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Organisation als Mythos (2. Teil und Schluss)

Ginge es im ersten Teil um die Geschichte der Vierten Internationale und inwieweit heutzutage eine mögliche anknüpfung an die revolutionäre tradition möglich ist, ohne zugleich in ein heilloses „sektenwesen“ zu verfallen, soll im zweiten teil noch mal das verhältnis von kontinuität und bruch deutlich schärfer beleuchtet werden und daraus aufgaben einer radikalen linken in postmodernen zeiten abgeleitet werden. Ich möchte hier aber noch mal darauf hinweisen, dass ich keine „geschichte der Vierten Internationale“ schreiben kann, sondern dass es mir nur darauf ankommt, anknüpfungspunkte für revolutionäre kontinuität (die äusserst marginal sind) aufzuzeigen und für heutige Organisationspolitik fruchtbar zu machen.

beim thema kontinuität und bruch müssen mindestens zwei themen angeschnitten werden. das erste ist die zäsur des faschismus, die bis heute verhindert hat, dass die arbeiterbewegung nach 1945 wieder auf ihrem alten stand anknüpfen konnte. das alte selbstbewusstsein war zerstört worden und aufgrund der gegenseitigen schuldzuweisungen aufgrund der unterschiedlichen politiken von SPD und KPD in bezug auf die bekämpfung des NS wurde die elementare orientierung auf die „einheitsfront“ unterminiert. auf die art wurde eine ehrliche aufarbeitung der NS Niederlage nicht durchgeführt und die anhänger der kommunistischen und sozialdemokratischen partei blieben unter sich. später beteiligten sich die SPD sogar an der antikommunistischen Hatz, was dann natürlich endgültig jede form von bündnispolitik unmöglich machte.

im gegenzug dazu verstärkte natürlich die gewachsene repression im ostblock die antikommunistische stimmung und diese vermengte sich häufig mit reaktionären politischen ansichten, wo es schwierig wurde, „freund“ und „feind“ voneinander zu unterscheiden. Trotzdem waren sowohl der Ostberliner Arbeiteraufstand 1953 als auch der Ungarische Aufstand 1956 von ihrer ausrichtung her eindeutig prosozialistisch und in Ungarn gab es sogar einen gewählten Arbeiterrat! so etwas gab es leider in Ostberlin nicht, aber es hätte der beginn einer antibürokratischen Revolution im ganzen ostblock werden können.

Wir hatten ja schon bereits darauf hingewiesen, dass die frage des stalinismus keineswegs einheitlich in der Vierten Internationale behandelt wurde. gerade in den 50er Jahren — mitten im Koreakrieg — spalteten sich die anhänger von Tony Cliff ab und behandelteten die sog. „Staatskapitalisten“ wie „Imperialisten“, wofür sie aus der Vierten Internationale ausgeschlossen wurden.

in den 60er Jahren trat die einzige Massenpartei einer sektion der Vierten Internationale (die LSSP auf Sri Lanka) der Volksfront-Regierung von Bandaranaike bei und wurde dafür ebenfalls aus der Internationale ausgeschlossen. Natürlich ist es nichts ungewöhnliches, dass je grösser eine politische gruppe wird, auch dementsprechend der politische druck wächst, aber es ist natürlich gerade bitter für die ohnehinschon gebeutetelte „Vierte Internationale“, wenn ausgerechnet die einzige gruppe mit Masseneinfluss sofort alle prinzipien aufgibt, wenn es um die fleischtöpfe der Macht geht.

in asien hat es durchaus auch noch andere trotzkistische grupppen mit bedeutetendem einfluss gegeben, z b in Vietnam, aber die haben diesen einfluss teilweise wieder durch leichtsinn oder durch stalinistischen verrat verloren. auch in lateinamerika hat es hoffnungsvolle entwicklungen gegeben. aber insgesamt muss man sagen, dass man mehr oder weniger immer diese schlangenlinige von aufwärts- und abbwärtsbewegungen in der entwicklung trotzkistischer gruppen sehen kann. woran es auch immer liegen mag, aber ab einen bestimmten politischen grösse scheint es sehr schwierig zu sein, eine gewisse interne konsolidierung herzustellen.

die letzte grosse welthistorische zäsur war der zusammenbruch der sowjetunion. seitdem ist viel wasser den rhein runtergeflosssen und der jubelschrei des neoliberalismus über das „ende der geschichte“ hat sich als verfrüht herausgestellt. der kapitalismus befindet sich seit ende der 90er in einer der heftigsten krisenperioden seit ende der 20er, aber die linke kann daraus keinen politischen gewinn schlagen. gerade in einer solchen politischen lage wäre es wichtig, mit „einheitsinititativen“ und „aktionseinheiten“ das selbstvertrauen der linken grupppen zu stärken und eine debatte über programm, organisation und strategie breit zu führen.

die ansätze, die damals im NAO prozess gemacht wurden, waren ja gar nicht schlecht. wenn man nicht die „klassenorientierung“ aufgegeben und durch „postmodernen feminismus“ ersetzt hätte, hätte das ganze durchaus eine solide grundlage haben können. jetzt ist wahrscheinlich durch eigenes verschulden eine spaltung des NAO prozesses erforderlich, wenn man das ganz wieder auf einen revolutionären kurs schieben will (falls das überhaupt möglich ist und gewollt ist). durch die eigenen hablheiten und unausgegorenheiten haben die NAO-protagononisten sich ihr eigenens hindernis vor die nase geschoben, was ohne sie selbst viel kleiner gewesen wäre.

ob daraus nochmal ein sinnvoller ansatz für eine revolutionär-antikapitalistische organisation entstehen kann, bleibt abzuwarten. den Eindruck, der der NAO prozess jedenfalls auf seiner WEB-site macht, ist jedenfalls ziemlich daniederschmetternd. Die debatten waren schon mal eindeutig inhaltlich weiter!

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