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Organisation als Mythos – Nachtrag

DGS hat jetzt in einer antwort auf Micha P. versucht, eine art resume aus dem NAO fiasko zu ziehen. obwohl zumindest seine organisationspolitischen vorstellungen viel klarer sind als die von SIB/GAM wird es auch ihm nicht gelingen, aus dem NAO prozess noch irgendwie leben herauszuquetschen*). diese chance wurde vertan und jetzt kann man nur noch abwarten, was passiert, um vlt irgendwann an eine sinnvolle initiative anzuknüpfen.

allerdings gibt es eine ganze menge baustellen, die beackert werden müssen, bevor man über das thema organisation überhaupt nur in ansätzen nachdenken kann.

1) obwohl ich in vielen punkten mit DG mitgehen kann, sehe ich keine möglichkeit einer kooperation von „postfeminismus“ und (noch so pluralistischen) marxismus.

2) eine art „linke opposition“ im NAO prozess (beispielsweise RSB und IBT) macht keinen sinn, da diese gruppen so klein sind, dass eine umgruppierung keinen erkennbaren vorteil bringt und dementsprechend keine politische orientierung sein kann. ich bin zwar selbst ursprünglich von einem eher „engen“ umgruppierungskonzept ausgegangen, aber wenn von vornherein klar ist, dass man nicht aus seinem „sektenmilieu“ herauskommt, bringt das ganze auch nichts. vlt gäbe es noch die chance auf eine kooperation mit moderaten teilen der pomos (DG und teile der Iks), aber da müsste man sich schon sehr um eine annäherung bemühen. den gruppen selbst (intern) würde es sicher gut tun, mal auch etwas anderen input von aussen zu bekommen, aber das allein reicht noch nicht für eine echte gesellschaftliche verbreiterung; und sie müssten ja auch bereit sein, über teile ihres eigenen politischen schattens zu springen. sind sie das?

3) das scheint jetzt eine art politische durststrecke zu werden, die einige in grösseren organisationen (PDL, IL, UG etc) verbringen werden, andere werden sich ganz ins private zurückziehen und einige werden die zeit nutzen für theoriearbeit als vorbereitung auf eine neue politische konjunktur. die letzte option scheint mir die sinnvollste zu sein, denn mir ist klar geworden, dass es noch so viele fragen gibt, die keineswegs „geklärt“ sind, die uns spätestens dann um die ohren fliegen, wenn man als „organisation“ gemeinsame positionen beziehen muss; selbst dann, wenn sie keine aktuelle relevanz haben.

halten wir uns also daher weiter an Antonio Gramsci:

„Man muss nüchterne, geduldige Menschen schaffen, die nicht verzweifeln angesichts der schlimmsten Schrecken und sich nicht an jeder Dummheit begeistern. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.“

* )
„Es ist zu bezweifeln, ob im NaO-Prozeß überhaupt noch relevante Diskussionen geführt werden.“

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22 Kommentare zu “Organisation als Mythos – Nachtrag

  1. Hallo Gen. systemcrash,

    Du schreibst:

    „eine art ‚linke opposition’ im NAO prozess (beispielsweise RSB und IBT) macht keinen sinn, da diese gruppen so klein sind, dass eine umgruppierung keinen erkennbaren vorteil bringt und dementsprechend keine politische orientierung sein kann. ich bin zwar selbst ursprünglich von einem eher ‚engen’ umgruppierungskonzept ausgegangen, aber wenn von vornherein klar ist, dass man nicht aus seinem ‚sektenmilieu’ herauskommt, bringt das ganze auch nichts. vlt gäbe es noch die chance auf eine kooperation mit moderaten teilen der pomos (DG und teile der Iks), aber da müsste man sich schon sehr um eine annäherung bemühen.“

    Ja, in der Tat gehen die Überlegungen von einigen GenossInnen im NaO-Prozeß genau in die von Dir angedeutete Richtung: eine Fortsetzung des Diskussionsprozesses zwischen RSB, IBT, [paeris] und InterKomm, hoffentlich auch RIR – gerne auch mit den anderen sich als RevolutionärInnen verstehenden Kräften im NaO-Prozeß, sofern sie denn bereit sind, noch etwas anderes als NaO-Gründung im Alleingang zu machen, bzw. sich nicht einfach zurückziehen.
    Du hast Recht: Wenn auch daraus später mal eine Organisationsgründung werden soll, müsste sich „schon sehr um eine annäherung bemüh[t]“ werden. Aber das Gute an dem von uns vorgeschlagenen Weg, zunächst nur einen Block revolutionärer Gruppen und noch keine Organisation zu gründen, scheint mir zu sein, dass er heute weniger inhaltliche Einigkeit erfordert als eine Organisationsgründung, aber die Möglichkeit eröffnet, in einem geduldigen Diskussionsprozeß mehr Gemeinsamkeiten zu erarbeiten, die dann tatsächlich eine Organisationsgründung tragen.

