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NaO-Diskussion über den „Schock von Köln“

Micha Schilwa, ein führender kopf der berliner NAO, hat seinen frust über die „pawlowsche linke“ zu papier gebracht.

bei scharf-links gespiegelt

er stellt sicherlich berechtigte fragen, aber nur eine völlig verkleinbürgerlichte und political-correctnes-psychopathologisierte ‚linke‘ (angst, was ‚falsches‘ von sich zu geben, weil verstand und gefühl dissoziiert sind) können ein problem damit haben, dinge so zu benennen, wie sie sind. wenn ein schwarzer in den USA einen mord begeht, wandert er (oder sie) in den knast. punkt. das hat (erst mal) nix mit rassismus zu tun. und wenn araber frauen vergewaltigen (egal ob deutsche oder nicht-deutsche) wandern sie ebenfalls in den knast (und möglicherweise droht ihnen auch ausweisung). auch das hat nix mit rassismus zu tun. natürlich müssen versuche, solche geschehnisse (die zurecht als traumatisch bezeichnet werden können) für rechts-populistische ansinnen zu instrumentalisieren, zurückgewiesen werden; aber straftat ist und bleibt straftat – und alle diskussionen über (mögliche) psychologische und/oder kulturelle hintergründe solcher taten ändern nichts daran, dass das zu schützende rechtsgut (in diesem fall: leib und leben von frauen) an erster stelle zu stehen hat. 

Nach dem Schock von Köln – eine hilflose Linke zwischen Ritual und Reflex

 

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10 Kommentare zu “NaO-Diskussion über den „Schock von Köln“

  1. leserbrief von A. Holberg zum Schilwa-Artikel:

    „Ich mach’s kurz!: ein toller Artikel, der das, was ich (wohlbemerkt kein „Mandelist“)im Wesentlichen bereits geschrieben hatte, mit der – leider wohl – notwendigen Ausführlichkeit noch einmal darlegt. Insbesondere muss immer wieder be[t]ont werden, dass vor allen Überlegungen zum Thema „was tun?“ die Darstellung und Analyse des „was ist?“ zu kommen hat. Sollte dieser Beitrag wirklich einen Shitstorm nach sich ziehen – na und? Welche gesellschaftliche Relevanz haben denn diese „linken“ Kreise, aus denen „Shit“ kommt? Dass die Linke im allgemeinen Sinn ohnehin leider wenig gesellschaftliche Relevanz hat, liegt natürlich letztendlich daran, dass sich ihr die einzige objektiv relevante soziale Basis – das „revolutionäre Subjekt“ in Form der Arbeiterklasse – seit „ewigen Zeiten“ beharrlich verweigert und die Linke so nur in negativer Weise ihre Theorien und Aktivitäten an der Praxis überprüfen kann. Ganz zentral scheint mir die (theoretische) Arbeit an der Frage zu sein, weshalb das m.E. einzig mögliche revolutionäre Subjekt (die Arbeiterklasse) sich beharrlich weigert, seine „historische Mission“ zu erfüllen. Das wäre die Voraussetzung dafür, eine praktikabele linke Praxis zu entwickeln (auch in der Flüchtlingsfrage). Auf den Teil der „Linken“, der ohnehin damit durchaus zufrieden sind, nicht von den „reakti[o]nären Normalos“ verstanden zu werden, kann die Welt natürlicht verzichten.“

    http://www.scharf-links.de/55.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=54605&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=1944544e21

  2. ich habe bei facebook auch noch mal was geschrieben, um ein bisschen die diskussion anzuregen:

