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Dürfen KommunistInnen S/M-Sex praktizieren?

„Die genossenschaftliche Ordnung, die auf die zivilisierte Zusammenhanglosigkeit folgen wird, läßt weder Mäßigung, noch Gleichheit, noch irgendeine der philosophischen Meinungen zu; sie verlangt nach glühenden und verfeinerten Leidenschaften.“ — Charles Fourier*

Kommentar zu einer ‚linken Politposse‘

feministisch-‚linker‘ moralismus oder historisch-ganzheitliche wissenschaft?

in der SIB (gesamt NAO prozess noch unklar) ist eine interessante „debatte“ entstanden. aufgrund der differenzen in der essential erstellung über die frage des „revolutionären subjekts vs subjektE“ hat dieser punkt jetzt eine weitere (vermutlich finale) zuspitzung erfahren.

der genosse (nicht gegendert) DGS_TaP — der selbsternannte ‚frauenbeauftragte‘ im SIB/NAO prozess — , der aufgrund seines „dekonstruktivistischen“ geschlechterbegriffs meint, sein mann-sein bereits emanzipatorisch-revolutionär-feministisch überwunden zu haben (und sich sogar selbst als ‚lesbe‘ bezeichnet! – ja, der wahn-sinn kann recht vielfältige formen annehmen) geht von der gleichrangigkeit der kategorien Klasse, Geschlecht und Rasse aus („rasse“ ohne anführungszeichen, da er diesen begriff verwendet, aber im de-konstruierten sinne, nicht affirmativ). der „(traditions)marxistische“ standpunkt ist dagegen, dass die klasse der lohnabhängigen (so, ab heute wird nicht mehr gegendert, dass ging mir nämlich schon auf die eier 😉 !) mit ihrer eigenen emanzipation ALLE unterdrückungsverhältnisse aufheben muss.

ich hatte mich dann — nach anfänglich schwersten bedenken –zu der position durchgerungen, den standpunkt von DG als im rahmen einer pluralen revolutionären organisation vertretbar zu akzeptieren. dies halte ich auch aufrecht.

mittlerweile ist die diskussion aber in die richtung gegangen, dass es auch nötig sei, die kritik am „patriarchat“ auch auf dinge wie werbung, erotische bilder, pornografie und sexuelle praktiken auszudehnen, getreu dem alten motto: das private ist politisch.

es kommt für mich nicht überraschend, dass diese dinge jetzt auf den tisch kommen. nicht was den zeitpunkt betrifft, aber es war klar, dass die diskussion irgendwann auch diese themen ansprechen wird. und ich wusste auch, dass eine eskalation unvermeidlich sein wird.

ich versuche meine haltung möglichst plausibel im gegensatz zur ‚feministischen‘ position darzulegen – dann soll/kann sich jeder selbst eine meinung bilden.

erst mal zum spruch „das private ist politisch“.

ja, dieser satz stimmt. in privaten verhältnissen (beziehungen, hausarbeit, sexualität) reproduzieren sich AUCH ‚patriarchale‘ verhältnisse. aber was ist die konsequenz? sollen menschen auf beziehungen und sexualität deswegen verzichten (was eh nicht geht), weil die missionarsstellung so schrecklich ‚reaktionär‘ ist? DG ist jedenfalls für eine kritik an S/M praktiken, vermutlich nur die, wo der mann der dominante part ist. dies ist erstens reaktionäres ‚linkes‘ tugendwächtertum und zweitens geht es niemandem etwas an, was leute in ihren schlafzimmern — einvernehmlich — treiben. um es mit einem vergleich etwas anschaulicher zu machen: natürlich ist der schleier ein ausdruck patriarchaler verhältnisse, trotzdem hat eine frau das recht, einen zu tragen, wenn sie das will. da kann es für einen demokraten (erst recht für einen kommunisten) eigentlich keine missverständnisse geben.

genauso ist sicher werbung, erotische fotos und pornografie häufig ’sexistisch‘, trotzdem würden kommunisten niemals für eine verbotsforderung eintreten.

genauso verteidigen kommunisten das recht auf freie religionsausübung, ohne unbedingt selber religiös sein müssen, weil sie es als privatangelegenheit ansehen.

