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Die „Systemfrage“ stellen – aber WIE?

die berichterstattung über die ereignisse in Griechenland haben offensichtlich dazu geführt, dass die linke (wieder) angefangen hat, eine intensivere debatte zu fragen der strategie zu führen. dies ist natürlich absolut zu begrüssen, sie offenbart aber auch fundamentale mängel, die ich gern ein wenig thematisieren möchte. ich habe dabei nicht den anspruch, DAS programm für eine „lösung“ für Griechenland zu entwickeln (das sollten die genosInnen vor ort übernehmen – FALLS es das überhaupt gibt), sondern möchte nur ein paar persönliche eindrücke darstellen. in den letzten wochen habe ich zahllose artikel zu diesem thema gelesen und allmählich habe ich zunehmend das gefühl, dass ich zwar für mich sagen kann, dass das ganze einen gewissen „bildungseffekt“ hat, der „wert“ der politischen aussagen und analysen scheint aber nicht grösser zu sein, als wenn man feststellte, dass in china der sprichwörtliche sack reis umgefallen ist.

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Selbstverwaltung im Kapitalismus?

So schreibt z B Rüdiger Mats in einem durchaus lesenswerten artikel zur „debatte um einen neuen sozialismus„:

„Bezogen auf zwei Bereiche muss die radikale Linke Erfahrungen reflektieren und in der weiteren politischen Praxis aufnehmen: zum einen Erfahrungen mit der Übernahme von Betrieben durch die Beschäftigten. Auf der kapitalistisch den Subjekten in die Psyche gebrannten Gewissheit, ökonomisch immer nur ein ersetzbares Rädchen im Getriebe zu sein, lässt sich keine funktionierende Selbstverwaltung gründen; hier sind Gegenerfahrungen nötig. Zum anderen Erfahrungen mit antihierarchischer politischer Organisierung auf überregionaler Ebene, Organisierung, die sich gerade nicht am kurzfristigen Erfolg unter herrschenden Bedingungen orientiert (einem Wahlsieg zum Beispiel), sondern an den eigenen inhaltlichen Ansprüchen.“

als ich das zuerst gelesen hatte, dachte ich mir, das klingt ja nicht schlecht, aber „übernahme der betriebe durch die beschäftigten“ kann ich mir in deutschland — im moment — nun wirklich schlecht vorstellen. sowas würde doch nur passieren, wenn die „beschäftigten“ wirklich keinen anderen ausweg sähen, ihre arbeitsplätze (und damit ihre existenz) zu sichern. solange es noch ein ein halbwegs funktionierendes soziales sicherungssystem gibt, scheint mir diese „lösung“ nicht sehr naheliegend zu sein.

aber es gibt ja auch durchaus erfahrungen mit „übernommenen“ betrieben. meistens gehen diese nach einer gewissen zeit pleite und obendrein ist auch ein „selbstverwalteter“ betrieb immer noch den marktbedingungen unterworfen. das heisst, wenn ein „selbstverwalteter“ betrieb nicht „ökonomisch“, also profitabel, produziert, kann er von innen noch so „menschenfreundlich“ gestaltet sein, er wird trotzdem dem wirtschaftlichen untergang geweiht sein. die „beschäftigten“ haben also durchaus gute gründe (auch wenn sie vlt nicht bewusst sind) der „übernahme des betriebes“ skeptisch gegenüberzustehen.

als positiv sehe ich es an, dass der autor auch die psychologische seite der angelegenheit mit einbezieht. das gefühl, ein „ersetzbares rädchen im getriebe“ zu sein, kennt sicherlich jeder abhängig beschäftigte. und es ist auch klar, dass mit einem solch schwach entwickelten selbstbewusstsein sich keine ’neue gesellschaft begründen‘ lässt. WIE aber der ‚(bewusstseins)sprung‘ vom „ersetzbaren rädchen“ zum „herren über das eigene schicksal“ erfolgen soll, darüber erfährt man im artikel leider kein wort.

