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Für revolutionären Realismus!

Kommentar zum faktischen Scheitern des NAO Prozesses

an sich ist es keine überraschung, dass der NAO prozess an sein ende gelangt ist, zumindest in der anvisierten politischen spannbreite. es war schon länger erkennbar, dass die inhaltlichen gegensätze zu gross — sprich: unüberbrückbar — waren und sind. ich will darüber aber nicht unken. der ursprüngliche ansatz der SIB mit den fünf essentials war ein sehr vernünftiger. dass ihnen das ganze letztlich über den kopf gewachsen ist und um die ohren geflogen, daran tragen sie aber auch eine gehörige mitschuld.

es hat aber keinen zweck, jetzt in der vergangenheit rumzurühren und schmutzige wäsche zu waschen. wichtiger wäre es, eine ehrliche bilanz zu ziehen und zu gucken, was noch zu retten ist und was man realistischerweise noch machen kann. da ich seit ca. einem jahr nur noch ein aussenstehender beobachter des NAO prozesses bin, kann ich da natürlich nur eher abstrakte gedanken zu beitragen. vielleicht können genossInnen aus den oppositionellen gruppen dazu dann noch was konkreteres zu sagen, wenn sie es möchten.

ich persönlich halte die chance, dass aus gegnern der SIB/GAM linie ein alternativer „NAO Prozess“ (natürlich unter anderem namen) für sehr gering. wie ich bereits in einem kommentar zum bericht über die manifest AG-sitzung von DGS schrieb:

„ich persönlich schätze die chancen eher gering ein.
a) es handelt sich um sehr kleine gruppen
b) man wird erst mal gefrustet sein über die entwicklung im NAO prozess
c) ich glaube nicht, dass der RSB die opponenten unterstützt. der RSB wird seine mandelianischen stammesgenossen von der SIB (isl) nicht derart düpieren wollen, auch wenn er inhaltlich-politisch woanders steht. ohne den RSB scheint mir aber ein “alternativer NAO prozess” ziemlich aussichtslos zu sein.“

auf der anderen seite wäre es natürlich sehr schade, wenn man nicht irgendwas „positives“ aus dem NAO prozess ziehen könnte, was für zukünftige versuche, eine tragfähige annäherung und vereinigung der radikalen linken zu befördern, nützlich sein könnte.

wir wollen uns nichts vormachen: gruppen wie IK, IBT, RIR (RSB abspaltung!), paeris haben organisatorisch nichts vorzuweisen. und selbst der RSB, der noch am ehesten das etikett „organisation“ verdient, ist eine völlig marginalisierte kleinstgruppe, der mit den glanzzeiten der alten GIM nichts zu tun hat, ausser dass er das politische erbe verwaltet (verwalten will). aus dieser konstellation heraus ist eine zweite organisationsinitiative nach menschlichem ermessen aussichtslos.

aus meiner sicht wäre es sinnvoller, jetzt erst mal eine pause von sechs oder zwölf monaten einzulegen, um die wunden zu lecken und die ausgangsbedingungen für einen zweiten anlauf einer revolutionären umgruppierung(sdebatte) auszuloten. und eins hat meines erachtens der NAO prozess doch gezeigt: selbst wenn kein organisationsaufbau dabei rauskommt, so hat doch die debatte selbst auch einen politischen mehrwert.

sicher wäre es schön, gruppen wie den RSB (aber auch RIO und die RSO) für so einen prozess zu gewinnen. leider ist dies nicht sehr realistisch. alle drei gruppen vertreten das konzept des linearen aufbaus ihrer eigenen organisation; und beim RSB kommt noch eine gewisse politisch/organisatorische (selber mutterverband!) loyalität zur SIB (isl) dazu. man darf den gruppen dies aber nicht zum vorwurf machen. es ist ihre überzeugung, dass dies die sinnvollste politik ist. vielleicht erkennen sie irgendwann, dass die wahrscheinlichkeit, dass von hunderten linken gruppen sich irgendwann EINE als die einzig „wahre revolutionäre“ erweist, äusserst gering ist. und dass es daher nur einen weg gibt: herauszufinden, wo die gruppen mit revolutionärem (selbst)anspruch inhaltlich konvergieren. vielleicht ist das dann auch die stunde, wo den oppositionellen gruppen des NAO prozesses sich eine neue chance eröffnet.

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