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Welche Solidarität mit Kobane/Rojova?

Wie es scheint bahnt sich in den kur­dis­chen Regio­nen Syriens (Rojava) eine human­itäre und poli­tis­che Katas­tro­phe an.

von A. Holberg 14. Okt. 2014

Eine Eroberung der Stadt Kobane durch den „Islamis­chen Staat“(IS) ist nicht nur mit einem weit­eren Mas­saker an ver­meintlich oder wirk­lich „Got­t­losen“ (d.h. alle diejeni­gen, die die fun­da­men­tal­is­tis­che Islam­inter­preation der IS nicht teilen, oder kurz: ihren Herrschaft­sanspruch nicht akzep­tieren) ver­bun­den, son­dern wird das Anse­hen dieser Gruppe unter den vom Impe­ri­al­is­mus und dessen regionalen Erschei­n­ungs­for­men, d.h. auch den Reg­i­men dort, ins ökonomis­che und vorallen geistige und emo­tionale Elend Gestürzten noch weiter stärken und es so fortschrit­tlichen Kräften noch schw­erer machen, glaub­würdige Alter­na­tiven zur ver­meintlichen Rück­kehr in gold­ene Zeiten islamis­cher Kali­fate zu präsentieren.

Da also eine mil­itärische Nieder­lage der IS vor­dringlich ist, spräche nichts grundle­gend dage­gen, wenn diese auch wesentlich aus der Hand der impe­ri­al­is­tis­chen Kräfte käme, obwohl es ja diese sind, die einst Al-​Qaida und somit heute auch den IS poli­tisch und mil­itärisch aufge­baut haben und deren Wel­tord­nung zu stets neu entste­hen­den Kräften dieser Art führen muss. Ungeachtet dessen ist es dur­chaus vorstell­bar, dass tak­tis­che Dif­feren­zen zwis­chen impe­ri­al­is­tis­chen Kräften und ihren Pro­duk­ten so groß wer­den, dass sich die impe­ri­al­is­tis­chen Kräfte ihrer zu einem bes­timmten Zeit­punkt gerne entledi­gen wür­den. Dem mit generellem Paz­i­fis­mus zu begeg­nen, ist lächer­lich, nicht von dieser Welt.

Ander­er­seits macht der Aufruf gewisser „Linker“ an eben solche impe­ri­al­is­tis­chen Kräfte und ihre regionalen Ver­bün­de­ten à la Türkei, mil­itärisch zu inter­ve­nieren, nur unter einem Gesicht­spunkt Sinn. Das ist nicht der, dass die „Linke“ aus­re­ichend Kraft hätte, die Impe­ri­al­is­ten zu nöti­gen, etwas zu tun, was sie nicht ohne­hin tun wollen. Vielmehr wäre ein solcher Aufruf de facto ein Mit­tel zur Ent­larvung der impe­ri­al­is­tis­chen Men­schen­recht­spro­pa­ganda, zeigt sich doch exem­plar­isch am Fall Kobanes, dass dem Impe­ri­al­is­mus andere Ziele geostrate­gis­cher Art weitaus wichtiger sind als Leben, Gesund­heit und Frei­heit irgendwelcher Kur­den, bedeuten ihm diese Men­schen­rechte im Zweifels­fall doch schon wenig bis nichts in den Metropolen selbst.

Die „Linke“ kann mit den direkt Bedro­hten in Kur­dis­tan oder sonstwo in geringem — nahezu nur sym­bol­is­chen — Aus­maß durch Sam­meln und Liefern von human­itärenn Gütern und hier und da auch von ein paar Gewehren und Patro­nen sol­i­darisch sein. Wichtiger und auss­chlaggeben­der ist jedoch ihr poli­tis­cher und ide­ol­o­gis­cher Kampf gegen die Herrschen­den in den impe­ri­al­is­tis­chen Metropolen selbst.

Quelle: http://www.linkezeitung.de/index.php/debatte/internationales/1777-welche-solidaritaet-mit-kobane-rojava

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5 Kommentare zu “Welche Solidarität mit Kobane/Rojova?

