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Gegen die „Kollektivschuldlegende“

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Vierte Internationale die Lüge unter Beschuss, das deutsche Proletariat und die gesamte deutsche Bevölkerung hätten Schuld an den ungeheuerlichen Verbrechen des Hitlerfaschismus. Diese Lüge wurde sowohl von den kapitalistischen „Demokratien“ als auch von den Sozialdemokraten und Stalinisten verbreitet. Als Ausdruck ihrer Solidarität mit den arbeitenden Menschen des zerstörten Deutschlands bekräftigten die Trotzkisten erneut die Notwendigkeit, die barbarische kapitalistische Weltordnung durch proletarische Revolutionen hinwegzufegen.

Die Wahrheit erfordert es, dem Weltproletariat zu sagen, dass der Hitlerfaschismus nicht ein rein „deutsches“ Phänomen war, sondern die äußerst gewalttätige Diktatur des deutschen Monopolkapitalismus gegen die deutschen Werktätigen. Bevor sich Hitler auf den Weltkrieg einließ, führte er zuerst Krieg gegen das deutsche Proletariat. Um seine Kriegsmaschinerie ungestört aufbauen und dann seine Kriegsverbrechen begehen zu können, hatte er zuerst die deutschen Arbeiterorganisationen zu zerschlagen und die gesamte Führung der Arbeiter abzuschlachten. Solange sich Hitlers Gemetzel gegen das deutsche Proletariat richtete, unterstützten ihn die ausländischen Kapitalisten. Sie ermunterten Hitler und unterhielten mit ihm Geschäftsbeziehungen. Die Schuld des internationalen Kapitalismus, den Hitlerfaschismus unterstützt zu haben, wird im Nachhinein nur noch dadurch unterstrichen, dass er der deutschen Bevölkerung das Etikett „schuldig“ aufklebt, um Milliarden an Reparationen aus ihr herauszupressen.

Weiterhin erfordert es die Wahrheit, festzuhalten, dass der Zweite Weltkrieg ausbrach, als Hitler im Interesse des deutschen Monopolkapitalismus eine Neuaufteilung der Märkte und Einflusssphären weltweit durchzusetzen versuchte. Wenn nun Hitler, der den auf dem Weltmarkt verspäteten deutschen Imperialismus repräsentierte, als der Aggressor erscheint, ist das noch kein Grund dafür, die anderen Imperialisten als friedensliebende Demokraten zu bezeichnen, denn sie verteidigten einfach nur imperialistische Räubereien aus einer früheren Zeit. Dass sie nicht unschuldig waren, wird dadurch noch umso mehr hervorgehoben, dass sie, kaum hatten sie ihren Konkurrenten Hitler geschlagen, untereinander neue imperialistische Auseinandersetzungen anzettelten, neue Blöcke organisierten und die Grundlage für einen neuen Krieg legten. Und diese imperialistischen Auseinandersetzungen werden vor allem auf dem Rücken des deutschen Proletariats ausgetragen.

Wir internationalen Kommunisten prangern daher als Hauptschuldigen vor allem das kapitalistische System an, das Krieg und Faschismus hervorbringt. Wir sagen dem deutschen Proletariat und allen anderen Arbeitern, dass der Sturz des Hitlerfaschismus den Weltfrieden nicht garantiert. Friede kann nur sichergestellt werden durch den Kampf für den Sozialismus und die Vereinigten Sozialistischen Staaten der Welt…

Letzten Endes sehen sowohl die siegreichen Imperialisten als auch die besiegten Hitlerfaschisten und die jetzt heuchlerisch demokratische deutsche Bourgeoisie alle ihren Hauptfeind in der proletarischen Revolution. Die deutsche Bevölkerung nach dem Prinzip der Kollektivschuld zu behandeln führt genau dazu, dass die Faschisten neue Möglichkeiten erhalten, im trüben Wasser des Nationalismus zu fischen. Die Gefahr ist sogar noch größer, denn wenn die deutsche Bevölkerung kollektiv schuldig ist, dann können die Nazis, die wirklich Schuldigen, logischerweise darauf hoffen, der Bestrafung zu entgehen.

Wir warnen das deutsche Proletariat davor, dieser Bourgeoisie zu trauen, die sich nun für demokratisch erklärt. In Wahrheit sind diese neuen „Anti-Faschisten“ die gleichen kapitalistischen Cliquen, die bereits ihre Verbindungen mit den internationalen Konzernen benutzen, um ihre Klassenfront gegen das deutsche Proletariat neu zu organisieren, und die mit den ausländischen Imperialisten einen Pakt schließen wollen, um deutsche Reparationen der deutschen Bevölkerung aufzubürden.

– „Internationale Solidarität mit dem deutschen Proletariat“, Fourth International (Januar 1946)

Quelle: Spartakist 208 „Demokratischer“ Imperialismus und Kollektivschuldlüge

[Anmerkung systemcrash: ich finde es richtig, dass die SpAD die forderung nach entschädigung griechenlands korrigiert. merkwürdigerweise hat die ebenso sektiererische PSG den gleichen schwenk gemacht. im April 2015 hat Peter Schwarz in der WSWS sich völlig zurecht gegen die reparationsforderung gewendet, während im März 2015 derselbe Peter Schwarz die griechischen entschädigungsforderungen als berechtigt bezeichnet hat. offensichtlich ist es gar nicht so einfach ein prinzipienfester internationalist zu sein, wenn einem chauvinistischer und antideutscher wind um die ohren bläst. wie soll das erst werden, wenn man sich wirklich in einer situation der militärischen konfrontation befände; dann würde der druck um potenzen steigen und dann wird es sich konkret zeigen, ob man unter der fahne von Liebknecht steht oder ins nationalistische horn blasen will!]

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Ein Kommentar zu “Gegen die „Kollektivschuldlegende“

  1. ist doch gut, wenn man einen artikel zweimal liest ;).
    so schreibt Peter Schwarz im artikel vom 14. April 2015:

    „In einem früheren Artikel hatten wir die griechischen Entschädigungsforderungen als „berechtigt“ bezeichnet. Diese Einschätzung trifft nur aus Sicht der individuellen Opfer zu, die ihre Angehörigen, ihren Besitz und ihre Existenzgrundlage verloren haben oder als Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden; sie haben ein Recht auf Entschädigung. Bezogen auf die Reparationsforderungen der Regierung Tsipras ist sie dagegen falsch. Diese sind in jeder Hinsicht reaktionär.“ https://www.wsws.org/de/articles/2015/04/14/repa-a14.html

    eine ähnliche position vertritt ein berliner ANTARSYA-mitglied in einem gastbeitrag bei klassegegenklasse:

    „Gleichzeitig gibt es eine andere Kategorie von Reparationsforderungen: Mehrere Bürger*inneninitiativen und Einzelpersonen fordern Reparationen für ihre von der Wehrmacht verbrannten Dörfer und ermordeten Verwandten. Diese Forderungen verdienen Unterstützung.

    Das Problem beginnt dann, wenn man die Reparationen als Instrument einer „stolzen nationalen Politik“ zu verwenden versucht. Damit will die reformistische Linke von den wichtigen Themen, wie die Schuldenkrise oder die Privatisierungen, ablenken. Sie behaupten: Wenn Deutschland nicht bezahlt, werden wir deutsches Eigentum enteignen. Aber sie sagen kein Wort über den Ausverkauf des Hafens von Piräus an die chinesische COSCO und die ganzen anderen Privatisierungen.“ https://www.klassegegenklasse.org/was-sagt-die-griechische-linke-zu-reparationsforderungen/

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