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@TREND-Vortrag: Geschlecht und Klasse

da ich leider aus krankheitsgründen nicht an der Jubiläums-Veranstaltung von TREND teilnehmen konnte, habe ich mir jetzt zumindest den mitschnitt des vortrages von DGS_TaP angehört. allerdings hat sich DG nicht an sein ursprüngliches Skript gehalten, sondern ist wohl spontan auf den vortrag eines anderen referenten eingegangen. das hat aber — zumindest so weit ich das sagen kann — den vorteil, dass die problematik des begriffes „geschlechterverhältnisse“ in den vordergrund rückte und gleichzeitig ein stärkerer politischer bezug (auch ein aktueller) hergestellt wurde; allerdings war die anschliessende diskussion immer noch stark metatheorie-lastig, was aber meines erachtens ein generelles spezifikum „linker“ politik darstellt – und insbesondere gilt dies für fragen des geschlechterverhältnisses/der geschlechterverhältnisse.
link zum audiomitschnitt
ich gehe nur auf die themen ein, die mir am wichtigsten erscheinen und versuche, einen inneren zusammenhang herzustellen. da es hier nicht um eine „wissenschaftliche“ abhandlung geht, sondern mehr um ein brainstorming scheint mir dies methodisch gerechtfertigt zu sein.
Revolutionäre Subjekte?
Ich stimme DGS auf alle fälle zu, dass das geschlechterverhältnis (und auch „rassenverhältnisse“, obwohl mir der begriff gar nicht behagt) nicht (oder nicht vollständig) aus dem kapitalverhältnis ableitbar sind. Dieser Gedanke scheint mir quasi die „mutter“ des nicht-nebenwiderspruchstheoretischen „Marxismus“ zu sein (wie weit dieser begriff überhaupt trägt, ist noch mal eine andere frage). Die probleme beginnen aber erst nach dieser feststellung, wenn es darum geht, daraus die politisch-strategischen schlussfolgerungen zu ziehen. Die position, die DGS einnimmt, dass es drei grundwidersprüche und daher drei revolutionäre subjekte gibt, scheint mir jedenfalls eher ausdruck eines gewissen schematismus zu sein, und wird nicht getragen von einer „marxistischen revolutionstheorie“ [1].
die marxistische revolutionstheorie soll besagen, dass es in der geschichte nicht deshalb revolutionen gab und gibt, weil es leute gibt, denen es nicht so gut ging (oder geht) – denn leute, denen es nicht so gut geht, wird es immer geben –, sondern weil die entwicklung der produktivkräfte sich im widerspruch befand zur entwicklung der produktionsverhältnisse [1a]. Diesen satz darf mal freilich nicht deterministisch (miss)verstehen, dass revolutionen quasi eine automatische zwangsläufigkeit wären. Vielmehr handelt es sich um politische möglichkeiten, die sich aus der geschichtlichen entwicklung ergeben und daher auch der subjektiven vollstrecker bedürfen in form konkreter menschen aus fleisch und blut.
Wenn wir diesen marxschen grundgedanken, dass sich revolutionen aus den produktionsverhältnissen ergeben (als möglichkeit, dies sei noch mal betont), auf das geschlechterverhältnis anwenden wollen, wäre meine erste frage: gibt es ein beispiel für „antipatriarchale revolutionen“ (oder doch zumindest „vorrevolutionäre“ entwicklungen im antipatriarchalen sinne) in der angeblich 5000 jahre alten geschichte des „patriarchats“? Ich wüsste nicht. also besonders weit her kann es mit diesem angeblichen „grundwiderspruch“ (männer/frauen) irgendwie nicht sein.
Nun könnte man die hauswirtschaft als die produktionsweise des patriarchats ansehen. Und in der tat hätten frauen auch einen hebel, um die gesellschaftlichen Machtverhältnisse zu ändern. In dem theaterstück „Lysistrata“ von dem antiken dichter Aristophenes organisieren frauen einen „sexstreik“, um den krieg der männer zu beenden. Der haken an der sache ist nur der: die überwiegende mehrzahl der frauen wird sich auf das arrangement der geschlechtshierachischen arbeitsteilung in der hauswirtschaft mehr oder weniger freiwillig einlassen (wegen partnerschaften oder sogar aus „Liebe“); was allerdings der feststellung eines „strukturellen zwanges“ nicht widersprechen muss. Für wie politisch erfolgversprechend da eine „antipatriarchale revolutionäre strategie“ erscheint, mag sich jeder selbst ausrechnen!

