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„Auf den Spuren der Irokesen“

die ausstellung in Berlin ist noch bis zum 6. Januar zu besichtigen

die ausstellung in Berlin ist noch bis zum 6. Januar 2014 zu besichtigen

die austellung „Auf den Spuren der Irokesen“, die ursprünglich in Bonn und jetzt im Gropiusbau in Berlin zu sehen ist, gewährt einen tiefen einblick in die welt und kultur der Irokesen-Stämme. allerdings ist dieser blick schon sehr stark geprägt durch die kolonialgeschichte. aber anders kann es ja auch nicht sein, denn sonst hätten wir ja keine zeugnisse vom „indianerleben“. wer allerdings mit den vorstellungen seiner Karl May lektüre oder Hollywood-indianerfilmen in diese ausstellung geht, wird wohl enttäuscht werden; denn die wirklichkeit sah wohl — wie immer — ein klein bisschen anders aus.

ich war ja schon immer ein grosser indianer fan. aber dieser stamm ist auch ethnologisch interessant. so heisst es bei wikipedia zur sozialen organisation der stämme:

„Die irokesische Gesellschaft war matrilinear orientiert. Das Oberhaupt einer Familie war immer eine Frau und die Kinder gehörten zur mütterlichen Linie (engl. lineage). Das Langhaus, der Boden und die Ernte waren Eigentum der Frau. Nach der Heirat zog der Mann in das Langhaus seiner Frau und die Kinder wurden Mitglieder ihres Clans. Das Erbrecht begünstigte die Tochter oder das nächste weibliche Mitglied der Familie. Auch die Führung eines Langhauses hatte eine ältere Frau inne. Das galt ebenfalls für den Clan, dessen führender Frau ein männlicher, von Frauen gewählter Häuptling zur Seite stand. Alle wichtigen Personen wurden von Frauen gewählt. Wenn diese ihrer Aufgabe nicht gewachsen war, konnte sie wieder abgesetzt werden. Kein Krieg konnte ohne Einwilligung der Frauen geführt werden und eine Mutter konnte ihrem Sohn die Teilnahme am Kriegszug verbieten.“

in der ausstellung ist eine skulptur zu sehen, wo „blauer mais“ (eine traditionelle nahrungsquelle für die irokesen) aus dem bauch einer schwangeren frau wächst. ein eindrucksvolles zeugnis dafür, dass auch die fruchtbarkeit der erde in der kultur der indianer „weiblich“ konnotiert war.

Lewis H. Morgan, ein amerikanischer ethnologe, der über die irokesen geforscht hat, hat diese „matrilineanität“ als wesentlichen bestandteil der kulturentwicklung beschrieben. auch das werk von Friedrich Engels „der ursprung der familie…“ ist von Morgan beeinflusst. bei wikipedia ist zu lesen:

„Daneben vertrat Morgan die Idee, dass zu Beginn der Menschheitsentwicklung alle Völker matrifokal (…) gelebt hätten und die Entwicklung zum Patriarchat gleichzusetzen sei mit dem Erreichen der Zivilisation. Seiner Theorie nach ging die matrifokale Kulturstufe einher mit kollektivem Eigentum. Als sich Privateigentum mehr und mehr herausbildete, entstanden parallel dazu patriarchale Gesellschaftsstrukturen. Im ungebremsten Wachstum des Privateigentums sah er eine Gefahr für die Zivilisation: „Seit dem Eintritt der Zivilisation ist das Wachstum des Reichtums so ungeheuer geworden, …, dass dieser Reichtum dem Volk gegenüber eine nicht zu bewältigende Macht geworden ist. Der Menschengeist steht ratlos und gebannt da vor seiner eigenen Schöpfung. … Die bloße Jagd nach Reichtum ist nicht die Endbestimmung der Menschheit, …. Die Auflösung der Gesellschaft steht drohend vor uns als Abschluss einer geschichtlichen Laufbahn, deren einziges Endziel der Reichtum ist; denn eine solche Laufbahn enthält die Elemente ihrer eigenen Vernichtung.“

alles in allem eine ausstellung, die das eintrittsgeld allemal wert ist.

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