    PS.:
    Daß sich der NaO-Prozess im letzten ¾ Jahr so entwickelt hat, wie er sich entwickelt hat, lag auch ein bisschen daran, dass Du Dich gleich aus dem Staub gemacht hast, nur weil Du wegen Deiner Positionen zum Geschlechterverhältnis – m.E. weiterhin zurecht – heftige Kritik einstecken musstest. – Da Du auch gut austeilen kannst, wäre es nicht schlecht, wenn Du auch gut einstecken könntest. 😉

    • lieber DG,

      dass ich als polemiker bekannt bin, ist klar (aber ich bin schon ruhiger geworden 😉 ) und dementsprechend muss ich auch mit entsprechender kritik rechnen. und das tue ich eigentlich auch. aber bei der „genderdebatte“ sind eindeutig grenzen verletzt worden (vlt auch von mir), die mir eine politische weiterarbeit nicht sinnvoll erschienen liessen. (auch auf einer ‚persönlichen‘ ebene)

      ich habe die zeit ja auch durchaus nicht ungenutzt gelassen und bin über die gegenwärtige situation auch gar nicht so unzufrieden, wie man vlt meinen könnte. was die zukunft bringt, weiss ich natürlich auch nicht, aber NAO prozess ist bei mir erst mal innerlich abgehakt. natürlich werde ich mich weiter den politischen fragen widmen, die mich interessieren, aber ich werde mich nicht mehr durch übertriebene selbstgesetzte ziele unter druck setzen (lassen); und mir auch zeit nehmen für dinge ausserhalb der politik 😉

      grundsätzlich sehe ich weiterhin die notwendigkeit einer politischen organisation, die sich über die einigung revolutionärer mindeststandards realisiert. mit den ursprünglichen essentials hätte ich das für möglich gehalten. bei der integration des ‚postfeminismus‘ kann ich zumindest NICHT mehr mitgehen. allerdings glaube ich auch nicht an eine zukunft des ‚traditionsmarxismus‘, wenn da nicht grundlegende erweiterungen stattfinden.
      es bleibt daher weiter spannend 😉

      systemcrash

  2. Martin Suchanek von der GAM hat jetzt ebenfalls eine NAO bilanz vorgelegt: http://www.nao-prozess.de/blog/nao-prozess-am-wendepunkt/

    wenn man allein sich die darstellung der vorhandenen differenzen im NAO prozess zu gemüte führt, muss wirklich jedem mit einigermassen gesunden menschenverstand (ja, auch der ist manchmal wichtig!) klar sein, dass von einer organisationsgründung nun wirklich nicht die rede sein kann. ihm ist aber absolut zuzustimmen, wenn er schreibt:

    „Wir wollen an dieser Stelle aber auch nichts beschönigen. Der NAO-Prozess ist im letzten Jahr insgesamt deutlich hinter seinen Vorhaben und Erwartungen zurückgeblieben. Ein weiteres Jahr in diesem Schneckentempo wird er kaum überleben.“

    • Und was vermutest Du als Trotzkist und Trotzkismus-Kenner anhand des Zitates: Ist das das Vorspiel dafür, daß die GAM demnächst erklären wird, daß ihr eine NaO nur mit den paar Figuren der SIB (und vielleicht noch der im politischen Leben Berlins nicht in Erscheinung tretenden isl) zu mickrig ist? Oder ziehen sie ihre Mini-NaO auch zu Zweit oder Dritt durch?

