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Trump: die Persiflage auf die Farce?

nero

von Marx gibt es den berühmten spruch:

„Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.“

da stellt sich doch sofort die frage: aber was ist dann Trump? da man aber ein vakuum nicht aufblasen kann, ist da jeder definitionsversuch verschwendete liebesmüh‘; irgendwas zwischen neuem Cäsarismus und nationalistischem anarcho-kapitalismus wird es schon sein. viel interessanter ist hingegen die frage nach der politischen einordnung des phänomems Trump. und diese frage ist schon komplexer, da unterschiedliche interessenkonstellationen (insbesondere geostrategische) diese frage zu verzerren suchen (ohne deswegen eine verschwörungstheorie bemühen zu müssen. es handelt sich dabei schlicht um opportunistische [kurzsichtige ] vertetung von [vermeintlichen] eigeninteressen].

man muss daher unterscheiden zwischen regressiver und „progressiver“ kritik an Trump. die „liberalen“ und „demokraten“ stehen kuturell für einen gewissen „pluralismus“ ein; während die ökonomische verteilung immer elitärer wird. der Trumpismus ist nun der versuch, die Massen-stimmung gegen das „elitäre“ zu wenden, indem man den sündenbock im „pluralismus“ sucht. er ist also kulturell reaktionär und gleichzeitig demagogisch „antielitär“. die REALE Macht der Eliten bleibt aber freilich unangetastet.

„Die Trump-Wahl ist keine explizit soziale Revolte, sondern sie ist organisch verquickt mit einem politisch-kulturellen Zitat der White Supremacy als Gegenposition zum Obamismus der Eliten. Diese proklamierten die Emanzipation der Unterdrückten, um gleichzeitig die Macht der Oligarchie noch weiter zu verfestigen. Anders gesagt: Der weiße Mittelstand greift in seinem sozialen Abstieg nun selbst zum Heroin (zuvor eine weitgehend schwarze Sucht-Flucht) und spuckt dabei auf die soziokulturellen Minderheiten. Je mehr sie auf deren Status herabgedrückt werden, desto mehr wollen sie sich von ihnen absetzen. Geht die soziale Überlegenheit verloren, wollen sie sich zumindest die vermeintliche kulturelle Überlegenheit sichern. Dieser weiße Mittelstand will zurück zur Welt der 1950 und 1960er, aber die Eliten spielen da nicht mit. Damals war die Wirtschafts- und Sozialpolitik keynesianisch (vulgo links), die Kultur weiß, reaktionär und konservativ (vulgo rechts). Heute ist es umgekehrt. Die Elitenkultur gebärdet sich linksliberal, während die soziale Verteilung ultraelitär ist – so wie im sozialdarwinistischen 19. Jahrhundert.“ (Trump-Wahl: Eliten erschüttert)

der protektionismus mag zwar kurzfristig eine gewisse entlastung bringen (ob davon dann auch „unten“ was von ankommt steht auf einem anderen blatt). langfristig kann sich eine weltmacht wie die USA aber keinen protektionismus leisten, wenn sie eine „weltmacht“ bleiben will. [laut Huffington Post lässt auch Trumps Unternehmen in China produzieren] die enttäuschung der „populistischen bewegung“, auf die sich Trump offensichtlich stützen will (wenn man nach der antrittsrede geht) ist sicher vorprogrammiert. obwohl ich eigentlich kein freund historischer analogien bin, liess ich mich auf facebook zu folgendem kommentar hinreissen (hier leicht überarbeitet):

„so schrecklich, wie es klingt, aber Trumpismus ist eine form des Bonapartismus (also mit unterstützung der „Massen“) an der Macht wie wir es schon mal ähnlich 33 erlebt haben. nur diesmal geht es nicht gegen die juden, sondern gegen die moslems und chinesen.“

dass es sich nicht um faschismus handelt, liegt nur daran, dass Trump die oppositionellen Massenorganisationen (noch) nicht zerschlagen muss.

welche bizarren formen die verwechslung von regressiver und „progressiver“ kritik (in analogie zur prä/trans-verwechslung) an Trump annehmen kann zeigt ein kommentar im Cicero:

„Trump – immerhin Jahrgang 1946 und damit Vertreter der APO-Generation – könnte somit den Traum aller 68er wahr machen und eine politische Kulturrevolution auslösen, die die alten Eliten vor sich hertreibt und Institutionen infrage stellt.
Das erklärt im Übrigen auch die Wut, die dem neuen Präsidenten gerade aus dem Lager der linksliberalen Erben der 68er entgegenschlägt: Trump ist es gelungen, die elitäre Anti-Establishment-Rhetorik der Salonlinken ins Volkstümliche zu wenden und auf die Straße zu holen. Nun bringt er sie ins Weiße Haus. Damit macht man sich in den einschlägigen Kreisen der Popstars, Hollywoodgrößen und Intellektuellen natürlich keine Freunde.“

ach, so ist das! man muss also dafür sorgen, dass das übel noch grösser wird, damit am ende „fortschritt“ bei herauskommt. vlt sollten alle „linken“ das mal überdenken und sofort die „einheitsfront“ mit der AfD anstreben, damit endlich die „kulturrevolution“ stattfindet, die die „linken“ ja (auch) wollen. das gabs übrigens historisch schon mal. die KPD vor 33 sagte (grosskotzig): „Nach Hitler, wir!“ – und hatten hinterher im KZ zeit darüber nachzudenken, ob diese akzelerationstheorie wohl ‚richtig‘ war.

den vogel bei diesem geistigen abfall hat meines erachtens RT-deutsch abgeschossen. sie haben es doch glattweg fertiggebracht, einen artikel (ein interview) mit der überschrift zu versehen:

„Alle gegen Trump“- Naive Linke und Trotzkisten demonstrieren für die Interessen der NATO

also, mal ehrlich, ich finde dafür hätten sie doch den Pulitzer-Preis verdient 😉 !

um es kurz zu machen: in dem interview wird die ansicht vertreten, dass Trump sich nicht in die nachfolge des kriegskurses seiner vorgänger (der unbestritten ist) stellen und dadurch eine „entspannung“ eintreten könnte.