usb_anschluss

Karl machte dann in der diskussion einen interessanten punkt. Er sprach sinngemäss davon, dass es nicht darum geht, was sich der eine oder andere zu diesem oder jenem thema denkt, sondern dass die revolutionäre politik von einer bestimmten voraussetzung ausgeht. Er nannte dafür das marxsche „menschenbild“ und sein „arbeitsbegriff“. Der mensch muss in allen gesellschaftformationen arbeiten und er muss sich auch in allen gesellschaftsformationen reproduzieren (sprich: es müssen kinder geboren werden).
Im kapitalismus ist es den kapitalisten (die ja selbst nur „charaktermasken“ der strukturellen zwänge des kapitalverhältnisses sind) ziemlich egal, welches geschlecht „ihre“ arbeiter haben und unter welchen bedingungen frauen kinder kriegen und aufziehen (ob alleine oder in partnerbeziehungen). Produktion und reproduktion sind quasi zwei sphären, die völlig getrennt voneinander existieren und nichts miteinander zu tun haben [2]. diese sphärentrennung funktioniert aber nur so lange, solange die menschen diese trennung auch mitmachen und solange nicht der bevölkerungsbestand gefährdet ist. Ohne die weibliche hausarbeit und kinderbetreuuung könnte so mancher männliche lohnarbeiter mit familie nicht seiner täglichen (lohn)arbeit nachgehen [2a]; jedenfalls nicht so, wie es nun mal die kapitalistischen standardbedingungen sind. Der rückgang von geburten in industriegesellschaften ist jedenfalls signifikant, kann aber durch migrationsbewegungen wohl kompensiert werden, aber z. B. rentenfinanzierungsprobleme (durch veränderungen der demografischen altersstruktur) sind ein regelmässig wiederkehrendes thema auf der agenda bürgerlicher politik. auch regelungen wie das „erziehungsjahr“, die auch männer beanspruchen können, können zwar die rigidität der geschlechtlichen arbeitsteilung etwas lindern, am bestand der grundsätzlichen struktur ändern sie aber nichts (zumal „frauenlöhne“ im durchschnitt geringer ausfallen als „männerlöhne“, sodass die kinderbetreuung meist „frauensache“ bleibt).

Geburtenentwicklung

ungeachtet sozialstaatlicher abfederungsmassnahmen wären sicherlich bessere bedingungen sowohl für die produktion als auch die reproduktion (wobei in der reproduktion eben auch „vorbürgerliche“ verhältnisse einfluss nehmen) denkbar als die kapitalistischen. Die entscheidene strategische frage ist daher: wo genau kann der „revolutionäre bruch“ ansetzten?
Um ehrlich zu sein: ich weiss es nicht! Da es im moment weder „ökonomische“ kämpfe gibt noch kämpfe um andere (alternative) lebensformen. Und wenn, sind die auch so marginalisiert, dass an hegemoniegewinnung nicht einmal zu denken ist. Ich kann daher die tendenz zum privatistischen rückzug wie zur nischen(freiraum)bildung vollkommen verstehen – nur, eine gesamtgesellschaftliche lösung stellen diese reaktionsformen nicht da.
Um mal eine these als resümee zu wagen: die weibliche hauswirtschaft ist zwar eine produktionsweise (im marxschen sinne), diese kann aber nicht als „eigenständig“ angesehen werden, sondern existiert immer nur in abhängigkeit von der herrschenden produktionsweise (Klassenverhältnisse). Von daher ist aus der weiblichen hauswirtschaft [3] auch keine eigenständige politische strategie ableitbar, sondern ihre belange/interessen können nur in zusammenarbeit mit den „subalternen klassen“ einer lösung zugeführt werden (zugeordnet, aber nicht untergeordnet).
Eine kurze Anmerkung zur Erkenntnistheorie
Karl sagte in der anschliessenden diskussion sinngemäss, dass die politischen gedanken sich aus der wirklichkeit (der empirie) ergeben müssten (und nicht umgekehrt, dass gedanken und worte die realität verändern). In dieser allgemeinheit ist das auch völlig richtig. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass wir die wirklichkeit nicht direkt, unmittelbar [4] erfassen können, sondern nur vermittels eines theoretischen instrumentariums. Dieses theoretische instrumentarium ist dabei auch keineswegs „neutral“, sondern ist selbst „vorstrukturiert“ durch das erkenntnisinteresse. Erkenntnis und parteilichkeit sind also zumindest in der politischen theorie eng verzahnt.
So wie es in der Arbeiterbewegung einen unterschied macht, ob man vom „Arbeit-nehmer“ oder vom „Arbeitskraft-verkäufer“ spricht (das eine ist bürgerliche ideologie, das andere polit-ökonomische wirklichkeit [5]), so macht es auch einen unterschied, ob man geschlechtsunterschiede als „natürlich“ oder „wesenhaft“ (ein gedanke, der in der Romantik häufig vorkommt und daher auch sicher eine gewisse allgemeine kulturelle verankerung hat) ansieht (naturalisierung, essentialisierung), als ausdruck gesellschaftlich-kultureller arrangements/patriarchaler-matriarchaler Kräfteverhältnisse (gender) oder auch als eine verschränkung von beidem (natur-kulturverschränkung, was meine position ist).