die trennung von privat und politisch ist eine errungenschaft der bürgerlichen revolution, die auch kommunisten verteidigen. solche basalen dinge scheinen für feministen (jedenfalls für manche männliche feministiker) schon unüberwindliche politische hürden darzustellen. vlt sollte sich DG besser einem revolutionären häkelclub anschliessen?!

wie eine „herrschaftsfreie kommunistische sexualität“ der zukunft auszusehen hat, darüber brauchen wir uns wirklich keinen kopf zu machen. das werden die assozierten der freien produzenten schon selber rauskriegen.

und vlt ist das „herrschaftselement“ für viele sogar ein zusätzlicher „kick“ im sex, auf den sie gar nicht so gerne verzichten mögen. 😉

__________

  • danke an bronsteyn für den hinweis auf Fourier 
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5 Kommentare zu “Dürfen KommunistInnen S/M-Sex praktizieren?

  1. Bert Brecht: An die Nachgeborenen
    ======================

    Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
    Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
    Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
    Hat die furchtbare Nachricht
    Nur noch nicht empfangen.

    Was sind das für Zeiten, wo
    Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
    Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
    Der dort ruhig über die Straße geht
    Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
    Die in Not sind?

    Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
    Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
    Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
    Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)

    Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
    Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
    Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
    Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
    Und doch esse und trinke ich.

    Ich wäre gerne auch weise.
    In den alten Büchern steht, was weise ist:
    Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
    Ohne Furcht verbringen
    Auch ohne Gewalt auskommen
    Böses mit Gutem vergelten
    Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
    Gilt für weise.
    Alles das kann ich nicht:
    Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

    II

    In die Städte kam ich zur Zeit der Unordnung
    Als da Hunger herrschte.
    Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs
    Und ich empörte mich mit ihnen.
    So verging meine Zeit
    Die auf Erden mir gegeben war.

    Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
    Schlafen legte ich mich unter die Mörder
    Der Liebe pflegte ich achtlos
    Und die Natur sah ich ohne Geduld.
    So verging meine Zeit
    Die auf Erden mir gegeben war.
    Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit.
    Die Sprache verriet mich dem Schlächter.
    Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
    Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
    So verging meine Zeit
    Die auf Erden mir gegeben war.

    Die Kräfte waren gering. Das Ziel
    Lag in großer Ferne
    Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
    Kaum zu erreichen.
    So verging meine Zeit
    Die auf Erden mir gegeben war.

    III

    Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
    In der wir untergegangen sind
    Gedenkt
    Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
    Auch der finsteren Zeit
    Der ihr entronnen seid.

    Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
    Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
    Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

    Dabei wissen wir doch:
    Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
    verzerrt die Züge.
    Auch der Zorn über das Unrecht
    Macht die Stimme heiser. Ach, wir
    Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
    Konnten selber nicht freundlich sein.

    Ihr aber, wenn es so weit sein wird
    Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
    Gedenkt unserer
    Mit Nachsicht.

    http://www.schmidt-salomon.de/brecht.htm

  2. Mail von Bronsteyn
    ============

    Lieber Systemcrash,
    ich habe die ganze Diskussion beiläufig verfolgt, aber mich bisher mit einer Stellungnahme völlig zurückgehalten, einfach weil ich zur Zeit ganz andere Prioritäten habe.
    Aber trotzdem erlaube ich mir jetzt einige Bemerkungen dazu.
    Hast du jetzt verstanden, worauf dieser “Poststrukturalismus” hinausläuft?
    Richtig, auf Mobbing als politische Strategie.

    Das war schon früher erkennbar. Ich erinnere mich noch sehr gut an Erzählungen von Frauen aus den frühen 90er Jahren, die sich als “Macker-Frauen” von diesen Fanatikern gemobbt fühlten.
    “Macker-Frauen” waren nach dieser Lesart nicht nur Frauen, die sich in Bzeiehungen mit Männern befanden, sondern alle, die auch nur solche anstrebten.
    Entsprechende politische Zusammenhänge platzten natürlich auseinander.
    So wundert das ganze Szenario mich nicht im geringsten.
    Trotzdem noch einige Bemerkungen zu dieser gesamten Konstruktion (denn etwas anderes ist es nicht), was sich “Poststrukturalismus” nennt.

