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Von Ernest Mandel lernen heisst Siegen lernen …

ich habe mir jetzt im zuge eines lesekreises noch mal den text von Ernest Mandel „lenin und das problem des proletarischen klassenbewusstseins“* zur brust genommen. ich hatte den zwar schon vor langer zeit mal gelesen gehabt, und hatte den auch in durchaus positiver erinnerung, aber er war mir halt nicht wirklich gewärtig.

im nachhinein muss ich echt sagen, ich ärgere mich tödlich, den nicht schon im zuge des NAO prozesses hervorgeholt zu haben. denn da steht eigentlich alles drin, was man zur organisationsfrage wissen muss. zugegeben, der text ist recht komplex und sprachlich nicht wirklich eingängig, aber man hätte den heidenspass gehabt, mit ziehvater Mandel gegen Tino P., Prütz und Co. argumentieren zu können. (was natürlich an meiner kritischen haltung zur geschichte des „vereinigten sekretariats“ nichts ändert).

diese chance ist nun vertan, aber ich bin sicher, es wird eine neue chance geben, den aufbau einer wirklich revolutionären, aber trotzdem genügend „pluralen“, organisation, erneut in angriff nehmen zu können. manchmal dauert es eben länger, die früchte seiner aussaat ernten zu können. aber auch geduld ist eine wichtige tugend für revolutionäre, und solche, die es werden wollen. 😉

———

*die suhrkamp ausgabe dürfte nur antiquarisch zu erwerben sein. leider gibt es den text auch nicht online. die ausgabe des RSB als broschüre ist nach mir vorliegenden infos auch nicht mehr zu bekommen.

suhrkamp_lenin

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2 Kommentare zu “Von Ernest Mandel lernen heisst Siegen lernen …

  1. ich versuche mal ganz kurz die wichtigsten grundsätze aus dem Mandel text zusammenzufassen.

    die leninsche organisationstheorie ist in wirklichkeit eine revolutionstheorie, die von der aktualität der revolution in der imperialistischen epoche ausgeht. Mandel spricht an einer stelle sogar von „kurz- bis mittelfristigen aktionen“. da würde ich doch ein dickes fragezeichen machen wollen. das ändert aber nichts daran, eine vereinigung revolutionärer kader in einer organisation anzustreben. wobei der wert einer organisation weniger auf der „technischen“ ebene liegt, sondern mehr auf der politischen (aktuell wohl nur theoretischen).

    die begründungen einer getrennten organisation der revolutionäre liegt einmal in den spezifischen schwierigkeiten der proletarischen revolution selbst, zum andern im wissenschaftlichen charakter des marxismus, der nur individuell angeeignet werden kann. die behauptung von Mandel, dass breite Massen nur durch Erfahrungen lernen können, erscheint mir aber etwas ZU apodiktisch zu sein. trotzdem ist es richtig, dass das proletariat bewusstseinsmässig in die bürgerliche gesellschaft eingebunden ist. daher kann eine wirkliche kontinuität in der entwicklung eines proletarisch-politisch UNABHÄNGIGEN standpunktes nur durch eine disziplinierte kaderpartei erfolgen.

    Mandel unterscheidet drei sektoren im proletariat:

    (a) die breiten Massen
    (b) fortgeschrittene Arbeiter
    (c) revolutionäre kerne

    unklar bleibt, ob der begriff „avantgarde“ nur für die revolutionären kerne gilt oder auch für die fortgeschrittenen arbeiter. der Mandel text legt wohl die zweite lesart nahe. laut lenin geht es aber in der tat darum, dass die revolutionäreren kerne mit den fortgeschrittenen arbeitern „verschmelzen“.

    die gefahr, dass eine zentralistische kaderpartei sich bürokratisch verselbständigen kann, ist in der tat gegeben. aber dieser gefahr wird gerade dadurch entgegengewirkt, dass man die ergebensten und geschultesten leute für so eine organisation auswählt, die also unter allen umständen ihr eigenes kritisches denken nicht an der garderobe abgeben. obendrein sorgen tendenz- und fraktionsrecht für eine gesunde parteiinterne demokratie. die frage, inwieweit differenzen auch nach aussen getragen werden können, sollte m e nicht pauschal beantwortet werden. es mag krisensituationen geben, wo tatsächlich differenzen nur intern diskutiert werden sollten. in der HEUTIGEN politischen situation erscheint es mir aber sehr sinnvoll zu sein, einen solchen prozess der herausbildung einer revolutionären organisation möglichst transparent zu gestalten; schon allein deshalb, weil es eben aufgrund der historischen vorbelastung ein erhebliches misstrauen gegen so eine „avantgardeorganisation“ gibt. um diesem misstrauen (was ja nicht vollkommen unberechtigt ist) zu begegnen, ist eben die grösste offenheit von nöten.

  2. vergleich auch den brief der IBT an den RSB:

    „Unserer Überzeugung nach ist der Aufbau einer revolutionären Partei zur Zeit nur durch eine Umgruppierung um das revolutionäre Programm möglich. Zwar mögen reformistische Programme das Klassenbewusstsein momentan besser widerspiegeln und viele ansprechen, doch sind sie für den Kampf um eine wirkliche Verbesserung der sozialen Lage oder gegen den imperialistischen Krieg ein Hindernis. Reformistische Massenparteien können weder ein revolutionäres Programm noch die geduldige Schulung der Arbeiter und Unterdrückten in den Lehren des Klassenkampfes ersetzen. In diesem Sinne stimmen wir ausdrücklich mit eurer Feststellung überein, dass die Trennung des Spartakusbundes von der SPD alles andere als ein Fehler war.
    Es muss das Ziel von Revolutionären sein, das Programm des revolutionären Marxismus gegen den Einfluss bürgerlicher Ideologie in der Arbeiterklasse zu verteidigen und eine revolutionäre Partei und Internationale um dieses Programm aufzubauen. Dies kann aber nicht gelingen, wenn man sein Programm zugunsten einer „pluralen linken“ Partei (welche sich erfahrungsgemäß auf ein reformistisches Programm einigt) aufgibt und meint, die reformistische Führung nach links drücken zu können.“

    http://bolshevik.org/ [deutschsprachige sektion]

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