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Postpabloistische Hochzeitsglocken

wie man einem artikel in der SoZ entnehmen kann, wollen der RSB und die isl ihre „trennung überwinden“. da ich mich in meinem blog nicht nur fragen der marxistischen theorie, sondern auch organisationspolitischen aspekten widme, muss ich wohl oder übel ein paar worte dazu verlieren; eine echte relevanz vermag ich in der „sache“ allerdings nicht zu erkennen. 

es mag sein, dass diese „fusion“ die technischen arbeitsbedingungen der genossInnen verbessern kann, an der politischen qualität (egal, ob sie getrennt oder „vereint“ sind) wird sich dabei allerdings nichts ändern. und das wäre für mich das einzige kriterium für eine bewertung dieses zusammengehens. noch nie war die politik des VS [vereinigtes sekretariat der „4. internationale“, ehemaliger hauptvertreter Ernest Mandel], der GIM, der VSP, der isl oder des RSB so programmatisch basiert, dass man in irgendeiner form von „prinzipienfestigkeit“ sprechen kann. im gegenteil, es waren immer versuche, einfluss auf andere formationen zu gewinnen, ohne dass es dafür eine inhaltliche grundlage gegeben hätte; also zumindest eine grundlage, die so tragfähig wäre, dass die zusammengeschusterte „organisation“ länger als ein paar monate hält.

nun muss man allerdings sagen, dass der RSB tatsächlich durch seine „linken“ impulse aufgefallen ist. wenn man allerdings etwas tiefer blickt, wird man feststellen, dass auch der RSB nie mit seinem revisionistischen erbe gebrochen hat. nun mag es dafür zwar gründe geben, aber dann müsste man zumindest seine positionen theoretisch-programmatisch ausweisen. stattdessen wird eine impressionistische methode des einfangens von stimmungen verwendet. falls der RSB so einen anspruch hat, „orthodox trotzkistisch“ zu sein (gelesen hab ich das allerdings noch nie), dann wäre es jedenfalls ein leichtes ihm das gegenteil zu beweisen. aber selbst das würde ich für sich genommen noch nicht mal als kritikwürdig ansehen, unter der voraussetzung, dass die eigenen positionen auch substantiell begründet werden würden. wenn ich z B in einem Avanti artikel*) lese, dass man den fall der Berliner Mauer begrüssen musste, dann wüsste ich gerne, welche haltung der RSB zur „russischen frage“ (konkret zum gesellschaftssystem der DDR) hat(te). aber ich bin sicher, da wird ausser allgemeinen blabla und dem zitieren einiger texte von altmeister Mandel nicht viel rüberkommen. pseudo-orthodoxe theorie gepaart mit opportunistischer praxis: das nennt man auf gut marxistisch: Zentrismus!

nun wird in dem artikel erwähnt, dass der NAO prozess dieses zusammengehen befördert hätte. ich kann mich zwar nicht daran erinnern, dass der RSB und die isl ähnliche positionen zu diesem prozess vertreten hätten, aber vlt muss man mitglied solcher formationen sein, um sich sein weltbild selbst schönreden zu können. während die isl von anfang an auf maximale „breitheit“ gesetzt hatte, hatte der RSB immer den „revolutionären“ charakter des projekts betont. die artikel des RSB zu diesem thema waren zum teil so exzellent, dass der „linke flügel“ des NAO prozesses sie ohne umschweife vollinhaltlich unterstützen konnte. nun ja, auch hier sieht man: was man sagt, muss nichts mit dem zu tun haben, was man tut …

hinzu kommt, dass man vom einfluss der isl wie des RSB auf den NAO prozess (bzw. jetzt: NAO!) — zumindest was die öffentlichen schriftlichen verlautbarungen betrifft — nichts erkennen kann. die NAO texte tragen entweder die handschrift der GAM (die trotz ihrer opportunistischen appetite immer noch weit links vom postpabloismus steht) oder der restmitglieder der ex-SIB. eine fusion von RSB und isl muss daher als (organisations-)politische konkurrenz zur NAO verstanden werden. allerdings wäre auch eine solche konkurrenz nicht wirklich progamamtisch ausgewiesen.

mit der liquidierung der französischen LCR in die NPA wurden die letzten dünnen fäden zum „alten trotzkismus“ gekappt. sie waren aber auch schon vorher eigentlich nur noch nominell, aber mit dieser politik wurde auf den aufbau von avantgardekernen zugunsten „breiter formationen“ verzichtet. der deutsche NAO prozess ist im prinzip der versuch, an diesem beispiel anzuknüpfen; allerdings unter gänzlichen verschiedenen voraussetzungen.

was immer sich isl und RSB von diesem zusammengehen erhoffen mögen: es wird weder etwas am gesellschaftlichen kräfteverhältnis, noch an den umgruppierungsversuchen der „radikalen linken“, noch am zustand des NAO prozesses (der NAO) etwas ändern. an sich könnte man hier wirklich von einem „nicht-ereignis“ sprechen, welches nicht einmal ein „sturm im wasserglas“ darstellt. denn diese „fusion“ wird in keiner frage mehr klarheit bringen. sie wird entweder eine langweilige deutsche „NPA“ im miniformat hervorbringen, oder die vorhandenen differenzen (die vlt doch nicht so „relativ“ sind) werden nach einer gewissen zeit wieder eine trennung notwendig machen. aber einen echten pabloisten kann das nicht schrecken; wer zwei jahrzehnte in solchen zombie-organisationen verbracht hat, der ist für das „wirkliche leben“ ohnehin nicht mehr zu gebrauchen.

*) „Am 9. November 2014 wird zurecht an den Mauerfall vor 25 Jahren als geschichtlichem Fortschritt erinnert.“ http://www.rsb4.de/content/view/5359/131/

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2 Kommentare zu “Postpabloistische Hochzeitsglocken

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