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Brüder(le) im Geiste

flotte_biene

ein paar kurze anmerkungen zur „sexismus“ debatte 

eigentlich wollte ich mich zu diesem thema nicht äussern.

erstens mag ich es nicht, auf irgendwelche medientrends aufzuspringen. zweitens ist mir schon die genderdebatte beim NAO prozess (der, wenn man die webseite von denen betrachtet, ziemlich am boden zu liegen scheint) tierisch auf die ei … ähh … nerven gegangen!

da diese thematik aber unleugbar eine weiterreichende politische dimension hat, habe ich mich schweren herzens durchgerungen, ein paar zeilen in die tasten zu hauen.

zum „fall Brüderle“ selbst will ich mich nicht äussern, da ich die medienberichte nicht alle kenne. aber offensichtlich ist es dieser stern-journalistin gelungen, eine grössere diskussion loszutreten. das ist die eigentliche bedeutung dieser — aus meiner sicht — (weitgehend) mediengesteuerten kampagne. (und es sei daran erinnert, in den 70er jahren war der stern das ziel wütender feministischer proteste in sachen sexismus. Alice Schwarzer höchstselbst vorne weg!)

ob dahinter ein taktisches kalkül steckt, Brüderle oder der ganzen FDP zu schaden, weiss ich nicht und ist mir auch relativ egal. fakt ist jedenfalls, man braucht definitiv nicht irgendeinen politiker ein jahr lang zu begleiten, um bei ihm „sexistisches“ verhalten festzustellen. in einer patriarchalen kultur wäre es höchst merkwürdig, wenn ein (biologischer) mann nicht auch (sozial) sexistisches verhalten zeigen würde. an jeder strassenecke kann man dokumente und denkmäler der (sexuellen) verfügbarkeit des „weiblichen“ entdecken. dabei ist dieser umstand durchaus ambivalent zu bewerten: was auf der einen seite eine gefährliche verdinglichung und objektivierung darstellt, drückt auf der anderen seite aber auch durchaus ein stück „weibliche (gegen)Macht“ aus und stellt eine verzerrte form der anerkennung der beherrschenden Macht der sexualität und der leidenschaften dar.

darum ist es auch nicht damit getan — wie es die linken femi-moralisten tun (leider nicht nur die pomos, sondern auch teile der traditionslinken)  — „sexistisches“ verhalten einfach zu verdammen. vielmehr wäre es nötig, die geschlechterfrage aufzugreifen, für einen „dialog auf (anzustrebender) augenhöhe“, in dem beide seiten ihr „unbehagen an der kultur“ zum ausdruck bringen könn(t)en, und zum BEIDERSEITIGEN VORTEIL veränderungen (bei sich und in der gesellschaft) zu ermöglichen. (das recht auf autonome und separate organisierung stelle ich dabei aber nicht infrage. halte sie aber — zumindest langfristig — für kontraproduktiv.)

(ja, liebe „links-femi-moralisten“ — wenn ihr es auch nicht glauben könnt — , auch für männer hat das patriarchat schwere NACHTEILE !)

brüder_le

Birgit Kelle hat in einem artikel zur Brüderle debatte meines erachtens viel richtiges gesagt. auch wenn die frau eine katholische fundamentalistin sein sollte, mit diesem worten spricht sie mir aus dem herzen:

„Auch nach weiteren 100 Jahren Feminismus werden die Männer nicht in der Lage sein, Gedanken zu lesen. Werden sie uns Frauen falsch verstehen, falsch behandeln und falsch ansprechen. Selbst wenn sie es gut meinen. Weil wir unterschiedlich sind, unterschiedlich denken, unterschiedliche Erwartungen haben. Wenn wir also ein bestimmtes Verhalten nicht wollen, müssen wir es auch aussprechen. Müssen wir selbst die Grenze ziehen und diese deutlich machen. Und es gibt so viele Grenzen, wie es Frauen gibt.

Wir besitzen Macht. Macht über Männer, nichts zeigt dies deutlicher als die unsägliche Brüderle-Geschichte. Wir können mit einer Beschuldigung einen Mann und eine Karriere ruinieren. Wir besitzen Macht, weil Männer auf weibliche Reize reagieren. Weil wir sie damit viel häufiger in der Hand haben, als ihnen lieb ist, und vor allem, weil wir das wissen. Wieso ist es in Ordnung, dass Frau ihr Aussehen strategisch einsetzt, aber nicht in Ordnung, dass Mann darauf reagiert? Wir dürfen also alles tun, um uns gut in Szene zu setzen, es soll uns aber bloß keiner drauf ansprechen? Wie viele Frauen warten nur darauf, dass ein Mann reagiert? Wenn aber der Falsche auf die Signale anspringt, dann ist er Sexist. Nein Ladies, so geht es auch nicht.“ http://www.freiewelt.net/blog-4951/dann-mach-doch-die-bluse-zu%21.html

ich würde diesen worten nur eine bemerkung anfügen: die „Macht“ der frauen, von der Frau Kelle spricht, ist zwar real, ist aber selbst durchaus ein zweischneidiges schwert. in einer patriarchalen welt, in der frauen strukturell  geringere partizipationsmöglichkeiten besitzen, bleibt häufig nur der (narzisstische) rückzug auf die optische aussenwirkung als einzig mögliche „Machtquelle“ (was auch kulturell frauen ansozialisiert wird).

die wirkliche Macht — in den schaltstellen von wirtschaft und politik — bleibt weiterhin fest in den händen der vertreter des „männlichen prinzips“ (einschliesslich der weiblichen „führungskräfte“).

der „weibliche narzissmus“ — als leiser, sanfter oder romantisch-ambivalenter „protest“ gegen das (kapitalistisch-ökonomische) leistungsprinzip — wirkt dabei sogar als komplementäre stütze des patriarchats (von der stärkung der mode- und kosmetik-industrie mal ganz zu schweigen 😉 ).


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Ein Kommentar zu “Brüder(le) im Geiste

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