‚Arbeiter‘ und ‚Intellektuelle‘

von Peter Decker (GSP) habe ich bei neoprene ein schöne inhaltsangabe gefunden (wenn ich auch sonst vom GSP nicht viel halte):

„Besonders Peter Decker, um einen der wenigen anderen Wortführer des GSP [Gegenstandpunkt, nachfolger der MG] anzuführen, hat in diesem Zusammenhang eigentlich immer zentral darauf hingewiesen, daß Arbeiter von dem einfachen tradeuninonistischen Standpunkt, „Boss, ich brauch mehr Geld“ zur Seite treten müßten und damit aufhören müßten, sich in ihren Arbeitskämpfen (ich sage jetzt nur) als Arbeiter aufzuführen.

Erst wenn die Arbeiter es vom Bewußtsein her aufgegeben haben, als Arbeiter in diesem System zu etwas kommen zu wollen, werden sie die objektive Kraft, die sie, als diejenigen, die ja den ganzen Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft erarbeiten, für Kämpfe, die wirklich dem Kapital (und seinem Staat) zusetzen, entfalten können.” — neoprene, Podcast mit Theo Wentzke zu Griechenland

dies scheint mir fraglos richtig zu sein, aber auch hier fehlt der hinweis darauf, WIE die arbeiterInnen es lernen können, quasi über ihren eigenen schatten springen zu können – oder sich am eigenen schopf aus dem sumpf zu ziehen („Erst wenn die Arbeiter es vom Bewußtsein her aufgegeben haben, als Arbeiter in diesem System zu etwas kommen zu wollen…“)

auf den begriff „antihierachische politische organisierung“ möchte ich im rahmen dieses artikels jetzt nicht eingehen (es führt zu weit von meinem eigentlichen anliegen weg), verweise aber gern auf den artikel von DGS: http://www.linkezeitung.de/index.php/debatte/beitraege/3105-ist-eine-nicht-hierarchische-arbeitsteilung-moeglich#mainmenu

es geht da zwar hauptsächlich um geschlechterverhältnisse, eine anwendung auf politische organisierung ist aber mutatis mutandis möglich.

aber unabhängig von der frage, ob politische organisierung „hierachisch“ oder „nicht-hierachisch“ ist oder sein soll, setzt ja die einsicht in die notwendigkeit von politischer organisierung (politische organisierung im sinne der leninschen trennung von politischer und ökonomischer organisierung) bereits das bewusstsein voraus, dass man als lohnabhängiger IM kapitalistischen system nicht sein volles menschliches potential entfalten kann; und zwar nicht aufgrund ‚persönlicher unzulänglichkeiten‘, sondern als ergebnis von systemischen zwängen. und wenn man diese ’systemischen zwänge‘ überwinden will, geht das nur über eine kollektive politische organisierung mit entsprechender politischer theorie und programmatik.

DIESE einsicht erwächst aber nicht unmittelbar aus den arbeitsbedingungen im kapitalistischen betrieb, sondern ist das ergebnis einer theoretischen reflexion. von daher sind ‚arbeiter‘, die diese einsicht haben, nicht politisierte ‚arbeiter‘, sondern ‚intellektuelle‘ emanzipatorischer bestrebungen. oder in den worten von Lenin:

„Dies heißt selbstverständlich nicht, daß die Arbeiter an dieser Ausarbeitung [der sozialistischen theorie] nicht teilnehmen. Abar sie nahmen daran nicht als Arbeiter teil, sondern als Theoretiker des Sozialismus, als die Proudhon und Weitling, mit anderen Worten, sie nehmen nur dann und soweit daran teil, als es ihnen in höherem oder geringerem Maße gelingt, sich das Wissen ihres Zeitalters anzueignen und dieses Wissen zu bereichern. Damit aber den Arbeitern dieses häufiger gelinge, ist es notwendig, alles zu tun, um das Niveau der Bewußtheit der Arbeiter im allgemeinen zu haben; ist es notwendig, daß die Arbeiter sich nicht in dem künstlich eingeengten Rahmen einer „Literatur für Arbeiter„ abschließen, sondern daß sie es immer mehr lernen, sich die allgemeine Literatur zu eigen zu machen. Es wäre sogar richtiger, anstatt „sich nicht abschließen“ zu sagen: nicht abgeschlossen werden, dann die Arbeiter selbst lesen alles und wollen alles lesen, auch das, was für die Intelligenz geschrieben wird, und nur einige (schlechte) Intellektuelle glauben, „für Arbeiter“ genüge es, wann man ihnen von den Zuständen in der Fabrik erzählt und langst bekannte Dinge wiederkäut.“ Lenin, Was Tun 