    ich habe mal eine verständnisfrage: wenn frauen als sextouristinnen mach afrika oder in die karibik reisen, wird das dann unter ’sexismus‘ verbucht oder ist das ausdruck der (wachsenden*) gleichberechtigung? – und — ums ganz kompliziert zu machen — wenns „weisse“ frauen sind, ist das dann sogar ‚rassistisch‘ oder gar ‚imperialistisch‘, ’neo-kolonialistisch‘ oder eher fortschrittlicher multi-kulturalismus? sollte man also ‚obergrenzen‘ für weibliche (und männliche) sextouristen fordern?…..
    ihr merkt schon an den etwas absurden fragestellungen, ich habe probleme mit dieser art ‚linker und feministischer political correctness, die mir eher moralistisch und als neue prüderie erscheint, denn als ernsthafte politische kritik, die ausserhalb subkultureller szenen irgendeine bedeutung erlangen könnte.
    wenn die ereignisse von Köln eins zeigen, dann, dass es keine einfachen antworten auf verwickelte fragestellungen gibt. die welt ist nicht schwarz/weiss oder gut/böse, sondern durch vielfältige und teiweise sich überlagernde widersprüche und konfliktlagen geprägt. und von daher muss man bestrebt sein, zu erkennen, was die VORRANGIGE aufgabe ist – anstatt ‚ideologisch‘-stur an einem „maximalstandpunkt“ festzuhalten, der bestenfalls der eigenen intellektuellen befriedigung dient aber niemals das erzeugen kann, was ‚linke‘ doch angeblich anstreben: ‚Massenwirksamkeit‘ zu erzielen.
    [ich glaube, der ‚linke‘ hang, alles in schubladen zu stecken, wird dem wahren leben nicht wirklich gerecht. man sollte darüber ernsthaft nachdenken]
    (*ich habe allerdings keine zweifel, dass es weniger weibliche als männliche sextouristen gibt – bezweifle aber, dass das irgendwas aussagt über sexistische oder nicht-sexistische einstellungen bei frauen)

    überhaupt scheinen mir alle argumentationsansätze, die irgendwie „relativieren“ wollen, der sache nicht dienlich zu sein.

  3. von TAP gibt es jetzt auch eine (längere) antwort auf den Schilwa-Text. (in zwei teilen)
    http://www.scharf-links.de/40.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=54665&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=c4fdc101c0

    er versucht dort seine these zu begründen:

    „Das Hauptproblem in der linken Debatte über „Köln“ sei nicht die Kontroverse zwischen frauenfreundlichem, unterschwelligen und sich selbst nicht eingestandenen, objektiven Rassismus auf der einen Seite und einem anti-feministischen „Antiimperialismus“ auf der anderen Seite.
    Das Hautproblem der linken Debatte liegt vielmehr im übereinstimmenden linken Nicht- bis Antifeminismus, der m.E. sowohl bei den anti-feministischen Antiimps (siehe z.B. die RIO-Überschrift: „Keine Frauenbefreiung ohne Antiimperialismus!“) als auch bei den soft-rassistischen ‚Frauenfreunden’ vorliegt, die die Ursache der Ereignisse versuchen, von rassifiziertes Patriarchat zu Ethnie/Religion zu verschieben.
    Dagegen wenden sich Feministinnen sowohl gegen eine Verharmlosung der Kölner Taten als auch dagegen, die Ursache der Taten in race statt in gender zu sehen.“
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2016/01/27/koeln-und-die-antifeministische-konvergenz-von-anti-feministischen-antiimps-und-soft-rassistischen-frauenfreunden/

    mit DIESER these könnte ich noch gut leben (mal abgesehen vom begriff ‚feminismus‘, den ich etwas kritischer sehe als TaP), aber ansonsten bin ich mit dem artikel weniger zufrieden. ich finde schon den aufbau des textes nicht wirklich glücklich. aber in sachen ‚geschlechterverhältnisse‘ kommen wir in diesem leben eh nicht zusammen. 😉

  4. meine antwort auf den TaP-Artikel:

    ich weiss, du hast es nicht so mit kulturellen unterschieden, aber du kannst doch auch nicht leugnen, dass das patriarchat im Iran oder Saudi-Arabien noch mal ne nummer schärfer ist als in der BRD.
    in Saudi-Arabien dürfen frauen bekanntlich nicht mal autofahren und im Iran kann man wegen ehebruch oder homosexualität gesteinigt oder öffentlich gehängt werden. da finde ich die bezeichnung „archaisch“ geradezu verharmlosend.
    was die ursachen dafür sind, ist noch mal eine andere frage, aber ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem fenster, wenn ich sage, dass das was mit den bürgerlichen revolutionen und der aufklärung zu tun hat. und auch 68-bewegung, sexuelle revolution und neue frauenbewegung (die teilweise auch gegen die neue linke gerichtet war, das stimmt) fussen auf der europäischen aufklärung und werden doch von „linken“ als was unbedingt fortschrittliches angesehen, oder irre ich mich?!