    Ja, diese Leute sind wirklich der Meinung, die Realität liesse sich über die Sprache verändern.
    Das ist des “Pudels Kern”.
    Wenn Sprache nach dieser Theorie schon Realität schafft (was eine völlig absurde Annahme ist und den Erkenntnissen der Sprachwissenschaft in keiner Weise entspricht), dann kommt man natürlich auf die “Idee”, die Realität durch Sprache zu verändern. Genauer gesagt, verändern zu wollen.
    Reglementierung der Sprache soll also die Befreiung von “Herrschaftsverhältnissen” bringen.
    So wird nach dieser Logik durch die Einführung des Binnen-i das “Patriarchat” “aufgebrochen”.
    Was machen da nur die armen Chinesen, Japaner und Koreaner, deren Sprachen gar keinen Genus (kein Geschlecht) kennt?

    Entweder diese Regionen waren dann niemals dem Patriarchat unterworfen, oder aber, sie müssen ewig in patriarchaler Verdammnis schmachten.
    Nicht besser ergeht es den Basken in Europa, deren Sprache auch keinen Genus kennt.
    Schließlich wurde ja auch durch die Abschaffung des Wortes “Neger” auch der Rassismus abgeschafft, nicht wahr?
    (Wer Ironie darin findet, darf sie behalten)
    Aber hier geht es ja um mehr.
    Du warst so unklug (auch das ist ironisch), dich “aus dem Bauch heraus” zu äussern.
    Tut man das denn, Systemcrash?
    Wo kämen wir da hin, wenn das jeder täte?
    Jetzt wird es aber ernst.

    Ja, diese Leute meinen tatsächlich, nicht nur durch Reglementierung der Sprache die Realität verändern zu können, sondern, mehr noch, durch Reglementierung der (einvernehmlichen) menschlichen Sexualität.
    Das ist ja jetzt glücklicherweise wie von selbst deutlich geworden.
    Ja, ich spreche von menschlicher Sexualität, nicht nur von der von Männern.
    Gerade habe ich das bekannte Buch “Die sexuellen Phantasien der Frauen” von 1985 vorliegen und überfliege die Überschriften der Kapitel (das entsprechende Gegenstück “Die sexuellen Phantasien der Männer”, gleiche Autorin, ist mir leider verloren gegangen).
    Welch ein Abgrund von politisch inkorrektem Sex!
    Erschütternd.
    Die notwendige Umerziehungsarbeit durch poststrukturalistische Aufklärungsaktivisten wird in die Jahrtausende gehen!
    Es betrifft ja nicht nur die politisch völlig inkorrekte Konstellation (sexuell) dominanter Mann – (sexuell) submissive Frau.

    Umgekehrt ist es ja auch ein Greuel, denn es handelt sich schließlich dabei nur um die kompensatorische Umkehrung der HERRschenden Machtverhältnisse, nicht wahr?
    Zwar sagen einige mir bekannte Untersuchungen in dieser Hinsicht (sexuelle Phantasien und Wunschvorstellungen) zwar, dass die Verteilung von submissiver und dominanter sexueller Orientierung überhaupt nicht geschlechtsspezifisch ist, sondern tendenziell bei beiden Geschlechtern ungefähr gleich verteilt ist (mehrheitlich submissiv, da hast du tatsächlich recht), aber was tut das schon zur Sache?
    Ein Großteil der vielfältigen sexuellen Orientierungen hat mit dem zu tun, was die Sexualpsychologie als “Machtgefälle” bezeichnet.
    Aber… das ist alles pfui bäh!

    Denn es ist, so wird dir jeder Poststrukturalist erklären, ja nichts anderes als die Wiederspiegelung von gesellschaftlichen HERRschaftsverhältnissen.
    Nicht nur die Wiederspiegelung, sondern auch deren beständige Reproduktion.
    Also alles pfui bäh, was mit Machtgefällen in sexuellen Phantasien und einvernehmlichen Praktiken zu tun hat.
    Aber nicht nur diese sind anzugreifen!

    Wie ist es zum Beispiel mit der Polarität Voyeurismus und Exhibitionismus?
    Lax gesprochen könnte man sagen: “Exhibitionist-inn-en machen Voyeur-in-nen eine Freude und umgekehrt”.
    Poststrukturalistisch betrachtet ist das alles ganz anders.
    Ist ein Mann ein Voyeur und die Frau Exhibitionistin (z.B. beim sogenannten Strp-Tease), so ist das ohnehin zutiefst verwerflich und verdorben.
    Aber wie ist es, wenn ein Mann Exhibitionist ist und eine Frau Voyeurin.
    Solche Shows gibt es ja auch!

