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Wolf Biermann: vom „Drachentöter“ zum Zombie

in meinen jungen jahren, als ich links politisiert wurde, hatte Wolf Biermann durchaus einen stellenwert in meinem unbedarften leben. und zwar sowohl künstlerisch, soweit ich das überhaupt beurteilen kann/konnte, aber auch politisch; denn er kritisierte die DDR klar aus einer „linken“ ecke. er hatte vlt niemals einen wirklich marxistischen standpunkt zur DDR und den übrigen ostblockstaaten (den gibts auch gar nicht), aber das würde ich ihm nicht mal vorwerfen wollen. und überhaupt sind künstler und intellektuelle selten gute „politiker“.
Wolf Biermanns niedergang begann eigentlich mit seiner ausweisung (nach dem legendären konzert in Köln), denn er lebte davon, dass er der bekannteste linke kritiker der DDR war und diese kritik mit seiner musik popularisierte. als er nicht mehr in der DDR war, wurde dieser kritik der nährboden entzogen und seit der ostblock insgesamt zusammengebrochen ist, hatte Wolf Biermann damit auch seine politische aufgabe verloren. ob er sich jemals im „westen“ heimisch gefühlt hat, weiss ich nicht, aber zumindest hat er sich den hass auf die nomenklatura bis auf den heutigen tag bewahrt und mit diesem hass wird er auch ins grab steigen. dieser hass ist mit seiner biografie sicherlich verständlich, aber leider hat ihn dieser hass auch für die politischen realitäten blind gemacht. die Linkspartei ist eben nicht mehr die DDR-staatspartei, sondern eine ganz ordinäre sozialdemokratie (während die SPD zur neoliberalität mutiert ist). sich gegen diese gemein zu machen mit Gabriel und Merkel und die BRD als „deutsche demokratie“ abzufeiern, weil er im bundestag singen (und sprechen) darf, mag für ihn eine persönliche genugtuung sein. politisch zeigt er damit nur, dass er die welt nach dem mauerfall nicht mehr versteht.
wenn er auch schon vorher politisch bedeutungslos war, so hat er mit dem auftritt im bundestag auch seine eigene vergangenheit begraben. er hat sich für alle erkenntlich mit den herrschenden gegen diejenigen verbündet, die noch reste von widerstand zeigen. ganz zum schluss des videos [http://www.youtube.com/watch?v=kUheTVZTPNI], als Lammert eine laudatio auf seinen hochzeitstag hält, blitzt noch mal kurzzeitig etwas vom „alten“ Biermann auf, als er stotternd darauf hinweist, dass der 7. November der jahrestag der russischen oktoberrevolution ist. das hat schon was mitleiderregendes, wenn Biermann bürgerliche politikaster für die oktoberrevolution begeistern möchte …..

als hommage an den „alten“ Biermann, der jetzt endgültig tot ist, und seiner bedeutung eins seiner schönsten lieder: „der friedhof der Hugenotten“ („wie nah sind uns so manche, die tot sind und wie tot sind uns manche, die leben noch“). zu einem dieser lebenden toten hat sich Wolf Biermann jetzt selbst gemacht.

[http://www.youtube.com/watch?v=2zZtqBrwpnM]

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Ein Kommentar zu “Wolf Biermann: vom „Drachentöter“ zum Zombie

  1. „Dabei hätte Biermann durchaus die Chance gehabt, ein kleines bisschen mutig zu sein. Statt zum Mauergedenken längst geschlagene Schlachten mit den Nachkommen der Machthaber von gestern zu führen, hätte er auf die zahlreichen Toten an der EU-Außengrenze hinweisen können, die die aktuelle Mauerpolitik der heute Herrschenden zur Folge hat. Dafür hätte es dann allerdings vermutlich keinen johlenden Applaus von der Bundestagsmehrheit gegeben.“
    http://www.taz.de/!149090/

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