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Wendepunkt I

das Ungesagte
es spricht in meinem Schweigen
das Gedenken
so zerbrechlich
dass mir das gewaltige Wort ‚Liebe‘
nicht mehr über die Lippen kommt
aus Angst, meine Nabelschnur zum Allerlebendigsten
könnte zerreissen
und doch bist du gegenwärtig
auch in deiner Abwesenheit

dein ‚Nein‘ ist ein Teil von Dir
der mir das Trennende erträglich macht
dein Bild ist das Heiligtum meiner Seele
und wohin ich auch geh‘
mein Gefühl eilt mir voraus
unentrinnbar sucht es den Ort,
der mich selbstvergessen lässt
im Angesicht des verschmelzenden Drängens
der für einen Wimpernschlag
alle Narben mit Wohlgefühl überzieht

auch das Alltagsgrau
gehört zum Spektrum
des Regenbogens
damit die Farben, vor seinem Hintergrund

umso heller leuchten können

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6 Kommentare zu “Wendepunkt I

  1. Manche Bande lösen sich nie,
    sie sind unsichtbar –
    füllen beständig das Herz
    und nähren damit den Keimling,
    der aus der Erde drängt
    einem neuen, hellen Morgen entgegen.

    🙂

  2. das ist mein erstes gedicht nach einer ganzen weile, in der ich das gefühl hatte, dass alles seine bedeutung verloren hat. ich bin zwar nicht 100% zufrieden damit, aber immerhin ein anfang, der sicherlich noch das eine oder andere gedicht zum thema „wendepunkt“ nachziehen wird. da meine gedichte aber meistens relativ spontan entstehen, möchte ich nicht so viel vorausplanen.

    dass manche bande sich nicht lösen, sehe ich auch so. allerdings bin ich nicht (mehr) sicher, ob sie „beständig das herz füllen“. denn genauso wie sie tief gehen, sind sie auch leidvoll. und auch wenn das leiden ein teil des veränderungsprozesses ist, so ist es trotzdem nicht wirklich ’schön‘. wir können uns zwar mit allerlei psychologischen, spirituellen oder poetischen weisheiten darüber hinwegtrösten, aber letztlich bleibt der fakt, dass die eigene ‚liebe‘ unerwidert blieb und man sich damit als ‚person‘ abgelehnt fühlt. natürlich ist es ‚reife‘, dies zu verarbeiten und zu akzeptieren; es hinterlässt aber trotzdem ein ambivalentes gefühl und nicht nur ein ‚positives‘ – – aber vlt ist genau DAS die notwendige lernerfahrung …..

    • Natürlich ist da auch Schmerz und Traurigkeit, das möchte ich gar nicht schön reden. Was ich in etwa meine mit -beständig das Herz füllen- ist, dass die Liebe trotzdem weiter da sein kann und das ‘Herz einfach‘ weiterliebt, auch wenn es nicht zurückgeliebt wird oder nicht in der erwünschten Weise. Die Liebe verschwindet nicht, auch wenn man weiß, dass sie mit dieser einen bestimmten Person nicht gelebt werden kann. Zuerst fühlt man sich abgelehnt und enttäuscht, ernüchtert und das kommt wohl auch immer mal wieder so durch in dunklen Stunden. Aber dann ist da auch wieder diese Schönheit ein Liebender oder Liebende zu sein, diese Liebe in sich zu empfinden und mit dieser Erfahrung und Empfindung weiterzugehen und sich für Veränderung und etwas Neues überhaupt zu öffnen. Woher willst du wissen, ob da nicht irgendwann etwas auf dich zukommt was über deine bisherige Erfahrung wachsen kann? Nur wird es wahrscheinlich nicht kommen, wenn du dich verschließt. Das unsichtbare Band und die Liebe sind weiter da, haben aber im Wandel die Chance, in eine neue, erweiterte Erfahrung zu münden.

      Einfach ist das alles nicht, ich kenne es aus eigener Erfahrung. Entscheiden und einen Weg für dich finden damit umzugehen kannst du nur selbst.

      LG Ariana

      • danke Ariana und hannascotti, eure anmerkungen helfen mir sehr, eine neue sichtweise zu entwickeln, die ich dringend brauche, um das tal hinter mir zu lassen. aber du hast recht, einfach ist das wirklich nicht … aber das ist eben – leben: herausforderungen ohne ende! 😉 ^^

  3. 1. Wird man wirklich immer als ganze Person abgelehnt? Das glaube ich nicht.
    Es gibt eine Menge von Gründen, warum ich mich von einer Person abwende. Vielleicht kann ich selbst nicht lieben oder ich habe eine ganz andere Vorstellung davon oder ich liebe einen anderen oder oder….
    2. Das Leben besteht meines Erachtens aus loslassen lernen, nicht an etwas festzuhalten. Liebe ist kein ewiger Besitz, man bekommt sie bestenfalls jeden Tag neu geschenkt.
    (Das habe ich nicht irgendwo abgeschrieben, sondern lebe es jeden Tag)
    3. Dein Schmerz und deine Kränkung fließen stark in dein Gedicht ein.
    Das zeigt deine eigene „Schönheit“ im Leid.
    4. „dein ‘Nein’ ist ein Teil von Dir
    der mir das Trennende erträglich macht“
    ……….sehr gut
    5. Ein beeindruckender Text, der nur von dir geschrieben werden konnte,
    weil du gerade diese Erfahrung machst.
    Vermutlich wirst du in drei Jahren sagen:
    „Ein gutes Gedicht ist in mir in meiner leidvollen Erfahrung gelungen, es ist es wert, daran professionell weiterzuarbeit. Es ist eins meiner besten.“

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