——————
[1] ein begriff, den es genausowenig gibt, wie den der „marxistischen klassentheorie“. Hier soll es aber nur um den ausdruck des vorrangs der marxistischen „methode“ gehen gegenüber den konkreten aussagen der „klassiker“. DGS hat aber inzwischen auch zugestanden, dass eine „integrale“ revolutionäre strategie wünschenswert wäre. Vgl.: „die hebel da ansetzen,wo es wehtut“

[1a] „die unzufriedenheit mit den kapitalistischen verhältnissen
nimmt zu. doch innerhalb des gegebenen gesellschaftlichen
rahmes können diese probleme [z. B zeitdruck, stress, existenzängste] nur individuell und in gegenseitiger konkurrenz bewältigt werden, wenn nicht kollektiv an der überwindunbg der kapitalistischen verhältnisse gearbeitet wird.(…) zugleich hemmen jedoch private aneignung, profitlogik und konkurrenz innerhalb der
kapitalistischen produktion schon lange eine sinnvolle
entwicklung und nutzung der ökonomischen potenziale. —
Perspektive Kommunismus

klassisch formuliert bei Marx (mit leichter tendenz zum geschichtsdeterminismus*):

  • „Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.“ -Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, 1859, MEW 13, S. 9* „Gramsci bekämpfte diejenige vulgärmarxistische Auffassung, die davon aus­geht, daß eine revolutionäre Umwälzung der kapitalistischen Verhältnisse „automatisch“ erfolge, wenn die objektiven ökonomischen Voraussetzungen gegeben seien. „Eine angemessene politische Initiative ist immer notwendig, um den ökonomischen Impuls aus der Fessel der traditionellen Politik zu befreien.“(33Nach Gramsci muß die Auffassung, daß für jede Veränderung des Überbaus eine unmittelbare Erklärung in der Basis zu finden sei, als „primitiver Infanti­lismus“ bekämpft werden.“ — Willi Jaspers [1979], bei TREND neu veröffentlicht

[2]“Nach der materialistischen Auffassung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte: die Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens. Diese ist aber selbst wieder doppelter Art. Einerseits die Erzeugung von Lebensmitteln, von Gegenständen der Nahrung, |28| Kleidung, Wohnung und den dazu erforderlichen Werkzeugen; andrerseits die Erzeugung von Menschen selbst, die Fortpflanzung der Gattung.” — Friedrich Engels

die zweiteilung von „privat“ und „öffentlichkeit“ kann auf diese ökonomische zweiteilung zurückgeführt werden, allerdings kommt beim begriff „öffentlichkeit“ noch die politische sphäre mit dazu (einschl. medien = ideologische staatsapparate). DGS hat mich darauf hingewiesen, dass diese trenneung von „privat“ und „öffentlich“ niemals in dieser strenge existiert hat. Frauen waren immer in beiden sphären vertreten, aber eben meist in untergeordneter stellung. Trotzdem denke ich, dass der privat/öffentlich-dualismus stark mit dem geschlechterdualismus konnotiert ist. Vergl: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2000/07/20/ist-das-patriarchat-sexistische-geschlechterverhaeltnis-wirklich-entlang-des-gegensatzes-von-privat-und-oeffentlich-strukturiert/

