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Betrachtungen über den November, soziale Netzwerke und das Weihnachtsfest

früher hatte ich den november gehasst. er war immer so grau und trüb, und man hatte das gefühl, jeder tag sei ein „totensonntag“. heute weiss ich ihn zu schätzen. er ist die zeit zwischen dem herbst und dem winter (wenn wir noch einen winter hätten). er gewährt der natur eine ruhepause und uns eine zeit der besinnlichkeit und inneren einkehr. eine zeit für erinnerungen und der notwendigen trauerarbeit, also alles dinge, die die seele reinigt, den ballast aussortiert und räume schafft für neues im leben. innerlich bin ich aber schon im dezember. ich mag den dezember sehr. nicht nur wegen der vielen feiertage, sondern insgesamt strahlt er etwas festliches aus. die leute sind auch meistens gut drauf, auch wenn er für viele auch mit stress verbunden ist. aber letztlich macht sich natürlich auch jeder den stress selbst. weihnachten betrachte ich immer mit ambivalenten gefühlen. auf der einen seite gibt es schon dinge, die mich anrühren und die möchte ich auch nicht missen. aber ich sehe die veranstaltung auch kritisch: die ganze kommerzialisierung und die moralische heuchelei, die einmal im jahr zur erbauung durchgeführt wird, damit das übrige jahr business as usual betrieben werden kann. dabei sollten wir doch niemals vergessen, dass hinter den sogenanten „zwängen“ (egal ob die des „systems“ oder familiärer verflechtungen) auch immer eine meinungs- und willensentscheidung steht, die wir zwar vlt nicht immer direkt verändern und beeinflussen können, aber die wir zumindest kritisch hinterfragen und reflektieren können. und ich glaube, dass ist auch der tiefere sinn solcher sozialen netzwerke wie facebook: auch wenn vieles an der oberfläche bleibt und viele nur ihre meinung bestätigt wissen wollen oder sie brauchen zur identitäts- und egostabilisierung, so bin ich fest davon überzeugt, dass untergründig ein bewusstseinswandel stattfindet (den unterhaltungsfaktor sozaler netzwerke lasse ich hier mal aussen vor, der aber natürlich legitim ist). vlt ist er quälend langsam, jedenfalls zu langsam im verhältnis zu den problemen der welt, aber langfristig wird er unsere kultur und unseren umgang miteinander verändern. irgendwo hab ich mal den satz gelesen „die hölle, das sind die anderen“ (er ist von Satre, von dem ich sonst nicht viel weiss). aber ich meine, es wäre schon viel gewonnen, wenn wir ihn umdrehten und sagten „die hölle, das sind wir selbst“*). denn dann wüssten wir zumindest, wo wir den hebel ansetzen müssten; nämlich bei uns, unserem denken, fühlen und tun. und wenn diese schwerste anfangshürde genommen wäre, dann wäre der weg frei, dass irgendwann mal die weih-nachtsbotschaft wirklichkeit werden könnte:

Frieden auf Erden und allen Menschen ein Wohlgefallen

und zwar für 365 tage im Jahr, einschliesslich der schaltjahre 😉 

ich meine, das ist ein schöner gedanke, der hoffnung macht und ein ziel, für das es sich lohnt, sich einzusetzen. – sein leben zu … „weihen“.

————–

*) „Und hattest Du nicht auch den freien Willen,
Die Kraft zu stehn? Du hattest sie zu gut.
Wen oder Was vermagst Du anzuklagen,
Als nur die freie Liebe, wie sie Allen
Vom Himmel gleich ertheilt? Sie sei verflucht,
Weil Liebe, so wie Haß, die beide gleich
Ein ewiges Weh und Leiden mir ertheilt.
Nein, sei Du selbst verflucht! weil wider seinen
Dein Will‘ erwählte, was Du jetzt beklagst.
O ich Verdammter! wie soll ich dem Zorn
Der ewigen Verzweiflung je entfliehn?
Wohin ich fliehe, kommt die Hölle ja,
Die Hölle bin ich selbst, im tiefsten Grunde
Eröffnet eine tiefre Tiefe sich,
Und droht mich zu verschlingen, daß die Hölle,
Die ich erdulde, mir ein Himmel scheint.“

— John Milton, Das verlorene Paradies

drei_könige

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