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Spielen wir ein bisschen ‚revoluzzen‘ …

Ein Kommentar zu Michal Schilwa, Auf zum letzten Gefecht

„Bei NAO sind alle richtig, die den Kapitalismus nicht verbessern, sondern abschaffen wollen.

Aber wie genau wir den Kapitalismus abschaffen, darüber reden wir am Besten, wenn wir eine Organisation aufgebaut haben, die die Machtfrage nicht nur in Dokumenten, sondern wenigstens ansatzweise real stellen kann.“ — Michael Schilwa [SIB]

im grunde ist in diesem EINEM zitat das ganze elend des NAO projekts ausgedrückt. man hat zwar kein programm, aber man ist gegen „kapitalismus“. man weiss zwar nicht ganz genau, was kapitalismus ist, aber wir wollen ihn „abschaffen“. (nur nebenbei, auch der ’nationalrevolutionäre‘ flügel des faschismus ist [verbal] ‚antikapitalistisch‘. darum hatte ich vor einiger zeit den vorschlag gemacht, den begriff „transkapitalistisch“ zur abgrenzung zu verwenden; natürlich ohne hoffnung, dass dies tatsächlich einer aufgreift. 😉 )

die „Machtfrage“ real stellen, aber nicht wissen, wie der fahrplan aussieht; ja, das passiert gar nicht so selten. im „arabischen frühling“ haben wir das gesehen, zuletzt in der türkei. und ende der 70er jahre im iran beim sturz des Schah. immer wurde die „Machtfrage“ real gestellt, aber heraus kam kein „sozialismus“ oder ein „arbeiterstaat“ (falls in der SIB solche feinen differenzierungen vorgenommen werden), sondern nur andere regimeformen (meistens noch reaktionärer), aber immer noch auf BÜRGERLICHER GRUNDLAGE.

offensichtlich ist es gar nicht so leicht, „den kapitalismus abzuschaffen“. ein gewisser stand der produktivkraftentwicklung ist von nöten und ein bewusstsein dafür, die eigene arbeitskraft nicht als zu verwertende ware anzusehen, sondern in eine solidarisch-kollektive ökonomie einzubringen in dem vertrauen, dadurch abgesichert zu sein (nur so kann das wertgesetz überwunden werden, und nur global). aber sowas entsteht natürlich durch die „dynamik der kämpfe“ von alleine! wozu eine partei mit einem programm, das als kollektives gedächtnis dient? die „Massen“ kennen schon den weg alleine, und wir „linken“ müssen ihnen nur den letzten schubs geben, dann kommen sie schon zu uns.

diese zugegebenermassen überzogen dargestellten gedanken sind im kern die ganze weisheit des NAO prozesses: objektivismus und spontaneismus. darum auch die verachtung für wirklich ernsthafte programmatische diskussionen bei der NAO mehrheit (in den worten von Schilwa: „kräfte der vernunft und des fortschritts“). auch wenn das manchmal anstrengend ist, aber eins ist sicher: es gibt dafür keine abkürzung.

man muss nicht für alle fragen gleich eine lösung parat haben. auch ich wüsste nicht, was meine haltung zu Nord-Korea ist. aber in einem kriegsfall/militärischen konflikt (der ja gar nicht so unwahrscheinlich ist) MÜSSTE man aber eine haltung dazu haben. ich weiss also nicht, mit welcher berechtigung sich Schilwa über die IBT lustig macht („u. a. so relevante Fragen wie „Verteidigung des degenerierten Arbeiterstaates Nordkorea““). so eine form von arroganz wird doch letztlich nur durch borniertheit und theoretische beliebigkeit gespeist. und spielt mit workeristischen ressentiments gegen die notwendigkeit der bildung von avantgardeorganisationen. ein spiel mit dem feuer, was sich auch mal gegen einen selbst richten kann!

hätte man an die ursprünglichen SIB essentials (also klassenorientierung und nicht postfeminismus oder antagonistische praxis) festgehalten, hätte aus der initiative durchaus was sinnvolles entstehen können. jetzt ist sie nur mehr eine politische leiche mehr auf dem haufen gescheiterter linker projekte.