obwohl die trennung von ‚arbeiter‘ und ‚intellektuelle‘, wie sie Lenin hier wiedergibt, für die heutige zeit SO nicht mehr gültig ist, hat er aber doch recht, wenn er arbeiter, die sich der ’sozialistischen bewegung‘ (die es zu seiner zeit ja noch gab) anschliessen, nicht mehr als ‚nur arbeiter‘ ansieht, sondern eben als ‚intellektuelle‘. dies aber freilich nicht in dem sinn, dass aus den ‚arbeitern‘ nun so eine art „rote professoren“ werden, sondern dass sie als teil [1] der lohnabhängigen wirken, die kämpfe, wenn sie denn stattfinden, über ihre eigenen grenzen hinauszuführen bestrebt sind.

„Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch [herv. v mir] vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ Marx, Engels, Manifest

wenn es denn richtig ist, dass die einsicht in die notwendigkeit einer ’systemtranszendenz‘ das ergebnis einer theoretischen reflexion ist (natürlich kombiniert mit der erfahrung der lohnabhängigkeit und kapitalistischer arbeitsbedingungen), dann ist meines erachtens die effektivität politischer agitation in frage gestellt. man kann leuten nicht mit parolen (selbst wenn sie noch so knackig formuliert sind) den warencharakter der lohnarbeit oder den fetischcharakter des kapitalverhältnisses erklären, denn dies sind themen eines wissenschaftlichen studiums (nicht zu verwechseln mit universitärem studium) und kann nicht gegenstand einer wie auch immer gearteten politischen ‚kampagne‘ sein.

(theoretische) Selbstqualifikation statt (sinnlosen) Aktivismus

zu Lenins zeiten mag es richtig gewesen sein zu sagen, dass sich „die arbeiterklasse spontan zum sozialismus hingezogen fühlt“, aber selbst zu Lenins zeiten, war der ’spontane‘ einfluss bürgerlicher ideologie auf die arbeiterklasse grösser als der ’sozialistische‘.

„Man sagt oft: Die Arbeiterklasse fühlt sich spontan zum Sozialismus hingezogen. Das ist vollkommen richtig in dem Sinne, daß die sozialistische Theorie tiefer und richtiger als jede andere die Ursachen des Elends der Arbeiterklasse aufzeigt; darum wird sie von den Arbeitern auch so leicht erfaßt, falls diese Theorie nur selber vor der Spontaneität nicht die Segel streicht, falls sie sich die Spontaneität unterordnet. […]Die Arbeiterklasse fühlt sich spontan zum Sozialismus hingezogen, aber die am weitesten verbreitete (und in den mannigfaltigsten Formen ständig wiederauferstehende) bürgerliche Ideologie drängt sich trotzdem spontan dem Arbeiter am meisten auf.“ — Lenin, Was Tun 

auf die heutigen verhältnisse übertragen ist dieser satz SO sicher nicht mehr gültig.

  1. es existiert zumindest in deutschland keine „arbeiterbewegung“ mehr im traditionellen sinne [2]. die gewerkschaften sind zu instrumenten reinen co-managements verkommen. die SPD ist zur ‚rein‘ bürgerlichen partei mutiert, von der man nicht einmal mehr im soziologischen sinne von „arbeiterpartei“ sprechen kann. die Linkspartei hat zwar sicher eine gewisse basis im gewerkschaftsapparat, aber ob dies die bezeichnung „arbeiterpartei“ rechtfertigt, scheint mit zumindest nicht gesichert zu sein. ich würde die PDL überwiegend als kleinbürgerliche formation ansehen, auch wenn der analytische wert einer solchen aussage sicher gering ist.
  2. 60 jahre erfahrungen mit dem „realsozialismus“ haben auch bei den lohnabhängigen spuren hinterlassen. antikommunismus — insbesondere in seinen sozialdemokratischen varianten — ist „normal“ unter lohnabhängigen. ohne eine wissenschaftliche aufarbeitung des „stalinismus“ wird es — zumindest in deutschland — niemals eine einigermassen „handlungsfähige“ linke geben können.