    Ich hoffe, ich muss nicht ausführen, dass die Zurschaustellung eines zuckenden Unterleibs durch einen Mann vor den Augen einer Frau zutiefst frauenverachtend ist, auch wenn die Frau das ausdrücklich genau so will (sie hat eben das Patriarchat internalisiert).
    Erdmutterfantasien (Nancy Friday) fallen da natürlich auch als verwerflich und verdorben flach, denn das reproduziert patriarchale Rollenmuster, das wird dir jeder Postrukturalist genau erklären, auch wenn er von Mythologie keinen blassen Schimmer hat.
    Über Prostitution als sexuelle Fantasie von manchen Frauen (auch Nancy Friday) brauchen wir wohl gar nicht zu reden.

    Sagen wir es ganz einfach: so ziemlich 90 % aller bekannten Spielarten der Sexualität, aller sexuellen Orientierungen (unabhängig von der Geschlechtszugehörigkeit sowohl als sex als auch als gender) sind demnach pfui bäh und müssen verändert werden. Möglicherweise sogar “ausgemerzt”.
    Gewiss, gewiss, es fehlen den Poststrukturalisten leider die Machtmittel, um ihre Regelmentierung der menschlichen Sexualität zugunsten eines höheren Ziels auch praktisch durchzusetzen (und ich bin guter Hoffnung, dass sie niemals über diese Machtmittel verfügen werden).
    Fragt sich, was dieses höhere Ziel denn wohl ist.
    Jedenfalls ist eines poststrukturalistisch klar: sind mal Sprache und Sexualität der Menschen ordentlich gesäubert, dann wird alles gut.

    Das höhere Ziel soll also “Herrschaftsfreiheit” sein, Freiheit von “jeder Unterdrückung”.
    Unterdrückung? Unterdrückung von was?
    Darf die Frage auch mal gestellt werden?

    Mir fallen da einige passende Sätze vom großen utopischen Sozialisten Charles Fourier ein.
    “Die Moralisten wollen die Leidenschaften in eine Richtung lenken, die ihrer Natur widerspricht. Was haben sie nicht alles während zweitausend Jahren gepredigt, um die sinnlichen Triebe zu zügeln und zu verändern, um uns einzureden, der Diamant sei ein wertloser Stein, das Gold ein wertloses Metall, Zucker und Gewürze seien wertlose, verächtliche Erzeugnisse und die Hütte, die einfache rohe Natur sei dem Palast des Königs vorzuziehen? So versuchten die Moralisten, das Feuer der Leidenschaften zu löschen.”
    “Die Leidenschaften, die man für Feinde der Eintracht gehalten und in Tausenden von Büchern bekämpft hat, die in Vergessenheit geraten werden, diese Leidenschaften fördern im Gegenteil die Eintracht, die gesellschaftliche Einheit, von der wir sie so weit entfernt wähnten. Sie werden aber nur dann miteinander harmonieren können, wenn sie sich in progressiven, aus Gruppen bestehenden Serien regelmässig entwickeln.

    Außerhalb dieses Mechanismus sind die Leidenschaften wie losgelassene Tiger, unfassbare Rätsel. Darum sagen die Philosophen, man müsse sie bändigen: eine doppelt unsinnige Anschauung, denn erstens kann man sie nicht bändigen, und zweitens würde die Zivilisation, wenn jeder seine Leidenschaften bändigte, rasch zurückfallen.”
    “Die genossenschaftliche Ordnung, die auf die zivilisierte Zusammenhanglosigkeit folgen wird, läßt weder Mäßigung, noch Gleichheit, noch irgendeine der philosophischen Meinungen zu; sie verlangt nach glühenden und verfeinerten Leidenschaften.”
    “Zur Einführung guter Sitten bedarf es einer Gesellschaftsordnung, die es versteht, dem Feuer der Leidenschaften gereht zu werden und ihrem indirekten und schädlichen Aufflug vorzubeugen, nämlich der nach rückwärts gerichteten, verdrängenden Bewegung, einem Grundübel der Zivilisation in allen ihren Phasen.”
    Ja, somit ist der Poststrukturalismus ein typisches Produkt der Grundübel der ZIvilisation, wobei für Zivilisation hier nach Auffassung von Friedrich Engels auch “bürgerliche Gesellschaft” stehen könnte.
    Denn Marx und Engels waren bekanntlich von Charles Fourier so begeistert, dass Engels sogar davon sprach, Fourier habe das “Ei des Kolumbus der Sozialwissenschaften gefunden”.
    Zurück zum Poststrukturalismus und seinen Bestrebungen zur Gründung einer “Jugendliga gegen die Sexualität” (aus “1984″ von George Orwell).