[2a] „die unterdrückung von frauen bestand schon lange
vor dem aufkommen der kapitalistischen produktionsweise:
es handelt sich um ein herrschaftverhältnis, das auf
vielfältiger weise mit dem kapitalismus verwoben ist.
die ausbeutung der lohnarbeit basiert auch auf der
unbezahlten reproduktionsarbeit im haushalt, die nach
wie vor mehrheitlich von frauen erledigt wird. das patriarchat
ist funktional mit dem klassenverhältnis verstrickt und
durchzieht neben der ökonomischen ebene sämtliche
gesellschaftliche sphären. —Perspektive Kommunismus

[3] im bereich der care-ökonomie sieht es anders aus. Dort hätten die beschäftigten potentiell machthebel in der hand. Allerdings, wer setzt schon gerne patienten und pflegebedürftige alte leute als „druckmittel“ ein?

[4] das problem mystischer erkenntnisformen soll hier mal aussen vor gelassen werden.
Vergleich zur bedeutung der theorie: „Eine Erkenntnis ist immer diskursiv; das Objekt einer Erkenntnis kann dagegen außerdiskursiv sein, aber es kann durchaus ebenfalls diskursiv sein. Wichtig für eine materialistische Position in der Philosophie ist nur, anzuerkennen, daß auch ein diskursives Erkenntnisobjekt (ein Roman; eine politische Ideologie, die Philosophiegeschichte, ein Gesetz etc.) seiner Erkenntnis vorausgeht – und diese Erkenntnis erfolgt niemals spontan; sie ist niemals evident, sondern immer begründet. „der Umweg über die Theorie [zwingt …] den wissenschaftlichen Geist zu einer Kritik der Wahrnehmung“.
„Der Materialismus ist also weder ein physischer Substantialismus noch ein Empirismus.“
http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/StieningVogl_gekrzt.pdf

[5] „Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das ,Kapital’ den landläufigen Jargon einzuführen, in welchem deutsche Ökonomen sich auszudrücken pflegen, jenes Kauderwelsch, worin z.B. derjenige, der sich für bare Zahlung von andern ihre Arbeit geben läßt, der Arbeitgeber heißt, und Arbeitnehmer derjenige, dessen Arbeit ihm für Lohn abgenommen wird.“ — Friedrich Engels, Vorwort zur dritten Auflage des „Kapital“

 

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9 Kommentare zu “@TREND-Vortrag: Geschlecht und Klasse

  1. hallo U,

    ja, die gibt es. allerdings weiss ich nicht, ob die für die öffentlichkeit bestimmt sind und ob die veröffentlicht werden sollen.
    vlt stellst du mal eine diesbezügliche anfrage an TREND/infopartisan:
    [news@infopartisan.net]

  2. mal als denkanstoss für eine „feministische ökonomiekritik“. (das ganze scheint mir aber beiweiten noch nicht ausgereift zu sein):

