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Über das (Nicht-) Vergessen

wer einmal die seligkeit, die liebe, erfahren hat, der kann sie nicht vergessen. aber nicht das gehirn ist unser nicht löschbarer speicher, sondern das, was wir unter dem einfluss der liebe aus dem herzen, unserem wesen, leben, ist das bleibende. und diese „leere stelle“, von der Rilke spricht, ist zugleich unsere (blutende) offenheit zu welt hin, die uns gemahnt, nicht zu verharren; und im weitergehen verbleibt die erinnerung als „denk-mal“ der zeit, in der wir eine ahnung der ewigkeit erfuhren.

vergessen_rilke

Werd ich vergessen? Und wenn irgendwas
Viel später zu mir kommt und mich daran
Erinnert: Werd ich fremdhin fragen -: Wann -?
Kann Leben heißen: Zu vergessen, daß

Mir Seligkeit, endlose unverkürzte
An einem Tage ward der rasch verrann
Und daß dein Wesen sich in meines stürzte
Aus deinen Augen, da ich kaum begann

Dich anzusehn. Ich weiß von dir nicht mehr;
Nur kommen mußtest du um jeden Preis,
Und eine Stelle in mir ist jetzt leer
Für alles das von dir was ich nicht weiß.

Rainer Maria Rilke

14 Kommentare zu “Über das (Nicht-) Vergessen

  1. Rilke Gedichte mag ich und deine Gedanken zum Gedicht gefallen mir sehr gut, auch passend zu Wendepunkt(I-III)

    Ist es nicht auch so, dass in dem ‚Verbleiben‘ auch ein immerwährendes Streben liegt nach Erfüllung?

    Liebe Grüße Ariana

    • @ „Ist es nicht auch so, dass in dem ‘Verbleiben’ auch ein immerwährendes Streben liegt nach Erfüllung?“

      ja, das ist wohl so. das hängt aber davon ab, wie weit man im loslassen ist, und wie weit man seine „egoanhaftungen“ durchgearbeitet hat. aber ein kleines stückchen illusorische resthoffnung kann wohl niemand ganz von sich weisen. ob das gut ist oder schlecht – ich weiss es nicht; ich weiss nur, dass bei mir diese resthoffnung noch sehr lebendig ist …..

      • Ein Leben ohne Liebe, undenkbar. Für mich bedeutet Leben ist auch lieben, ich könnte nicht leben ohne zu lieben und wie schön dann, wenn sich Liebe erfüllt und findet. Was soll daran schlecht sein, zu lieben und sich Erfüllung darin zu wünschen…wäre diese Resthoffnung weg, was bleibt dann, warten auf den Tod?

  2. das ist schon richtig. bloss, wenn man genau weiss, dass der andere deine gefühle nicht erwidern kann – dann ist das hoffen ein klammern an eine illusion. nun, auch das ist an sich nichts schlimmes, aber wenn es dich blockiert, für was neues offen zu sein, dann sehe ich darin schon eine gewisse problematik. aber vlt ist auch das (nur) eine zeitfrage … aber eigentlich glaube ich das nicht.

    • Ok, das stimmt. Meine Antwort war ja mehr allgemein bezogen. Deine direkte Situation kenne ich nicht, aber ich kenne ’solch eine (ähnliche ?) Situation‘.
      Die Frage ist, gibt es tatsächlich eine kleine Resthoffnung durch Kontakt oder was auch immer, dass immer wieder diese Hoffnung schürt oder ist es komplett hoffnungslos und tatsächlich ’nur‘ eine Illusion und blockiert dann für etwas Neues. Eine wichtige Frage vielleicht: KANN der andere diese Gefühle nicht erwidern obwohl sie da sind oder sind die Gefühle beim anderen gar nicht da? Wenn man diese Antwort genau kennt macht es das Lösen vielleicht etwas leichter, weil man sich dann nichts mehr vormachen braucht, unabhängig davon, dass man selbst diese Gefühle hat.

      • ich denke, sie sind beim anderen (DER anderen 😉 ) gar nicht da. allerdings hilft mir das beim „lösen“ nicht im geringsten. ich halte mich gedanklich an etwas „fest“, was nur in meinem kopf existiert. und obwohl ich das „weiss“, ändert es wirklich an meiner situation nicht das geringste ……. das einzige, was ich positiv sagen kann, ist, dass es mich emotional viel weniger belastet, aber das „geistige klammern“ bleibt unverändert bestehen.

  3. ja, was zur beendigung des (rein) virtuellen kontaktes geführt hat von ihrer seite. also eine klare antwort. in gewisser weise hat dies auch die situation durchaus bereinigt, weil ich mich an diesen fakt halten muss. allerdings von „(innerer) ablösung“ kann ich nicht das geringste merken. die gefühle (was immer es sein mag — siehe auch: https://systemcrash.wordpress.com/2014/12/21/liebe-im-virtuellen-raum/) sind auf keinen fall weniger stark geworden.

    • Ich hab ja schon zu diesem damaligen Beitrag was geschrieben und wollte mehr dazu schreiben. Habs grad nochmal gelesen.
      Vielleicht wunderst du dich, dass ich mich so dafür interessiere. Es ist so, dass ich mich in deinen Texten wiederfinde, meine Geschichte, ich verstehe dich, weil es mir ziemlich genauso geht.
      Auch virtuell, über viele Jahre, Freundschaft, die aber doch mehr ist. Als ich mein Blog hier begann wollte ich darüber schreiben, weil es meine Seele bedrückte. Ich begann mit den Briefen von 1-3, die ich mittlerweile passwortgeschützt habe. Brief 4 steht schon lange im Entwurf. Wenn dich die Briefe interessieren kann ich dir das Passwort mitteilen, möchte es allerdings nicht öffentlich. Öffentlich kann ich nicht darüber schreiben, das geht nicht aus bestimmten Gründen, drum hab ich damals auch diese sehr persönlichen Texte passwortgeschützt.
      Somit hat sich mein Blog schnell verändert vom anfänglichen kleinen Geschichten schreiben zu Kurztexten, Lyrik. Aber letztlich drückt sich in allem immer die Seele aus, das Herz und das, was es zu verarbeiten gibt, Vergangenes und Aktuelles…

      • natürlich würden mich deine briefe sehr interessieren. aber noch wichtiger ist es, dass wir uns zu diesem thema austauschen können. denn ich glaube tatsächlich, dass mir das sehr weiterhilft.
        ich bin heute zu der erkenntnis gekommen, dass das klammern an der vergangenheit solange bestehen wird, wie die gegenwart nichts „besseres“ zu bieten hat. das reine nachdenken hilft nicht; man muss selbst aktiv werden, um seine situation zu verändern. und jeder konstruktive kontakt (virtuell oder nicht 😉 ) ist ein schritt in die richtige richtung. ^^

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