bei aller positiven bewertung, der ich der gegenwärtigen linken strategie-debatte über Griechenland beimesse, so sollten die beteiligten dieser diskussionen doch nicht vergessen, wie marginal und bedeutungslos die politische linke in deutschland (von den gruppen mit ‚revolutionärem‘ selbstanspruch gar nicht erst zu reden) ist und welche grossen organisatorischen und theoretisch-programmatischen berge erst versetzt werden müssen, bevor das anders werden KÖNNTE. bevor man andere (in anderen ländern) also kritisiert wegen ihrer vermeintlichen halbherzigkeiten und unzulänglichkeiten ist ein blick auf die eigene nase immer empfehlenswert. nur leider können wir aus anatomischen gründen unsere eigene nase normalerweise nicht sehen – da hilft nur der blick in den (selbstreflexiven) ’spiegel‘: der spiegel, der das ‚Ich‘ als teil des ‚ganzen‘ sieht und über das bestehende (weit) hinausweist (strukturelle UND persönliche transzendenz); als bewusster und handelnder teilnehmer an der geschichtlichen bewegung, die sowohl den akteur als auch die gesellschaftlichen umstände verändert; für eine (hoffentlich) bessere zukunft – die wir wohl alle bitter nötig haben!

„3. Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren.

Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.“ — Marx, Thesen über Feuerbach 

——–

[1] in einer kritik an der Militant strömung und ihrer nachfolger schreibt die RSO richtig: „Nicht Intellektuelle als soziale Gruppe, wie Kautsky in aufklärerischer Tradition gemeint hat, tragen den Sozialismus ins Proletariat, sondern der politisch bewussteste Teil der Klasse, der sich gemeinsam mit anderen Revolutionären in einer sozialistischen Kaderorganisation zusammengeschlossen hat, versucht in den anderen Teilen der Klasse sozialistisches Bewusstsein zu entwickeln.“ http://www.sozialismus.net/content/view/1057/127/

[2] Helmut Dahmer schreibt in einem artikel zum 75. Todestag von Leo Trotzki:

„Die alte europäische Arbeiterbewegung der Arbeiter-Massenparteien, der Trotzki, der revolutionäre Literat, angehörte, ist Vergangenheit. Bolschewiki, Trotzkisten und Anarchisten kamen „zu früh“. Ihre Versuche, der verhängnisvollen Entfaltung der kapitalistischen Weltwirtschaft ein Ende zu setzen, scheiterten. Es zeigte sich, dass die Mehrheit der internationalen Arbeiterschaft wohl an Reformen und an der Hebung ihres Lebensstandards interessiert war, aber zögerte, Fabriken, Banken und die Staatsmacht zu erobern, um ihre Selbstbefreiung ins Werk zu setzen. Nahmen die Lohnarbeiter in einer günstigen Situation ihr Geschick einmal in die eigenen Hände (wie in der deutschen Novemberrevolution von 1918 oder 1936 im spanischen Aufstand gegen den Putschgeneral Franco), dann wurde die revolutionäre Bewegung alsbald isoliert und durch konterrevolutionäre Truppen blutig niedergeschlagen. Für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Weltwirtschaft zahlt die Menschheit einen hohen Preis: permanente Kriege und Massaker in allen Weltteilen und die Verelendung eines Fünftels der Weltbevölkerung.“

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3 Kommentare zu “Die „Systemfrage“ stellen – aber WIE?

  1. zum thema „betriebsbesetzungen“ hat neoprene folgenden kommentar geschrieben:

    „Rüdiger Mats ist immer gut, wenn er die Fragen und Probleme vormuliert, um die es der revolutionären Linken geht oder leider zumeist ja nur gehen müßte. Getoppt wird das regelmäßig durch seine Überschriften, hier ja auch wieder.
    Aber was dann leider anschließend kommt, der berühmte Königsweg zur „Übergangsgesellschaft“ hin oder Kommunismus her, dann bleibt es immer dünn. Vielleicht ist das im Augenblick auch nicht zu vermeiden, auffällig ist es alle mal.

