marxismus (in allen [historischen] strömungen), die eine gemeinsame revolutionäre organisation ermöglichen?

    wenn ich ganz ehrlich sein soll: ich neige zunehmend dazu, diese frage zu VERNEINEN. – der versuch war es allerdings wert 😉

    http://www.nao-prozess.de/blog/fuer-eine-neue-antikapitalistsiche-revolutionaere-linke-des-21-jahrhunderts/#comment-19869

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