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Alice Schwarzers reaktionärer „Bevormundungsfeminismus“

Frau Schwarzer hat mal wieder einen medialen coup gelandet mit ihrem „Appell gegen Prostitution„. an sich wäre die sache es nicht wert, sich weiter darüber zu äussern. und vertreterInnen der Hurenbewegung haben auch bereits alles nötige dazu gesagt.*

viel interessanter ist, was so eine medienkampagne eigentlich über die politische und gesellschaftliche (bewusstseins)lage aussagt. die „neue“ frauenbewegung, als direktes ergebnis der studentischen APO und „neuen linken“, wollte ursprünglich die gleichheit der frau und die befreiung der sexualität aller menschen. darin war sie eine durchaus progressive bewegung und ihre kritik an dem männlichen chauvinismus auch „linker“ männer durchaus berechtigt.

heutzutage verbindet sich eine gallionsfigur wie Frau Schwarzer mit konservativen kräften um ausgerechnet gegen diejenigen vorzugehen, die ohnehin schon zu den (rechtlich) schwächsten in der gesellschaft gehören: den sexarbeiterInnen.

niemand bestreitet, dass prostitution und patriarchale gesellschaft etwas miteinander zu tun haben. aber so wie man die lohnarbeit nicht bekämpfen kann, indem man die ArbeiterInnen rechtloser macht, so bekämpft man nicht die prostitution, indem man die Huren (und die Freier) für vogelfrei erklärt.

es gibt eine gefährliche tendenz innerhalb des „postmodernen feminismus“ (zu dem Frau Schwarzer allerdings nicht gehört), sexualität reglementieren zu wollen, weil man so glaubt, die asymmetrie im geschlechterverhältnis aufbrechen zu können. eine reaktionäre (und obendrein gefährliche) illusion! menschliche leidenschaften sind nicht „reglementierbar“. sie können aber in sozialverträgliche kanäle geleitet werden, wenn sie ohne angst vor repression ausgelebt werden können (dies gilt selbstverständlich nicht für „leidenschaften“, die dritten schaden zufügen wie Pädophilie. diese bedürften dann einer speziellen therapeutischen betreuung).

wer wirklich das Los der Prostituierten verbessern will, der tritt für ihre RECHTE ein und bekämpft die formen von ausbeutung und entfremdung da, wo sie tagtäglich und normal sind. nämlich im betrieb und in der wirtschaft. die verdinglichte (und objektivierte) sexualität ist nur ein reflex der entfremdeten warenökonomie, die eben auch vor der triebstruktur des menschen nicht halt macht. da helfen keine „moralischen“ Appelle, sondern nur die veränderungen der gesellschaftlichen strukturen selbst.

ich bin sicher, in den 70ern hätte Frau Schwarzer das auch gewusst. nur heute kann sie mit sowas keinen „erfolg“ haben. heute muss sie sich mit kirchenvertretern und CDU frauen gemein machen, um noch wahrgenommen zu werden. so wie die „neue linke“ auf den hund gekommen ist, so sind teile des feminismus wieder bei „Nation“, Kirche und repressiver sexualmoral gelandet.

wie heisst es so schön bei Marx:

„Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“

allerdings bezweifle ich, dass man Alice Schwarzers Bevormundungsfeminismus als „weltgeschichtlich bedeutsam“ einschätzen kann. 😉

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* vergl. — Erklärung von Dona Carmen e. V. scharf links

— „Halt die Klappe, Hure!“ neues deutschland

Appell FÜR Prostitution 

— „Schwarzers weisser Feminismus“ neues deutschland

Ein Kommentar zu “Alice Schwarzers reaktionärer „Bevormundungsfeminismus“

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