    ich finde daher die fragen von Micha Schilwa vollkommen berechtigt, auch wenn vlt nicht klar ist, was dann die politischen konsequenzen sein sollen. auf juristischer ebene scheinen mir die möglichkeiten ohnehin eher sehr begrenzt zu sein. eine verschärfung des sexualstrafrechts und/oder eine paritätische beteiligung von linken an asylverfahren scheinen mir jedenfalls nicht das gelbe vom ei zu sein. aber darum ging es Schilwa — wenn ich ihn richtig verstanden habe — in seinem artikel auch gar nicht vorrangig. er wollte vielmehr ‚linke denktabus‘ („eine hilflose linke zwischen ritual und reflex“) an den pranger stellen, die auch verhindern, dass linke das erreichen, was sie eigentlich vorgeben, anzustreben; nämlich ‚Masseneinfluss‘ zu bekommen. (ohne sich natürlich dem populismus anzudienen)
    ich möchte als linker auch sagen können, dass ich einen bikini besser finde als eine burka – und ich kann daran weder etwas ’sexistisches‘ noch etwas (kultur)chauvinistisches oder (kultur)imperialistisches sehen.
    wenn die linke das nicht hinkriegt, wird sie wohl in der „flüchtlingsfrage“ das feld AfD, Pegida und Co. zwangsläufig überlassen müssen, – da ihre denkschablonen über eine gewisse ’szene‘ hinaus nicht vermittelbar sind. das mag dann zwar der eigenen intellektuellen befriedigung dienen, ist aber ansonsten politisch nicht zielführend.
    meines erachtens kann es in der „Köln-Debatte“ für linke nur darum gehen, den „schutz von und für frauen“ (natürlich nicht im paternalistischen sinn) an die erste stelle zu setzen, ohne vor der instrumentalisierung dieser ereignisse für rechts-populistische ansinnen zu kapitulieren.

    https://linksunten.indymedia.org/de/comment/view/175369

  5. es gibt jetzt auch eine erklärung des „Berliner NAO Plenums“
    zum Schilwa-Papier [01.02.2016]:

    Anti- Rassismus ist nicht verhandelbar

    Die NaO Berlin lehnt die von Michael Schilwa im Papier „Nach dem Schock von Köln” vertretenen Positionen – insbesondere die Infragestellung der Forderung nach „offenen Grenzen“ und das Liebäugeln mit der nach Abschiebung „krimineller Ausländer” – kategorisch ab.

    Dies widerspricht den anti-rassistischen und internationalistischen Positionen der NaO, ihrer politischen Praxis und unserem Verständnis von einer neuen anti-kapitalistischen Organisation. Anti-Sexismus darf nicht als Vorwand für ein Nachgeben gegenüber staatlichem Rassismus und Sozialchauvinismus missbraucht werden.

    Die Berliner NaO wird weiter für den Aufbau einer Massenbewegung gegen den staatlichen Rassismus, rechts-extreme oder gar faschistische Angriffe auf MigrantInnen eintreten. Wir kämpfen weiter für offene Grenzen und volle StaatsbürgerInnenrechte für Alle. Wir verbinden diese demokratischen Forderungen mit sozialen Forderungen wie dem Kampf für das Recht auf Arbeit und die gewerkschaftliche Organisierung aller Geflüchteten, einen Mindestlohn von 12,- Euro für Alle, für die Abschaffung des menschenunwürdigen Lagersystems, die Enteignung leerstehenden Wohnraums, die Nutzbarmachung öffentlicher Immobilien zur dezentralen und selbstverwalteten Unterbringung und einen massiven Ausbau des sozialen Wohnungsbaus.
    http://nao-prozess.de/anti-rassismus-ist-nicht-verhandelbar/

    • Und gegen sexuelle/sexualisierte Gewalt positionieren sie sich gar nicht… – so langsam wird mir der Schilwa-Text sympathisch 😉

      oder vielmehr: kann ich mir lebhaft vorstellen, in welcher NAO-internen Stimmung Schilwas am Ziel vorbeischießender Text zustandegekommen ist.

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