  1. das schrieb ich am 12.10.14 auf meiner fb seite:

    „das, was man über Kobane hört, zeigt mal wieder, wie schwer es sein kein, in der politik prinzipien gegen notwendigkeiten abzuwägen. überhaupt sind kriegssituationen der proof of the pudding in the eating. niemand hat es etwas dagegen, wenn us-amerikanische fluzeuge IS-stellungen beschiessen. aber es ist etwas anderes, es aktiv zu FORDERN. und auch die kurdischen kämpferInnen selbst fordern keine intervention von aussen, sondern sie wollen waffen; und das ist auch vollkommen richtig. taktisch klug ist es, widersprüche innerhalb der imperialistischen staaten für seine eigenen zwecke auszunutzen. aber es gibt keine „lösung“, weder für die „kurdische sache“ noch für irgendeine andere soziale frage, als den „system change“ durch massenmobilisierungen „von unten“. das mag schwer zu ertragen sein, vor allem wenn es akut um leben oder tod vieler menschen geht. aber auch das gehört dazu, die wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, auch wenn sie sehr bitter sein mag. viele mögen das als untätigkeit, abseitsstehen oder pazifistische heuchelei ansehen, aber manchmal ist es besser, abseits zu stehen und gegen den strom zu schwimmen, als sich einer herde anzuschliessen, bei der es sich im endeffekt herausstellt, dass es sich um lemminge handelt.“

    ich kann mich also dem artikel von A. Holberg inhaltlich nur voll anschliessen.

  2. Ey yo sytemcrash, du als alter Sektologe. Schreib doch mal was darüber, dass die Spartakisten jetzt den Islamischen Staat „militärisch unterstützen“.

    “ ..revolutionary Marxists have a military side with ISIS when it targets the imperialists and their proxies, including the Syrian Kurdish nationalists…“

    http://www.icl-fi.org/english/wv/1055/isis.html

    • danke für den hinweis. ich werde mich des themas annehmen, wenn der artikel auf deutsch erscheint. allerdings ist das ja nicht wirklich neu. „militärische“ unterstützung heisst ja nur, dass man nicht neutral ist, weil der „hauptfeind“ immer der (eigene) imperialismus ist. die sparts haben schon vorher kräfte wie die Hamas oder die Taliban gegen den imperialismus „militärisch“ verteidigt, und diese unterscheiden sich gewiss nicht qualitativ von der ISIS. im zusammenhang mit einem text der RKOB (die das auch sagt, was die sparts sagen) sind mir aber inzwischen zweifel an diesem konzept der „militärischen“ verteidigung gekommen (im zusammenhang mit dem militärischen kampf um Kobane). völlig daneben finde ich es allerdings, die ISIS gegen „kurdische nationalisten“ zu verteidigen. sicherlich sind die Peschmerga „proimperialistisch“, aber wenn sie einen beitrag zur verteidigung von Kobane leisten, wäre es völliger wahnsinn an der seite der ISIS gegen sie zu kämpfen (auch wenn der kampf nur propagandistisch ist). da muss die Workers Vanguard redaktion wohl mal wieder besoffen gewesen sein 😉

  3. Von grünen und braunen Faschisten
    von Tomasz Konicz

    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43316/1.html?from-mobi=1

    ich gehe mittlerweile davon aus, dass man die kalifatsanhänger nicht anders als die faschistischen bewegungen bewerten kann; daran ist nichts „antiimperialistisches“, sie sind einfach nur reaktionär in der wörtlichen bedeutung, dass sie HINTER die errungenschaften der bürgerlich-demokratischen gesellschaft zurückfallen.
    taktisch kann das nur bedeuten, dass man mit solchen kräften nichts zu tun haben will (man bezieht keine seite, man wäre defaitist), genauso wenig, wie man den demagogischen „antikapitalismus“ von nazis ernst nehmen kann (da er sich zwar auf das „ausländische“, aber nicht gegen das gesamtkapital als grundsätzliches soziales verhältnis kapriziert).

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