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Filmbesprechung: The Hateful Eight

hateful-eight

ich muss gestehen, als ich ‚the hateful eight‘ mir ansah, hatte ich die ganze zeit ein deja-vu empfinden; der film erinnert so stark an ‚Django unchained‘, dass man ihn quasi als fortsetzung betrachten kann. allerdings gibt es gewichtige unterschiede: während Django zumindest noch eine komplexe hintergrundgeschichte zu bieten hat, reduziert sich the hateful auf die entwicklungsgeschichte — die allerdings langsam zelebriert wird — einer reinen gewaltorgie. und in dieser explosion von gewalt (das wort explosion darf man ruhig wörtlich nehmen!) gibt es auch kein wirkliches „gut“ oder „böse“, sondern irgendwie ist jeder protagonist ein fiesling und widerling.

die hauptrolle hat ohne zweifel Major Warren inne (grossartig gespielt von Samuel L. Jackson). ein schwarzer nordstaaten-offizier, der sein geld als kopfgeldjäger verdient. in dem film wird auch durchaus der versuch gemacht, das verhalten von Warren im zusammenhang mit rassistischen verhältnissen zu beleuchten. trotzdem kann man ihn keiner phase des films als sympathieträger betrachten. die heftigste szene in dem zusammenhang ist, wie Warren einen Mexikaner überführt, nicht der stellvertreter der schwarzen ladenbesitzerin Minnie zu sein, da Minnie ein schild in ihrem Laden zu hängen hatte: Hunde und Mexikaner verboten! das schild wurde entfernt, da Hunde irgendwann dann erlaubt wurden…

eine geschichte für sich ist das verhältnis (verhältnis ist nicht wirklich das passende wort!) von John Ruth (gespielt von Kurt Russel) und Daisy Domergue (gespielt von Jennifer Jason Leigh). John Ruth ist ebenfalls ein kopfgeldjäger und Daisy seine gefangene. Sie ist wohl Mitglied einer verbrecherbande und ihr droht der Galgen, wenn John Ruth sie dem Henker überstellt. sowohl John als auch Warren behandeln sie wirklich wie den letzten dreck (einschliesslich massiver körperlicher gewalt), aber nie bekommt man das gefühl, dass Daisy darauf „damenhaft“ reagiert. sie scheint sich den rauhen (männlichen) umgangsformen, die auch durch gewalt geprägt sind, angepasst zu haben. dadurch scheinen auch die normalen hemmmechanismen ausser kraft gesetzt zu sein.

zu guter — oder schlechter — letzt wird diese geschichte keiner überleben. dass ausgerechnet in der schlusssequenz Warren eine „Allianz“ mit einem südstaatenrebellen eingeht (was sachlich sogar gerechtfertigt ist), zeigt, dass es nicht um moralische über- oder unterlegenheit geht, sondern dass es nur ein krieg ‚jeder gegen jeden ist‘ und ‚der mensch ist dem anderen menschen ein Wolf‘. selbst der bezug auf die „gesetzestreue“ (die letzte dünne schranke der zivilisation vor der barbarei, wenn auch meist in der [reaktionären] form von „law and order“) verwandelt sich zum schluss in reine „lynchjustiz“.

bis in den tod verharren die gedanken in der notwendigkeit, gewalt mit gewalt zu vergelten — für das wort und die idee der „gnade“ scheint es keinen freien gedankenraum zu geben.

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