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Die Zeit ist reif?

Nochmals ein paar Anmerkungen zur linken Organisationsdebatte

„die zeit ist reif“ – das ist das mantra aller linken gruppen, aber irgendwie geschieht trotzdem nichts. der kapitalismus — zumindest in der BRD — bleibt stabil, hat die ZUSTIMMUNG der Massen, und die politischen kräfte, die explizit den kapitalimus progressiv überwinden wollen, sind und bleiben marginalisiert.

im übergangsprogramm heisst es:

„Das ganze Gerede, wonach die geschichtlichen Bedingungen noch nicht „reif“ genug seien für den Sozialismus, ist nur das Produkt der Unwissenheit oder eines bewußten Betrugs. Die objektiven Voraussetzungen der proletarischen Revolution sind nicht nur schon „reif“, sie haben sogar bereits begonnen zu verfaulen. Ohne sozialistische Revolution, und zwar in der nächsten geschichtlichen Periode, droht die ganze menschliche Kultur in einer Katastrophe unterzugehen. Alles hängt ab vom Proletariat, d.h. in erster Linie von seiner revolutionären Vorhut. Die historische Krise der Menschheit ist zurückzuführen auf die Krise der revolutionären Führung.“ — Trotzki

nun gut, das war 1938, und in gewisserweise könnte man sagen , der 2.WK und der faschismus und stalinismus WAREN die „Katastrophe“, die Trotzki voraussagte! allerdings, „untergegangen“ ist die „menschliche kultur“ nicht, und der kapitalismus (und auch stalinismus) erwiesen sich als zählebiger, als Trotzki in seinem revolutionären optimismus dachte. das ist nun allerdings nicht die schuld von Trotzki, aber wir, die wir die „gnade der späten geburt“ besitzen, sollten dann doch wenigstens in der lage sein, zu einer realistischeren bestimmung der ausgangsbedingungen linker organisierung zu kommen.

was die debatte im NAO prozess  so mühsam macht, ist die tatsache, dass die protagonisten im wesentlichen zwei strömungen vertreten, die nicht miteinander vereinbar sind. (dass die SIB ihre eigene ursprungsposition aufgegeben hat, möchte ich hier nicht ausführen. das hat aber DGS sehr ausführlich gemacht.)

–die SIB/GAM (Mehrheit) will eine „breite“ organisation aus „subjektiven revolutionären“ und „antikapitalisten“ (reformisten/gradualisten). so eine organisation wäre a) ein stumpfes schwert, also für revolutionäre politik untauglich, und b), es gehört nicht viel fantasie dazu, zumindest der GAM ein rein taktisches interesse („fischteich“) an so einer organisation zu unterstellen. die SIB, als lupenreine Mandelianer, mögen an so eine „deutsche NPA“ vlt ehrlich glauben, aber das zeigt nur ihre politische naivität.

„„Zentrismus“ als politische Strömung auf der Linken bezog sich ursprünglich auf das „marxistische Zentrum“ in der Vor-WK-1-SPS, auf die USPD, auf die österreichische SPÖ und auf die deutsche SAP. Im wesentlichen war diese Strömung charakterisiert durch ihr Bestreben der Schaffung einer breiten Linkspartei, die sowohl Revolutionäre als auch Reformisten umfassen sollte.
Nicht zufällig gibt es heute, nicht nur in Deutschland, ähnliche Tendenzen, und sie wurden auch schon in der NAO-Diskussion laut.
Ich sehe [es] so: das Streben nach „breiten Linksparteien“ („Breitheit“) ist Prothese, Pseudo-Ersatz für wirkliche Verankerung in breiten Sektoren der Arbeiterklasse (Breite). Programmatische Verwässung und Diffusität soll das vollbringen, was eine fehlende Praxis nicht geliefert hat, nämlich Einfluss, wenn schon nicht auf „die Massen“, so doch wenigstens auf einige Sektoren und Bereiche.“ — Bronsteyn

–der „Rest“ (IK, paeris, IBT, RIR) wollen eine „bündnisorganisation“, d h einen block aus ORGANISATIONEN, die sich selbst als „revolutionär“ verstehen, und sich auf gewisse programmatische mindeststandards einigen, und alle fragen, wo dissenzen bestehen, erst mal ausklammern. („individualmitgliedschaften“ wären bei diesem „blockmodell“ natürlich NICHT möglich, da die mitgliedschaft an die mitarbeit in einer der beteiligten ORGANISATIONEN gebunden wäre)

ich frage alle leser, auch die, die nicht ständig die komplette sektenpresse lesen, welches modell realistischer klingt und mehr aussicht auf erfolg hat. gerade in einer politische lage, die von sehr geringer politischer aktivität und rückständigem politischem bewusstsein geprägt ist, kann die organisierung erst mal nur über die annäherung der subjektiv revolutionären GRUPPEN laufen. in einer späteren phase mag es einen ausstrahlungseffekt auch auf gesellschaftliche bewegungen geben. aber bis dahin ist es noch ein weiter weg.

das ist auch der grund, warum die SIB suggerieren muss, dass der kapitalismus „immer mehr in die krise“ gerät, sogar seine „legitimation“ bedroht sei und „immer mehr menschen“ dies erkennen würden, und nach einer linken alternative ausschau halten würden. dem entspricht natürlich als organisationsmodell eine breite organisation auf der basis eines populistischen antikapitalismus. Dass ist auch das, was die Mandelianer immer schon gemacht haben, nämlich „pseudo-Massen-Arbeit“, nach dem motto „populär: hinterher!“. und dabei das eigene „revolutionäre programm“ möglichst tief unter dem teppich verstecken, damit sich keiner dran erschrecken kann.

während die minderheit weiter an dem klassischen modell der leninistischen umgruppierung (der avantgarde) festhält.

dieses „prinzip hoffentlich“ der SIB, was bei Trotzki (und Bloch) noch einen gewissen realen kern hatte, degeneriert bei ihr endgültig zu einem politischen phantasma der selbstproduzierten illusionen!

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