    Ja, du hast völlig recht, dieser “feministisch-autonome”Poststrukturalismus ist völlig unvereinbar mit marxistischen Politikansätzen.
    Er hält selbst nicht ein, was er verspricht, kann es auch nicht einhalten, weil sein Wesen (von einzelnen diskutablen Ansätzen abgesehen) im Grunde repressiv und reaktionär ist, gerichtet gegen die Leidenschaften der Menschen.
    Denn wenn wir von Unterdrückung sprechen, so können wir allen Ernstes nur von Unterdrückung von Leidenschaften sprechen, denn Leidenschaften sind die Triebfeder ALLER Menschen jenseits aller Klassifizierungen und “Zuweisungen”.
    Sowohl die Unterdrückungsverhältnisse, die unmittelbar auf dem Kapitalverhältnis beruhen, als auch die auf rassistische oder sexuelle Diskriminierung begründete sind letztlich Unterdrückung der Leidenschaften der betreffenden Menschen.

    Hier positioniert sich der “autonom-feministische Poststrukturalismus” eindeutig auf der Seite der Unterdrückung der Leidenschaften, und zwar in einem Maße, das weit über Repression durch Diktaturen und neoliberalen Angriff auf den Lebensstandards der grossen Mehrheit der Bevölkerung hinausgeht.
    Ihr Trachten reicht bis zur “Korrektur” sexueller Phantasien Und Wunschvorstellungen von Menschen im Sinne ihrer politischen Linie.

    Nur mit dem Unterschied, dass diesen Leuten leider leider die erforderlichen Machtmittel fehlen.
    Ihnen bleibt nur die Sprache.
    Mit der wollen sie also die Realität verändern.
    Nicht nur das Mittel ist untauglich, auch das Ziel ist widerwärtig.
    Ich schrieb mal, mir würde “die janze Richtung nicht passen”.
    Ich ergänze: ich finde sie auch absolut widerwärtig.

    Das ändert nichts daran, dass ich Judith Butler meinen höchsten Respekt bekunde für ihre Parteinahme für die Palästinenser und Foucault zugute halte, dass er sehr kluge Dinge über “Verrücktheit” geschrieben hat.
    Dixi et salvavi animam meam.
    (Ich habe gesprochen und meine Seele gerettet)
    Sonst möchte ich mich zu dem Thema nicht mehr äussern.

    B.I.Bronsteyn

    http://www.nao-prozess.de/blog/absage-an-den-autonom-feministischen-poststrukturalismus/

    http://bronsteyn.wordpress.com/2012/12/02/absage-an-den-autonom-feministischen-poststrukturalismus/

  3. aufgrund eines aktuellen artikelprojektes bin ich jetzt auch wieder auf dieses thema zurückgekommen. die grundsätzliche stossrichtung des obigen artikels halte ich weiter aufrecht. aber meine haltung zu SM-sexualität hat sich etwas differenziert. ich sehe auf der einen seite das unabdingbare recht auf eine konsensuelle sexualität, aber auf der anderen seite gibt es natürlich auch einen zusammenhang von sexualität und herrschaft. dieser zusammenhang kann aber nicht durch reglementierungen und politisch korrekten verhaltensvorschriften (oder gar verboten) überwunden werden, sondern nur durch die arbeit an der eigenen bewusstseinsentwicklung. und dies ist jetzt nicht einfach nur so dahingesagt, sondern ist meine selbst erlebte ERFAHRUNG. (dies ändert natürlich nichts daran, dass es auch gesetzliche bestimmungen zum schutz geben muss [z .b. bei vergewaltigungen]. aber straftatbestände sind eben was anderes als einvernehmliche sexualpraktiken; auch wenn sie einem selber nicht gefallen mögen.)

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