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Ich habe mich Ent-Schieden …

„Einsam ist, wer die Schönheit zu erleben und von ihr zu sagen weiß. Es ist die Einsamkeit des Berufenen, er darf die Kinderwelt und das Kinderleben der andern nicht teilen. Dafür hört er die Stimmen, die jene nie hören. Und außerdem gibt es für seine Einsamkeit, wie für jede, die Lösung und Erlösung: Das Erkennen des Einen und Ganzen hinter allen Vereinzelungen.“ — Hermann Hesse

ich habe mich entschieden
zu sehen
das Schwere
als Halt für das Leichte
die Sehnsucht
auch ohne Erfüllung
als zielführend
die Hoffnung ohne Grund
als grundlos l(i)ebenswert
das Lachen aus heiterem Himmel
als himmlische Heiterkeit
die Freude
beim flüchtigen Bemerken einer Blume am Wegesrand
als höchste Weisheit

doch all dies wird mit einer beiläufigen Geste
weggewischt
wie ein Wind
der über ein Sandbild weht

wenn ich bei deinem Anblick
die Liebe fühl
die mich ahnen lässt
unerreichbare Höhen
und falle
in grausamste Tiefen
die mir die Einsamkeit offenbaren
und die unendliche Weite
zwischen uns
die mir der kostbarste Schatz
geworden ist
weil ich dich dann ganzer seh`
und damit mich
in deinem klaren Spiegel

augen_spiegel

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2 Kommentare zu “Ich habe mich Ent-Schieden …

  1. Habe heute auf WDR 5 gehört, dass gerade die schwermütigeren Menschen eigentlich ein glücklicheres bzw. erfüllteres und reichhaltigeres Leben führen als die, die ewig dem Glück nacheifern. Denn gerade in der Sehnsuchtserfüllung liegt bereits wieder die Sehnsucht, oder anders formuliert: Wenn man etwas hat/besitzt/erlebt, dem man ewiglich hinterher weint/hofft/gedacht hat, ist man keinesfalls glücklicher als in Momenten der Sehnsucht und grenzenlosen Fantasie.

    Herzliche Grüße!

    • ja, das denke ich auch. jede „erfüllung“ produziert bereits ein neuen wunsch- ad infinitum.
      darum ist es besser, den augenblick zu akzeptieren und ihm höchste achtsamkeit zu schenken, im guten wie im schlechten, weil dies die einzig wahre realität ist. das andere ist nur ein hinterherhecheln hinter dem vermeintlichen „glück“, welches aber nie von bestand ist, weil der mangel nicht von aussen gestillt werden kann, sondern nur von innen durch die selbstliebe/selbstaussöhnung.

      Rilke hat da etwas sehr schönes zu geschrieben:

      „Sie fragen, ob Ihre Verse gut sind. Sie fragen mich. Sie haben vorher andere gefragt. Sie senden sie an Zeitschriften. Sie vergleichen sie mit anderen Gedichten, und Sie beunruhigen sich, wenn gewisse Redaktionen Ihre Versuche ablehnen. Nun (da Sie mir gestattet haben, Ihnen zu raten) bitte ich Sie, das alles aufzugeben. Sie sehen nach außen, und das vor allem dürften Sie jetzt nicht tun. Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand. Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund, der Sie schreiben heißt; prüfen Sie, ob er in der tiefsten Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben müßten, wenn es Ihnen versagt würde zu schreiben.
      Dieses vor allem: fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: muß ich schreiben? Graben Sie in sich nach einer tiefen Antwort. Und wenn diese zustimmend lauten sollte, wenn Sie mit einem starken und einfachen ich muß dieser ernsten Frage begegnen dürfen, dann bauen Sie Ihr Leben nach dieser Notwendigkeit; Ihr Leben bis hinein in seine gleichgültigste und geringste Stunde muß ein Zeichen und Zeugnis werden diesem Drange. Dann nähern Sie sich der Natur. Dann versuchen Sie, wie ein erster Mensch, zu sagen, was Sie sehen und erleben und lieben und verlieren.“
      http://www.rilke.de/briefe/170203.htm

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