    „Wenn hier die klassische Frage nach dem Verhältnis der Geschlechtsidentitäten und der Einteilung der ökonomisch geprägten gesellschaftlichen Sphären gestellt wird, lässt sich konstatieren: Insgesamt ist der Neoliberalismus durch ein Verschwimmen der im Fordismus scharf gezogenen Grenze zwischen Produktions- und Reproduktionssphäre gekennzeichnet. Die unmittelbare Zuweisung des Männlichen an die Produktion und des Weiblichen an die Reproduktion passt nicht mehr an allen Stellen. Die Diversivität der verschiedensten Ökonomien wird zwar von Gibson-Graham bewusst nicht unter das Raster Produktion und Reproduktion gestellt – die Binarität wollen sie ja gerade auflösen. Aber dabei bleibt die Hausarbeit eine der Stellen, wo sich eine Destabilisierung des kapitalozentrischen Diskurses manifestieren könne.[13] Die Trennung von Produktions- und Reproduktionsarbeit wird zwar verwischt, wenn andere Ökonomieformen in den Vordergrund geholt werden, aber nicht aufgelöst. Die immanente Veränderung wird ausgeblendet und stattdessen durch die diskursive Dezentrierung eine Aufwertung versucht. Die Stelle, an der sich klassische Analysen des Verhältnisses von Kapitalismus und Geschlechtsidentität treffen, bleibt dabei bei Gibson-Graham, obschon durch die Hintertür, auch die Stelle, an der das empirische Verhältnis Eingang in die Analyse erhält. Aber die Trennung der Sphären, die sie vorschlagen, ist wenig sinnvoll, da sie damit die Sicht auf Veränderungen, die es in den vergeschlechtlichten Zuweisungen von Arbeitsgebieten gibt, verstellen. Ihre Analyse korrespondiert zwar mit der Veränderung der ökonomischen Gegebenheiten, aber sie machen dies nicht explizit: Die Aufweichung der Sphären im Neoliberalismus gehört zur hegemonialen kapitalistischen Produktionsweise. Und auch wenn die unmittelbaren Zuordnungen nicht mehr funktionieren, so benötigt die kapitalistische Produktionsweise dennoch reproduktive Bereiche, die verstärkt ausgelagert werden können und tendenziell häufiger von Menschen mit Migrationshintergrund ausgeführt werden. Die Transformationen halten durch neue Offenheiten auch neue Zwänge der Selbstverwertung bereit.“

    http://phase-zwei.org/hefte/artikel/vergeschlechtlichung-des-kapitalismus-75/

  3. „Die Anzahl alleinerziehender Haushalte ist weiterhin steigend. Wie der Süddeutschen Zeitung vom 28.8.2015 zu entnehmen ist, ist dieser Elternteil zu 90 % eine Mutter, was einer Zahl von ungefähr 1,44 Mio. Frauen entspricht. Bezeichnenderweise ist alleinerziehend zu sein in Deutschland das größte Armutsrisiko. Zumindest ökonomisch gesehen hilft eine gesellschaftliche Akzeptanz dieses Status den betroffenen Frauen herzlich wenig. Auch Patchwork-Familien ändern an dieser Tatsache oft nichts, da diese zu einem nicht geringen Prozentsatz aus alleinerziehenden Frauen mit neuen Partnern bestehen, die jedoch in einer völlig anderen Verantwortlichkeit stehen. Und oftmals übernimmt die Frau die Reproduktionsarbeit für den neuen Partner und dessen Kinder gleich mit. Auch das Elterngeld nehmen aufgrund des normalerweise deutlich höheren Einkommens der Männer weitaus mehr Frauen in Anspruch als Männer. Lediglich 7 % der Männer beantragen es für den gesamten Zeitraum.9 Nach wie vor führt das hohe Engagement von Frauen bei der Fürsorge und Pflege von Kindern und alten Menschen häufig dazu, dass sie Teilzeitjobs machen. So besteht die finanzielle Abhängigkeit vom männlichen Erwerbseinkommen bzw. von ergänzenden Sozialleistungen weiterhin – ganz abgesehen von den lächerlich geringen Rentenansprüchen dieser Frauen, die ihre Armut auch im Alter fortschreiben.
    Wie das Wirtschaftliche und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung feststellt, ist seit 2007 die Zahl der erwerbstätigen Frauen, die zusätzlich ALG II beziehen müssen, verglichen mit dem der Männer deutlicher gestiegen. Fast jede dritte Frau bezog 2012 ergänzend ALG II, da ihr geringer Lohn nicht ausreichte. 2007 war es nur jede fünfte.10 Aufgrund der immensen ökonomischen Ungleichheit ist es nicht verwunderlich, dass immer noch meistens die Männer die Rolle des Familienernährers innehaben. Wir sollten also die Wandlungsfähigkeit der bürgerlichen Gesellschaftsordnung nicht überschätzen. Auch hinsichtlich der Segregation des Arbeitsmarktes erweisen sich die klassischen Geschlechterrollen und damit korrespondierende klassisch männliche und klassisch weibliche Berufe als außerordentlich resistent. So wird nach wie vor in diversen Publikationen die Hartnäckigkeit traditioneller Rollenvorstellungen bei der Berufsauswahl bemängelt.“

    quelle: http://www.kosmoprolet.org/mitten-im-spuelbecken-kapitalismus-und-zweigeschlechtlichkeit