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4 Kommentare zu “Spielen wir ein bisschen ‚revoluzzen‘ …

  1. Pingback: “den kapitalismus abzuschaffen” – gar nicht so einfach zu machen! « Theorie als Praxis

  2. DG hat jetzt einen teil des alternativen „manifest“- entwurfes veröffentlicht, der wohl von paeris, IK und IBT als „arbeitsgrundlage“ (also nicht allen punkten gemeinsam getragen) favorisiert wird:

    „„20 Jahre nach dem vermeintlich endgültigen Sieg des ‚besten aller Gesellschaftssysteme’ und vor allem seit dem Ausbruch der weltweiten kapitalistischen Wirtschafts- und Finanzkrise, die zeitlich mit schweren ökologischen Bedrohungen durch Klimawandel, atomaren und chemischen Verschmutzungen sowie Artensterben einhergeht, wird wieder vermehrt über den Kapitalismus geredet. Auch in bürgerlichen Medien und von SPD-PolitikerInnen wird über ihn geschimpft; von der Linkspartei ohnehin. Betteln, im Müll wühlen, Obdachlosen-Zeitungen verkaufen und Flaschen sammeln gelten auch in deutschen Metropolen mittlerweile als ‚Beruf’. Immer mehr Menschen sind gezwungen in prekären und unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnsektor zu arbeiten. Sogenannte Normalarbeitsverhältnisse geraten zunehmend unter Druck: Löhne sinken, Arbeitszeit und Belastungen am Arbeitsplatz steigen.
    In der BRD wie international werden die Reichen reicher und die Armen wieder ärmer. Vielen Jugendlichen – insbesondere in den südeuropäischen Ländern – fehlt eine berufliche Perspektive, die über das Pendel zwischen Erwerbslosigkeit sowie befristeten und schlechtbezahlten Jobs hinausweist. In Südeuropa betrifft die Jugenderwerbsarbeitslosigkeit rund die Hälfe aller Jugendlichen.
    Die Ära, in der es dem Kapitalismus jedenfalls in den imperialistischen Metropolen möglich war, Profitproduktion mit einem wachsenden Lebensstandard der lohnabhängigen Massen zu verbinden, ist jedenfalls vorerst vorbei.
    Daß Sexismus und Mackerverhalten ein Alltagsphänomen ist, erfahren jedenfalls FrauenLesben und Transgender nicht erst seit der Brüderle-Debatte. 2012 kam es weltweit zu Slutwalks, sog. Schlampenmärschen, gegen Schuldumkehr und das öffentliche und private bashing von denjenigen, die sexuelle Gewalt erfahren haben.
    Auch die Diskriminierung von ausländisch Aussehenden besteht weiterhin, und die Gewalt gegen vermeintliche Migrant_innen steigt. Die Art und Weise der Produktion, die sich in der kapitalistischen Produktionsweise durchsetzte und die in technologischer Hinsicht weitgehend auch vom untergegangenen ‚Real’sozialismus übernommen worden war, gefährdet unsere natürlichen Lebensgrundlagen.
    […] kommt es periodisch zu Krisen; in einer solchen Krise befinden wir uns gerade.