      Mein Kommentar zu Martins Text:
      http://theoriealspraxis.blogsport.de/2013/07/31/zuspitzung-im-nao-prozess-sib-und-gam-gegen-fast-alle/

      • das ist für mich als jetzt NAO outsider schwer zu beantworten. das hat auch weniger mit dem „trotzkistischen“ selbstanspruch der GAM zu tun. ich würde aber sagen, dass ich die variante des alleingangs für wahrscheinlich halte. ich glaube auch gar nicht mal, dass es die GAM auf die SIB (oder gar isl) abgesehen hat, sondern dass sie einfach hoffen, dass NAO ein selbstläufer, im sinne der mandelistisch/pabloistischen (hier wirds wieder trotzkologisch 😉 ) „eigendynamik“, wird.

        obwohl die GAM vom anspruch her eigentlich diesen zentrismus ablehnt, hat sie niemals grundlegend mit dieser methodik gebrochen. dies wirkt sich jetzt eben auch im NAO prozess aus.

        und sie versucht mit allen möglichen tricks, diesen widerspruch vor sich selbst zu verbergen (wie z B mit der „doppelstrategie“ seinerzeit auf der sommerdebatte)

  3. [paeris] sagt immer, es solle sich darum bemüht werden, auch die Rationalität abweichender politischer Positionen zu verstehen – statt sie einfach als ‚wahnsinnig‘ o.ä. abzutun. Das ist auf alle Fälle richtig.

    Trotzdem verstehe ich überhaupt nicht, wie SIB und GAM meinen können, eine allein von ihnen und vielleicht noch der isl gebildete „NaO“ könne ein Selbstläufer werden. – Verstehst Du, was die immanente Logik dieses Optimismus ist?

    —–

    Interessant finde ich auch noch diesen Satz in Martins Text:

    „Eine gemeinsame Praxis beschränkte sich hauptsächlich auf Berlin. Das muss sich im nächsten Jahr ändern, ansonsten verkommt das NAO zu einer größeren Lokalgruppe.“

    Das hört sich etwas anders an, als die NaO-prozeß-intern verlautbarte Orientierung der SIB (erst einmal) auf eine Berliner NaO…

  4. die immanente logik ist ein opportunistischer impuls aus der notlage der eigenen schwäche heraus: da wir selbst nicht in der lage sind, die bewegung anzuführen, müssen es andere tun. diese haben zwar nicht das revolutionäre programm wie wir, aber die „dynamik“ wird sie schon dahin treiben; und wir bilden das salz in der suppe dafür und drücken sie nach links.

    eigentlich menschlich durchaus nachvollziehbar …

    —-

    die sache mit der „lokalgruppe“ ist mir in seiner bedeutung nicht klar. vermutlich meint die GAM, dass eine NAO, die sich nicht auf das bundesgebiet ausweitet, ihre funktion nicht erfüllen kann. was nicht ganz falsch ist.
    während die SIB eine starke berliner gruppe vlt als gute „übergangssituation“ betrachtet.
    das ist jetzt aber nur von mir rein hypothetisch spintisiert 😉 ….

    • @ „Lokalgruppe“: Ja, so wird das sein. Die Frage ist nur, wie lange die „‚Übergangssituation'“ werden wird und wie schnell die GAM dann ungeduldig wird…

      @ „Dynamik“: Ist das ein theoretischer Begriff des ‚Pablismus/Mandelismus‘? Wurde der irgendwo entwickelt? Ist das so eine Art spontaneistischer Geschichtsoptimismus/-determinismus auf rechts-trotzkistisch?

  5. @Dynamik
    ein „theoretischer“ begriff ist das nicht. er wurde nur SEHR gerne von Mandel und den Mandelisten verwendet – bis heute.
    ist alles richtig, was du sagst, aber hauptsächlich ist es ein „objektivismus“, der den subjektiven faktor (partei) unterschätzt, also liquidatorentum.

    entwickelt wurde er in den 50er jahren vom damaligen führer der vierten internationale, ein gewisser Michel Pablo, der dem stalinismus ein revolutionäres potential andichtete.
    das beste, was m e dazu geschrieben wurde, stammt von der alten spartacist tendenz: „ursprünge des pabloismus“ http://www.bolshevik.org/deutsch/archiv/urspruenge_des_pabloismus.html

    • Danke! Das: „‚Die Revolution‘ wird stillschweigend zu einem metaphysischen, kontinuierlich andauernden und unvermeidlich zum Siege voranschreitenden Prozess umgedeutet“ – das paßt ganz gut, aber leider nicht genauer erläutert – statt dessen geht es viel um Entrismus und Osteuropa nach dem II. Weltkrieg.
      Gibt es noch irgendetwas mehr zu dem optimistischen bias der Einschätzung des Massenbewußtseins / spontaner Kämpfe? – Kommt dieser Optimismus immer nur ad hoc zustande oder hat er eine bestimmte theoretische Ursache (die der IV. Internationale und Liga für die V. Internationale gemeinsam ist)?