    „Wir halten dennoch einige von Scholz‘ Ausführungen zum Thema Sphärentrennung für nützlich, weil sie einer lediglich progressiven Entwicklung im Geschlechterverhältnis widersprechen: „In agrarischen Gesellschaften, selbst wenn sie patriarchal sind, ist die Trennung von privater und öffentlicher Sphäre noch gar nicht oder erst in geringem Maße ausgebildet; insofern hat die Frau noch relativ große Einflussmöglichkeiten, solange die formaljuristische, öffentlich-männliche Sphäre sich nicht verselbständigt und zur dominierenden aufgeschwungen hat, und daher informelle Strategien eher greifen können: ‚Frauen haben unter den Bedingungen bäuerlicher Familienwirtschaft mehr Macht und Einfluß, als die öffentliche Zurschaustellung männlicher Dominanz und Herrschaft erwarten ließe … Weibliche Macht in agrarischen Zusammenhängen beruht … auf Produktion und direkter Kontrolle lebendiger Ressourcen sowie auf einer indirekten Steuerung sozial relevanter Entscheidungen.‘ (Heintz/Honegger 1981, S. 15 […]) Stark vereinfacht könnte also gesagt werden: Sphärentrennung und Patriarchat verhalten sich reziprok zueinander. Je geringer die öffentliche Sphäre entwickelt ist, desto diffuser und weniger eindeutig ist das Patriarchat gesamtgesellschaftlich ausgeprägt. Und umgekehrt: je mehr das Wertverhältnis entwickelt ist, je deutlicher Privatheit und Öffentlichkeit geschieden sind, desto eindeutiger ist die patriarchale Struktur. Dabei entsteht jedoch die Möglichkeit einer widersprüchlichen Entwicklung, je nachdem, ob von der Gesamtgesellschaft oder nur von der öffentlich-rechtlichen Sphäre für sich genommen gesprochen wird: während das wertförmige Patriarchat sich durch die Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit erst voll ausbildet, und die früheren informellen Einflußmöglichkeiten der Frau sich verringern, kann sich gleichzeitig die Stellung der Frau innerhalb der öffentlichen Sphäre (bzw. überhaupt ihr Zugang zu dieser Sphäre) durchaus partiell verbessern.“ Roswitha Scholz, Der Wert ist der Mann, 1992.

    — ebenda, FN 4

  4. „Tatsächlich schließt die biologische Bipolarität der Geschlechter aber keine dazwischen liegenden aus, sondern besagt, dass es eine Polarisierung zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht zum Zweck der Fortpflanzung der Gattung geben muss. Es gilt also nicht diese Polarisierung zu leugnen, sondern aufzuzeigen, wodurch die Diskriminierung aller anderen entsteht. Diese liegt aber nicht in der Biologie der sexuellen Vermehrung und der dazu erforderlichen beiden Geschlechter begründet, die fortschrittliche Menschen deshalb auch gar nicht zu leugnen gezwungen sind, sondern in der Art und Weise der gesellschaftlichen Verhältnisse, die die Menschen eingehen. Folglich können diese auch andere Verhältnisse gestalten, die jegliche Unterdrückung des Menschen durch den Menschen aufheben (Kommunismus).“

    http://arbeitermacht.de/ni/ni207fr/queerfeminismus.htm

  5. „Dalla Costas Pauschalvorwurf, „die Linke“ sei „männerdominiert“, ist besonders für revolutionäre Frauen beleidigend, denn er geht davon aus, dass Männer automatisch jede Organisation dominieren, dass Frauen, egal welches Bewusstsein sie erlangen, nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sprechen. Dieser Vorwurf ist auch für männliche Revolutionäre beleidigend, denn er geht davon aus, dass sie unfähig sind, eine chauvinistische Weltsicht zu überwinden und einen gemeinsamen Kampf mit den Frauen zu führen. Es läuft alles wieder auf das neulinke Diktum hinaus: „Nur die Unterdrückten können ihre eigene Unterdrückung wirklich verstehen.““
    http://spartacist.org/deutsch/spk/216/frauen.html

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