    Die aktuelle Krise – ein Punkt auf dem ‚i’ des Kapitalismus

    Denn kapitalistische Krisen entstehen zum einen deshalb, weil immer mehr Kapital angehäuft wird, das wieder in die Produktion investiert werden muß. Zum anderen wird von den einzelnen Unternehmen ohne gesellschaftliche Planung darauf losproduziert, in der Hoffnung die eigenen Produkte absetzen zu können – in Konkurrenz zu anderen Unternehmen. Der Erfolg eines Unternehmens stellt sich erst im Nachhinein heraus, ebenso wie der Erfolg der gesamten Ökonomie. Fehlinvestitionen sind somit keine individuellen Fehlentscheidungen, sondern das Resultat eines planlosen Wirtschaftens. Wenn sie zu Krisen führen, reagiert das Kapital mit der Stillegung unrentabler Produktion, dem Versuch, die Löhne zu senken und die Arbeitsleistungen zu steigern, sowie dem Versuch, den Staat zur Senkung von Sozialleistungen, Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen sowie zu vermehrten Subventionen zu bewegen.
    Dies erleben wir auch gerade: Öffentliche und soziale Leistungen werden abgebaut. Der Lebensstandard jedenfalls von vielen, die kein oder so wenig Vermögen besitzen, daß sie zum Leben darauf angewiesen sind, daß sie selbst oder ihre Angehörigen ihre Arbeitskraft zu verkaufen versuchen oder verkauft haben, soll sinken. Dabei kann sich der deutsche Imperialismus aber aufgrund seiner Stärke in der internationalen Konkurrenz leisten, differenziert vorzugehen: In der BRD sind vor allem die Menschen, die ihren Lebensunterhalt im Niedriglohnsektor verdienen müssen, die KrisenverliererInnen. Da überdurchschnittlich viele MigratInnen und Frauen in diesem Sektor arbeiten, sind insbesondere sie von der Krise betroffen. Gleichzeitig sind zunehmend Frauen die Alleinverdienerinnen, weil der Partner seinen Arbeitsplatz verloren hat. Das alte Familienmodell beginnt sich aufzulösen: Frauen wollen wirtschaftlich unabhängig von ihrem Partner und daher selbst erwerbstätig sein. Abgesehen davon wird diesem Modell auch durch sinkende Reallöhne die Grundlage entzogen. Je tiefer die Krise in einem Land, desto stärker werden öffentliche Dienstleistungen wie Kinderbetreuung und Pflege zusammengestrichen und diese Arbeiten auf die Privathaushalte und dort – gemäß der überkommenen Arbeitsteilung – auf Frauen abgewälzt.
    In Bezug auf die sog. Kernbelegschaften wird dagegen in der BRD weiterhin eine Politik des Klassenkompromisses zwischen Kapital, Regierung und Gewerkschaften praktiziert, während die herrschende Klasse in Ländern wie Griechenland, Portugal, dem Spanischen Staat die ArbeiterInnenklasse frontal angreift. Im Kontext von internationalen Kreditauflagen werden dort massiver Sozialabbau, Lohnkürzungen und Massenentlassungen durchgesetzt. In Deutschland gibt es dagegen leichte Lohnerhöhungen, Abschaffung der Studiengebühren und eine breite Debatte über die Einführung eines Mindestlohnes. In Griechenland wurden die Löhne dagegen um 30 – 40 Prozent gesenkt.
    Dies ist – neben wichtigen historischen und ideologischen Unterschieden – auch ein Grund, warum sich die Sozial- und Krisenproteste in Europa unterschiedlich entwickeln:
    In Deutschland beteiligen sich jedenfalls bisher maximal ein paar zehntausend Menschen an Protesten, häufig aber auch nur ein paar hundert – und die Krisenproteste verdichteten sich hier bisher nicht zu einer eigenständigen sozialen Bewegung. Sie befinden sich damit auf einem niedrigen Stand und treten nur sporadisch öffentlich in Erscheinung. Außerdem ergaben sie sich in erster Linie aus der internationalen Lage und nicht aus den unterentwickelten klassenpolitischen Verhältnissen der BRD, was auch ein Grund für die häufig geringe gewerkschaftliche Beteiligung ist.
    Wir erinnern dagegen an die Streikenden in Madrid und Lissabon, die Protestierenden in Athen und Rom und die Menschen, die im ‚Arabischen Frühling’ ihre Potentaten gestürzt haben. Aber die aktuelle Entwicklung zeigt auch, daß das allein nicht reicht.
    Schauen wir nämlich nach Griechenland, dann müssen wir bei nüchterner Betrachtung feststellen, daß auch dort – also nach mindestens 3 Jahren verschärfter Krise – keine größere revolutionäre Strömung auf der Matte steht. Der Prozeß der Rekonstruktion revolutionärer klassenkämpferischer, kommunistischer oder auch anarchistischer Strömungen, die im Klassenkampf ein gewisses Gewicht haben, ist offenbar sehr komplex, langwierig und nicht am grünen Tisch zu beschließen oder umzusetzen. In Griechenland ist er außerdem mit dem Aufstieg rechtspopulistisch-nationalistischer Kräfte, wie der Unabhängigen Griechen, und militanter FaschistInnen, wie der Goldenen Morgenröte, konfrontiert.
    Die sog. Arabellion bedeutete zwar eine Explosion der Selbsttätigkeit der Massen, die dazuführte, daß einige verhaßte Vertreter des Regimes durch andere ersetzt wurden. Aber das System der Ausbeutung und die Abhängigkeit vom Imperialismus blieben bestehen. Es werden neue Koalitionen von Gruppen der alten Elite, und vor allem der ‚moderat islamischen‘ Opposition, die bisher von der Macht ausgeschlossen war, geschmiedet.“
    http://www.nao-prozess.de/blog/zwei-fragen-an-sib-und-gam-bzgl-programmatik-des-nao-prozesses/

    für mich hört sich das ganz vernünftig an.

    für die problematischen formulierungen im „mehrheitsentwurf“ (3erAG) siehe: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2013/08/10/welche-krisenanalyse-welche-lageeinschaetzung/

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