„Denn die letzten Präsidenten haben im Grunde genommen die gleiche Politik verfolgt: George Bush sen. (Republikaner), Bill Clinton (Demokrat), George W. Bush (Republikaner), Barack Obama (Demokrat).
Unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit standen sie alle für den so genannten Neoliberalismus mit „Freihandel“ und freiem Kapitalverkehr sowie dessen notfalls militärischer Durchsetzung. Ungehorsame Regierungen wurden weggeputscht oder weggebombt. Unter dem Mantel „humanitärer“ Interventionen wurde die völkerrechtswidrige Politik des „Regime Changes“ zu einem Hauptinstrument der internationalen Politik.
Zumindest seinen Ankündigungen zufolge will sich Trump von dieser Linie verabschieden: „Wir werden aufhören, zu versuchen, Regierungen zu stürzen“. Die Politik des „Interventionismus und des Chaos“ werde zu einem Ende kommen.“

darauf hat Christine Buchholz meines erachtens eine richtige antwort gegeben:

„Diese Woche gab es viel Wirbel, weil Trump Nato als „obsolet“ bezeichnete. Liebe Leute, lassen wir uns nicht täuschen. Trump geht es einzig darum, dass andere Staaten ihrerseits mehr Geld in die Nato hineinpumpen. Als wenn die Rüstungsausgaben nicht schon hoch genug wären! Die große Koalition hat für 2017 jetzt schon den historisch größten Militärhaushalt der Nachkriegsgeschichte beschlossen!
Im Übrigen werden sich mit Trump die internationalen Spannungen verschärfen. Noch nicht einmal im Amt, hat er als erstes China gedroht. Trump[s] so genannter Verteidigungsminister hat sich damit gebrüstet, es würde höllischen Spaß machen, Afghanen [zu] erschießen. Wer insgeheim hofft, dass es mit solchen Leuten international Entspannung geben kann, der irrt sich gewaltig.“ [https://www.facebook.com/buchholz.christine/posts/871518049657410?hc_location=ufi]

man wird abwarten müssen, was sein konkretes regierungshandeln (was ja durch rahmenbedingungen begrenzt wird) aussehen wird. sobald aber Trump keine „erfolge“ mehr aufweisen kann (und das wird sicher geschehen), stimme ich der einschätzung von Georg Seeßlen zu:

„Jemand wie Donald Trump ist zugleich das Produkt der Pop-Kultur und ihr erbitterter Feind; wie alle Rechtspopulisten fängt er zu allererst den Streit mit der liberalen Presse und dann mit dem Rest der nicht gefügigen Pop-Kultur an. Denn so wenig ihm die rationale und moralische Kritik gefährlich werden kann, so sehr muss er „Stimmungswandel“ in der Pop-Kultur fürchten. Man könnte ihn absetzen, wie man eine Fernsehserie absetzt, wenn sie beginnt, an Zuspruch zu verlieren.“

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5 Kommentare zu “Trump: die Persiflage auf die Farce?

  1. im übrigen ist diese „akzelerationstheorie“ nichts weiter als eine variante der sattsam bekannten „verelendungstheorie“, die nun wirklich als empirisch widerlegt gelten kann.

  2. Guy Debord hat bereits 1967 die philosophischen grundlagen des Trumpismus vorhergesehen:

    „Nicht das philosophische Nachdenken über ein „gutes Leben“ der Menschen hat für Debord zum Spektakel geführt, sondern das Spektakel scheint andersherum spezielle Arten von Denken, Ideologien auszudrücken, denen sich die menschlichen Belange dann unterzuordnen haben: Es verwirklicht nicht die Philosophie, es philosophiert die Wirklichkeit.
    Seine Funktion besteht für Debord darin, „in der Kultur die Geschichte vergessen zu machen“. Die Idee, es gebe neben technischem Fortschritt auch gesellschaftlichen Fortschritt, scheint im Spektakel der Vergangenheit anzugehören. Das Spektakel nach Debord stellt aber keine einheitliche oder bewusste Verschwörung dar und verfolgt auch keine langzeitige Strategie außer seiner eigenen Erhaltung. Die einzige nihilistische Gesetzmäßigkeit des Spektakels ist eine Tautologie: Was erscheint, ist gut, was gut ist, erscheint.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gesellschaft_des_Spektakels

  3. zur antrittsrede heisst es in einem SPIEGEL-kommentar:

    „Denn lässt man seine Drohgebärden mal beiseite, so wird klar, dass er selbst es eigentlich ist, der vom Rest der Welt etwas will: mehr Geld für Verteidigung, neue Regeln für den Handel, neue Allianzen und Partnerschaften, Veränderungen beim Klimavertrag und dem iranischen Atomabkommen. Ganz alleine wird auch er – der große Zen-Meister – Schwierigkeiten haben, auf diesen Feldern Erfolge zu erzielen. Wer fordert, muss ein Angebot vorlegen.“ http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-der-us-praesident-stellt-europa-eine-falle-kommentar-a-1131052.html

    tja, das nennt man „internationale vernetzung“ – daran kann auch ein Trump nichts ändern 😉

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