    Ein zentraler Punkt seiner Hoffnungen, die Betriebsbesetzungen, scheint mir besonders hoffnungslos zu sein. Das sind ja historisch immer die verzweifelten Versuche isolierter Belegschaften in kleineren Betrieben gewesen, nach einem kapitalistischen Aus für ihren Betrieb trotzig irgendwie weiter zu machen. Als ich jung war, gingen die Linken überall mit dem Kampf der LIP-Arbeiter hausieren (Wikipedia: „Große Resonanz in Frankreich und den Nachbarländern fand die Besetzung der Uhrenfabrik LIP in Besançon 1974, bei der die Belegschaft im Widerstand gegen drohende Entlassungen und die Umstellung von Markenuhren auf Massenware die Produktion allein weiter führte und ein eigenes Vertriebsnetz aufbaute.“) Dieser Tage sind das die Strike-Bikeler und aktuell die Vio.ME-Kampagne „Occupy, Resit, Produce“.

    Das ist aber meines Erachtens nur die etwas militantere Version einerseits der alten Genossenschaftsbewegung und andererseits des modernen Kommunalismus. Und das das regelmäßig so gut wie gar nichts an Landgewinnen für Kommunisten gebracht hat ist offensichtlich und ist auch (meiner Ansicht nach) auch vom Programm her untauglich als Modell für eine nachkapitalistische Organisationsform der Wirtschaft, schreibt er ja selbst, „Es ist eine noch offene Frage, wie eine linksradikale Organisierung produktiv an solche Projekte anknüpfen kann.“ Denn welches „Wissen“ kommt denn dadurch (und nur dadurch) zusammen, welche „Erfahrung“ machen den die Menschen, die da involviert sind, daß sie ausgerechnet dadurch zu Kommunisten würden?

    Zum Streit um den Stellenwert von Erfahrungen möchte ich hier wieder auf den Disput zwischen Michael Heinrich als typischem Protagonisten für solch eine Sichtweise und Peter Decker als dem Wortführer des GegensStandpunkt verweisen:
    Erfahrungen“ versus „unbrauchbare Unzufriedenheit““

    http://neoprene.blogsport.de/2015/08/28/butter-bei-die-fische-r-mats-zur-debatte-um-einen-neuen-sozialismus/#comment-117743

  2. vergleich auch zum thema betriebsbesetzungen:

    „Zudem hat der Übersetzer die zehn Betriebsreportagen am Ende mit ein paar Sätzen zur aktuellen politischen Lage versehen. Die allerdings stehen im Widerspruch zum in der Einleitung vermittelten Bild einer kämpferischen und im Aufwind befindlichen Bewegung: Die Keramikfabrik Zanón aus der südlichen Provinz Neuquén steht kurz vor der Pleite. Medienberichten zufolge wurden bis Juni diesen Jahres bereits über 680 der insgesamt mehr als 2.000 Beschäftigten entlassen. Für notwendige Investitionen bemühen sich die Arbeiter aktuell um einen Kredit von der Regierung Cristina Fernández de Kirchner. Gleiches gilt für die wichtige Textilfabrik Brukman in Buenos Aires: Auch hier mangelt es an Krediten und an Auftraggebern: »Wir wollen Standardausstatter von Staatsunternehmen werden – aber das Wesen dieses Staates steht gegen Betriebe wie unsere«, wird eine Beschäftigte zitiert.

    Und das ist das Problem des Buches: Die spannende Frage, ob mit Eigentumsstrukturen gebrochen werden kann, während man im kapitalistischen Markt verbleibt, und ob darüber hinaus eine Verbesserung der materiellen Situation der Beschäftigten erreicht werden kann, bleibt weitgehend unbeantwortet. Angaben zu den Arbeitsbedingungen, Löhnen oder anderen ökonomischen Kennzahlen finden sich nur selten. Auch der interessanten Frage, ob es Versuche gab, alternative Märkte, z. B. über regionale Strukturen, zu finden, wird kaum nachgegangen.“

    http://www.jungewelt.de/2015/08-24/014.php

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