  6. hmm … das ist jetzt eine recht philosophische frage. da kennst du dich eigentlich besser aus. grundsätzlich würde ich sagen, dass der marxismus eine gewisse geschichtsmetaphysische dimension hat (oder hatte), aufgrund der herkunft aus dem hegelismus, der bei manchen recht stark betont wurde. ob marx da ganz unschuldig war oder nicht, kann ich nicht beurteilen. eine art schema der geschichte, was zu einem glaubensbekenntnis wurde und das proletariat als messias erkoren wurde. lenin hat da in „was tun“ gegengesteuert, aber im grunde wurde diese geschichtsphilosophie nie richtig problematisiert. vlt erst mit dem postmodernen paradigmenwechsel.
    für mich ist das schwer zu beantworten, wie das genau zusammenhängt. auf der einen seite sehe ich schon die objektive faktoren und ihre „gesetze“, auf der anderen seite geschieht in der politik nichts ohne den subjektiven willen und es gibt null „garantien“, nichts ist in stein gemeisselt. dies ist für viele schwer zu ertragen. vlt ist der marxismus eine ersatzreligion, braucht religiöse unterstützung und die, die charakterlich stark genug sind, reicht der „optimismus des willens“ (Gramsci) aus sich heraus aus. alles drei halte ich für legitim, es darf aber nur nicht die sicht auf die welt und die politische analyse und praxis verzerren. genau DAS ist aber bislang immer geschehen und hat die ewigen spaltungen mit verursacht. es besteht immer die gefahr in objektivismus, aber auch subjektivismus abzurutschen. gerade die geschichte des trotzkismus hat da skurillste beispiele. auf welcher grundlage da aber eine gesunde balance (BEIDE faktoren spielen immer eine rolle) gehalten werden kann – die frage überfordert mich gerade 😉 .

    aber ein organisationenbündnis könnte auch gut als gegenseitiges korrektiv verschiedener tendenzen funktionieren. solange die philosophischen voraussetzungen vereinbar sind.
    beim marxismus und ‚postfeminismus‘ scheint mir das nicht mehr gegeben zu sein …

  7. „Dreiundvierzig Jahre meines bewußten Lebens bin ich Revolutionär gewesen; zweiundvierzig Jahre habe ich unter dem Banner des Marxismus gekämpft. Wenn ich von vorne beginnen könnte, würde ich natürlich versuchen, den einen oder anderen Fehler zu vermeiden, aber die große Linie niemals ändern. Ich werde als proletarischer Revolutionär, als Marxist, als dialektischer Materialist und folglich als unversöhnlicher Atheist sterben. Mein Glaube an eine kommunistische Zukunft ist heute noch stärker als in meiner Jugend.“ — Leo Trotzki, Testament

    obwohl den atheismus betonend, was ist das anderes als ein glaubensbekenntnis? die geschichte kennt schon den weg. daraus erwächt der optimismus.

    dass die sache auch im atomaren holocaust enden könnte – was sagt der kommunistische weltgeist dazu?

    letztlich liegt die entscheidung — und damit die freiheit — immer beim einzelnen. das ist zumindest mein diskussionsstand 😉

  8. ps. es könnte möglicherweise noch einen anderen aspekt geben.
    im trotzkismus gab es immer tendenzen, eine ambivalenz von lenin und luxemburg zugunsten eines „luxemburgismus“ zu entscheiden. dies könnte auch eine rolle spielen, scheint mir aber in diesem kontext vernachlässigbar zu sein.

    im NAO prozess selbst könnte diese frage aber durchaus noch relevant werden, wenn ich da an einige texte von Tino denke

  9. Danke für die Verlinkung. –

    Noch mal zurück zur Optimismus-Frage – du schreibst zwar:

    „im trotzkismus gab es immer tendenzen, eine ambivalenz von lenin und luxemburg zugunsten eines ‚luxemburgismus‘ zu entscheiden. dies könnte auch eine rolle spielen, scheint mir aber in diesem kontext vernachlässigbar zu sein.
    im NAO prozess selbst könnte diese frage aber durchaus noch relevant werden, wenn ich da an einige texte von Tino denke“

    Aber mir kommt das durchaus plausibel vor – bei Tino eh (der hat sich ja dazu explizit schon geäußert); bei der GAM weiß ich nicht, ob es von ihr explizite Stellungnahmen zu den Lenin-Luxemburg-Kontroversen gibt.

