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Filmkritik: Die Tribute von Panem Teil 3.2

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nachdem ich den teil 3.1 von „die tribute von panem“ doch recht positiv bewertet hatte, war natürlich meine erwartungshaltung für den letzten teil sehr hoch. ich hatte erwartet, dass es ein fulminantes revolutionsepos geben würde mit allem drum und dranski. diese erwartung wurde gründlich enttäuscht. dass man Katniss nicht noch stärker, und damit klischeehafter, als heldin stilisierte, mag man noch irgendwie „gut“ finden (wobei ich gestehen muss, dass ich heldenstilisierung mag 😉 ). aber die ganze handlung und auch die darstellung der charaktere konnten überhaupt nicht an das niveau von teil 3.1 anknüpfen.

das ganze wirkt so, als ob den filmemachern für den schlussteil völlig die ideen ausgegangen wären. die kritik, dass man den schlussteil in zwei teile aufgeteilt habe hätte rein kommerzielle gründe, scheint sich daher zu bestätigen.

zwei punkte fielen mir besonders auf:

1) dass man nicht nur Snow, sondern auch den „neuen Snow“ (Alma Coin)– quasi die weibliche allegorie auf Stalin a la Panem (et circenses) — gleich mit umbringt, mag als historische erfahrung [berücksichtigung der entwicklung der russischen Oktoberrevolution, die revolution frisst ihre kinder] sinn machen, wirkt aber nicht sehr glaubwürdig.

2) dass man aus einem wirklich brisanten politischen „stoff“ (mit dem zeug zur revolutionsoper) zum schluss eine gartenlaubenidylle [idealisierung der „kernfamilie“] gemacht hat, muss man wohl den filmemachern persönlich krumm nehmen.

ich möchte aber betonen, dass man kunstkritik (und auch ein hollywood-film ist kunst) nicht nur auf einer „politischen“ und/oder ideologischen ebene betreiben kann (auch wenn das wichtige aspekte sind), sondern man das kunstwerk in seiner „gesamtheit“ würdigen muss. und mit einer rein „politischen“ kritik kann man der kunst nicht gerecht werden. ich finde es daher müssig, darüber nachzudenken, ob die rolle der frauen in dem film „progressiv“, „konservativ“ oder gar „reaktionär“ ist. oder ob das kostüm von Katniss „militärisch“ sinnvoll oder nur auf „sexy“ (woraus einige schlichtere gemüter messerscharf auf „sexismus“ schliessen) gestylt ist, zumal Jennifer Lawrence ja auch wirklich eine ungewöhnlich gutaussehende junge frau ist. viel entscheidener ist doch die frage, WARUM man sich mit einer solchen figur identifizieren kann und die tatsache, DASS man sich mit ihr identifizieren kann; sodass sie die rolle der „leitfigur“ der revolutionären entwicklung „spielen“ kann. ja, man muss „spielen“ sagen, nicht weil es sich „nur“ um einen film handelt, sondern weil Katniss diese rolle ja nicht freiwillig übernimmt, sondern ihr aufgezwungen wird. und sie bewahrt dabei ihre persönlichkeit, also das, was sie als mensch auszeichnet; mit all ihren schwächen und stärken. und genau darauf beruht ihre glaubwürdigkeit und darum kann man sich mit ihr identifizieren.

die form der „partei“-mässigen bewertung von kunst sollte eigentlich seit den unseligen tagen des „proletkult“ vorbei sein. leider finden sich sich noch hartnäckige überbleibsel dieser unsitte in einigen kleinen „linken“ konventikeln; die aber glücklicherweise von nur sehr wenigen ernst genommen werden. [*]

für alle, die bislang alle teile gesehen haben, ist teil 3.2 natürlich ein must see. aber beschwert euch hinterher nicht, wenn ihr ein bissl enttäuscht seid!

——

[*] ein beispiel für diese „partei-mässige“ bewertung von kunst ist der artikel über den film auf der website „klasse gegen klasse“ (RIO/FT-CI). obwohl er einige wertvolle hinweise auf die schwierigkeiten der begründung für „revolutionäre“ politik enthält, ist er nur auf die rein ideologische kritik fixiert (ohne die kunst als solche zu würdigen) und der bezug auf die AfD in der überschrift ist aus meiner sicht glatt an den haaren herbeigezogen.

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Ein Kommentar zu “Filmkritik: Die Tribute von Panem Teil 3.2

  1. wo ich gerade das wort „militärisch sinnvoll“ lese fällt mir siedendheiss auf, dass pfeil und bogen auch nicht gerade standardkriegswaffen sind, auch wenn es mittlerweile high tec versionen davon gibt. sie sollen vermutlich eher romantische assoziationen a la robin hood hervorrrufen und der bogen ist vom ästhetischen standpunkt eine äusserst elegante waffe, was wiederrum das wesen der „heldin“ unterstreicht.

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