Uncategorized

SonntagsW(Qu)a(h)l

ich weiss echt noch nicht, was ich morgen mache: bleib ich lange im bette liegen und brunche gemütlich oder geh ich in diese urnenkabine. aber wenn ich in die kabine gehe, wo mach ich das verdammte kreuz?
die sekte PSG zu wählen, macht keinen sinn. ungültig wählen ist noch sinnloser. wahlenthaltung könnte sinn machen, da dadurch die „demokratische“ legitimation der wahlen geringer wird; ist aber letztlich, ohne entsprechende kampagne, auch eher ein unpolitischer akt.
bleibt nur das kreuz bei der LINKEn, und das ist in berlin besonders fatal, da sie hier ja schliesslich schon in der regierung sass und fleissig bürgerliche Macht und Recht exekutierte!
ich muss da noch mal ´ne nacht drüber schlafen und schreib morgen, wie ich mich entschieden habe.

aber als „radikal linker“ hat man´s echt nicht leicht … inbesondere beim kreuz bei diesen wahlen, in einem land, wo man das gefühl hat, die welt kann in flammen stehen, aber der eigene vorgarten und das fehlende bier im kühlschrank seien wichtiger.

Gothama, der Buddha, lehrte
Die Lehre vom Rade der Gier, auf das wir geflochten
sind, und empfahl
alle Begierde abzutun und so
wunschlos einzugehen ins Nichts, das er Nirwana nannte.
Da fragten ihn eines Tags seine Schüler:
Wie ist dies Nichts, Meister? Wir alle möchten
abtun alle Begierde, wie du empfiehlst, aber sage uns
Ob dies Nichts, in das wir dann eingehen
etwa so ist wie dies Einssein mit allem Geschaffenen
Wenn man im Wasser liegt, leichten Körpers, im Mittag
ohne Gedanken fast, faul im Wasser liegt oder in
Schlaf fällt
Kaum noch wissend, daß man die Decke zurechtschiebt
schnell versinkend, ob dies Nichts also
so ein fröhliches ist, ein gutes Nichts, oder ob dies dein
Nichts nur einfach ein Nichts ist, kalt, leer und
bedeutungslos.
Lange schwieg der Buddha, dann sagte er lässig:
keine Antwort ist auf euere Frage.
Aber am Abend, als sie gegangen waren
saß der Buddha noch unter dem Brotbaum und sagte den
andern
Denen, die nicht gefragt hatten, folgendes Gleichnis:
Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte
daß noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und
rief ihnen
zu, daß Feuer im Dach sei, sie also aufforderend
schnell hinauszugehen. Aber die Leute
schienen nicht eilig. Einer fragte mich
während ihm schon die Hitze die Braue versengte
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne
ob nicht doch Wind gehe, ob da ein anderes Haus sei
Und so noch einiges. Ohne zu antworten
ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich
müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören.
Wirklich, Freunde
wem der Boden noch nicht so heiß ist, daß er ihn lieber
mit jedem andern vertauschte, als daß er da bliebe, dem
habe ich nichts zu sagen. So Gothama, der Buddha.
Aber auch wir, nicht mehr beschäftigt mit der Kunst
des Duldens
eher beschäftigt mit der Kunst des Nichtduldens und
vielerlei Vorschläge
Irdischer Art vorbringend und die Menschen lehrend
ihre menschlichen Peiniger abzuschütteln, meinen, daß
wir denen, die
angesichts der heraufkommenden Bombenflugzeug-
geschwader des Kapitals noch allzulang fragen
wie wir uns dies dächten, wie wir uns das vorstellten
und was aus ihren Sparbüchsen und Sonntagshosen werden
soll nach einer Umwälzung
Nicht viel zu sagen haben.

— Bert Brecht, Das Gleichnis des Buddha vom brennenden Hausfaust_rose

Advertisements

Ein Kommentar zu “SonntagsW(Qu)a(h)l

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s