    Und Du hast zwar Recht, daß es schon bei Marx teilweise einen Hang zu generellen, geschichtsoptimistischen Aussagen gab. – Aber hatte das auch seine Fähigkeit zur Analyse konkreter historischer Situationen beeinträchtigt?

    Und dann gab es die von Dir angesprochene Kur durch Lenin – die ja bei einigen LeninistInnen gewirkt hat, und bei anderen, die sich auch als LeninistInnen verstehen (siehe GAM), aber nicht. – Das wirft die Frage auf: Welche anderen Einflüsse kamen da zum tragen?

    — Luxemburg ist da eine Kandidatin, was die Überschätzung spontaner Bewegungen anbelangt.

    — Und noch mal zurück zu Pablo: Der war eher nicht so der große Theoretiker, sondern eher der pragmatische Macher? Oder warum läßt sich für dessen Optimismus keine klare theoretische Ursache ausmachen?

    PS.:
    Ich guckte heute zufällig noch mal auf einen anderen IBT-Text, wo auch etwas zum Optimismus steht:
    „The attempt to paint Besancenot’s ‘left majority’ as a group of naïfs being pushed towards acting as a revolutionary instrument recalls similarly optimistic projections by Ernest Mandel, Michel Pablo and others in the LCR’s political tradition regarding an endless succession of Stalinists, petty-bourgeois guerrillas, Third World bonapartists and assorted non-proletarian ‘blunt instruments’.“
    http://www.bolshevik.org/1917/no32/ibt_1917_32_03_NPA.html

    Ich würde das ungefähr wie folgt übersetzen:

    „Der Versuch Besancenot’s ‚linke Mehrheit‘ [in der NPA] als eine Naivlinge zu zeichnen, die [künftig] dazu gedrängt werden als revolutionäres Instrument zu handeln, erinnert an ähnlich optimistischen Projektionen von Ernest Mandel, Michel Pablo und anderen aus der politischen Tradition der LCR, die eine endlose Reihe von StalinistInnen, kleinbürgerlichen Guerillas, bonpartischen Regimes in der Dritten Welt und allen möglichen nicht-proletarischen Kräften als ‚[noch] ungeschliffene [revolutionäre] Instrumente‘ sahen.“

    Bleibt trotzdem die Frage: War das nur eine politische Fehlorientierung? Oder hat sie eine theoretische Fehlorientierung, die unabhängig von den einzelnen Beispielen kritisiert werden kann, zur Ursache?

  10. das sind jetzt aber fragen, die ganz schön ins eingemachte gehen.

    a) marx. also ich denke auch, dass marx TROTZ hegelerbe, unverzerrte historisch-politische analysen leisten konnte. der 18. brumaire/bürgerkrieg in frankreich dürfte da wohl da paradebeispiel sein.

    b) in der tat, wenn es versuche gibt, lenin und den leninismus als dogmatisch/bürokratisch auszuhebeln, läuft das über luxemburg. und interessanterweise über den JUNGEN trotzki. inwieweit das historisch auch berechtigt ist, ist eine zweite frage.

    c) du hast völlig recht, „pabloismus“ ist keine „theorie“, sondern eine politische methodik, ein opportunistischer impuls, der aus der not eine tugend macht. aber Mandel, der nun ein theoretiker war, wenn auch mit stark impressionistischen gelüsten, hat Pablo niemals widerstand geleistet. und die „antipabloisten“ (Lambert, Healy, Cannon) waren einfach „othodoxe dogmatiker“, die die texte von trotzki nicht auf „neue weltrealitäten“ (Mandel) anwenden konnten. so haben die einen gedacht, der stalinismus sei revolutionär, weil jetzt der ganze ostblock ein „bürokratischer arbeiterstaat“ sei, und die andereren haben in den sowjetischen einflusszonen nur kapitalistische staaten gesehen (auch kuba). bis heute gibt es stark erkennbare tendenzen bei lambertisten und healyisten (den heutigen North anhängern, wsws, PSG) zwischen stalinismus und imperialismus eigentlich gar keinen klassenunterschied zu ziehen. so hat sich vor kurzem ein PSGler in einem artikel darüber beklagt, dass Angela Merkel den NSA nicht mit der STASI vergleichen will !!!!! http://www.linkezeitung.de/index.php?option=com_content&view=article&id=16362:bundeskanzlerin-verteidigt-westliche-geheimdienste&catid=27&Itemid=32

