Uncategorized

Das syrische Labyrinth

ich muss es offen gestehen, ich habe von den politischen vorgängen in Syrien nicht den blassesten schimmer. lange zeit habe ich mich auch geweigert, überhaupt artikel zu diesem thema zur kenntnis zu nehmen. aber der giftgasangriff und der us-angriff auf einen syrischen flughafen zwingen natürlich zu einer stellungnahme. ich werde mich nur auf die aspekte beschränken, die ich mit einigermassen guten gewissen als „gesicherte erkenntnisse“ bezeichnen kann.

(1) eine „lösung“ (wenn man überhaupt davon sprechen kann) kann es für Syrien (und überhaupt den ganzen nahen und mittleren osten) nur dann geben, wenn die Einflussnahme „von aussen“ beendet wird. alle ausländischen truppen raus aus Syrien! von daher muss es die aufgabe der linken (vor allem in den imperialistischen metropolen) sein, den „hauptfeind im eigenen land“ so massiv wie möglich in frage zu stellen.

(2) ohne frage ist Assad ein verbrecher vorm herrn. aber auch für dieses problem ist in erster linie die „syrische gesellschaft“ (soweit man in Syrien überhaupt noch davon sprechen kann) selbst zuständig. eine „befreiung“ von oben oder aussen ist immer ein zweischneidiges schwert.

(3) der krieg in Syrien stellt eine verkettung von faktoren auf unterschiedlicher ebenen dar. auf der „religiösen“ ebene ist er ein Machtkampf zwischen den verschiedenen strömungen der islamischen staaten um einfluss. Assad, der den Alawiten angehört, die eine schiitische minderheit in Syrien darstellen, wird vom ebenfalls schiitischen Iran unterstützt, der in Syrien handfeste Interessen verfolgt. während das sunnitische Saudi-Arabien auf der seite der „opposition“ ist, die ebenfalls in der mehrheit sunnitisch ist.

(4) auf der geostrategischen ebene ist Syrien ein stellvertreterkrieg der „grossmächte“. dabei geht es sicher nicht nur um erdöl und bodenschätze, sondern auch um die direkte (militärische) kontrolle dieser unruhigen region der welt; wozu auch regime change gehört.

(5) der IS, der ein produkt der imperialistischen interventionen im nahen und mittleren osten ist, ist gleichzeitig ein hervorragender vorwand, dort zu intervenieren und präsenz zu zeigen. gleichzeitig kann durch den terror die aufrüstung im inneren gerechtfertigt werden. es ist daher nicht davon auszugehen, dass die grossmächte wirklich ein interesse daran haben, den IS auszuschalten.

(6) die flüchtlingswelle, die durch den krieg in Syrien ausgelöst wurde, hat zu einer rechtsverschiebung der europäischen und us-amerikanischen politik geführt; dies muss man sicherlich als stabilisierung der kapitalistischen herrschaft interpretieren; auf der andere seite könnte aber auch eine höhere anfälligkeit für ideologische und politische krisen damit einhergehen.

(7) ob dieser gordische knoten von innen der syrischen gesellschaft zerschlagen werden kann, ist tatsächlich fraglich. aber militärische interventionen eines imperialismus mit „humanitärer“ maske (und das bei Trump [sic!]) ist auf keinen fall das „kleinere übel“.+) zumindest DAS sollte man als „linken konsens“ voraussetzten

(8) eine „linke parteinahme“ (einschliesslich auch nur „militärischer“ [im gegensatz zu politischer] unterstützung) in diesem syrischen albtraum scheint mir ausgeschlossen zu sein (ausnahmen wären situationen konkreter selbstverteidigung ziviler personen, gruppen oder gemeinden). hier kann es nur absoluten defaitismus auf allen seiten geben. ansonsten gefällt mir als pazifist, der ich wesensmässig bin, was einst A. Holberg zum krieg in Afghanistan geschrieben hat:

„Die Geschichte aller modernen Kriege zeigt nämlich unzweifelhaft, dass ungeachtet allen Kriegsrechts die generelle Einschätzung des Krieges durch Buenaventura Durruti, jenen berühmten Führer der anarchistischen Brigade im spanischen Bürgerkrieg, die einzig realistische ist. Er sagte: “Der Krieg ist eine Sauerei. Er zerstört nicht nur Häuser, sondern auch die höchsten Prinzipien”.

—————-

+) es kann in konkreten situationen anders sein, z. B. als die us-luftwaffe angriffe gegen den IS flog, als dieser Kobane angriff. aber natürlich muss klar, dass dies nur ein sehr zeitweiliges und bedingtes „bündnis“ (quasi wie der strick den gehängten unterstützt 😉 ) sein kann.

benutzte Quellen:

blätte für deutsche und internationale Politik

WSWS

Klasse gegen Klasse

Video Quarks & Co: Warum Syrien stirbt [https://www.facebook.com/QuarksundCo/videos/10158284395955564/?hc_location=ufi]

 

Advertisements

3 Kommentare zu “Das syrische Labyrinth

  1. „In Syrien besteht kein Grund, den Überfall der USA zu begrüßen. Die FührerInnen der syrischen Opposition wären bestenfalls leichtgläubig, würden sie die Luftschläge befürworten. Einige von ihnen dürften allerdings kaum mehr als verzweifelte US-Marionetten sein. Ein stärkeres „Engagement“ der USA würde der syrischen Bevölkerung nicht helfen, und erst recht nicht den demokratischen Kräften und der kurdischen nationalen Minderheit. Dies würde stattdessen Syrien in Zukunft nur noch stärker den Kämpfen zwischen den imperialistischen und reaktionären, regionalen Mächten ausliefern. Schlimmstenfalls könnte sich der Stellvertreterkrieg sogar in einen weltumspannenden Zusammenstoß zwischen Großmächten ausweiten.
    Deshalb müssen RevolutionärInnen die Luftangriffe verurteilen, genauso wie sie alle Rufe nach imperialistischer Intervention verurteilen müssen, ob sie „einseitig“ oder über die UNO erfolgen. RevolutionärInnen müssen vielmehr den sofortigen Abzug aller imperialistischen Truppen und Regionalmächte aus dem Land und der ganzen Region fordern, d. h. weder Verbände der USA, Russlands, Westeuropas, des Irans, der Golfstaaten noch die der Türkei oder ihrer StellvertreterInnen dürfen dort bleiben.“

    http://www.arbeitermacht.de/infomail/938/trump.htm

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s