    d) GAM. tja, ab hier wirds schwierig für mich. es gibt nun mal das phänomen oppositioneller strömungen des „linkspabloismus“ (GAM, RSB, MI), die aber selbst nicht mit dem pabloismus brechen. warum das so ist, frag mich nicht! vlt bräuchte man da mehr mehr Freud als politische theorie. 😉 https://systemcrash.wordpress.com/2013/01/18/die-grenzen-des-linken-pabloismus/

    die theoretische fehlorientierung ist aber auf jeden fall ein zurückweichen vor der bedeutung des eigenen „subjektiven faktors“. berechtigung erhält dieses zurückweichen dadurch, dass man skurrilen subjektivismus vermeiden möchte, um nicht als sekte zu enden.

  11. nur damit keine missverständnisse aufkommen: auch wenn ich mit den organisationspolitischen vorstellungen von DGS sympathisiere, so trennen uns trotzdem grosse politische unterschiede, die mit den ursprünglichen fünf SIB essentials auch nichts zu tun haben. so schreibt er in einem heutigen blog-kommentar (http://www.nao-prozess.de/blog/zum-stand-des-nao-prozesses/#comment-95416):

    „: Die revolutionäre NaO, die ich für richtig halte, ist keine schlichte Neuauflage der Bolschewiki und schon gar nicht der ML- und T-Gruppen der 70er und 80er Jahre; vielmehr wäre sie eine ‚leninistische’ Organisation auf der Höhe der heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse und des heutigen Standes der politischen und wissenschaftlichen Diskussionen:“ […] „sozusagen so etwas wie ein feministisch-dekonstruktivistisch modernisierter Kommunistischer Bund…“

    meines erachtens läuft dies auf einen fraktionsstatus der pomos hinaus (oder gar auf eine spaltung). denn weder die „rechts“trotzkistischen noch „links“trotzkistischen gruppen werden da mitgehen (vlt in ansätzen isl und RSB ?) können. obwohl so eine formation vlt sogar wertvolle politisch-theoretische impulse geben könnte, würde ich aber nicht für das entstehen so einer formation eintreten.

    der ganze NAO prozess ist nach 2 1/2 jahren in so ein durcheinander geraten, dass ich es für äusserst unwahrscheinlich halte, dass da noch mal klarheit reinkommt. DG versucht zwar, bis zu einem gewissen grad, die uhr noch mal zurückzudrehen, aber er besteht eben auf den dekonstruktivismus und postfeminismus, und auf der grundlage ist keine einigung zu erzielen. und da selbst die protagonisten der ursprünglichen fünf SIB essentials an diese nicht mehr glauben (richtiger: nie geglaubt haben), ist dieser zug wohl endgültig abgefahren. und ein alleingang auf der SIB/GAM linie kann nur zu einem scheitern führen.

    ich bleibe daher bei meiner entscheidung, dem NAO prozess fernzubleiben, werde aber natürlich weiter beobachten und ggfls. auch was schreiben, wenn es mir wichtig erscheint.

  12. Die von Dir angesprochene Frage ist ja nur von begrenzter Dringlichkeit – wenn zunächst einmal ein Revolutionärer Block, der politische Praxis zu den Themen, zu denen Übereinstimmung besteht, entfaltet, und noch keine NaO gründet wird:

    Dann können die Diffenrenzen ja in Ruhe weiterdiskutieren werden – und am Ende sehen wir, welche GenossInnen welche NaO oder welche NaO.en (… Organisationen – Plural) gründen.

  13. „da selbst die protagonisten der ursprünglichen fünf SIB essentials an diese nicht mehr glauben (richtiger: nie geglaubt haben),“

    Ich denke schon, daß sie die Essentials anfangs ernstgemeint hatten – genauso wie ihren Flirt mit den ‚Postautonomen‘. Genauso ernst hatten sie aber auch ihren anfänglichen Zeitplan genommen: ‚1.000 ernsthaft Interessierte innerhalb eines 1/2 – 3/4 Jahre’…

    Das Problem scheint mir also das beständige Schwanken der SIB zwischen Euphorie, Pessimismus und Voluntarismus zu sein – also ein grundlegender Mangel an Geduld.

    Aufgrund irgendwelcher Andeutungen, Überlegungen – was genau ich weiß nicht, jedenfalls wohl nur Kneipengespräche – kamen sie auf diese Avanti-Idee. Dann hatten sie das „Na endlich“-Papier einfach rausgehauen, ohne sich noch mal rückzuversichern. – Und dann war der Katzenjammer groß, als von Avanti lange Zeit gar keine und dann eine abschlägige Antwort kam.

    Auch unabhängig von Avanti kamen die 1.000 Leute nicht annährend an Land – und dann setzte Torschlußpanik ein: Es soll(te) endlich etwas gegründet werden. Und seitdem wird versucht, jedes Hindernis mit einem Gewaltakt nach dem anderen aus dem Weg zu räumen.

    Inhalte müssen her! Was sollen wir uns da mit den/r (Ausformulierung der paar) Essentials aufhalten?! Schreiben wir doch gleich ein ganzes „Manifest“!

    Wir wollen etwas gründen! Warum dann nur einen Revolutionären Block?! Wenn wir es nur wollen, dann können wir auch gleich eine NaO gründen…

    IBT, InterKomm, isl und [paeris] haben grundsätzliche Bedenken gegen die Manifest-Idee überhaupt und konkret gegen den Schilwa-Entwurf – dann laßt uns doch einfach die Manifest-AG ohne diese vier Gruppen tagen…

    Diese vier Gruppen und auch der RSB halten nichts von einer schnellen NaO-Gründung. Na ist doch egal! Dann laßt und doch zu zweit – SIB und GAM – eine (Berliner) NaO gründen. Wenn wir die anderen gehörig unter Druck setzen, dann werden sie schon nachziehen.

    Nur warum sollten wir?! – auf einen Zug aufspringen, der in den Abgrund rast? –

    Was sie anscheinend nicht verstehen oder jedenfalls nicht berücksichtigen, ist, daß sie mit dieser Methode niemandeN erfolgreich unter Druck setzen, sich ihnen anzuschließen, sondern sie reihenweise Leute verprellen.

    DG versucht zwar, bis zu einem gewissen grad, die uhr noch mal zurückzudrehen

    Nee, würde ich nicht sagen: Zwar hat die SIB Entscheidungen getroffen, die ich für falsch halte und die sich nicht so schnell ‚zurückholen‘ lassen werden. Aber der NaO-Prozeß hat noch keine wirklich falschen Entscheidungen getroffen.

    M.E. war es richtig, Tino das letzte 1/2 Jahr scheinbar machen zu lassen – und währenddessen die eigenen Bataillon zu sammeln.

    Ich sage nicht, daß ‚wir‘ die letzte Schlacht im NaO-Prozeß gewinnen werden – aber die letzte Schlacht im NaO-Prozeß ist noch nicht geschlagen.

  14. Michael Schilwa hat bei scharf links eine antwort auf DGS geschrieben; in einem zeimlich gereizten ton, wie ich finde.

    http://www.scharf-links.de/266.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=37804&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=79ae6dc8fd

    m e bestätigt M. Schilwa die hier geführte diskussion zwischen DG und mir: die SIB (GAM) hofft auf einen „ausstrahlungseffekt“, ohne ausreichende inhaltliche basierung.

    „Und wir hoffen natürlich, dass sich Andere in anderen Städten dadurch zu ähnlichen Aktivitäten ermuntern lassen.“

    von daher erwarte ich vom NAO projekt nicht mehr viel; langfristig KANN der ganze laden nur baden gehen. politisch ist das ganze nichts anderes als eine auf ‚radikal‘ getrimmte vorfeldstruktur mit (breiten) reformistischen appetiten (ich denke da besonders an die griechenland-debatte), die entweder zur LINKEn heimat führt, in resignation endet oder vlt finden auch ein paar eine heimat in irgendeiner gruppe der radikalen linken. ich denke, wir können als ergebnis festhalten: NAO = NLO 2.0 –> beim wiederbelebungsversuch gestorben 😉

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